Problem Fanboy: Wieso blindes Fan-Sein allen schadet

von Matthias Kreienbrink (17. Januar 2017)

Fan zu sein, wie ist das schön. Sich uneingeschränkt auf ein Spiel freuen. Alles gut finden, was von einer bestimmten Firma kommt. Es ist so sicher und geborgen in dieser Selbstbestätigung, dass kein rationaler Gedanke jemals diese warme Gemütlichkeit durchdringen könnte. Wenn es dir so geht, bist du ein Fanboy (oder -girl). Hör doch mal auf damit.

Zunächst sei festgestellt, dass dir niemand den Spaß nehmen will. Es ist toll, dass du so viel Freude an einem Spiel, einer Marke oder einer Firma hast. Es ist sogar sehr schön, wenn du dich voll einem Spiel hingeben kannst und ohne Zynismus einer Geschichte folgen oder eine Spielmechanik meistern möchtest. Doch der Schritt zum Fanboy-Dasein kann dann schnell getan sein, ohne dass du es vielleicht merkst.

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Dies ist ein Einschub, in dem der Autor von seinem eigenen, traurigen Dasein als Nintendo-Fanboy berichtet.

Ja, es ist wahr. Auch ich war mal Fanboy. Vielleicht bin ich es sogar manchmal heute noch, oder will es sein - und dann ganz entschieden wieder nicht. Es ist ein Kampf. In meinen jüngeren Jahren war ich ein ganz schlimmer Nintendo-Fanboy. Ich kannte nur Nintendo. Ich wollte nur Super Nintendo spielen. Und dann Nintendo 64. Und dann Nintendo Gamecube. In Foren habe ich mich herumgetrieben, um meine geliebte Firma zu verteidigen. Wie konnte es auch jemand wagen, diese arme, verletzliche, millionenschwere Firma anzugreifen? Es dauerte lange, bis ich begriff, dass Nintendo auch vor allem mein Geld haben möchte und es dem Unternehmen als Firma wahrscheinlich sehr gefällt, dass es Fanboys wie mich gibt. Was für eine Erleuchtung, als ich merkte, dass es tatsächlich andere Konsolen gibt, andere Spiele. Noch erschütternder nur die Erkenntniss, dass Nintendo tatsächlich auch Fehler macht, dass ich mich durch eine bewusste Entscheidung gegen Nintendo und für die Konkurrenz entscheiden konnte. Mein Geldbeutel, so wurde mir bewusst, ist nicht nur ein Ort, um mein Geld aufzubewahren, sondern auch ein Werkzeug, um zu bestrafen und zu belohnen - wenn auch sicherlich nur im Kleinen. Ein Werkzeug, das nur dann wirksam eingesetzt wird, wenn ich vorher einen Schritt zurück getan und überlegt habe, ob ich eigentlich nur kaufe und feiere und hype, weil ich eben Fan bin - oder weil ein Produkt das wirklich wert ist.

Hier endet dieser elende Einschub

Publisher, Konsolenhersteller, kurzum große Firmen, stellen Produkte her. Produkte, die sicherlich sehr gut sein können. Dennoch aber Produkte, die verkauft werden sollen. Hier kommt der Aspekt ins Spiel, der schon in der Überschrift steht. Wie? Das erfährst du auf Seite 2.

Ob Nintendos neue Konsole gut durchdacht ist oder nicht, kann wunderbar und kritisch diskutiert werden. Fanboys waren sich schon vor der Enthüllung sicher.

Weiter mit: Die Publisher lieben deine Blauäugigkeit

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Tags: Politik  

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