Test Halo Wars 2: Die Wiedergeburt

von Michael Krüger (18. Februar 2017)

Auf dem PC einst eine beliebte Gattung, werden Echtzeitstrategie-Spiele heute stark vernachlässigt. Auf Konsolen kam es erst gar nicht zum großen Durchbruch. Halo Wars 2 will das ändern.

Dass Shooter aus der Ego-Perspektive auch mit dem Controller funktionieren, wollte Anfang der Neunziger vor Halo noch keiner so richtig glauben. Mittlerweile gehören sie zu einer der wichtigsten Spielekategorien auf Konsolen. Halo Wars wollte für die Gattung Echtzeitstrategie den gleichen Stein ins Rollen bringen, doch sollte das Vorhaben nicht so ganz aufgehen. Halo Wars 2 setzt nun erneut da an und geht dabei weiter als sein Vorgänger. Die Strategie-Veteranen bei Creative Assembly und 343 Studios, die Entwickler der jüngsten Halo-Spiele, zielen auf nicht weniger als eine Wiederbelebung des Genres ab.

Um dieses Ziel zu erreichen, bekommen die Spielmechaniken eine Komplettüberholung. So dürft ihr eure Basen nun weiter ausbauen und verbessern und so neben der Verwaltung eurer Einheiten auch den technischen Fortschritt auf dem Feld genauer bestimmen. Neben der Kampagne sollen vor allem der Online-Mehrspielermodus und der neue kompetitive Blitz-Kampf für Langzeitmotivation sorgen. Letzterer kombiniert ein vereinfachtes Regelwerk mit Sammelkarten und stieß bereits in der Beta-Phase auf positive Resonanz.

Unterm Strich klingen alle Versprechungen gut. Doch steht und fällt am Ende alles mit der Frage nach der Spielbarkeit. Mit einem Controller könnt ihr zwar bei einem Shooter schnell genug zielen, doch ist es eine andere Geschichte, in einem Strategiespiel mehrere Einheiten zu verwalten und ihre Ziele zu bestimmen. Viele haben sich an dieser Problematik bereits die Zähne ausgebissen. Gelingt Halo Wars 2 das Kunststück könnte es eine neue Echtzeitstrategie-Ära auf Konsolen einläuten.

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Kampf gegen einen Superschurken

28 Jahre nach den Ereignissen in Halo Wars erwacht die Besatzung der Spirit of Fire aus dem Kälteschlaf. Orientierungslos sammelt sich die Mannschaft und stellt zu ihrer Überraschung fest, dass sie sich in einem ihr unbekannten Abschnitt auf der Sternenkarte befindet. Vor ihnen liegt die sogenannte Ark, ein ungewöhnlicher doch wunderschöner künstlicher Planet in Form einer gigantischen Blüte.

Eindrücke wie diese verleihen der Handlung Substanz.Eindrücke wie diese verleihen der Handlung Substanz.

Doch hier wartet bereits ein grausamer Gegner. Atriox, der Anführer der Verbannten, versetzt sogar Künstliche Intelligenzen in Angst und Schrecken. Flucht ist eine Option, doch damit will sich Captain Cutter nicht zufrieden geben. Immerhin hat er die Ereignisse aus Halo Wars überstanden und hat nun nicht vor in den Ruhestand zu gehen. Außerdem stellt dieser neue Feind nicht nur für die Spirit of Fire, sondern für die gesamte Galaxie eine Bedrohung dar.

Mit zwölf Missionen ist die Kampagne zwar solide, doch irgendwie auch etwas kurz. Gerade wenn ihr das Gefühl habt, dass es jetzt richtig losgeht, laufen auch schon die Danksagungen durchs Bild. Einerseits lässt euch das mit dem Wunsch nach mehr zurück, andererseits zeigt es aber auch, wie kurzweilig der Einzelspieler-Modus ist. Immerhin vergeht die Zeit hier wie im Flug. Wechselnde Aufgaben und Ziele treiben die Handlung temporeich voran.

Klassischer Basenbau und hohe Dynamik

Bevor ihr eure Spartans, Warthogs und andere Halo-typische Einheiten in die Schlacht schickt, wartet meistens der Herstellungsprozess auf euch. Ihm zugrunde liegen Basen, an denen ihr Nebengebäude anbringt. Einmal bestellt, werden diese per Lufttransport geliefert und angeschlossen - quasi bezugsfertig. Die Formel, die große Spiele wie Command & Conquer oder Starcraft über die Jahre verfeinerten, kommt auch in Halo Wars 2 zum Einsatz.

Generatoren und Nachschubmodule beschleunigen eure Einnahmen.Generatoren und Nachschubmodule beschleunigen eure Einnahmen.

Jede Station kann verbessert werden, Einheiten bekommen neue Funktionen und nur wenn ihr clever plant, nutzt ihr eure Ressourcen optimal. Diese unterscheiden sich in Nachschub und Energie. Letztere hauptsächlich für Verbesserungen, erstere für den Bau neuer Gebäude oder Truppen. Um für Spaß zu sorgen, sollte eine solche Mechanik über zwei Eigenschaften verfügen. Einerseits sollte der Bau von Basen flexibel sein und andererseits sollten die Verbesserungen weit genug reichen, damit ihr nicht gleich nach fünf Minuten eine komplett aufgerüstete Armee besitzt.

Beide Anforderungen erfüllt Halo Wars 2. Je nach Situation stehen euch entsprechende Möglichkeiten der Reaktion zur Verfügung. Sollte beispielsweise eure Basis immer wieder in Gefahr geraten, habt ihr unter anderem durch Türme ausreichend Hilfsmittel für ihre Befestigung und Absicherung. Andererseits könnt ihr in passenden Momenten auf solche Maßnahmen verzichten und mehr Konzentration auf schnelle Stärkung der Truppen legen. Diese Dynamik zeichnet sich im gesamten Spielverlauf ab.

In Halo Wars 2 agiert ihr nicht von einer zentralen Position aus, sondern bleibt in Bewegung. Die äußeren Umstände ändern sich schnell, sodass ihr möglicherweise einen Posten aufgebt, um einen lukrativeren einzunehmen. Aufbau und Gefecht ergeben eine homogene Mischung. Das eine funktioniert besser durch das andere. Gebäude stärken die Truppen, Einheiten erforschen die Umgebung, beschaffen Rohstoffe und schlagen die Feinde in die Flucht. Wer taktiert, triumphiert.

Schere, Stein, Papier, Luftschlag

Aus sicherer Distanz überwacht ihr das Schlachtfeld und befehligt eure Einheiten. Wie in jedem guten Strategie-Spiel stehen sich die Kampf-Klassen in einem fein gesponnenen Netz aus Boni und Mali gegenüber. Infanterie schießt fliegende Einheiten vom Himmel, ist dafür schwach gegen Fahrzeuge. Panzer schlagen vernichtend gegen Infanterie zu, sind aber anfällig für Abschüsse aus der Luft. Abhängigkeiten wie diese stellen euch immer wieder vor die Frage, welcher eurer Trupps einer Aufgabe am ehesten gewachsen ist.

Massenschlachten sehen klasse aus, kosten ohne die richtige Planung allerdings viele Einheiten.Massenschlachten sehen klasse aus, kosten ohne die richtige Planung allerdings viele Einheiten.

Damit ihr die Einheiten auswählt, die ihr gerade auch wirklich markieren wollt, stehen euch ein paar Komfort-Funktionen zur Verfügung. Ein Druck auf die rechte Schultertaste aktiviert beispielsweise alle Truppen, die gerade auf dem Bildschirm zu sehen sind. Doppeltes Antippen gibt euch wiederum Befehlskraft über eure gesamte Armee. Habt ihr eine Gruppe ausgewählt, könnt ihr durch die einzelnen Einheitentypen schalten. Das funktioniert allerdings nur mit etwas Eingewöhnung.

Möchtet ihr bestimmte Einheiten zu einer Gruppe zusammenfassen und speichern, geht auch das. Je nach Situation funktioniert das richtig gut und ist durchaus praktisch. Selbst wenn es einmal hektisch wird, findet ihr euch generell schnell zurecht. Hierbei helfen auch die Richtungstasten. Diese führen euch jeweils direkt zu euren Stützpunkten, Feindkontakt oder aktiven Einheiten. Die Eingewöhnungszeit steht dabei in einem angenehmen Verhältnis zum Komfort. Ihr erreicht schon früh einen Punkt, an dem ihr euch über die Bedienung keine Gedanken mehr macht.

Die Lernkurve wird unter anderem dadurch bestimmt, dass diverse Funktionen nach und nach eingeführt werden. Manche Einheiten können ihre Spezialfähigkeit beispielsweise nicht im Verbund aktivieren. Da diese allerdings erst nach ein paar Missionen auftauchen, werdet ihr zunächst nicht gezwungen, Gruppen gezielt aufzulösen. Alle Spielmechaniken gewinnen erst im Verlauf der Kampagne an Gewicht und so werdet ihr nicht nur unterhalten, sondern auch optimal auf den Mehrspielermodus vorbereitet.

Ein nie enden wollender Kampf

Ein Strategiespiel ohne Mehrspieler-Modus ist schwer vorstellbar. Immerhin bietet diese Spielgattung oftmals ähnlich komplexe Möglichkeiten wie ein Schachspiel. Und das macht alleine nicht so viel Spaß wie gegen menschliche Kontrahenten. Halo Wars 2 fährt einige Optionen für ein digitales Kräftemessen gegen andere Spieler auf. Im Zentrum stehen Gefechte für bis zu sechs Commandeure, eingeteilt in drei Modi.

Freigeschaltete Schädel modifizieren auch eure Online-Gefechte.Freigeschaltete Schädel modifizieren auch eure Online-Gefechte.

Wie der Verlauf der Kampagne, zeigen sich auch die Mehrspieler-Möglichkeiten von einer recht dynamischen Seite. Je nach dem, welche Spielart ihr wählt, konzentriert sich euer Handeln mehr auf den Ausbau von Basen oder auf taktische Gefechte. Kämpfe in Halo Wars 2 finden oftmals an mehreren Fronten statt, sodass es schwer zu sagen ist, worauf euer Fokus liegt. Dieser ständige Wechsel von Aufmerksamkeit und Bedarfsanalyse funktioniert sowohl alleine als auch gegen andere oder via Koop-Modus im Team.

Für noch mehr Abwechslung sorgen die Fraktionen. Sowohl auf der Seite der Menschen als auch bei den Verbannten habt ihr die Wahl zwischen mehreren Anführern. Diese unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Anführer-Fähigkeiten, die sowohl passive Boni als auch spezielle Fähigkeiten, wie Heilung und Spezialattacken, in eure Hände legen. Gebäude und Einheiten gibt es dafür nur in zwei Varianten, entsprechend den beiden wählbaren Rassen. Die Auswahl an Anführern sowie Fraktionen soll mithilfe von herunterladbaren Inhalten noch erweitert werden. Diese werden allerdings kostenpflichtig beziehungsweise Teil des Season-Pass sein.

Bisher läuft der Mehrspieler-Modus gut. Ob das auch mit richtig vielen Spielern auf den Servern noch funktioniert, lässt sich im Moment noch nicht genau sagen, da natürlich aktuell noch wenige Spieler auf den Servern sind. Läuft alles wie in den Beta-Phasen, gibt es nicht viel zu befürchten. Hier lief weitestgehend alles wie geschmiert, was angesichts der Serien-Historie schon eine kleine Besonderheit darstellt. Verliefen doch die Beta-Phasen vergangener Halo-Spiele häufig nicht ganz so unproblematisch.

Typisch Halo (Wars)

Auch wenn die grobe Einteilung der Menüs vor allem im Spiel selbst noch nah an der Darstellung des ersten Teils ist, wirkt sie doch deutlich aufgeräumter und zugänglicher. Insgesamt lässt sich die Präsentation von Halo Wars 2 durchweg als klar und sauber bezeichnen. Trotz der oft vielen Informationen auf dem Bildschirm bleibt alles übersichtlich und ist dennoch hübsch.

Die Aufteilung vieler Menüs wurde weitestgehend aus dem Vorgänger übernommen.Die Aufteilung vieler Menüs wurde weitestgehend aus dem Vorgänger übernommen.

Auf dem PC könnt ihr sogar noch etwas mehr rausholen, allerdings geht die Bildwiederholungsrate rasch in die Knie. Ab welchem Detailgrad dieser Punkt erreicht ist, hängt natürlich von eurem PC ab. Schön ist die Tatsache, dass ihr nahtlos zwischen beiden Systemen wechseln könnt, da dank Play Anywhere nicht nur beide Fassungen (PC und Xbox One) im Kauf enthalten sind, sondern eure Spielstände synchronisiert werden.

Die Steuerung mit der Maus stellt überraschenderweise keinen so großen Mehrwert dar, wie ihr zunächst eventuell vermutet. Habt ihr euch erst einmal an die Steuerung mit dem Controller gewöhnt, fühlt es sich sogar fast schon umständlich an, wenn ihr anschließend zum PC wechselt. Am Ende ist alles eine Frage eurer persönlichen Vorliebe, denn beide Varianten lassen sich angenehm bedienen und bieten jeweils sinnvolle Komfort-Funktionen.

Halo Wars 2 punktet vor allem durch eine gelungene Gesamtpräsentation. Diese wird zu großen Teilen von kinoreifen Zwischensequenzen getragen. Mittlerweile gehören die aufwändig inszenierten Kurzfilme schon fest zur Serie und schaffen es auch im Fall von Halo Wars 2 Spannung und große Emotionen zu übermitteln. Kein Wunder, dass es extra eine Kino-Option gibt, über die ihr euch die Sammlung an cinematischen Eindrücken noch einmal zu Gemüte führen könnt. Auch die orchestrale Vertonung hält dieses Kino-Niveau.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer   Koop-Modus   Science-Fiction  

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