Vorschau Victor Vran und Motörhead - Through the Ages: Das rockt gewaltig

von Sönke Siemens (16. Februar 2017)

Cooler Held, schräge Waffen, bizarre Geschichte. In der eiskalten Krypta einer orthodoxen Kirche in London durften wir die für Victor Vran geplante Erweiterung Motörhead - Through the Ages anspielen.

Bevor wir euch im Detail verraten, warum die Motörhead-Erweiterung unserer Artikelüberschrift alle Ehre macht, zunächst eine kurze Einordnung für all jene, die mit Victor Vran rein gar nichts anfangen können. Das Wichtigste vorweg: Der gute Mann ist Dämonenjäger und seit Februar 2015 im Geschäft – zunächst allerdings nur in der "Early Access"-Rubrik auf Steam. Doch schon wenige Monate später, genauer gesagt am 24. Juli 2015, erreicht das von den Tropico-Machern entwickelte Spiel Goldstatus und erntet sowohl bei Fans als auch Fachpresse viel Zuspruch. Vor allem der voranpeitschende "4 Spieler"-Koop-Modus, die packende Gothic-Atmosphäre, die nicht enden wollende Loot-Spirale sowie die vergleichsweise niedrigen Hardware-Anforderungen haben bei Käufern einen Stein im Brett.

Hinzu kommt: Statt sich umgehend neuen Projekten zu widmen, versorgt das engagierte Studio aus Bulgariens Hauptstadt Sofia Victor Vran auch nach der Veröffentlichung mit jeder Menge Updates sowie drei kleineren Gratis-DLCs. Was die Community zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Einige Entwickler bei Haemimont Games sind leidenschaftliche Anhänger der britischen Kultband Motörhead und hegen schon seit Längerem den Wunsch, beide Marken zusammenzubringen.

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Victor Vran - Overkill Edition im Überblick

Das Ergebnis der daraus resultierenden Lizenz-Verhandlungen ist Motörhead - Through the Ages, eine umfangreiche Story-Erweiterung, die noch im Mai 2017 erscheinen soll. Und zwar nicht nur für PC, sondern erstmals auch für PS4 und Xbox One. Möglich macht’s die sogenannte Overkill Edition. Das "Rundum sorglos"-Paket ist ebenfalls für Mai geplant und besteht aus dem ursprünglichen Victor Vran, allen bisher erschienenen DLC-Inhalten, Motörhead - Through the Ages sowie Fractured Worlds - einer zweiten Download-Erweiterung, auf die wir später noch zu sprechen kommen. Victor Vran auf PC schon gekauft? Dann könnt ihr jede der beiden Erweiterungen zum fairen Preis separat erwerben.

Wandler zwischen den Welten

Die Anspielrunde in London beginnt schräg, ziemlich schräg sogar. Hauptgrund hierfür ist die irrwitzige Geschichte, mit der die Bulgaren die Welten von Motörhead und Victor Vran miteinander verknüpfen. Die Grundidee in fünf Sätzen: Auf seinen vielen Reisen verschlägt es Rockstar Lemmy Kilmister in eine seltsame Paralleldimension, in der ein grausamer Politiker Krieg und Verderben sät. Lemmy geht das natürlich gewaltig gegen den Strich, weshalb er beschließt, den „Führer“ und seine dunklen Horden mit Hilfe einer Kreation namens Snaggletooth zurückzudrängen. Ein jahrelanger, erbitterter Kampf entbrennt, den Snaggletooth am Ende verliert. Doch noch sind Hopfen und Malz nicht verloren, denn in sprichwörtlich letzter Minute ruft Lloyd - ein jahrelanger Freund von Lemmy - Dämonenjäger Victor Vran zur Hilfe. Das Abenteuer beginnt.

Motörhead - Through the Ages besteht aus drei großen Welten. Hier kämpft sich Victor gerade durch das "Wild-West"-Szenario.Motörhead - Through the Ages besteht aus drei großen Welten. Hier kämpft sich Victor gerade durch das "Wild-West"-Szenario.

Klingt alles ziemlich abgedreht und an den Haaren herbeigezogen? Wohl war. Weil sich die Geschichte jedoch ohnehin zu keiner Zeit sonderlich ernst nimmt und mit einer deftigen Prise schwarzem Humor abgeschmeckt wird, funktioniert das Gesamtkonstrukt besser als erwartet.

Story-Eskapaden hin oder her, spielmechanisch holt uns die PS4-Fassung von Motörhead - Through the Ages bereits nach wenigen Minuten ab. Das liegt zum einen an der butterweichen Bildrate und der damit einhergehenden, hochgradig präzisen Controller-Steuerung. Pixelgenau folgt Victor jedem Gamepad-Befehl, deckt heranstürmendes Feindpack durch Antippen der Kreis,- Quadrat- und Dreieck-Knöpfe mit diversen Spezialattacken ein und steigert auf diese Weise die sogenannte Overdrive-Anzeige.

Einmal komplett gefüllt und die nötigen Dämonenkräfte vorausgesetzt, könnt ihr damit dann ultimative Zerstörung entfachen. In der ersten Spielstunde zum Beispiel in Form niederprasselnder Meteore oder eines Bombers, der das Schlachtfeld mit einem Teppich aus Fassbomben einäschert. Alternativ rüstet ihr eher passive Dämonenkräfte aus und freut euch über temporäre Unbesiegbarkeit, kurzzeitigen Schutz vor negativen Statuseffekten und vieles Praktisches mehr.

Spannend auch die sogenannten Schicksalskarten, von denen Victor im Spielverlauf bis zu sechs gleichzeitig ausrüsten darf. Die Karten selbst sind dabei am ehesten mit dauerhaft wirkenden Perks vergleichbar. „The Moon“ zum Beispiel sorgt immer dann für eine Frost-Explosion, wenn Victor einen kritischen Treffer landet. Prima Sache: Um mit der Motörhead-Erweiterung durchstarten zu können, ist kein aufgelevelter Charakter aus dem Hauptspiel nötig. Eine kurze Tutorial-Sequenz sowie zahlreiche Hilfebildschirme stellen darüber hinaus sicher, dass auch Grünschnäbel die Feinheiten der Damönenjagd schnell verinnerlichen.

Motörhead mit Leib und Seele

Nächster Pulsbeschleuniger sind die unglaublich fetzigen, vielfach eigens auf das Spiel abgestimmten Motörhead-Riffs. Sei es nun „Ace of Spades“ oder „Queen of the Damned“ - die Musikauswahl geht voll ins Ohr und passt einfach unglaublich gut zum allgegenwärtigen Dämonen-Dauersterben.

Vom Plattencover zum Bossgegner: Mit Orgasmatron ist nicht zu spaßen.Vom Plattencover zum Bossgegner: Mit Orgasmatron ist nicht zu spaßen.

Wie uns Phil Campbell, Gitarrist von Motörhead später im Plausch in gemütlicher Runde verrät, soll es außerdem einige versteckte akustische Leckerbissen geben. Originalzitat Campbell: „Die Game-Leute haben ziemlich verrückten Scheiß eingebaut – sofern ihr ihn denn findet“.

Doch nicht nur musikalisch ist das hier alles voll auf Motörhead getrimmt. Auch auf spielerischer Ebene lassen sich die Macher immer wieder von den britischen Kult-Rockern inspirieren. Schlittert Victor beispielsweise mit gezückter Gitarrenwaffe am Boden entlang, unterbrechen Skelettkrieger und Höllenhunde ihre Angriffsversuche, um kurzzeitig eine Headbanging-Session einzulegen. Anderenorts beschwört Victor einen gigantischen Konzertlautsprecher herauf. Das Konstrukt rauscht aus heiterem Himmel zu Boden, beginnt im Kreis zu rotieren und wenige Sekunden später tanzen Dutzende Gegner völlig hypnotisiert zu einschlägigen Motörhead-Rhythmen – nur um kurz darauf von einer riesigen Druckwelle ins Nirwana geschleudert zu werden. Ein Heidenspaß!

Bye, bye Orgasmatron

Oder werft einen Blick auf die zahlreichen Bosskämpfe. Im "Wild West"-Szenario etwa - der zweiten von drei Motörhead-Welten - kriegt ihr es mit Orgasmatron zu tun. Genau wie auf dem Cover des gleichnamigen Plattenalbums rauscht euch ein zähnefletschender Zug entgegen, den es nun in einem mehr als zehnminütigen Kampf zu besiegen gilt.

In der Nähe der Monuments of Rock geht's heiß her. Die Beute fällt dafür umso üppiger aus.In der Nähe der Monuments of Rock geht's heiß her. Die Beute fällt dafür umso üppiger aus.

Das Problem: Während der schwerbewaffnete Orgasmatron in einem Affenzahn an euch vorbei donnert und kaum Schaden nimmt, müsst ihr euch obendrein mit mehreren Dutzend Skelettkriegern und anderem Unterwelt-Gesocks herumschlagen. Ein höllisches Vergnügen - und erst dann von Erfolg gekrönt, wenn ihr gezielt die unscheinbaren, immer wieder vorbeifahrenden Loren zu Kleinholz verarbeitet. Dann nämlich bremsen liegen gebliebene Schrottteile Orgasmatron aus und sichern euch den entscheidenden Vorteil.

Eine weitere gelungene Hommage an Motörhead sind die sogenannten Monuments of Rock, riesige Gebäudestrukturen, in deren Umkreis sich haufenweise Gegner versammelt haben. Prescht ihr nun ins Getümmel und eliminiert eine Feindwelle, erweitert das Spiel den Song im Hintergrund um eine neue Tonspur. Anfangs spielt zum Beispiel nur das Schlagzeug, später folgen dann Gitarre, Bass und Gesang. Das Prozedere gilt es nun solange zu wiederholen, bis die komplette Nummer in ihrer vollen Pracht ertönt. Lohn der Mühe: Haufenweise Gold, jede Menge Erfahrungspunkte und mit ziemlicher Sicherheit auch wertvoller Loot in Form von neuen Waffen, Schicksalskarten et cetera.

Das Verlies der Unendlichkeit

Fractured Worlds konfrontiert euch mit prozedural generierten Welten voller garstiger Monster.Fractured Worlds konfrontiert euch mit prozedural generierten Welten voller garstiger Monster.

Zeitgleich mit Motörhead - Through the Ages erscheint außerdem Fractured Worlds, eine zweite, ebenfalls auf der Veranstaltung anspielbare Erweiterung des Hauptspiels. Was genau es damit auf sich hat, verrät Gabriel Dobrev, Geschäftsführer von Haemimont Games im Gespräch: „Einerseits handelt es sich um eine Vielzahl unterschiedlicher Dungeons, die jeden Tag neu generiert werden. Weil wir alle Spieler mit denselben Welten versorgen, sind dort natürlich auch Online-Multiplayer-Partien möglich. Außerdem beinhaltet Fractured Worlds einen für alle Spieler gleichen Endlos-Dungeon. Die große Herausforderung: Je länger man darin überlebt, desto schwieriger wird es.“ Und Recht hat der Mann. In der anschließenden Proberunde werden wir praktisch im Minutentakt von immer neuen Gegnermassen überrannt. Kurzum: Genau das richtige für beinharte Fans von Victor Vran.

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Tags: Koop-Modus   Multiplayer   Fantasy  

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