Test Dead Rising 4: Zwischen Splatterfilm und Action-Klamauk

von Michael Krüger (31. Januar 2017)

Was ist besser als ein Einkaufszentrum voll mit Zombies? Richtig! Eine Kleinstadt, in der es von Untoten nur so wimmelt. In Dead Rising 4 seid ihr mittendrin - bis an die Zähne bewaffnet!

Frank West ist zurück. Gut, hierzulande war er eigentlich nie weg, geschweige denn überhaupt schon einmal hier. Also, jetzt ist er halt da. Ein Reporter, der neben seiner Spürnase vor allem eines hat: Lust auf Zombie-Brei. Und für diesen zu sorgen ist für den mittlerweile schon etwas angestaubten Journalisten nicht nur ein großes Vergnügen, sondern auch noch echte Handarbeit.

In Dead Rising 4 vereint Hersteller Capcom die Freiheit eines Sandkastenspiels mit einer düsteren Handlung voller Intrigen und würzt das Ganze mit einer Wagenladung überschwänglichen Humors aus Action-Filmen der Achtziger Jahre. Eine spannende Mischung, bei der sich Zwerchfellmassagen und Testosteronschübe abwechseln. Immer mit einem Augenzwinkern. Kurzweilige Unterhaltung zwischen zuckenden Leichenteilen und Macho-Sprüchen.

Ihr wolltet schon immer wissen, welche tödliche Waffe man aus einer Blanka-Maske (Street Fighter 2 lässt grüßen) und einer Autobatterie basteln kann? Oder wie ihr aus einem Rasentrimmer und einer Machete ein Mittel gegen Zombies herstellt? Dann könnte Dead Rising 4 viele eurer Fragen beantworten.

Schenkelklopfer und Verschwörungstheorien

Frank West, seines Zeichens investigativer Reporter, hat schon viele grauenhafte Dinge mit eigenen Augen gesehen. Eigentlich sollten nächtliche Ausflüge in geheime Militäranlagen mittlerweile der Vergangenheit angehören. Doch wie es das Schicksal so will, befindet ihr euch innerhalb kürzester Zeit inmitten eines eskalierten Experiments. Vor euch liegt eine halb zerstörte Stadt, in der es von Zombies nur so wimmelt.

Für ein Selfie ist Frank West immer zu haben.Für ein Selfie ist Frank West immer zu haben.

Die große Frage, die sich stellt: Woher kommen denn schon wieder so viele Untote? Immerhin kümmerte sich Frank West bereits in seiner Vergangenheit um ähnliche Vorkommnisse und konnte sie sogar vereiteln. So entpuppt sich die Handlung von Dead Rising 4 nach und nach neben flachen Witzen und blutigen Massakern als Detektiv-Spiel, in dem ihr mithilfe von Verbündeten sowie eurer Kamera finstere Machenschaften aufdeckt, die für die aktuelle Katastrophe verantwortlich sind. Ein ganz schönes Brett angesichts des offensichtlich auf Spaß ausgelegten Spielablaufs.

Seltsamerweise passt die Mischung aber ganz gut. Zwar habt ihr auf der einen Seite einen überdrehten Protagonisten, der teilweise Sprüche der Marke Fips Asmussen vom Stapel lässt, auf der anderen Seite erlebt ihr aber gleichzeitig eine Handlung, die teilweise den Humor auf Sparwitz-Niveau durchbricht und ernsthafte und mitunter gruselige Geschichten erzählt. Auf diese Weise hält Dead Rising 4 eine angenehme Balance aus Kalauern und Spannung.

Linear und dennoch dynamisch

Die Formel von Dead Rising 4 ist ebenso simpel wie spaßbringend: Ihr bekommt innerhalb einer offenen Spielwelt einen bestimmten Zielort vorgegeben, an dem die Geschichte weitergeht, und metzelt euch euren Weg dorthin durch tausende Zombies. Egal, ob ihr gerade im Einkaufszentrum, der Innenstadt oder an einem anderen der vielen verfügbaren Orte seid, ihr findet reichlich Gegenstände, die sich als Waffe nutzen lassen. Und die braucht ihr dringend. Denn überall wimmelt es geradezu von lebenden Toten.

Hier ist Zombie-Jagd noch echte Handarbeit.Hier ist Zombie-Jagd noch echte Handarbeit.

Das mag in einem anderen Spiel eventuell eine große Herausforderung darstellen, nicht aber in Dead Rising 4. Spätestens wenn ihr eure ersten Blaupausen gesammelt habt, gibt es für euch kein Halten mehr. Aus alltäglichen Gegenständen baut ihr verheerende und wahnwitzige Waffen und mäht euch mit ihrer Hilfe durch ganze Horden von Untoten. Anders als ihr es vielleicht von vergleichbaren Kategorie-Vertretern kennt, bastelt ihr stets gleich an Ort und Stelle und müsst nicht extra eine Werkbank aufsuchen. Unnötige Wege bleiben dadurch aus.

So gestaltet sich der Ablauf von Dead Rising 4 einerseits schön flüssig, andererseits aber auch durchgehend dynamisch. Ohne lange zu überlegen, schnappt ihr euch nach Belieben herumliegenden Müll und nutzt ihn direkt für eure Verteidigung. Dank der 50 Baupläne, die ihr im Verlauf des Spiels finden könnt, fühlen sich daher alle Kämpfe immer frisch ein. Ein großer Teil des Spaßes in Dead Rising 4 rührt auch von eurer Neugier und dem unbändigen Drang, jede neue Waffe gleich ausprobieren zu wollen.

Kurzweilig und zugänglich

In den ersten Spielstunden bekommt ihr vermutlich kaum mit, dass ihr euch eigentlich allmählich über die gesamte Karte bewegt und dabei ein Ziel nach dem anderen erledigt. Alles greift nahtlos ineinander über. Funde, wie die bereits erwähnten Blaupausen, oder auch neue Hinweise auf die Hintergrundgeschichte motivieren euch dabei immer wieder, erneut in zuvor besuchte Gebiete zurückzukehren. Schafft ihr es dabei ein paar Überlebende zu retten, verbessern sich zudem eure Unterschlüpfe. Jedes Element innerhalb der Spielwelt dient einem Zweck.

Nur ein sauberer Unterschlupf ist ein guter Unterschlupf.Nur ein sauberer Unterschlupf ist ein guter Unterschlupf.

Sichere Unterkünfte verteilen sich in angenehmen Abständen auf der Karte, so dass ihr eigentlich zu jeder Zeit einen passenden Ort für eine Verschnaufpause findet. Hier kauft ihr Karten für Sammelbares, rüstet eure Vorräte auf oder kauft die eine oder andere Verbesserung. Durch ein System von Parkhäusern und Unterführungen könnt ihr zudem schnell von einem gesicherten Gebäude zum nächsten reisen.

Dead Rising 4 punktet vor allem durch Zugänglichkeit. Jede noch so kleine Spielmechanik fügt sich in das Gesamtbild ein. Hierzu zählen auch die Funktionen von Franks Kamera. Dank dieser deckt ihr Geheimnisse auf oder findet versteckte Räume. Es gibt unglaublich viel zu entdecken und zu sammeln, so dass ihr abseits der Hauptgeschichte, genug Beschäftigung für stundenlanges Spielen findet.

Die Karte zeigt euch nicht nur mögliche Aktivitäten, sondern auch versteckte Schätze.Die Karte zeigt euch nicht nur mögliche Aktivitäten, sondern auch versteckte Schätze.

Dank des Modus "New Game Plus" könnt ihr nach Beenden der Handlung von vorne beginnen und übernehmt dabei alle eure Verbesserungen. Von diesen gibt es reichlich, so dass ihr auch hier mehr als genug Motivation bekommt, immer wieder noch eine Runde durch die Massen an Zombies zu drehen und dadurch sowohl eure Werte zu verbessern als auch neue Fähigkeiten zu erwerben. Das ist für sich genommen schon ein schöner und zugleich stets präsenter Anreiz.

Die Steuerung von Dead Rising 4 ist zudem intuitiv und erlaubt euch nicht nur, eure Spielweise jederzeit den Gegebenheiten anzupassen, sondern auch schnell zwischen euren ausgerüsteten Waffen zu wechseln. Da sich diese immer wieder anders anfühlen, merkt ihr oft gar nicht, wie die Zeit vergeht und hängt deutlich länger vorm Bildschirm als ihr es vielleicht vorhattet. In Punkten Spielmechanik eine wichtige Eigenschaft und ein großer Pluspunkt für Dead Rising 4.

Fehlender Feinschliff

Etwas geschmälert wird der Spaß durch die technischen Aspekte von Dead Rising 4. Es ist zwar bemerkenswert, dass trotz der oft riesigen Mengen an Zombies die Bildwiederholungsrate stabil bleibt, allerdings geht das auf Kosten der Vielseitigkeit. So gibt es zwar verschiedene Sorten von Gegnern, doch innerhalb einer Kategorie nur wenig Variation. Außerdem kommt es immer wieder zu Clipping-Fehlern: Feinde und Gegenstände stecken in Wänden fest oder gehen einfach durch sie hindurch. Auch die fehlende Kantenschärfe könnte euch an einigen Stellen negativ auffallen. So reicht die Treppchenbildung an manchen Gebäuden und Details von kleinen rauen Punkten bis hin zu wild flackernden Streifen. Das nimmt dem Spielspaß nur bedingt etwas von seiner Qualität, dennoch fällt es auf.

Lange Kanten erscheinen häufig pixelig.Lange Kanten erscheinen häufig pixelig.

Gelungen ist hingegen die Vertonung. Sowohl die Effekte - wie zum Beispiel Waffengeräusche - als auch die Musik passen wunderbar ins Gesamtbild. Der weihnachtliche Charme, der besonders in den Pausen-Menüs zum Tragen kommt, unterstreicht die absurde Mischung aus urbanen gemütlichen Szenarien und blutüberströmten wandelnden Leichen. Auch hier gelingt der Spagat zwischen Flachwitz und packender Atmosphäre mit einem Augenzwinkern. Die deutsche Vertonung der Charaktere ist weitestgehend ebenfalls gelungen. Frank klingt sogar ähnlich überzogen und flapsig wie in der Originalversion. Die meiste Zeit über ist das ziemlich stimmig. Hier und da schlägt der Sprecher allerdings etwas über die Stränge und verfehlt das Ziel. Nichts, was ihr angesichts der ansonsten gelungenen Akustik nicht verzeihen könntet.

Zu guter Letzt wäre da noch der etwas lieblos inszenierte Mehrspieler-Modus. Mit bis zu drei Freunden durchlauft ihr festgelegte Szenarien und erledigt Aufgaben. Im Grunde eine kleine Kopie der Kampagne. So richtig will der Funke dabei allerdings nicht überspringen und bei der Erstveröffentlichung lief hier technisch auch noch einiges schief. Ein Verzicht auf diesen Modus hätte dem Hauptspiel sicher nicht geschadet und den einen oder anderen Fehler vermieden. Ihr könnt durchaus Spaß beim gemeinsamen Schnetzeln haben, doch ist der Unterhaltungsfaktor geringer als im Hauptspiel.

Nachtrag: Dead Risig 4 jetzt auch auf Steam

Mittlerweile ist Dead Rising 4 auch im Handel oder auf Steam für den PC erhältlich, weshalb auch diese Fassung noch eine Erwähnung verdient. Am Umfang ändert sich bei dieser Version nichts. Ihr erhaltet also im Grunde die gleiche Erfahrung wie auf der Xbox One.

Auf dem PC hat Frank auch bei großen Zombieversammlungen gut Lachen.Auf dem PC hat Frank auch bei großen Zombieversammlungen gut Lachen.

Gut, etwas mehr bekommt ihr dann doch noch. So könnt ihr nicht nur mehr aus der optischen Darstellung herauskitzeln, sondern Dead Rising 4 auch wahlweise mit Tastatur und Maus oder Controller und natürlich auch in 4K spielen. Wie groß dabei der Unterschied zur Fassung der Xbox One und wie hoch die Auflösung ist, hängt natürlich von eurem PC und besonders von eurer Grafikkarte ab.

Ist letztere recht aktuell, dürfte einer hochaufgelösten Zombieschlacht nicht viel im Wege stehen. Besonders die Bildwiederholungsrate profitiert bei neueren PCs von mehr Leistung und knickt nicht so leicht ein, sollte sich mal wieder ein großes Rudel Untoter auf eurem Bildschirm tummeln. Spielabstürze werden einzeln vermeldet, dürften allerdings durch Anpassung der Einstellungen und etwaigen Patches schnell beseitigt sein.

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Tags: Singleplayer   Koop-Modus   Horror  

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