Scalebound eingestellt - seid lieber dankbar

(Kolumne)

von Joachim Hesse (11. Januar 2017)

Das Prominenten-Sterben geht 2017 weiter. Diesmal hat es ein Spiel erwischt: Scalebound. Weinen braucht ihr deshalb dennoch nicht.

Chefentwickler Hideki Kamiya (links) von Platinum Games mit Onkel Jo.Chefentwickler Hideki Kamiya (links) von Platinum Games mit Onkel Jo.

Nicht jedes Spiel erscheint. Viele werden noch während ihrer Entwicklung ad acta gelegt. Meist werdet ihr nicht mal deren Namen kennen. Je länger ein Spiel bereits in Arbeit, für desto mehr Aufruhr sorgt der Vorgang. Aktuell zu sehen bei Scalebound. Das galt bis vor wenigen Stunden als Heilsbringer für Xbox One und Windows 10. Seit fast drei Jahren geistert es durch die Medienwelt. Sogar in die Liste der heißerwarteten Spiele 2017 hat es das Abenteuer erst kürzlich noch geschafft. Jetzt hat Microsoft das Werk eingestellt. Das Ableben kommt entsprechend überraschend. Offenbar selbst für Microsoft, schmückt ein Motiv des Spiels doch gerade noch das Kalenderblatt für Oktober im offiziellen Xbox-Kalender 2017.

Auf Nachfrage gibt Microsoft folgende Antwort: „Nach sorgfältigen Überlegungen ist Microsoft Studios zu dem Entschluss gekommen, die Produktionen für Scalebound einzustellen. Wir arbeiten hart daran, unseren Anhängern eine tolle Palette zu bieten, einschließlich Halo Wars 2, Crackdown 3, State of Decay 2, Sea of Thieves und anderen großartigen Erfahrungen."

Entwickler Platinum Games (Bayonetta, Nier - Automata) selbst gibt zu Protokoll, dass sie „sehr enttäuscht darüber" seien, dass „die Dinge auf diese Weise enden".

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Die gesammelten Werke von Platinum Games

In den sozialen Medien rollen seither die Krokodilstränen. „Ich habe ein unterschriebenes Poster von Scalebound. Ich hätte gern dieses Spiel gespielt", schreibt spieletipps-Leser Philipp Zlk. „Ich werde aus Protest dieses Poster immer mit zur Gamescom mitnehmen und vor der Microsoft Bühne hochhalten!"

Sascha Kreuzer behauptet: „Wegen solcher Geschäftspraktiken wird Microsoft wohl niemals die Nr. 1 im Konsolenbereich werden." Nico Größel schreibt auf unserer Facebook-Seite: „Ich dachte immer Sony beerdigt die Xbox, aber das macht ja schon Microsoft."

Es gibt inzwischen sogar Petitionen, die Microsoft auffordern sollen, das Spiel doch weiter entwickeln zu lassen. Eine spontane Twitter-Umfrage von mir zeigt (Stand 11. Januar), dass fast 40 Prozent der Teilnehmer vorhatten, das Spiel zu kaufen:

Scalebound war ohne Zweifel ein spannendes Projekt. Aber ernsthaft: Microsoft wird seine Gründe haben, weshalb sie nun den Stecker gezogen haben. Denn mal ehrlich: Wer schon mal eines der unveröffentlichten und Jahre später über dubiose Kanäle ans Tageslicht gekommenen Werke gespielt hat, weiß, dass sie oft keinen Spaß machen.

Ja, auch ich hatte mich auf Scalebound gefreut. Zuletzt hatte ich auf der Gamescom eine Präsentation des Spiels gesehen und mich danach mit Chefentwickler Hideki Kamiya über seine Pläne diesbezüglich unterhalten. Doch besonders fertig wirkte das schon damals nicht. Wenn jetzt Microsoft ein Ende mit Schrecken wählt, statt eines Schreckens ohne Ende, solltet ihr sie nicht verdammen. Ohne Grund streicht keine Firma bei einem Projekt die Segel, das sie bereits vier Jahre lang finanziert hat.

Ich vermute, dass Vision und Wirklichkeit zu weit auseinander gelegen haben. Vermutlich haben sich Platinum Games und Microsoft bei Inhalten und Spielmechanik verzettelt und es hätte noch jede Menge Geld gekostet, Scalebound zumindest annehmbar fertig zu stellen. Dann hat Microsoft vielleicht auf Recore geschaut und sich gedacht: Lass mal stecken. Nur ein gutes Scalebound hatte dem Xbox-Sortiment geholfen. Vermutlich hätte Scalebound am Ende eure Erwartungen nicht erfüllen können - zu sehen bei zahlreichen Kickstarter-Projekten.

Deswegen verdammt nicht Microsoft. Sie werden schon wissen, was sie tun. Himmel, habe ich das gerade wirklich geschrieben? Na ja, ihr wisst schon, was ich meine.

Leid tut mir bei der Sache vor allem Kamiya-san. Der hatte augenscheinlich viel Herzblut in das Drachen-Abenteuer investiert. Gerüchten zu Folge hat er sich gerade aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um den Schock zu verdauen. Vielleicht entpuppt sich das Ende des Spiels ja mit etwas Abstand auch für ihn als Erleichterung.

Eine Sache möchte ich aber bei den Spieleherstellern doch noch zur Diskussion stellen. Leser Marvin Freitagsmüller bringt es wie folgt zum Ausdruck: „Sollen sich alle eine andere Werbestrategie ausdenken. Dieses ewig lange Ankündigen und dann dieser Druck. Will gar nicht wissen wie es sich anfühlt, wenn dieser ganze Stress und diese endlose Arbeit am Ende umsonst waren ..." Amen.

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