Test Tales of Berseria - Rache ist ein süßes Wort

von Thomas Nickel (27. Januar 2017)

Helden müssen nicht immer nett und freundlich sein: Auf ihrem gnadenlosen Rachefeldzug hinterlassen Velvet und ihre Begleiter in Tales of Berseria eine Spur der Verwüstung.

Velvet will Blut sehen. Als vor vielen Jahren der Mond blutrot am Himmel stand, verwandelten sich die Menschen in grausige Dämonen. Auch Velvets Eltern und ihre Schwester fielen der Tragödie zum Opfer. Und gerade als es so aussieht als hätte sie ihr Leben wieder im Griff, färbt sich der Mond erneut, sie wird von einer Vertrauten Person hintergangen, wird selbst zu einem Therion, einem Dämonen, der sich von anderen Monstern ernährt, und landet schließlich in einem dunklen Kerkerloch, wo sie die nächsten drei Jahre verbringt.

Kein Wunder, dass sie nach ihrer spektakulären Flucht nun auf Rache sinnt - und wie der Name Tales of Berseria schon andeutet (in "Berseria" verbirgt sich eine Anspielung auf "Berserker"), geht sie dabei alles andere als zimperlich vor! Nicht nur allerlei Ungeheuer und Dämonen bekommen Velvets Zorn zu spüren, auch ihre Mitmenschen sind vor Velvet und ihrer Truppe nicht sicher: Gerne kommt es mal vor, dass Velvet und Co. nach getaner Arbeit brennende Dörfer und verwüstetes Land hinterlassen.

Tales of Berseria ist nach Bandai Namcos offizieller Zählung der 16. Teil der "Tales of"-Serie und nach dem nett-beschaulichen Tales of Zestiria ein ziemlich radikaler Sprung: Gegen die kompromisslose Velvet ist selbst Yuri, der Held mit dem Hang zur Selbstjutiz aus dem hierzulande "Xbox 360"-exklusiven Tales of Vesperia ein Waisenknabe!

Klassische Rollenspielerei

Gibt sich die neueste Tales-Episode inhaltlich überraschend radikal, folgt sie spielerisch den klassischen Mustern, die schon Mitte der 90er Jahre mit dem ersten Teil auf dem Super Famicom (hierzulande als SNES bekannt) etabliert wurden. Velvet und ihre Begleiter bereisen eine weitläufige Fantasy-Welt mit zahlreichen Städten, Dörfern, Festungen und natürlich auch manch einem verzweigten Labyrinth voller ungeheuerlicher Gegner.

Mit einer bunten Truppe seid ihr unterwegs.Mit einer bunten Truppe seid ihr unterwegs.

In Dörfern sprecht ihr mit Passanten und holt euch Informationen, in der örtlichen Herberge übernachtet ihr, um euch zu erholen und beim Waffenhändler tauscht ihr harte Währung gegen noch härteren Stahl. Ein gründlicher Blick auf die gewünschte Waffe lohnt dabei: Oft sind neue, bessere Klingen in verschiedenen Qualitätsstufen erhältlich: Investiert ihr ein wenig mehr Bargeld, dann freut ihr euch über nützliche Nebeneffekte wie Statusangriffe oder Immunitäten gegen bestimmte Elemente.

Wer dagegen lieber seinen vertrauten Klingen und Rüstungen treu bleibt, der lässt diese für einen schmalen Geldbetrag und ein paar Rohstoffe aufwerten. Auch so bekommen Waffen und Ausrüstungsgegenstände neue Eigenschaften und bessere Offensiv- und Defensivwerte. Rohstoffe findet ihr im Feld, oder ihr bekommt sie, wenn ihr nicht mehr benötigte Ausrüstung in ihre Einzelteile zerlegt. Nach einem Besuch im aktuellen Labyrinth kommt es gerne einmal vor, dass ihr mit einem ganzen Inventar voller nutzloser Klingen beim hiesigen Händler zwecks deren Zerlegung aufschlagt.

Trotzdem lohnt der regelmäßige Ausrüstungswechsel, denn neue Waffen bringen auch neue passive Fähigkeiten mit sich, die sich bei entsprechendem Training auch auf eure Figuren übertragen. Ein neues Schwert erhöht beispielsweise die Chance, eure Feinde durch erfolgreiche Angriffe zu betäuben, für 55 im Kampf gesammelte Talentpunkte überträgt sich dieser Bonus permanent auf eure Figur und ist auch nach einem Waffenwechsel noch aktiv. Das kann allerdings auch dazu führen, dass ihr auch mal eine Weile mit eigentlich schwächerer Ausrüstung unterwegs seid, um euch deren innewohnende Eigenschaften anzueignen - und das, obwohl schon durchschlagendere Argumentierhilfen verfügbar sind!

Wilde Kämpfe

Tales-typisch wird im Kampf auf rundenweises Vorgehen und Menüsteuerung verzichtet: Eine Figur, meist Velvet, steuert ihr direkt wie in einem wilden Actionspiel, während eure Mitstreiter von der Künstlichen Intelligenz gelenkt werden. Interessant bei Tales of Berseria: Auf die sonst so übliche begrenzte Energie beim Einsatz von Magie und Artes, euren Spezialfähigkeiten, wird verzichtet, euer Aktionspotenzial wird stattdessen über verfügbare Seelen gesteuert.

An den Kämpfen haben auch Freunde von Actionspielen ihren Spaß.An den Kämpfen haben auch Freunde von Actionspielen ihren Spaß.

Ihr beginnt mit einer gewissen Anzahl von Seelen und eure Angriffe verbrauchen diese. Aber solange ihr Seelen habt, dürft ihr gleich einem Berserker immer und immer wieder Angreifen. Gehen die Seelen zur Neige, wartet ihr kurz und geht am beste etwas auf Distanz, bis die sich wieder aufgeladen haben. Besiegte Feinde hinterlassen auch oft Seelen, mit denen ihr für den aktuellen Kampf euren maximalen Vorrat erweitert und so längere Angriffsketten ausführt.

Ihr könnt aber auch auf Velvets dämonisches Naturell zurückgreifen und sie in einen Berserkermodus versetzen. Das verstärkt ihre Angriffe, kostet aber permanent einen Seelen-Slot aus dem Vorrat. Normale Nieswurz-Gegner mäht ihr so relativ problemlos weg, bei längeren, schwierigeren Bosskämpfen lauft ihr aber bei übermäßigem Einsatz auch Gefahr, euer Aktionspotenzial empfindlich zu beschneiden - setzt die mächtige Fähigkeit also mit Bedacht ein!

Nicht alle eure Helden sind sich von Beginn an so ganz grün.Nicht alle eure Helden sind sich von Beginn an so ganz grün.

An Übung mit dem moderat komplexen System wird es euch kaum fehlen, Kämpfe gibt es in Tales of Berseria nämlich oft und zahlreich! Nicht selten kommt es vor, dass sich auf einer offenen Fläche sieben oder mehr Monstergrüppchen tummeln, die natürlich allesamt gleich auf euch zustürmen, wenn ihr ihnen zu Nahe kommt. Da Gegner sichtbar sind, dürft ihr ihnen zwar ausweichen, aber gerade in den ersten Spielstunden empfielt es sich dennoch, alle Angreifer über den Jordan zu schicken, um die wertvollen Erfahrungs- und Talentpunkte einzusacken. Da ist es gut, dass die meisten Kämpfe nur wenige Sekunden dauern.

Interessante Helden, vertraute Welt

Nicht nur Velvet ist eine interessante Hauptfigur die jede Menge Zorn und Ballast mit sich herumträgt, auch ihre Mitstreiter haben es in sich! Da ist beispielsweise der Samurai Rokurou Rangetsu. Der kommt ziemlich entspannt daher, hat aber ein sehr spezielles Verhältnis zu dem riesigen Schwert auf seinem Rücken. Und zudem ist er genauso wie Velvet auch ein Dämon, der sich einen Teil seiner Menschlichkeit bewahrt hat - allerdings in anderer Ausprägung.

Ihr besucht viele verschiedene Landstriche - auch eine recht winterliche Gegend steht auf dem Reiseplan.Ihr besucht viele verschiedene Landstriche - auch eine recht winterliche Gegend steht auf dem Reiseplan.

Oder Magilou, eine etwas aufgedrehte Hexe, in deren Oberstübchen sämtliche Schrauben gelockert wurden, die es sich zu lösen lohnt. Und je weniger wir euch hier über den jungen Laphicet, den Piraten Eizen und die Exorzistin Eleanor erzählen, desto besser - selten wart ihr in einer Episode der Tales-Reihe mit einer so spannenden Gruppe unterwegs!

Die Welt von Tales of Berseria könnte übrigens manch einem Serienveteranen bekannt vorkommen: Velvets Abenteuer spielt in der gleichen Welt wie Tales of Zestiria, allerdings finden die Ereignisse der Berseria-Episode gute 1.000 Jahre früher statt. Daher ist es nicht nötig, zuerst den Vorgänger gespielt zu haben, trotzdem gibt es ein paar mal mehr und mal weniger deutliche Anspielungen auf Tales of Zestiria.

Grafisch wird ordentliche Hausmannskost geboten. Die Kamera funktioniert weitaus zuverlässiger als noch bei Tales of Zestiria, auch die Umgebungen sind hübscher und farbenfroher. Trotzdem erblickt ihr in manch einem Szenario noch deutlichen Grafikaufbau - aber zum Glück nicht mehr in dem Ausmaß des Vorgängers. Die Figuren sehen ziemlich gut aus, aber man merkt dem ganzen Spiel an, dass es gemeinsam für PS3 und PS4 entwickelt wurde. Man kann nur hoffen, dass der nächste Teil der Reihe dann exklusiv für die aktuelle Hardware entsteht und sich nicht mehr mit den Altlasten der letzten Generation herumschlagen muss - zumal die PS3-Fassung ohnehin nur in Japan, nicht aber in Europa erhätlich ist.

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Tags: Fantasy   Singleplayer  

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