Test 5 x Taktik-Perlen: Shadow Tactics - Blades of the Shogun und seine Echtzeit-Väter

von Dennis Michel (06. Dezember 2016)

Das Münchner Entwicklerstudio Mimimi Productions belebt mit Shadow Tactics ein faszinierendes, nahezu in Vergessenheit geratenes Genre wieder - und das auch noch richtig gut!

Auf diesen Moment haben Anhänger der Echtzeit-Taktik, genauer gesagt Liebhaber von Spielen im Stile eines Commandos lange warten müssen. Wenn ihr euch derzeit in den Regalen der Händler umseht, werdet ihr betrübt feststellen, dass nicht gerade eine Flut hochwertiger Spiele aus hiesigen Gefilden den Markt überschwemmt. Ab und an schafft es jedoch ein Spiel die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So geschieht es auch in diesem Monat mit dem “Echtzeit Taktik“-Spiel Shadow Tactics - Blades of the Shogun. Mimimi Productions, die bereits mit dem farbenfrohen The Last Tinker - City Of Colors auf sich aufmerksam machen konnten, schicken euch in das feudale Japan zu Zeiten der frühen Edo-Ära des 17. Jahrhunderts.

Ein neuer Shogun herrscht über das Land. Doch um den Frieden gegenüber seinen Widersachen zu wahren, bedarf es keiner großen Armee, sondern der Hilfe von fünf Spezialisten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Um die gezielten Missionen auf leisen Sohlen auszuführen, stehen euch abwechselnd ein agiler Ninja, ein offensiver und robuster Samurai, ein Scharfschütze, eine Geisha, die ihre Feinde ablenken kann, sowie ein Straßenkind, das seine Gegner in tödliche Fallen lockt, zur Verfügung. Die Geschichte wird schlicht präsentiert, ist aber keinesfalls langweilig. Lediglich die eine oder andere schön animierte Zwischensequenz hätte nicht geschadet.

Kein Raum für Fehler

Bereits nach wenigen Minuten im Spiel wird eine Sache klar: Shadow Tactics ist kein Spiel für Ungeduldige und steht in puncto Schwierigkeitsgrad auf einer Ebene mit der altehrwürdigen Commandos-Reihe. Kein Fehler wird verziehen, keine noch so kleine Unaufmerksamkeit bleibt ohne Konsequenzen. Wer auf den Schleichmissionen von seinen Feinden entdeckt wird, dem bleibt nur eine Option: Das Drücken von F8, um seinen letzten Spielstand neu zu laden.

Manche Stellen sind gar so knifflig, dass ihr mehr Zeit in den kurzen Ladesequenzen verbringt als im Spiel selbst. Dann kann es vereinzelt zu Frustmomenten kommen, die jedoch aufgrund der motivierenden Spielmechaniken nie oberhand gewinnen. Spieler von Dark Souls kennen dieses treibende Gefühl, es immer und immer wieder zu versuchen. Egal wie oft ihr scheitert, das Glücksgefühl, das aufkommt, wenn eine Strategie letzten Endes zum Erfolg führt, lässt jegliche Qualen erblassen.

Darüber hinaus lässt euch das Spiel in den weitläufigen Missionen stets genug Freiraum, um eure eigenen Taktiken und Wege zu finden. Erweist sich ein Plan als zu knifflig, bieten die Missionen, sowie die euch zur Verfügung stehenden Charaktere, stets genug alternative Möglichkeiten, um der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. So kommt es nicht selten vor, dass ihr euch stolz auf die eigene Schulter klopft, im Glauben einen Weg zum Ziel gefunden zu haben, auf den bestimmt kein Spieler vor euch gekommen ist.

Schuster, bleib bei deinem Leisten

Rein spielerisch erfindet Shadow Tactics das Rad nicht neu, ergänzt das Genre der schleichenden Echtzeit-Taktik jedoch mit kleinen Feinheiten. So könnt ihr die Aktionen eurer Figuren speichern, um diese im Spiel gleichzeitig auszuführen. Dadurch kommt eine weitere taktische Komponente ins Spiel.

Ein verschneites Dorf, das unweigerlich Gefühle an "Commandos - Hinter feindlichen Linien" auslöst.Ein verschneites Dorf, das unweigerlich Gefühle an "Commandos - Hinter feindlichen Linien" auslöst.

Diese wird zudem durch interaktive Objekte verstärkt. Ein Beispiel: Eine Patrouille zieht ihre Bahnen unterhalb eines Felsvorsprungs. Ihr habt nun entweder die Möglichkeit diese aus der Luft mit einem tödlichen Sprung auszuschalten, oder aber ihr rollt den lockeren Felsen auf den ahnungslosen Unglücksraben. Stellen wie diese findet ihr in den Missionen immer wieder.

Ansonsten bleibt Shadow Tactics dem Genre treu. Gegner geben per Lichtkegel ihr Sichtfeld preis. Dieses teilt sich in die gewohnten zwei Zonen auf: Eine, durch die ihr euch im geduckten Zustand unauffällig bewegen könnt und eine, solltet ihr diese betreten, in der die Gegnerhorden über euch hereinbrechen. Jede Mission kommt mit einem Hauptziel daher, wird aber stets durch zu erreichende Unterziele aufgeteilt. Nebenaufträge für die ganz Hartgesottenen unter euch gibt es ebenfalls, sowie Bonusziele, wie beispielsweise das Neutralisieren von drei Gegnern mittels eines interaktiven Objekts.

Optik und Technik überzeugen

Optisch und aus technischer Sicht macht Shadow Tactics eine gute Figur. Der sogenannte "Cel Shading"-Stil, der schwarze Konturen um Objekte zieht, sieht toll aus und die abwechslungsreichen Missionen geizen nicht mit netten Details.

Farbenfroh: Die Präsentation beweist viel Liebe zum Detail.Farbenfroh: Die Präsentation beweist viel Liebe zum Detail.

Die Palette reicht hier von verschneiten Dörfern, hin zu verwinkelten Burganlagen und malerischen Flußabschnitten, um nur einige wenige Beispiele aus den insgesamt 13 Missionen zu nennen. Beobachten könnt ihr das Geschehen aus der isometrischen Draufsicht, aus der ihr stets einen Überblick auf die Geschehnisse habt.

Lediglich bei der Wegfindung der Figuren kommt es manchmal zu Aussetzern. So kann es vorkommen, dass euer Ninja an einem Objekt in der Umgebung hängen bleibt und partout nicht den anvisierten Zielpunkt erreicht. Davon abgesehen lief das Spiel auf unserem Test-Rechner flüssig und ohne Probleme und das sogar vor Veröffentlichung. Ein Umstand, der heutzutage traurigerweiße hervorgehoben werden muss.

Fakten:

Meinung von Dennis Michel

Lange ist es her, dass ich mit einem Spiel im Stil von Commandos so viel Spaß hatte. Das Spielprinzip aus taktischer Voraussicht und dem punktgenauen Einsatz der Charakter-Fähigkeiten macht auch im Jahr 2016 noch Spaß und motiviert ungemein.

Der Schwierigkeitsgrad balanciert zwar das eine oder andere Mal auf der Schwelle zum Frust und lässt euch unzählige Male den Ladebildschirm sehen, belohnt euch auf der anderen Seite aber stets mit Glücksmomenten.

Hervorzuheben ist auch, dass Mimimi Productions nicht einfach nur ein solides Spiel abliefern wollten, sondern genug Liebe fürs Detail in die Geschichte, die Präsentation und die Mission gesteckt haben, um aus der überschaubaren Menge an "Echtzeit-Taktik"-Spielen aus dem Schleich-Genre hervorzustechen.

Wer an einem ruhigen Spielprinzip abseits der omnipräsenten Action gefallen findet und an der fernöstlichen Thematik Freude hat, der bekommt zum Jahresabschluss einen Taktik-Leckerbissen aus Deutschland präsentiert.

Weiter mit: 5 Spieletipps für Echtzeit-Taktik

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Tags: Singleplayer  

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