Gespieltes Mitgefühl

von Matthias Kreienbrink (29. Dezember 2016)

Zum Ende des Jahres überraschte das Entwicklerstudio Naughty Dog die Spielewelt mit zwei Ankündigungen. Zunächst kündigte der Entwickler einen zweiten Teil von The Last of Us an. Protagonistin wird in diesem Spiel eine Frau sein. Danach wurde dann auch noch ein DLC zu Uncharted 4 angekündigt. Mit zwei Frauen als Protagonistinnen. Die Aufregung war groß.

Zunächst ein Einschränkung: Sicherlich ist einem großen Teil von euch egal, ob ein Mann oder eine Frau in eurem Spiel steuerbar ist - ihr wollt einfach nur ein gutes Spiel. Dieser Text muss euch also nicht ansprechen. Doch leider gibt es einen - sehr lauten - Teil der Spielerschaft, die noch immer keine anderen Menschen als ihre eigenen Abbilder in einem Videospiel zulassen wollen. Für diese Menschen ist eine Frau in einem Videospiel "Social Justice Warrior"-Blödsinn. Sie sehen hinter einer steuerbaren Frau mit einem starken Charakter einen Versuch, ihre geliebten Videospiele zu unterwandern, sie von ihnen zu reißen.

Da für diese Menschen, die ihren Unmut gerne in Kommentarspalten und in den Sozialen Medien lautstark kundtun, schon Frauen ein Angriff auf ihr geliebtes Medium sind, ist an weitere Inklusion gar nicht zu denken. Das ist ziemlich verwunderlich. Denn gerade Videospiele bieten doch eigentlich die ideale Möglichkeit für euch, aus eurer eigenen Haut zu schlüpfen. Wieso gibt es diesen Drang dahin, in Videospielen eine Figur zu spielen, die exakt so ist wie ihr - oder eine überhöhte, übermächtige Version von euch selbst? Und wieso gehen so viele Spieler davon aus, dass nur sie selbst - also zumeist weiße Männer, die auf Frauen stehen - in Videospielen repräsentiert werden sollten?

Gerade in Videospielen sollte doch eine Vielfalt an Charakteren, eine Vielfalt an Geschichten und eine Vielfalt an Möglichkeiten gefeiert werden. Die Perspektive von anderen Menschen, das Durchleben von anderen Schicksalen könnten doch die perfekte Möglichkeit sein, eure eigene Empathie auszubilden, euch in Charaktere hineinzufühlen, die nicht wie ihr seid. Diese Angst davor, dass ein vielfältiges Charakter- und Geschichtenangebot dem Medium Videospiel etwas nehmen würde, ist unbegründet. Vielmehr kann genau diese Vielfalt dem Videospiel zu ganz neuen Dimensionen verhelfen. Zu interessanteren Geschichten und komplexeren Charakteren - freuen wir uns darauf.

Wenn Frauen in Videospielen dargestellt werden, dann gerne mit sehr unpraktischen Rüstungen.

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