Vorschau Kingdom Hearts 2.8: Lebt die Serie noch?

von Micky Auer (09. Januar 2017)

Die Welt wartet auf Kingdom Hearts 3, und das seit Jahren. Jetzt endlich kommt Square Enix in die Gänge und präsentiert euch ... Kingdom Hearts 2.8 - Das Warten kann noch eine Dezimalstelle lang hinausgezögert werden.

Tosender Applaus auf der Videospielmesse E3 in Los Angeles im Sommer 2013. Der Grund: Hersteller Square Enix präsentiert das erste Video zum lang erwarteten Action-Rollenspiel Kingdom Hearts 3. Viel ist nicht zu sehen, jedoch interessiert das die eingefleischte Fan-Gemeinde nicht. Hauptsache, das neue Abenteuer kommt endlich in greifbare Nähe.

Tja, Ätsch, war wohl nix! Seitdem sind dreieinhalb Jahre ins Land gezogen. Das soll aber nicht heißen, dass die Welt von Kingdom Hearts seitdem stillsteht. Das ohnehin schier undurchdringbare Dickicht aus Vorgeschichten, Nebengeschichten und sonstigen Geschichten mitsamt diverser Neuauflagen und "Remixes" kann mittlerweile nur noch eine kleine, äußerst ergebene Schar von eingefleischten Enthusiasten entwirren und durchschauen. Wenig hilfreich ist dabei der Umstand, dass jede einzelne "Kingdom Hearts"-Geschichte in sich schon eine Herausforderung darstellt. Auch wenn unbeirrbare Anhänger der Reihe das anders sehen: Meisterwerke der Erzählkunst sind die Spiele nun mal nicht. Sind sie deswegen schlecht? Ganz und gar nicht.

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Eindrücke aus Kingdom Hearts 2.8

Seit jeher ist die Verquickung von weltbekannten Disney-Figuren und ihren zauberhaften Welten mit Charakteren aus dem Fundus von Square Enix ein Garant für verträumte Augen. Was vielleicht als gewagtes Experiment begann, hat schnell seinen ganz eigenen Zauber entwickelt. Die daraus entstandene neue Spielewelt ist so reich an Geschichten und magischen Momenten, dass sie unmöglich auf nur ein Spiel reduziert werden kann. Dennoch: Auf einen richtigen dritten Teil werdet ihr noch ein Weilchen warten müssen. Vielleicht jedoch nicht mehr allzu lange. In der Zwischenzeit tröstet euch Square Enix mit einer weiteren Neuauflage in Form von Kingdom Hearts HD 2.8 - Final Chapter Prologue über das Warten hinweg. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass das Wort "neu" dabei durchaus einen hohen Stellenwert besitzt, wie wir beim Anspieltermin in den Räumlichkeiten von Square Enix in Hamburg selbst feststellen durften.

Was genau verbirgt sich hinter dem ewig langen Namen?

Kingdom Hearts 2.8 - Final Chapter Prologue ist ein ganz schön großer Mund voller Worte für einen Spielenamen. Japanische Hersteller setzen bei der Titelvergabe wie es scheint weniger auf Einprägsamkeit, sondern auf viele, viele Worte (an dieser Stelle schöne Grüße an Naruto). Tatsächlich handelt es sich bei dieser Produktion um mehr als nur ein einzelnes Spiel.

Aqua findet eines der begehrten Zeit-Fragmente.Aqua findet eines der begehrten Zeit-Fragmente.

Zuerst findet ihr das komplette Kingdom Hearts 3D - Dream Drop Distance mit dem Zusatz "HD" auf dem Datenträger vor. Dabei handelt es sich um eine Remaster-Version des ehemals 3DS-exklusiven Serienteils. Um nochmal auf den Aspekt "neu" zurückzukommen: Mit Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep - A Fragmentary Passage (Ja, es geht sogar noch umständlicher mit der Namensvergabe!) erwartet euch tatsächlich ein neues Kapitel aus dem namensgebenden Kingdom Hearts - Birth by Sleep.

Und um die Packung abzurunden, befindet sich noch Kingdom Hearts - Back Cover mit auf der Scheibe. Das wiederum ist jedoch kein Spiel, sondern ein Film, der die Erzählstränge früherer Serienteile sinnvoll verbinden soll. Ob das gelingt, kann noch nicht beurteilt werden, denn der Film stand zum Zeitpunkt des Anspieltermins noch nicht zur Verfügung. Insgesamt stellen Back Cover und A Fragmentary Passage die Einträge neun und zehn in der gesamten "Kingdom Hearts"-Reihe dar.

So, seid ihr noch dabei? Ist die Verwirrung nun noch größer oder habt ihr nach wie vor den Durchblick? Egal, ob so oder so, was wir sehen und spielen durften, hat auf jeden Fall Spaß gemacht und weckt diesen typischen Wunsch "Bitte mehr davon" im Herzen des Spielers.

3D-Gehüpfe in Dream Drop Distance HD

Die Übertragung eines Spiels vom kleinen 3DS mit all seinen ganz speziellen Funktionen auf den großen Fernsehbildschirm ist mitunter ein schwieriges Unterfangen. Der eingebaute 3D-Effekt fällt weg, ein zweiter Bildschirm kann nicht sinnvoll integriert werden, die Touch-Steuerung ist auch ein Stolperstein in der Umsetzung. Das gesamte Spielgefühl ist ein anderes und entspricht oft nicht der grundlegenden Gestaltung, wie ihr es von einer portablen Konsole kennt. Ganz abgesehen von der Grafik, die niemals für die Darstellung in HD vorgesehen war. Wie so etwas in die Hose gehen kann, zeigt die Portierung von Capcoms Resident Evil - Revelations, das in seiner 3DS-Version ein durchaus hochwertiges Spiel darstellt, jedoch auf Heimkonsolen versagt.

Der Tron-Abschnitt glänzt durch Neon-Ästhetik.Der Tron-Abschnitt glänzt durch Neon-Ästhetik.

Wie so etwas jedoch richtig funktioniert, wenn man es nur entsprechend sinnvoll und intelligent anpackt, beweist Square Enix mit Dream Drop Distance HD. Klar, eine prachtvolle Grafikkulisse mit unzähligen Details dürft ihr in diesem Fall nicht erwarten. Speziell den Figuren sieht man ihre portable Herkunft an so mancher Ecke und Kante trotz - oder gerade wegen - des neuen HD-Gewandes nach wie vor an. Jedoch beweist sich hier einmal mehr, dass ein geradliniges Design mit klaren Linien und kräftigen Farben den Sprung vom 3DS auf die PS4 mit Bravour meistert.

Einer der angespielten Abschnitte ist im Tron-Universum angesiedelt. Die Neon-Ästhetik des zugrunde liegenden Filmes eignet sich hervorragend für minimalistische, jedoch nicht minder ansprechende Darstellungsformen. Hier kommt die durch die Grafik erzeugte Atmosphäre hervorragend zur Geltung. Die akustische Untermalung gewinnt sogar durch die Ausgabe über ordentliche Lautsprecher.

Ähnlich, wenn auch nicht ganz so einprägsam, gestaltet sich ein klassischer "Kingdom Hearts"-Abschnitt vor einer Stadtkulisse. Dennoch ist die Spielwelt auch hier recht hübsch geraten und verliert durch die Darstellung auf einem großen Bildschirm nicht an Reiz. Ganz klar vorteilhaft ist die Steuerung mit einem ordentlichen Controller gegenüber den kleinen Knöpfen des 3DS. Eure Aktionen sind von Anfang an zielgerichteter und wirken griffiger per Controller als mit der Handheld-Steuerung.

Sora hat den Umgang mit dem Schlüsselschwert nicht verlernt.Sora hat den Umgang mit dem Schlüsselschwert nicht verlernt.

Minispiele aus der Originalversion, die erst durch den Touchscreen des 3DS verwirklicht werden konnten, findet ihr in dieser Umsetzung klarerweise nicht. Anstatt sie jedoch ersatzlos zu streichen, sollen sie durch kartenbasierte Spielchen ersetzt werden. Von diesen war in der Demo jedoch noch nichts zu sehen. Außerdem soll auch das Feindverhalten angepasst werden, da viele Spieler das erratische und aggressive Verhalten der Gegner im Originalspiel bemängelt haben. Ob dem im Endeffekt tatsächlich so ist, wird der Test zeigen.

Ein neues Kapitel

Das Herz- und Vorzeigestück der Sammlung ist eindeutig das Kapitel A Fragmentary Passage. Aus der Sicht von Aqua, eine der Hauptfiguren aus Kingdom Hearts - Birth by Sleep, erlebt ihr die Ereignisse, die nach besagtem Serienteil stattfinden. Gleichzeitig erfüllt A Fragmentary Passage zwei vorbereitende Aufgaben: Zum einen beschreibt es Geschehnisse, die den direkten Übergang zu Kingdom Hearts 3 repräsentieren, zum anderen ist es quasi ein Ausblick darauf, was euch im dritten Teil der Reihe in technischer Hinsicht erwartet. Als Grundlage dient hier nämlich die Unreal Engine 4.

Die Darstellung ist dank Unreal Engine 4 äußerst prachtvoll geraten.Die Darstellung ist dank Unreal Engine 4 äußerst prachtvoll geraten.

Aufgrund des neuen Inhalts soll hier natürlich nicht allzu viel verraten werden. Die gespielte Demo ist in einer Stadt platziert, die sich mitten in ihrer Zerstörung befindet, jedoch still und unbeweglich in der Zeit eingefroren zu sein scheint. Aquas Aufgabe ist es, eine zerstörte Brücke zu einem prächtigen Schloss wiederherzustellen. Zu diesem Zweck sucht sie nach fünf Fragmenten eines Uhrwerks. Entfesselt sie deren Kräfte, dreht sich die Zeit jeweils ein klein wenig zurück und ein Teil der Brücke ist wieder intakt. Am Ende lauert noch ein dicker Boss-Kampf. Was danach passiert ... wird euch überraschen.

Was zuallererst ins Auge sticht, ist die wunderschön inszenierte Grafik. Die Hintergründe lassen euch in den unendlichen Kosmos blicken, die vordergründige Kulisse ist von morbider bis märchenhafter Schönheit. Die einstmals lebendige Stadt ist im Augenblick ihres Todes in bizarren Formen stecken geblieben. Darauf basiert auch die Level-Gestaltung. Was in anderen Spielen oft nur schmückender Grafik-Bombast ist, kann hier von euch erkundet werden. Selbst verschnörkelte Trümmerteile, die in allen Richtungen in den Himmel ragen, könnt ihr erforschen und dort Geheimnisse entdecken. "Vertikalität" beschreibt diese Design-Entscheidung nur ansatzweise, denn starre Richtungen und Gravitation spielen im Angesicht absoluten Stillstandes keine Rolle mehr.

Von großer Bedeutung für ein Action-Rollenspiel ist natürlich die Kampfmechanik. Diese baut auf dem grundlegenden Echtzeit-Gerüst auf, für das die Serie bekannt ist. Hinzu kommen allerlei Spezialfähigkeiten, Zauber und besonders starke Angriffe, die ihr aber zuvor aufladen müsst. Das gesamte Kampfgeschehen ist leichtläufig und lässt auch in Anfängern das Gefühl aufkommen, meisterliche Schlagkombinationen zu beherrschen. Das wiederum bedeutet nicht, dass die Kämpfe zu einfach sind. Durch die aufwändigen Animationen wirkt jedoch selbst der einfachste Schlagabtausch wie ein filigran inszenierter Tanz mit dem Schlüsselschwert.

Das wird schmerzhaft für die Gegner: Aqua setzt zum Spezialangriff an.Das wird schmerzhaft für die Gegner: Aqua setzt zum Spezialangriff an.

Zwar wurden wir vor Beginn des Anspieltermins vor einem Grafik-Bug gewarnt, an dem noch gearbeitet wird, jedoch war davon in der Demo nichts zu sehen. A Fragmentary Passage präsentierte sich von seiner besten Seite und es gibt an dieser Stelle tatsächlich keinen Grund zur Kritik. Selbst die sonst so berüchtigt-störrische Kamera hat dazugelernt und zeigt euch das oft hektische Kampfgeschehen immer aus dem besten Winkel. Hoffentlich bleibt das auch so!

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Tags: Fantasy   Singleplayer  

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