Test Die Zwerge: Das deutsche Herr der Ringe

von Dennis Michel (28. November 2016)

Was passiert, wenn man den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Roman der vergangen Jahre nimmt, ein strategisches Action-Rollenspiel auf dessen Grundlage entwickelt und das Ganze von seinen Anhängern finanzieren lässt? Die Antwort erfahrt im Test zu "Die Zwerge".

Die Zwerge basiert auf dem ersten Teil der gleichnamigen Bestseller-Reihe von Markus Heitz aus dem Jahr 2003. Wer bereits das Buch gelesen hat, der ist mit der Rahmenhandlung vertraut. Das deutsche Entwicklerstudio King Art Games, unter anderem durch Battle World – Kronos bekannt, hat diese unverändert belassen - was auch gut ist. Für all jene, die bislang noch nicht in Berührung mit dem fantastischen Stoff aus den Büchern gekommen sind, hier ein kurzer Überblick:

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Die Zwerge - Kleine Männer mal nicht in Mittelerde

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Tungdil Bolofar, ein Zwergenschmied, der als Findelkind unter der Obhut des Magiers Lot Ionan aufgewachsen ist. Die Heimat Tungdils ist das Geborgene Land und die Aufgabe der Zwerge seit jeher, seine Grenzen vor den bösen, in das Land eindringenden Mächten zu beschützen. Eines Tages bekommt Tungdil von seinem Ziehvater den Auftrag, einen Botengang für ihn zu erledigen. Der noch recht junge und neugierige Zwerg, der bislang noch nichts von der Welt gesehen hat, nimmt sich diesem an und eine Reise voller Gefahren und Abenteuer beginnt.

Die Geschichte wird düster erzählt, jedoch bei den Dialogen mit reichlich Zwergen-Humor aufgelockert, der euch das ein oder andere Mal zum Schmunzeln bringt.

Entscheide dich!

Schnell wird im Spiel klar, dass die Entwickler einen großen Schwerpunkt auf die Erzählung legen. Wer ein Spiel erwartet, in dem es im Sekundentakt rauf auf das Schlachtfeld geht, um actiongeladene Kämpfe zu bestreiten, der sei gewarnt: Oft lauscht ihr für eine lange Zeit den toll synchronisierten Dialogen der Figuren, oder werdet vom hervorragenden Erzähler über die Geschehnisse der Reise informiert.

Damit ihr stets wachsam bleibt, gilt es Entscheidungen zu treffen. Kommt ihr beispielsweise an einen Ort, an dem eine Gruppe Männer ihr Nachtlager aufgeschlagen hat, so steht es euch frei sich diesen geradewegs zu nähern, euch leise anzuschleichen, oder die Szenerie aus der Ferne zu beobachten. Eure Entscheidung zieht unmittelbare Konsequenzen nach sich und will wohl überlegt sein.

Abseits vereinzelter Zwischensequenzen und den Kämpfen, wird euch die Geschichte größtenteils in Textboxen präsentiert. Das sieht so aus: Ihr bewegt euch auf der Weltkarte Zug um Zug, ähnlich einem Schachspiel, voran und löst gewisse Ereignisse aus. In puncto Präsentation wirkt das nicht sonderlich innovativ und das hätten die Entwickler deutlich liebevoller gestalten können. Hier wird deutlich, dass es sich bei Die Zwerge um ein von Anhängern finanziertes Projekt der Online-Plattform Kickstarter handelt und an gewissen Punkten dem Anschein nach Abstriche in Kauf genommen werden mussten.

Abseits der finanziellen Limitierung bekommt ihr als Spieler unweigerlich das Gefühl, dass das Spiel oft zu viel will und seine vorhandenen Ressourcen falsch verteilt. Ein Beispiel: Ihr könnt die Beziehungen unter euren Figuren verbessern. Der aktuelle Stand ist stets im Charaktermenü einsehbar. Die Werte verändern sich jedoch gefühlt willkürlich und sind nur schwer nachvollziehbar. Auch deren Auswirkung bleibt ein Rätsel.

Was ist da los?

Die Zwerge sind toll animiert, die begehbare Weltkarte wirkt lebendig, lediglich die Grafik im allgemeinen wird euch im Jahr 2016 nicht mehr ins Staunen versetzen. Speziell Objekte, die nah an die Kamera rücken, wirken texturarm. Aus technischer Sicht macht das Spiel eine durchaus passable Figur und läuft auf dem Test-Rechner flüssig.

In den Kämpfen kann es schon mal passieren, dass ihr die Übersicht verliertIn den Kämpfen kann es schon mal passieren, dass ihr die Übersicht verliert

An dieser Stelle ist ein kleiner Einschub bezüglich der getesteten Konsolenfassung angebracht. Im Startbereich der "PlayStation 4"-Version kommt es zu unschönen Rucklern und die Kamera nimmt oftmals die Abkürzung durch Objekte hindurch. Auch beim Anblick der Figuren fallen unschöne Texturfehler auf. Ein weiterer Negativpunkt sind die Ladezeiten.

Nach Rücksprache mit den Entwicklern soll zur Veröffentlichung ein großes Update in Form eines acht Gigabyte großen Patches erscheinen, der diese Punkte aufgreift. Entwarnung kann zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht gegeben werden, wir halten euch aber die Tage über auf dem Laufenden. Die finale Wertung dieses Tests bezieht sicht daher ausschließlich auf die PC-Fassung.

Auf sie mit Gebrüll

Ein weiteres spielerisches Kernelement bilden die strategischen Kämpfe, die in Echtzeit ausgetragen werden und die Geschichte ab und an mit einer Prise Action auflockern. Erleben könnt ihr die Keilereien gegen die finsteren Mächte aus der isometrischen Draufsicht, in die ihr je nach Belieben hineinzoomen könnt.

Auf der Weltkarte bereist ihr das Geborgene LandAuf der Weltkarte bereist ihr das Geborgene Land

Vor jedem Kampf legt ihr fest, womit eure Figuren ausgerüstet sind. So bekommt ein Zwerg einen Stärketrank, während ein anderer einen Gesundheitstrank mit in die Schlacht nehmen darf. Auch Spezialgegenstände, wie beispielsweise Amulette, könnt ihr den Helden zuweisen. Bei Ausrüstungsgegenständen und einem tiefgründigen rollenspieltypischen Charaktersystem besteht allerdings Fehlanzeige. Ihr erhaltet zwar im Anschluss an die Kämpfe Erfahrungspunkte, die euch alle zwei Level vor die Wahl stellen, euch für eine von zwei Fähigkeiten zu entscheiden, mehr Raum zur Gestaltung und Entwicklung der Figuren wird jedoch nicht geboten. Ein weiterer Punkt, an dem ein wenig mehr Tiefe dem Spiel gewiss nicht geschadet hätte.

Im Gefecht stehen euch pro Figur drei Fähigkeiten zur Verfügung, die ihr mit Bedacht einsetzen solltet. Die Kämpfe halten euch nämlich stets auf Trab und sind fordernd. Seid ihr nicht achtsam, oder werdet übermütig, passiert es schnell, dass ein Gruppenmitglied das Zeitliche segnet und ihr den Kampf von vorne beginnen dürft. Oftmals passiert dies sogar so plötzlich, dass ihr kaum nachvollziehen könnt, warum die Lebensleiste einer Figur aufgebraucht ist. Dies kann gelegentlich zu Frustmomenten führen.

Die Zwergen-Brüder Boindil und Boendal trefft ihr recht früh auf eurer ReiseDie Zwergen-Brüder Boindil und Boendal trefft ihr recht früh auf eurer Reise

Um die Übersicht zu bewahren empfiehlt es sich, das Spiel gelegentlich zu pausieren, um euren Recken in Ruhe Befehle zu geben. Apropos die Übersicht bewahren: Dies ist oftmals nicht so leicht. Zwar könnt ihr die einzelnen Helden via Portrait auswählen, oder zwischen ihnen hin und her schalten, doch kann es durchaus dazu kommen, dass das Gewusel auf dem Bildschirm überhand nimmt und ihr panisch auf der Suche nach einem Zwerg in die Horden der Gegner klickt.

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Tags: Fantasy   Kickstarter   Singleplayer  

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