Test Gravity Rush 2: Gelungener Höhenflug

von Michael Krüger (13. Januar 2017)

Vom Handheld zur Konsole - Gravity Rush 2 lässt seine Wurzeln zurück und debütiert als erstes waschechtes PS4-Spiel der jungen Marke.

Das Abenteuer rund um das gravitationsmanipulierende Mädchen Kat geht in die zweite Runde. Nachdem Gravity Rush als Exklusivspiel zu einem Erfolg auf der PS Vita wurde, erschien eine Neuauflage für die PlayStation 4. Gravity Rush 2 ist nun direkt für Sonys große Konsole verfügbar. Der Fernsehbildschirm steht damit schon zu Beginn im Fokus, wodurch sich den Entwicklern neue Möglichkeiten bieten.

Gerade bei einem Spiel, in dem ihr euch die meiste Zeit frei durch die Luft bewegt, ist Fingerspitzen-Gefühl bei der Umsetzung gefragt. Im ersten Teil funktioniert das schon ganz gut, doch fühlen sich manche Aktionen etwas verkrampft ein. Die Eingewöhnungszeit ist relativ lange und nicht jeder verträgt die ständig rotierenden Bilder. Hier ist Luft nach oben, die von der Fortsetzung genutzt werden sollte.

Auch in Gravity Rush 2 schlüpft ihr in die Rolle der jungen Kat. Das Besondere an dem knapp bekleideten Mädchen ist ihre Superkraft. Auf Knopfdruck verändert ihr die Gravitation. Die so entstehenden Flüge durch die Luft machten schon auf der PS Vita Spaß, doch gleichzeitig verdeutlichte sich auch, dass dieses Spiel eigentlich auf die Konsole gehört. Nun zeigt sich, ob Gravity Rush 2 das neu erworbene Potential nutzt.

Diese Heldin will hoch hinaus

Nach den Ereignissen des Vorgängers verschlägt es Protagonistin Kat und ihren Freund Syd aufgrund eines Gravitationssturms weit weg von ihrer Heimatstadt Hekseville. Dabei landen die beiden bei umherreisenden Minenarbeitern, die eine fliegende Stadt bewohnen. Da sie unter fiesen Vertragsbedingungen arbeiten, überträgt sich der Druck von oben auch auf die zwei Neuankömmlinge, die fortan mithelfen müssen, Erz abzubauen. Da Kat ihre Katze Dusty im Sturm verloren hat, sind auch ihre Kräfte weg. Wie der Zufall so will, findet sie die kosmische Fellnase allerdings wieder und kann so der Siedlung deutlich besser helfen. Bevor ihr es euch verseht, bereist ihr eine eindrucksvolle Szenerie nach der anderen und erlebt sowohl spannende Nebengeschichten als auch eine interessante Handlung, die besonders durch ihre konsistenten und charismatischen Figuren überzeugt.

Die Erzählweise in Form eines Mangas wirkt frisch und unverbraucht.Die Erzählweise in Form eines Mangas wirkt frisch und unverbraucht.

Ein Kredo, das fortan für das Gesamtwerk Gravity Rush 2 zu stehen scheint, ist ein hoher und vor allem verspielter Detailgrad. Anstelle generischer Abläufe, umrissen durch kurze Gespräche, ist jede eurer Aufgaben unterschiedlich. So empfindet ihr die Nebenmissionen nicht als billige Möglichkeit, die Spielzeit zu strecken, sondern als willkommene Gelegenheit, weiter in die Spielwelt abzutauchen und euch auf sie einzulassen. Zudem bringen sie euch die Charaktere im Spiel näher und erzählen oft Geschichten, die mindestens so unterhaltsam wie die Haupthandlung sind. Dadurch wird Gravity Rush 2 im Grunde zu einem spielbaren Anime-Film.

Hierfür zeigt sich auch die Präsentation der Erzählung verantwortlich. Wie auch schon im ersten Teil verzichtet Gravity Rush 2 fast vollständig auf animierte Zwischensequenzen. Stattdessen blättert ihr per Knopfdruck durch Bilder im Stil eines Comic-Hefts. Durch gelegentliche Bewegungen wirken diese dynamisch und schaffen es, Spannung zu vermitteln. Besonders schön an dieser Lösung ist die Tatsache, dass ihr nach Belieben auch zurückblättern könnt. Auf diese Weise verpasst ihr keine wichtigen Informationen, solltet ihr einmal voreilig zum nächsten Bild springen. Bewegt ihr den PS4-Controller bewegt sich auch das Bild. Dieser Effekt ist allerdings rein kosmetisch und im Grunde auch überflüssig.

Präziser, heftiger und abwechslungsreicher

Auch spielerisch hat sich Kat seit ihrem Debüt weiterentwickelt. Wie auch schon im Vorgänger verfügt die Protagonistin über Gravitationskräfte. Diese erlauben es ihr, zu schweben und daraufhin für einen bestimmten Radius um sich herum die Anziehungskraft zu verändern. Dadurch fliegt ihr mit ihr durch die Luft, lauft an Wänden oder schleudert Objekte auf Feinde. Auf Oberflächen kann Kat mit Hilfe der Gravitation entlanggleiten, so als ob sie sich auf einem Snowboard befindet.

Besonders große Gegner erledigt Kat mit ihrer neuen Spezialkraft.Besonders große Gegner erledigt Kat mit ihrer neuen Spezialkraft.

Diese Kräfte konntet ihr bereits im ersten Teil ausführen. Doch das ist in Gravity Rush 2 nur der Anfang. Stück für Stück erlernt Kat neue Fähigkeiten und bietet euch neue Möglichkeiten, euch lästiger Gegner zu entledigen. So steht euch nun unter anderem eine Spezialattacke zur Verfügung, mit der ihr Boss-Gegnern den finalen Stoß versetzt. Doch auch euer Grundrepertoire wurde sinnvoll verbessert. Dadurch spielt sich Gravity Rush 2 noch flüssiger und erleichtert euch den Einstieg.

Kat kann nicht nur heftig austeilen, sie ist auch ansonsten ordentlich beschäftigt. Eine der großen Stärken des Spiels ist die Vielseitigkeit der Aktionen. Die Jagd auf funkelnde Kristalle ist wieder ein Thema und macht sogar noch mehr Spaß als im Vorgänger. Dabei erkundet ihr fast beiläufig die Spielwelt und entdeckt immer wieder neue Bereiche, die euch ansonsten verborgen bleiben. Den gleichen Effekt haben die Schatzjagden.

Neue Online-Komponenten

Immer wieder stolpert ihr über kleine, apfelförmige Truhen, die euch wertvolle Beute liefern. Das Besondere an dieser neuen Mechanik ist die Online-Funktion. Habt ihr eine Kiste geplündert, könnt ihr anschließend ein Foto davon schießen. Dieses wird anderen Spielern gezeigt, woraufhin sie in die Nähe davon teleportiert werden. Ist die Suche aufgrund eures Fotos erfolgreich, bekommt ihr eine Belohnung. Auf die gleiche Weise sucht ihr auch selbst immer wieder nach Schätzen. Das sorgt für Abwechslung und zusätzlich für eine Art Gemeinschaftsgefühl mit anderen Spielern des Abenteuers.

Schatztruhen belohnen euch immer wieder mit Kristallen und Talismanen.Schatztruhen belohnen euch immer wieder mit Kristallen und Talismanen.

Eine weitere Online-Komponente wurde aus dem ersten Teil übernommen. In Herausforderungen beschafft ihr euch durch gute Platzierungen Erz-Kristalle. Gleichzeitig tretet ihr gegen Geister anderer Spieler an. Das treibt den Nervenkitzel der Aufgaben voran. Diese fordern zum Beispiel eine bestimmte Anzahl erledigter Feinde innerhalb einer Zeitlimitierung. Andere bestehen aus Wettrennen, in denen eure Gleitfähigkeiten auf die Probe gestellt werden. Vielfalt bleibt eine Stärke von Gravity Rush 2.

Möchtet ihr bestimmte Momente festhalten, könnt ihr die Foto-Funktion übrigens auch hierfür nutzen. Diese Mechanik ist im Grunde schon fast ein Mini-Spiel. Beim Gestalten eures Motivs kann Kat Gesten ausführen, von denen ihr im Spielverlauf weitere freischaltet. Zusätzlich vergrößert sich eure Auswahl an platzierbaren Gegenständen und Effekten. Kombiniert ihr diese Elemente, erstellt ihr im Handumdrehen hübsche Fotos. Über eine weitere Online-Funktion könnt ihr diese dann gegenseitig bewerten und so weitere Belohnungen gewinnen.

Spielbarer Anime

Für eine Portierung von der PS Vita auf die PS4 sieht der erste Teil auf jeden Fall ordentlich aus. Doch die Farbpalette wirkt stark limitiert. Zu Beginn könntet ihr Gravity Rush 2 ähnlich empfinden. Doch lasst ihr das erste Kapitel erst einmal hinter euch, entdeckt ihr die farbenfrohe Seite der Spielwelt. Diese ist nun nicht nur bunter, sondern insgesamt deutlich lebendiger als es im Vorgänger der Fall ist. Zusätzlich ist sie um einiges größer. So dauert es eine ganze Weile bis ihr wirklich alles erkundet habt.

Oft möchtet ihr nur stehenbleiben und den Ausblick genießen.Oft möchtet ihr nur stehenbleiben und den Ausblick genießen.

Stilistisch entwickelt sich Gravity Rush 2 auch weiter. Der Detailgrad ist angesichts der großen offenen Welt ebenfalls positiv hervorzuheben. Sowohl die Einwohner als auch Gegner und Gebäude passen sich nahtlos in das Gesamterlebnis ein und verleihen diesem aufgrund der akribischen Gestaltung eine einzigartige Atmosphäre. So sticht Gravity Rush 2 nicht nur aufgrund der besonderen Spielweise, sondern auch durch die Präsentation aus der Masse heraus und lässt kaum Vergleiche zu anderen Spielen zu. Auch wenn die Optik etwas an Filme von Studio Ghibli erinnert, verfügt Gravity Rush 2 über einen eigenen Stil mit Wiedererkennungswert.

Auf die Ohren gibt es Lieder und Geräusche, die für japanische Spiele üblich sind. Das passt hervorragend zum Rest der Komposition. Apropos Japan: Die Sprachausgabe ist erneut nur auf japanisch verfügbar. Für manche unter euch ist das ein Grund zur Freude, für andere nicht. Es sorgt in jedem Fall für die richtige Stimmung. An manchen Stellen kann es aber auch dafür sorgen, dass ihr Dialogfetzen nicht mitbekommt, weil ihr gerade Kat steuert. Diese Momente sind jedoch glücklicherweise selten.

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Tags: Anime   Singleplayer   Fantasy  

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