Test Silence: Märchenhafte Rätselwelt

von Daniel Kirschey (23. November 2016)

Ein "Point and Click"-Adventure ohne Inventar ... und das funktioniert? Erstaunlicherweise ja. Silence schafft es, die Wurzeln des Genres mit modernen Aspekten zu vereinen.

Dann leckt Renie an dem merkwürdigen Pilz. Bunte Farben ziehen über den Bildschirm, die Kamera zoomt heraus und hinein. Ein kleines Mädchen hat ihren ersten Drogentrip. Ein weiterer Klick auf den Pilz lässt Renie wieder an ihm lecken. Es folgt in dem jungen Leben der kleinen Renie der zweite Drogenrausch.

Gut, genug des Schabernacks. Doch statt auf eure Klick-Befehle zu hören, beginnt Renie, deren Gesicht in einer riesigen Kapuze steckt, wieder an dem Pilz zu lecken. Ja, mmh ... da ist Renie nun wohl süchtig. Erst als sie ohnmächtig umfällt, geht es weiter. Der kleine Ausflug in das Land der bunten Farben und merkwürdigen Formen hat keine größeren Konsequenzen. Denn, Renie befindet sich in einer Traumwelt namens Silence.

Hier haben Pilze, die einen zum Kichern bringen, wohl ähnlich viele Auswirkungen, wie die Verkleinerungstropfen aus Alice im Wunderland. Die Regeln der Traumwelt unterscheiden sich von den Regeln in der Realität. Das bedeutet nicht, dass es überhaupt keine Konsequenzen gibt. Doch fallen diese, nach den eigenen inneren Gesetzen von Silence aus.

Diese märchenhaften Gesetzmäßigkeiten wirken sich nicht nur auf die Geschichte des Spiels Silence aus, sondern auch auf die Rätsel des Spiels. Es setzt damit die Ansätze des Vorgängers "The Wispered World" fort. Obwohl auch Silence in gewisser Weise ein klassisches "Point and Click"-Adventure ist, verzichtet Entwickler Daedalic auf ein Inventar und andere bekannte Funktionen des Genres. Die Rätsel löst ihr direkt in der Welt mit allem, was ihr in dieser vor Ort findet. Und mithilfe von Spot. Einer kleinen, grünen Raupe.

Märchenwelt

In Silence herrscht Krieg. Kein Krieg mit großen Armeen und riesigen Schlachten – in der stillen Welt kämpfen Rebellen gegen eine böse Königin und ihre Sucher. Sucher, das sind schwarze merkwürdige Kreaturen.

Noah kehrt in die Welt von Silence zurück.Noah kehrt in die Welt von Silence zurück.

Klingt alles passend für eine Geschichte in einem Fantasiereich. Doch stopp! Die Traumwelt Silence sollte doch eigentlich nicht mehr existieren? Der traurige Clown Sadwick erkannte sich am Ende von The Whispered World selbst als einen kranken Jungen wieder, und ... wachte auf. Wodurch die Welt Silence wirklich verstummte.

Inzwischen ist dieser Junge namens Noah 16 Jahre alt und lebt mit seiner kleinen Schwester im Krieg. Also, einem Krieg in der realen Welt. Von Flugzeugen abgeworfene Bombenteppiche zwingen die beiden Geschwister in einen Bunker. Der bietet aber nicht den erwünschten Schutz. Im Nu befinden sich beide in Silence wieder. Doch getrennt.

Noah muss nun nicht nur seine Schwester wiederfinden, sondern auch einen Weg, wie sie beide die Welt zwischen Leben und Tod wieder verlassen können. Dabei wird er natürlich in den Krieg hineingezogen. Trotz einiger Klischees, bleibt die Geschichte interessant. Stück für Stück entfaltet sich die Handlung und wer genau aufpasst, erkennt auch die vielen Zwischentöne, die trotz der jungen und kindlichen Hauptfiguren klar an erwachsene Spieler gerichtet sind.

Rätselhaft

Daedalic hat sich bei Silence hinsichtlich der Gestaltung der Rätsel eher an Spielen von Telltale (The Walking Dead - Season 2) und Double Fine (Broken Age) orientiert. Doch obwohl die Geschichte von Silence im Fokus steht, hat Daedalic nicht die Rätsel vergessen.

Noah und Spot haben sich lieb.Noah und Spot haben sich lieb.

Statt wie in Telltale-Spielen auf wenige Interaktionen und viele Entscheidungen zu setzen, bekommt ihr in Silence klassischere Rätsel serviert. Zumindest einigermaßen klassisch. Immer noch benutzt ihr Gegenstände, um Aktionen auszulösen - kombiniert und erwerkelt euch euren Weg durchs Spiel. Mit ein paar Einschränkungen: Das Inventar ist vollkommen rausgefallen. Statt Gegenstand X, den ihr an Ort Y gefunden habt, drei Stunden später mit Gegenstand T zu kombinieren, um Ort Z zu erreichen, beschränkt sich nun die Rätselei auf einen eng umrissenen Abschnitt.

Aktionen und Gegenstände verteilen sich meist über circa drei Bildschrime und werden dort auch benutzt und eingesetzt. Ist das Rätsel gelöst, wandert Noah oder Renie, die ihr beide spielt, in ein neues Gebiet. Diese Lokalität beschränkt zwar die Knobelmöglichkeiten, simuliert aber auf erstaunliche Weise ein "Weiterkommen" in und mit der Welt. Der Spielafluß ist stärker und ihr haltet euch nicht mit pixelgenauen Suchen nach möglichen Gegenständen auf. Die findet ihr schnell, doch die Frage ist: Wie sollen sie eingesetzt werden?

Die Rästel sind dadurch zwar nicht schwierig und Adventure-Profis arbeiten sich flott durch das Spiel, doch meist funktionieren sie gut. Irgendwo auf einem Bildschirm hängen zu bleiben, weil ihr nicht wisst, dass ihr den Schraubenzieher mit dem Kaugummi kombinieren solltet, um die Ratte aus dem Vogelkäfig zu angeln, bleiben euch zum Glück erspart.

Tribut an die Konsolen-Welt

Ein Manko hat das ganze jedoch: Nach knapp fünf Stunden ist das Spiel für die meisten von euch vorbei. Lange spielt ihr Silence nicht. Doch die Geschichte schafft es, aus dem zwar kurzen Abenteuer ein ziemlich intensives zu machen. Das lässt die Kürze verschmerzen.

Eine Besonderheit in Silence ist noch erwähnenswert. Einige von euch kennen wohl noch die kleine grüne Raupe Spot aus dem ersten Teil. Viele Knobeleien benötigen den richtigen und kreativen Einsatz von Spot und seinen Formen. Durch ein paar Klicks ist er platt wie die sprichwörtliche Flunder oder saugt Luft in sich hinein, um wie Kirby zu einem runden Ball anzuschwellen. Außerdem gibt es an Orten immer wieder Möglichkeiten ihn auf ganz spezielle Weise einzusetzen. Nimmt Spot beispielweise die richtige Flüssigkeit zu sich, kann er sogar bösartige Bienenköniginnen besänftigen.

Dass Silence demnächst auch für Konsolen erscheinen soll, sehen PC-Spieler auf Anhieb. Denn alles fühlt sich ein wenig "konsolig" an. Das heißt, dass zum Beispiel auch kleine Geschicklichkeitsminispiele in Silence Einzug gehalten haben. Nervig ist es jedoch, wenn die sich mit der Maus nicht so toll spielen wie mit einem Controller. Schön wäre es, wenn es eine Möglichkeit gäbe, sie zu überspringen.

Präsentation

Beim ersten Anblick von Silence wird klar: Das Spiel ist schön. An der Grafikroutine scheint Daedalic länger gebastelt zu haben.

Die Welt von Silence ist wirklich schön.Die Welt von Silence ist wirklich schön.

Diese Hintergründe! Auf mehreren Ebenen in einer 3D-Umgebungen spannt sich eine bunte und überaus detaillierte Landschaft. Dadurch, dass Silence ein 3D-Spiel ist, erlaubt die Grafikroutine sogar einen veränderten Blickwinkel auf die Szenen.

Die "geflüsterte Welt" ist also nicht mehr statisch. Sie entsteht zwar als 2D-Grafik, doch Daedalic wandelt die einfachen Zeichnungen dann mithifle der Technik "Camera Projection" in ein 3D-Bild um. Das hat mehrere Ebenen und 3D-Objekte.

Das bietet neben der Möglichkeit von Blickwinkeln und dem wunderschönen Detailreichtum einer 2D-Malerei zusätzlich noch den Vorteil, dass die 3D-Modelle der Charaktere nicht wie Fremdkörper in der Szenerie wirken. Das schafft Atmosphäre. Hut ab, Daedalic! So schön, sah schon lange kein Adventure mehr aus. Für den Neupreis von 30 (PC) bis 40 Euro (PS4, Xbox One) geht Silence fast schon als Schnäppchen durch.

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Tags: Fantasy  

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