Test Dragon Quest 8: Über Frösche, Pferde und Menüführung

von Daniel Kirschey (29. Januar 2017)

Endlich wieder mit Yangus Monster vermöbeln. Doch hält sich nach mehr als einem Jahrzehnt der Spielspaß in Dragon Quest 8? Und was hat Hersteller Square Enix für den 3DS verändert? Das erfahrt ihr hier.

Kann ein Spiel aus dem Jahr 2004 auch heute noch neue und begeisterte Spieler finden? Die Antwort ist „Ja“. Denn Dragon Quest 8 – Die Reise des verwunschenen Königs ist zwar sichtlich gealtert – doch die Kernpunkte des Spiels funktionieren auch heute noch.

Square Enix und Nintendo haben mit Dragon Quest 8 einen alten japanischen Rollenspieklassiker aufpoliert, an den Kanten geschliffen und auf 3DS veröffentlicht. Alle Kanten konnte die beiden Entwickler und Spielehersteller jedoch nicht abschleifen. Was ist also in der Neuauflage des Spiels gelungen und was weniger?

Echt Japanisch

Dragon Quest ist eine der Ur-Rollenspiel-Serien aus Japan. Wie Ys, Final Fantasy oder Phantasy Star ging alles in den Achtzigern – inspiriert von Wizardry und Ultima – los.

Der nette Bandana-Träger ist der Protagonist des Spiels.Der nette Bandana-Träger ist der Protagonist des Spiels.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass der achte Teil sich überaus japanisch spielt. Was damit gemeint ist? Starten wir die JRPG-Checkliste:

  • Oberwelt – Check
  • Verliese mit eigener Karte – Check
  • rundenbasierte Kämpfe – Check
  • konvolute, pathetische Fantasy-Geschichte – Check
  • Anime-Charaktergestaltung – Check
  • umständliche Menüführung - Check
  • Gegenstandsmanagement - Check
  • Zufallskämpfe – Nein

Ups, was ist denn hier los? Zufallskämpfe sind doch eigentlich gerade für Dragon Quest ein immer wiederkehrendes Element. Doch das hat Square Enix für die Umsetzung auf 3DS rausgeworfen.

Jetzt regen sich vielleicht die vier größten Hardcore-Fans der Serie auf. Alle anderen freuen sich aber wohl. Statt in den ungünstigsten Situationen in enervierende Zufallskämpfe zu stolpern, laufen beispielsweise auf der Oberwelt Gegner herum.

Die rennen mal auf euch zu, mal von euch weg. Lauft ihr in sie hinein, startet der rundenbasierte Kampf. Angriff, Verteidigung, Gegenstand nutzen – alles bekannt. Runde für Runde dezimiert ihr so die Lebensenergie der Feinde. Als Belohnung gibt's am Ende die obligatorischen Erfahrungspunkte. Ab und zu gebt ihr dann Punkte für Talente aus.

Um Talentpunkte auszugeben, müsst ihr in das Menü des Spiels. Ab jetzt beginnt der wirkliche ... ähem, Spaß? Statt die Menüführung zu überholen, ändert Square Enix daran nichts. Warum der Entwickler diese Entscheidung getroffen hat ist unklar. Denn nur ein paar Minuten in dem unübersichtlichen Menü schreien gerade zu danach, dass irgendjemand etwas Logik reinquetschen sollte.

Ein nettes Reittier bekommt ihr auch.Ein nettes Reittier bekommt ihr auch.

Zwar könnt ihr ab sofort wann immer ihr wollt speichern, eine großartige Neuerung, doch die Menüführung dahin ist unsäglich. Hauptmenü aufrufen, auf "Verschie.", dann auf Schnellspeichern. Und wer glaubt, Talentpunkte werden unter der Rubrik Charakter oder Attribute vergeben: Irrtum. Dazu geht es auch ins „Verschiedenes“-Menü, dort auf Talentpunkte, dann auf den jeweiligen Charakter.

Ihr merkt schon, hätte Square Enix hier ein bisschen aufgeräumt, müsste niemand umständlich im Menü herumfingern.

Dafür bauen die Entwickler neben dem Schnellspeicher-System – gerade für ein Handheld-Spiel eine gute Entscheidung - noch andere Komfortfunktionen ein. Wer die immer gleich ablaufenden Kämpfe nicht mehr sehen kann, der spult die Angriffsanimationen einfach vor.

Bei besagten Komfortfunktionen stechen die verpassten Gelegenheiten, wie etwa das Menü, jedoch nur noch mehr heraus. Na ja, man kann nicht immer alles haben.

Über Frösche und Pferde

Sonst ist eigentlich alles beim Alten geblieben. Ihr übernehmt die Rolle eines namenlosen Helden. Zusammen mit eurem Räuberfreund Yangus, dem Froschding Trode und dem Pferd Medea sucht ihr einen bösen Narren.

Hier seht ihr die Abenteuergruppe vereint.Hier seht ihr die Abenteuergruppe vereint.

Der hat nämlich besagtes Froschding und das Pferd verwunschen. Eigentlich ist Trode ein König und Medea die dazugehörige Prinzessin.

Der Wurf in die Geschichte vollzieht sich schnell. Eben sitzt das Anime-Kerlchen noch auf einem Baumstumpf, schon zerschmettert es Holzfässer, knüppelt drei grinsende Schleimlinge nieder und zieht gleich darauf mit allen in eine Stadt. Selbstverständlich trefft ihr im Verlauf der umfangreichen Reise noch weitere illustre Gestalten, die sich eurer Truppe anschließen und mit Schwert und Magie kräftig austeilen.

Dragon Quest 8 ist – wie schon erwähnt – ein ganz klassisches japanisches Rollenspiel. Es entwickelt sich anfangs eher bedächtig, doch seid ihr erst einmal im Spielfluss - ja, dann kommt ihr schwer wieder raus.

Und es gibt viel zu tun. Die Oberwelt will erforscht werden. Die Charaktere aufgelevelt und die Kellerverliese gemeistert werden. In den Städten frischt ihr eure Mannen und Frauen auf, um dann wieder loszuziehen. Währenddessen erzählt Dragon Quest 8 eine wirklich lustige Geschichte.

Denn das hebt Dragon Quest 8 von anderen japanischen Rollenspielen ab: der Humor. Hier ist vor allem die zwar englische, dennoch wunderbar gelungene Synchronisation hervorzuheben. Die extravaganten Stimmen verleihen den kruden Charakteren gehörig Persönlichkeit.

Bunte, farbige Welt

Durch das Design von Dragonball-Erfinder Akira Toriyama und der "Cel-Shading"-Grafik sieht Dragon Quest 8 aus wie ein Anime. Also, zumindest was sich Entwickler 2004 darunter vorgestellt haben. Wer heutzutage mal Naruto Shippuden - Ultimate Ninja Storm 4 gezockt hat, findet sich dort wirklich in einem spielbaren Anime wieder.

Die Handlung wird in Zwischensequenzen erzählt.Die Handlung wird in Zwischensequenzen erzählt.

Nichtsdestotrotz hat die "Cel-Shading"-Grafik einen riesigen Vorteil: Obwohl Dragon Quest 8 ein „PlayStation 2“-Spiel ist – zwar für den 3DS aufbereitet – sieht es immer noch erstaunlich gut aus. Im Vergleich dazu sind PS2-Spiele, die versucht haben, realitätsnahe Grafik darzustellen, anstrengender zu genießen.

Auf dem 3DS kommen so die leuchtenden Farben und der Anime-Stil immer noch recht gut zur Geltung. Natürlich gibt es grafisch ausgefeiltere Spiele für den 3DS. Doch hässlich ist Dragon Quest 8 beileibe nicht. Hinzu kommt der tolle Soundtrack von Koichi Sugiyama.

Wer einmal ein “Dragon Quest”-Teil gespielt hat, findet sich also in Sachen Grafik und Musik direkt zurecht.

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Tags: Anime   Singleplayer  

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