Test Resident Evil 7 - Biohazard: Das Spiel, mit dem Capcom eure blutigen Herzen zurückerobern will

von Joachim Hesse (23. Januar 2017)

Nach Resident Evil 6 hatten viele frühere Anhänger der Gruselserie den Rücken gekehrt. Mit Teil 7 will Capcom sie zurückgewinnen. Alle. Mit Horror aus der Ego-Perspektive.

"Ich will dir nur eins sagen, wenn dich dies erreicht: Such mich nicht! Vergiss, dass du mich jemals kanntest!" Die Video-Botschaft von Mia an ihren Freund Ethan ist klar und so ziemlich die Antithese der "Ruf mich an"-Lockangebote nächtlicher Dauerwerbesendungen. Ebenso klar ist, dass ihr als Ethan alles daran setzt, sie zu finden. Denn seit drei Jahren ist seine Freundin verschwunden. Was wärt ihr für ein Mensch, wenn ihr sie nach diesem Lebenszeichen nicht sucht?

Die Spur führt ins trübe Louisiana, in die Nähe der Ortschaft Dulvey. Dort beginnt für euch der virtuelle Schrecken, den ihr mit dem Kauf von Resident Evil 7 - Biohazard sicher auch erwartet. Denn eins ist klar: Normale Menschen hätten auf Mias Rat besser gehört ...

Der größte Unterschied zu früheren Teilen der Reihe besteht im Blickwinkel. Entwickler Capcom verzichtet in Resident Evil 7 auf die klassische Verfolgerkamera zugunsten der Ego-Perspektive. Ihr seht eure Hände und Füße, nicht aber Rücken oder Gesicht. Das erinnert dem ersten Anschein nach mehr an Outlast oder Silent Hills denn Resident Evil.

Auch auf den zweiten Blick ändert sich dieser Eindruck kaum. Das Spiel beginnt in einer einsam gelegenen Villa mitten in den Sümpfen und geizt nicht mit fiesen Schockmomenten. Ohne zu viel zu verraten: Wenn neben euch ein Monster durch die Wand bricht und ihr den ersten Schuss mit zitternden Händen daneben haut, bestimmt schnell Panik eure Gedanken.

Angst im amerikanischen Spukhaus

Das Spukhaus entpuppt sich als perfekte Horror-Kulisse. Ihr findet schnell heraus, dass hier eine Familie namens Baker ihr Unwesen treibt und offenbar Menschenversuche mit einem Serum durchführt. Die Bakers kennt ihr schon aus unserem ersten "Let's Play"-Video zu Resi 7. Bis auf die Sache mit dem Serum und den daraus resultierenden Mutationen klingt das ehrlich gesagt mehr nach The Texas Chainsaw Massacre als nach Resident Evil. The Grudge, Evil Dead, Saw, The Conjuring ... so heißen die neuen Vorbilder.

Familie Baker lädt zum Gruselschmaus.Familie Baker lädt zum Gruselschmaus.

Die ändern sich auch im Verlauf des Spiels nicht. Wer keine Lust auf dieses neue Ambiente verspürt, wird mit Resident Evil 7 nicht warm. Doch jene Personengruppe versäumt etwas. Statt eines weiteren Kreuzzugs gegen Umbrella verdichtet Capcom das Geschehen zu Anfang auf die wenigen, knarrenden Quadratmeter eines Holzhauses. Ein Schaukelstuhl wippt von alleine. Ihr erschreckt euch zu Tode. Eingeweide faulen im Kühlschrank. Ihr unterdrückt einen Brechreiz. Das Licht geht aus und eine Kinderstimme flüstert "Geh nicht weiter". Ihr spürt Unwohlsein.

Das sind die Mittel, mit denen das neue Resident Evil arbeitet. Die Entwickler unterbrechen diese Psychospielchen mit derbe in Szene gesetzten Bosskämpfen. Dabei erwartet euch so ziemlich alles, wovon kleine und große Mädchen Albträume bekommen. Scheu, einem Ungeheuer die Kettensäge in den von Geschwüren aufgedunsenen Wanst zu rammen, solltet ihr jedenfalls keine hegen. Es geht zur Sache. Pixelblut und Gedärme fließt in Strömen. Das Spiel ist ungeschnitten und zu Recht erst ab 18 Jahren freigegeben.

Mit Bedacht in den Albtraum

Auf gewisse Weise erinnert der Start dennoch an das alte Herrenhaus von Resident Evil. Die Suche nach Schlüsselteilen. Kräuter und Schießpulver, die ihr mit Chemikalien im Menü zu Heiltinkturen und Munition kombiniert. Die Schrotflinte.

Im Inventar braut ihr Tränke und verwaltet eure Schießprügel.Im Inventar braut ihr Tränke und verwaltet eure Schießprügel.

Die Zutaten für Resident Evil sind vorhanden und Capcom nutzt sie für eine frische Handlung. Die hält auch ein paar Überraschungen für euch parat. Es hat natürlich alles seinen Grund, was eurer Freundin Mia und euch widerfährt - Capcom bleibt euch am Ende keine Antworten schuldig.

Der neue Teil baut schnell neben seinen Schockmomenten die beklemmende Atmosphäre auf, die sich der Serien-Liebhaber wünscht. Ihr fühlt euch verfolgt. Ständig. Nicht nur weil euch mit Familienvater Jack Baker eine Art neuer Nemesis an den Hacken klebt. Er verkörpert nicht die einzige Bedrohung.

Speichern beruhigt die Nerven

Doch durch das an sich eher gemächliche Spieltempo erwartet ihr förmlich, dass etwas passiert. Einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg hält Entwickler Capcom dabei mit der fein abgestimmten Geräuschkulisse in der Hand.

Wenn es wenigstens Tag wäre ...Wenn es wenigstens Tag wäre ...

Waren das Schritte? Woher kommt das Knarzen? Hat sich da hinten im Schatten etwas bewegt? Capcom spielt auf euren Nerven wie auf einem Klavier. Ein Tropfen hier, ein Klappern dort. Auch wenn sich das Stoffkrokodil auf dem Flur vielleicht als harmlos erweist: Das Haus und das umliegende Gelände an sich sind es nicht. Das Spiel sichern dürft ihr jederzeit an dafür vorgesehenen Kassetten-Recordern, doch vor Schlüsselszenen speichert Resident Evil 7 zusätzlich automatisch. Die zu wiederholenden Abschnitte halten sich in erträglichen Grenzen.

Die Gefahr für Ethan ist real - also im Spiel real natürlich. Wobei ... falls ihr nicht an PC oder Xbox One spielt, sondern vielleicht mit PlayStation VR unterwegs seid, könnte euch das Geschehen auch körperlich mitnehmen. Resident Evil 7 bedeutet Stress: Meist wohlig, oft aber auch weit über dessen, was Menschen früherer Generationen noch als guten Geschmack definiert hätten. Splatter, Ekel, Horror ... stellt euch darauf ein.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr alles zur Technik und VR. Außerdem zieht Onkel Jo sein Fazit zum Spiel.

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Tags: Onkel Jo   Horror   Singleplayer   Uncut  

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