Test Kingdom Hearts 2.8 HD - Final Chapter Prologue: Langer Name, kurzes Spiel

von Micky Auer (03. Februar 2017)

Wartezeiten über Wartezeiten bis Kingdom Hearts 3. Das Kapitel Final Chapter Prologue versucht, diese Lücke zu füllen ... und macht das Warten in gewisser Weise nur noch schwieriger.

Bereits in der Vorschau: "Kingdom Hearts 2.8 - Lebt die Serie noch?" haben wir euch einen Ausblick auf den Neuzugang im "Kingdom Hearts"-Universum geben können. Der versprach ein dreiteiliges Paket aus alten und neuen Inhalten sowie Grafik und Technik auf einem durchaus hohen Niveau:

Die gute Nachricht: Diese Versprechen wurden gehalten. Die weniger gute Nachricht: Obwohl mit Kingdom Hearts HD 2.8 - Final Chapter Prologue alle Ankündigungen bezüglich des Inhalts eingehalten wurden, fällt dieser im Gesamtüberblick erstaunlich klein aus.

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Eindrücke aus Kingdom Hearts 2.8

Damit ihr wisst, worum es geht, die Sammlung besteht aus:

  • dem kompletten Kingdom Hearts 3D - Dream Drop Distance mit dem Zusatz "HD". Dabei handelt es sich um eine Remaster-Version des ehemals 3DS-exklusiven Serienteils.
  • Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep - A Fragmentary Passage ist ein neues Kapitel für das namensgebende Kingdom Hearts - Birth by Sleep.
  • Kingdom Hearts - Back Cover bildet den Abschluss der Sammlung. Dabei handelt es sich nicht um ein Spiel, sondern einen Film, der die Erzählstränge früherer Serienteile sinnvoll verbinden soll.

Bei Licht betrachtet sind das die Neuauflage eines bereits fünf Jahre alten Spiels, eine Tech-Demo für das kommende Kingdom Hearts 3, basierend auf dem Grafikgerüst der Unreal Engine 4 und ein nicht-interaktiver Film, den ihr euch nur anschauen könnt. Was genau man von dieser Auswahl an Inhalten denken soll, hängt in erster Linie davon ab, ob ihr bereits seit Jahren zu der großen Gefolgschaft der "Kingdom Hearts"-Reihe gehört, oder ob ihr gerade erst anfangt, damit zu liebäugeln. Gehen wir also ins Detail.

Dream Drop Distance - Ein wertvoller Beitrag

Das bereits erwähnte Kingdom Hearts 3D - Dream Drop Distance kann ruhigen Gewissens als der substanziellste (nicht jedoch der Aufsehen erregendste) Beitrag in Kingdom Hearts 2.8 gewertet werden. Zwar hat das Spiel schon fast fünf Jahre auf dem Buckel, doch im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, die zuvor auf anderen Plattformen erschienen sind und eine HD-Aufhübschung erhalten haben, beweist Square Enix hier auf ganzer Linie, wie man es richtig macht.

Die Farbwahl in Dream Drop Distance HD ist mitunter arg psychedelisch.Die Farbwahl in Dream Drop Distance HD ist mitunter arg psychedelisch.

Die Stärken der Originalvorlage sind ohne Abstriche vorhanden. Gemeint ist damit das Kampfsystem, die Charaktere und Welten, die sowohl aus Disney-Filmen, wie auch aus Spielen von Square Enix selbst entlehnt werden. Das ist natürlich einer der Hauptbestandteile für den Erfolg der Reihe. Gerade dieser Umstand wirft jedoch eine interessante Frage auf, die im Abschnitt zu Kingdom Hearts - Back Cover gestellt werden soll.

Kenner des Originals erwarten inhaltlich keine großartigen Neuerungen. In bester "Kingdom Hearts"-Manier prügelt ihr euch in Echtzeit in den Rollen von Riku und Sora durch bunte Welten, die an Disney-Filme angelehnt sind, durch eine geheimnisvolle und berührende Geschichte, die mitunter etwas zu verschachtelt wirken kann. An der Darstellung scheiden sich wiederum die Geister. So mancher Spieler mag in der Grafik lediglich ein 3DS-Spiel sehen, das auf HD hochgeprügelt wurde. Andere wiederum erkennen die Feinarbeit und das gute, zugrunde liegende Design. Uns hat es jedefalls gefallen und wir wissen die sorgfältige Umsetzung durchaus zu schätzen.

Die begrenzte Zeit, die euch für das Spielen mit einem Charakter zur Verfügung steht, bevor ihr zu einem anderen wechseln müsst, ist zwar kein Problem, fühlt sich aber seltsam an. Das ist ganz klar ein Vermächtnis aus dem für ein Handheld geplantes Spiel, dass unterwegs und/oder in kürzeren Abschnitten gespielt werden soll. Durch die im allgemeinen längeren Spielzeiten auf einem stationären Bildschirm wirkt diese Mechanik im Spielfluss etwas erzwungen und unnötig.

Jetzt geht's ab! Sora beweist, dass er seit den frühen Tagen von Kingdom Hearts nichts verlernt hat.Jetzt geht's ab! Sora beweist, dass er seit den frühen Tagen von Kingdom Hearts nichts verlernt hat.

Was ebenfalls nicht ganz so perfekt gelungen ist, sind die Umsetzungen der Mini-Spiele, die für den 3DS klarerweise auf die Steuerung per Touchscreen ausgelegt sind. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die neuen Spielvarianten inklusive deren Steuerung durch traditionelles Knöpfchendrücken sind keinesfalls schlecht, jedoch kommt das Gefühl auf, dass sie nicht gänzlich intuitiv und "natürlich" rüberkommen. Allerdings ist das vermutlich auch dem Umstand geschuldet, dass durch die Kenntnis des 3DS-Originals eine andere Erwartungshaltung vorliegt. Wer Dream Drop Distance noch nicht kennt, dem wird vermutlich nichts dergleichen auffallen.

A Fragmentary Passage - Der geplante Haupthappen

Square Enix nennt A Fragmentary Passage selbst einen "Ausblick auf Kingdom Hearts 3". Auch wenn der Gesamtgeschichte ein erweiterter Erzählstrang hinzugefügt wird, so bleibt es tatsächlich nicht mehr als das, nämlich: ein Ausblick. Denn nach gerade mal drei Stunden Spielzeit ist der Spaß viel zu schnell wieder vorbei.

Bildschön: Aqua präsentiert ihren kurzen Ausflug in hübscher Grafik.Bildschön: Aqua präsentiert ihren kurzen Ausflug in hübscher Grafik.

Von einem positiven Blickwinkel aus betrachtet ist hervorzuheben, dass es sich bei A Fragmentary Passage tatsächlich um den ersten tatsächlich neuen Inhalt für ein "Kingdom Hearts"-Spiel handelt, der seit über einem Jahrzehnt für eine stationäre Konsole entwickelt wurde. Besagter Inhalt füllt kleine Lücken zwischen älteren Teilen der Serie. Glücklicherweise gibt es neben der viel zu kurzen Spielzeit aber auch eindeutig Postives zu sehen.

Die Grafik, zum Beispiel, ist ein wahres Gedicht in Sachen Bildkomposition. Düster gehaltene, jedoch dennoch farbenfrohe Hintergründe vermitteln gekonnt ein ganz eigenes Fantasy-Gefühl. Auf technischer Seite gibt es nichts zu bemängeln. Speziell das Echtzeit-Kampfgeschehen ist eine äußerst virtuose und flüssige Angelegenheit, die die Stärken der Unreal Engine 4 eindrucksvoll präsentiert.

Vom erzählerischen Standpunkt aus soll hier nicht allzu viel verraten werden. Schließlich kann in nur drei Stunden Spielzeit ohnehin nicht sonderlich viel vermittelt werden. Daher erfahrt ihr hier nur den Grundriss des Geschehens: Die junge Aqua, eine der Hauptfiguren aus Kingdom Hearts - Birth by Sleep, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Gefangen in der Dunklen Welt nach dem Ende von Birth by Sleep, soll sie wie gewohnt gegen die Herzlosen kämpfen und durch das Lösen von recht einfachen Rätseln weitere Wege öffnen.

Geschafft! Aqua hat den Weg zum Schloss geebnet.Geschafft! Aqua hat den Weg zum Schloss geebnet.

A Fragmentary Passage als einfache Demo zu bezeichnen, wäre unfair. Eher trifft "äußerst luxuriöse Demo" zu, denn letzten Endes ist die Geschichte, die darin enthalten ist, ein integraler Bestandteil der erzählerischen Einheit von Kingdom Hearts. Die Präsentation ist überaus gelungen, der Spielablauf macht definitiv Lust auf mehr. Daher rührt auch die in der Einleitung erwähnte "schwierigere Wartezeit" auf den nächsten vollwertigen Serienteil.

Denn hier zeigt Square Enix, was vielleicht irgendwann sein könnte. Jedoch ist euch nicht mehr als ein kurzer Blick gestattet (und ja: Drei Stunden Spielzeit sind nun mal für ein Rollenspiel nicht mehr als ein kurzer Blick). Aquas Reise mutet wie eine Solo-Mission an, die sich an den größeren Abschnitten vergangener Spiele orientiert, die dem Disney-Universum entnommen sind. Unterm Strich bleibt ein sehenswertes, wenn auch viel zu kurzes Kapitel, das in seiner Eigenständigkeit durchaus Potenzial für eine weiterführende Geschichte bietet.

Back Cover - Mehr als nur ein Klappentext?

Abschließend sei natürlich der Film Kingdom Hearts - Back Cover erwähnt, der zum Gesamtpaket gehört. Dummerweise kann es hierbei tatsächlich auch nur bei einer Erwähnung bleiben, denn den Inhalt zu schildern wäre äußerst kontraproduktiv für all jene, die sich das Werk ansehen wollen. Mit "all jene" sind die Spieler gemeint, die bereits im "Kingdom Hearts"-Universum heimisch sind. Denn es gibt einen Haken.

Der Film Back Cover soll offene Erzählstränge miteinander verbinden.Der Film Back Cover soll offene Erzählstränge miteinander verbinden.

Wer schon jemals eine gerenderte Zwischensequenz in einem Spiel von Square Enix gesehen hat - ganz egal in welchem Spiel - der weiß, dass hier allerbeste Qualität zu erwarten ist. Glücklicherweise wird dieser Anspruch auch in Back Cover erfüllt. Der Haken gestaltet sich wie folgt: Ohne Kenntnis über die bisherigen Geschehnisse in der Serie fühlt sich jeder Neuzugang komplett außen vor gelassen. So hübsch der Film sich präsentiert, so wenig trägt er dazu bei, Neueinsteiger abzuholen. Auch sei erwähnt, dass er in keiner Weise das repräsentiert, was Kingdom Hearts im Kern ausmacht.

Auffallend ist die völlige Abwesenheit von Figuren aus dem Disney-Universum sowie aus dem eigenen Fundus von Square Enix. Keine "Final Fantasy"-Helden, kein Donald, kein Goofy, kein Micky. Wer mit dem Film zum ersten Mal einen Blick ins Reich von Kingdom Hearts wirft, erhält einen völlig falschen Eindruck von der Serie und verpasst genau das, was die Spielereihe von Anfang an so erfolgreich macht. Nämlich die Verschmelzung zweier Welten, die jede durch ihren eigenen Zauber besticht und in Kombination mehr sind als bloß die Summe ihrer Einzelteile.

Womit nun auch die Frage gestellt werden darf, die eingangs erwähnt wurde: Gerade Disney ist dafür bekannt, die berühmten Figuren aus der eigenen Werkstatt schon mit beinahe religiösem Eifer im rechten Licht zu präsentieren. Der Umstand, dass keine davon in Back Cover in Erscheinung treten, kann viele Gründe haben. Vielleicht gibt es dafür nicht die passenden Lizenzen. Vielleicht sieht Disney in dieser Produktion nicht genug Potenzial, um seine weltberühmten und finanziell äußerst lukrativen Charaktere dafür herzugeben. Vielleicht nimmt Square Enix das Ruder zu sehr selbst in die Hand. Oder vielleicht haben die aktuell Verantwortlichen die Essenz von Kingdom Hearts nicht verstanden. Antwort auf diese Frage haben wir keine. Verwunderlich ist der Umstand aber dennoch.

Eingefleischte Fans jedoch werden sich daran nicht stören, sondern jede Sekunde genießen und vielleicht mit dem einen oder anderen "Aha!" auf den Lippen das Geschehen verfolgen.

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Anime   Film  

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