Discord: Sprach- und Chat-Client wird für Beleidigungswellen missbraucht

von Sören Wetterau (18. Februar 2017)

Wer in den letzten Wochen öfters mal auf Twitch.tv unterwegs gewesen ist, der dürfte bemerkt haben, dass immer mehr Streamer auf ein Programm namens Discord zurückgreifen. Dabei handelt es sich um einen Sprach- und Chat-Client, der wie eine Mischung aus Teamspeak 3 und Skype wirkt. Er eignet sich also ideal, um während eines Spiels mit Freunden über das Internet zu kommunizieren.

Jedoch wird Discord laut einem Bericht des englischsprachigen Magazins Gizmodo nicht ausschließlich dafür genutzt. Dank der umfangreichen Text-Chat-Funktionen dient es mittlerweile auch als Anlaufstelle für unterschiedliche Online-Gruppen, die sich schriftlich über die verschiedensten Dinge austauschen. Im Grunde ist es eine Art Weiterentwicklung der früheren IRC-Chats, die mitunter die etwas Älteren Leser noch kennen dürften.

Das ganz klassische Design-Schema eines Discord-Servers.Das ganz klassische Design-Schema eines Discord-Servers. (Bildquelle: Discord)

Bis hierhin ist alles noch in Ordnung, allerdings sorgen seit einiger Zeit ein paar wenige Gruppen für bewussten Ärger auf anderen Gemeinschaftsservern. Im Mittelpunkt, so Gizmodo-Autor Bryan Menegus, steht der Discord-Server von 4Chans Unterforum /pol, die offenbar regelmäßig sogenannte "Raids" auf andere Server organisieren. Sprich, sie verschaffen sich mithilfe von Einladungslinks Zugang zu anderen Servern, die sie dann gemeinsam stürmen, um dort im Sekundentakt beleidigende oder hasserfüllte Botschaften zu verbreiten.

Eine vordefinierte Zielgruppe dieser Raids gibt es nicht. Es kann im Grunde jede Online-Gemeinschaft treffen, egal mit welchem Thema sie sich beschäftigt - Religion, Sexualität, Politik oder sogar Sprachen lernen. Sobald Mitglieder von 4Chan in die Hände des benötigten Einladungslinks gelangen, ist die Chance gegeben, dass der jeweilige Server Ziel eines "Raids" wird.

In einem Gespräch mit Gizmodo berichten Administratoren von kleineren bis großen Discord-Gruppen, dass sie in der Vergangenheit öfters im Fokus solcher befremdlichen Attacken geraten sind. So heißt es von einem Mitglied eines muslimischen Servers, welcher sich mit zahlreichen Themen rund um den Islam auseinandersetzt, dass hunderte von Personen die Chat-Räume des Servers betreten haben, um spamartig islamfeindliche Botschafen zu verbreiten. Über 1.200 Nutzer mussten im Zuge des Angriffes gesperrt werden. Zum Vergleich: Normalerweise sind auf dem Server "nur" 1.000 Nutzer stammmitgliedartig unterwegs.

Die Übersichtsseite eines Discord-Servers, der sich an christliche Mitglieder wendet.Die Übersichtsseite eines Discord-Servers, der sich an christliche Mitglieder wendet. (Bildquelle: Gizmodo)

Ähnliche Angriffe hat es auch auf andere Server gegeben, die sich mit christlichen Themen oder mit der LGBT-Szene (Lesbian-Gay-Bi-Transgender) auseinandersetzen. Einmal hat es sogar einen Server erwischt, welcher anderen Nutzern das Lernen von Fremdsprachen mit direkten Übungen erleichtern möchte.

Selbsthilfe ist notwendig

Auf Nachfrage von Gizmodo gibt die PR-Leiterin von Discord nur zu Worte, dass einzelne Server nicht moderiert werden. Nicht thematisiert wird hingegen der Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen, die die Angreifer regelmäßig begehen.

Die Betreiber der verschiedenen Discord-Server müssen sich demnach selbst helfen. Dank einiger Einstellungsmöglichen ist dies auch bedingt möglich, obwohl der Administrationsaufwand dadurch deutlich steigt. Chaträume müssen entsprechend angepasst werden, neue Nutzer werden zum Beispiel stärker überprüftm, zum Beispiel durch Kontroller ihrer "Social Media"-Profile. Sind diese erst frisch angelegt, müssen die interessierten Nutzer sich gedulden und später noch einmal nachfragen.

Eine Funktion zum Melden von auffälligen Profilen existiert nicht. Somit bleibt zum Schluss nur die Frage: Muss das denn wirklich sein?

Tags: Twitch  

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