Nintendo über die Entstehung des Nintendo DS: "Wir dachten es ergäbe keinen Sinn"

von Frank Bartsch (02. Januar 2017)

Der Nintendo DS gehört zu den erfrolgreichen Hardware-Kapiteln von Nintendos Firmengeschichte. Doch noch während der Entstehungsphase war die Skepsis gegenüber dem Gerät mit den zwei Bildschirmen hoch. Der damalige Entwicklungsleiter gibt jetzt einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Nintendo DS.

Satoru Okada, der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung von Nintendo, hat in einem Interview mit dem englischsprachigen Printmagazin Retro Gamer (via Kotaku) nachempfunden, wie umstritten die Entwicklung des Nintendo DS verlaufen ist.

Es war die Zeit als der Game Boy Advance die Konsumenten begeisterte. Die Tüftler dachten bereits an einen Nachfolger und arbeiteten an einem Prototypen namens "IRIS". Zu dieser Zeit verschwendete niemand einen Gedanken an einen zweiten Bildschirm.

"Die Arbeiten schritten gut voran, bis etwas Unerwartetes passierte", erklärt Okada. Dieses "Unerwartete", war Satoru Iwata, der zu dieser Zeit erst seit kurzem das Amt des Firmenchefs von Nintendo inne hatte. Iwata ist 2015 nach einem kurzen aber heftigen Krebsleiden verstorben.

"Herr Iwata kam vorbei, um mich zu sehen", so Okada weiter, "Er war offensichtlich sauer und meinte: 'Ich habe mit Yamauchi-san am Telefon gesprochen und er meinte, eure Konsole bräuchte zwei Bildschirme ... ein bisschen wie die "Game & Watch"-Reihe, verstehst du?' Jeder war natürlich anschließend dabei das wie gewünscht umzusetzen, doch zu dieser Zeit wusste kaum ein Außenstehender, dass wir diese Idee nicht mochten, sogar Iwata nicht."

Hiroshi Yamauchi war der Vorgänger von Satoru Iwata. Daher verfolgten die Mitarbeiter den Wunsch des pensionierten Firmenchefs, auch wenn sich nur wenige dafür begeistern konnten.

"Mit der damaligen Technik konnten wir die Spiele auf einem großen Bildschirm darstellen, wieso sollten wir das also aufteilen? Vor allem, wenn man bedenkt, dass es nicht möglich ist, zwei Bildschirme gleichzeitig im Auge zu behalten. Wir dachten es ergibt keinen Sinn", führt Okada weiter aus.

Der Entwicklungsleiter wollte Satoru Iwata sogar von der Idee mit den zwei Bildschirmen abbringen. Doch der Firmenchef lehnte ab.

"Im Gegensatz zu vielen anderen im Unternehmen hatte ich keine Furcht vor Yamauchi-san. Ich hatte mit ihm schon viel debattiert und sogar manchmal öffentlich gegen seine Meinung protestiert, doch Iwata brachte mich von meinem Vorhaben ab und meinte: 'Nein, wir versuchen es weiter. Schau mal, was du daraus machen kannst.' Es hat uns beide auf dem falschen Bein erwischt, vor allem, weil wir schon viel Arbeit in ein laufendes Projekt gesteckt hatten. Also wirkte ich beruhigend auf mein Team ein und erklärte, dass ich schon Erfahrung mit dem Zusammenspiel von zwei Bildschirmen hätte. Und so begannen wir mit dem neuen Projekt 'Nitro', welches 2004 unter dem Namen Nintendo DS veröffentlicht wurde", so Okada abschließend.

In der Zeit konkurrierte der Nintendo DS mit der PSP. Der zweite Bildschirm und die Steuerung mit dem Touchpen stellten sich als gutes Unterscheidungsmerkmal heraus. Die mobile Konsole verkaufte sich 150 Millionen mal. Die PSP von Sony fand nur halb so viele Käufer.

Okada resümiert, dass es falsch gewesen ist, nicht an die Vision des ehemaligen Firmenchefs zu glauben und freut sich, dass es noch einmal gut gegangen ist und er auf Iwata gehört hatte.

Auch jetzt geht Nintendo mit dem Nintendo NX einen neuen Weg. Nintendo NX lässt nämlich mobiles und stationäres Spielen verschmelzen. Mal sehen, wie sich diese Idee am Markt durchsetzt.

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Tags: Hardware   Retro  

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