Vorschau Conan Exiles: Noch ein steiniger Weg

von Michael Krüger (17. Februar 2017)

Blutgetränkter Sand, schreckliche Mutationen und orientalische Stripperinnen - Conan der Barbar ist ein beliebtes Motiv der Pop-Kultur. Nun bekommt er mit Conan Exiles seinen bis dato größten spielbaren Auftritt.

Conan Exiles schwingt sich mit der Axt im Anschlag in den Vergleichskampf der Überlebensspiele und stellt frech die Frage in den Raum, wer den Größten hat. Abgesehen von den Anpassungsmöglichkeiten der Geschlechtsmerkmale eures Charakters zählen natürlich ganz andere Werte. Als Spiel dieser Gattung gehört neben einer frei begehbaren Spielwelt und einem Online-Mehrspielermodus vor allem ein umfangreiches Bastelsystem.

Groß ist zumindest letzteres. Gleiches gilt für die Ambitionen, die Conan Exiles verfolgt. Ein unerbittlicher Überlebenskampf, der euch und euren Stamm an die Spitze einer Zivilisation führt, in der sich alles um Sex und Gewalt dreht. Also im Grunde so wie die Handlung von Game of Thrones. Kennt ihr den Conan-Film mit Arnold Schwarzenegger, versteht ihr schnell, welche Symbolik und vor allem welcher Ton hier vorherrscht: blanke Muskeln, nackte Haut und jede Menge Blut!

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Alles über Conan

Nur vom Wollen wurde allerdings noch kein Spiel zum Erfolg, daher brauchte es einige Anstrengungen, bis aus der in Trailern hübsch verpackten Vorstellung spielbare Wirklichkeit geworden ist. Um Erfahrungswerte und Rückmeldungen in den laufenden Prozess einfließen lassen zu können, entschieden sich die Entwickler dazu, Conan Exiles nun in der "Early Access"-Phase auf Steam zu veröffentlichen. Ab hier scheint der Weg jedoch noch recht steinig zu sein.

Fressen und gefressen werden

Zu den Elementen, die in Conan Exiles aktuell noch recht roh sind, zählt unter anderem die Handlung. Erwartet zum jetzigen Zeitpunkt noch keine ausgeprägte Erzählung oder verzweigte Nebenmissionen. Der Rahmen steht zwar schon, dürstet allerdings noch nach Inhalten. Jeder eurer Charaktere beginnt seine Reise an einem Kreuz hängend. Euch ist also direkt klar, dass euch in dieser Welt nichts geschenkt wird. Zurückgelassen, um das letzte Stündchen zu erleben, werdet ihr nun befreit und kämpft euch von hier an den Weg zurück in die Zivilisation. Wenn man das so nennen darf.

Kein glücklicher Einstieg: Eigentlich werdet ihr zum Sterben zurückgelassen.Kein glücklicher Einstieg: Eigentlich werdet ihr zum Sterben zurückgelassen.

Vor euch liegen zunächst vor allem Dünen, kleinere Oasen und jede Menge schlecht gelaunter Tiere und Barbaren. Der harte Überlebenskampf in einer Zeit, in der Unterhosen aus Leder und Stahl sind, zeigt sich direkt von der rohen und schonungslosen Seite, die ihr aus Verfilmungen und Literatur kennt. Conan Exiles ist blutig, hart und dreckig. Der Stärkste gewinnt, egal zu welchem Preis.

So gehört in dieses Universum auch der Fang und das Halten von Sklaven, was zugleich eines der wesentlichen Alleinstellungsmerkmale von Conan Exiles darstellt. Jeder Wilde, der euch vor das Lasso kommt, wird so im Handumdrehen zu einem Teil eurer barbarischen Gemeinschaft. Um eure Siedlung zu schützen oder Maschinen betreiben zu können, kommt ihr um menschliche Ressourcen nicht herum. Sollte das also eine Thematik sein, die euch nicht behagt, werdet ihr mit der Welt von Conan Exiles so eure Probleme haben.

Gleiches gilt für die Zurschaustellung von Nacktheit. Die Vorlage besteht zu weiten Teilen aus muskelbepackten Kriegern, die mithilfe von ein paar Fellfetzen ihre Kronjuwelen schützen und am liebsten ihre schwitzenden Muskeln in der Sonne spiegeln lassen. Begleitet werden die Barbaren oft von üppigen Begleiterinnen, die ebenfalls wenig Wert auf Kleidung legen und ihre Reize nicht verbergen. Diese Atmosphäre greift Conan Exiles spielerisch unter anderem dadurch auf, dass ihr wahlweise die Länge eures besten Stücks respektive die Größe eurer Oberweite sowohl bestimmen als auch begutachten könnt. Das funktioniert vor dem Hintergrund der Vorlage durchaus, stellt allerdings keinen spürbaren Mehrwert für die Unterhaltung dar.

Von Ark bis Conan

Betrachtet ihr zunächst die grundlegenden Spielmechaniken werdet ihr direkt an Ark - Survival Evolved erinnert. Sowohl eure anfänglichen Tätigkeiten als auch der grobe Aufbau ähneln sich stark. Damit sind nicht nur gattungsbedingte Parallelen gemeint, sondern auch einzelne Details. Zu Beginn seid ihr im Grunde nackt und unbeholfen. Damit ihr euch in dieser rauen Welt behaupten könnt, benötigt ihr Nahrung, Wasser, Schutz und eine sichere Unterkunft.

Die ersten Spielstunden gestalten sich äußerst anstrengend. Zumindest wenn ihr alleine spielt.Die ersten Spielstunden gestalten sich äußerst anstrengend. Zumindest wenn ihr alleine spielt.

Für jede Aktion erhaltet ihr Erfahrungspunkte. Diese lassen euch in Stufen aufsteigen, die euch jeweils Verbesserungspunkte für eure Attribute als auch neue Rezepte gewähren. So steigert ihr einerseits eure Konstitution und eure Fähigkeiten als auch das Repertoire an baubaren Objekten. Diese herzustellen nimmt dabei einen Großteil der Spielmechaniken ein. So wie sich das für ein Überlebensspiel eben gehört.

Also sammelt ihr zunächst Äste und Steine auf, baut euch eine Spitzhacke und eine Axt und macht euch fortan an Bäumen und Felsen zu schaffen. So erntet ihr schneller mehr Ressourcen, wodurch ihr wiederum bessere Gegenstände und Ausrüstungsteile fertigen könnt. So kennt ihr das auch aus anderen Spielen dieser Art. Die Frage ist jedoch, wo Conan Exiles hin möchte. Euer übergeordnetes Ziel ist nämlich nicht etwa ein schönes Häuschen auf dem Land mit einer Schaukel im Garten, sondern ein ganzes Imperium. Aus der Perspektive des frisch vom Kreuz genommenen Häufchen Elends wirkt dieses Ziel utopisch. Und doch stehen euch Mittel und Wege im Spiel zur Verfügung, die euch an die Spitze eines gigantischen Tempels bringen, von wo aus ihr über ein Königreich herrscht. Gesetzt den Fall, ihr nehmt diesen Weg auf euch.

Von eurer ersten Lehmhütte und einem Bett aus Blättern führt euch eure Reise irgendwann zu mehreren eigenen Gebäuden und ganzen Siedlungen, die wiederum zu Städten wachsen. Diese haltet ihr durch Leibeigene am Leben. Eingefangene Wilde setzt ihr an Produktionsmaschinen oder bildet sie zu Wachen aus. Die besonders knackigen lasst ihr für euch tanzen. Das ist das Leben eines Barbaren. Das Konzept ist jedenfalls stimmig und fasst sowohl die offensichtlichen Aspekte als auch Details aus der Literatur-Vorlage passend zusammen. Der Götterkult um übernatürliche Wesen darf da ebenfalls nicht fehlen. So weit sich das zum jetzigen Standpunkt der unfertigen Spielversion abschätzen lässt, ist das Konzept durchdacht und sowohl für Alleingänger als auch in der Gruppe mit anderen ein spaßbringender Zeitvertreib.

Noch viel zu tun

Die Realität im Spiel sieht aktuell allerdings noch etwas anders aus. Wenn sich auch schon viele Absichten klar abzeichnen und einige der Mechaniken zumindest ihrer Funktion nach vollständig sind, so macht euch die Technik im Moment dennoch einen Strich durch die Rechnung. Neben teilweise rein kosmetischen Fehlern ist es die Balance, die für Frust sorgt.

Altare gehören zu den besonderen Bauten in Conan Exiles.Altare gehören zu den besonderen Bauten in Conan Exiles.

Das Tempo eurer Entwicklung bis zu einem Punkt im Spiel, der dem eigentlich anvisierten Gefühl entspricht, ist äußerst gering. Viele Produktionskosten sind unverhältnismäßig hoch und besonders zu Beginn werdet ihr einige Bildschirmtode brauchen, bis ihr eine ansatzweise solide Ausgangssituation für weitere Versuche erreicht. Dieser Umstand relativiert sich, wenn ihr in der Gruppe spielt. Hier teilt ihr euch Aufgaben zu und arbeitet zusammen. Wie auch andere Überlebensspiele überzeugt Conan Exiles vor allem im Mehrspieler-Modus. Gemeinsam erreicht ihr schneller die richtig unterhaltsamen Spielmechaniken.

Hier erst hebt sich Conan Exiles nämlich von der Konkurrenz ab. Habt ihr die mühsame Reise durch den Überlebenseinheitsbrei einmal hinter euch, warten neben den erwähnten Leibeigenen auch spezielle Mechaniken wie Beschwörungen und Religion auf euch, mithilfe derer ihr euch künstliche Menschen und Monster erschaffen könnt. Selbst okkulte Rituale gehören zu euren Mitteln. Das, was das Conan-Universum ausmacht, verbirgt sich spielerisch also zunächst unter einer Schicht Austauschbarkeit, zeigt dann aber durchaus einen brauchbaren Unterhaltungswert.

Stimmig und roh

Bei so viel spielerischer Genauigkeit dürft ihr zurecht auch eine stilechte Präsentation erwarten. Aus der gestalterischen Sicht werdet ihr auch nicht enttäuscht. Besonders der Intro-Film trifft den Ton der Vorlage und sorgt für eine barbarische Stimmung. Im Spiel selbst ist der Grad der Gewaltdarstellung ebenfalls recht hoch. Und auch die Erotik kommt dank der bereits erwähnten Tänze nicht zu kurz. Steht ihr auf etwas mehr nackte Haut, könnt ihr sogar die Genitalien der Figuren bewundern. Ein Umstand, für den Conan Exiles bereits Aufmerksamkeit bekam.

Bei heißem Wetter solltet ihr immer Sandalen tragen!Bei heißem Wetter solltet ihr immer Sandalen tragen!

Diese sollten die Entwickler auf jeden Fall noch auf die Qualität der Darstellung legen. Conan Exiles hat hier noch einen weiten Weg vor sich. Neben bereits erwähnten optischen Fehlern fehlt es der Spielwelt und ihren Bewohnern noch an Charakter und vor allem Feinschliff. Die unterschiedlichen Landschaftsabschnitte sind zwar schon stimmungsvoll, doch fehlen schöne Texturen und atmosphärische Licht und Umgebungs-Effekte aktuell weitestgehend. Auch die Bewegungsabläufe und die Kampfanimationen lassen noch zu wünschen übrig.

Solltet ihr auf eine runde Spielerfahrung hoffen, wartet ihr besser bis zur vollständigen Veröffentlichung. Die Immersion von Conan Exiles ist aktuell noch gering und bietet eventuell nicht die Erfahrung, auf die Trailer euch hoffen lassen. Steife Kämpfe, gleitende NPCs und Bildaussetzer treten häufig auf und erinnern euch immer wieder daran, dass sich das Spiel aktuell noch im "Early Access"-Status befindet und es bis zur Fertigstellung noch einige Zeit dauert.

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Tags: Multiplayer   Fantasy   Singleplayer   Open World  

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