Test Horizon - Zero Dawn: Open World auf einer neuen Ebene

von Michael Krüger (20. Februar 2017)

Weite Canyons, tropische Wälder und eisige Berge - eine Spielwelt wie ein Ölgemälde. Doch die Spielmechaniken von Horizon - Zero Dawn bieten augenscheinlich wenig Neues. Stimmt das?

Nach einer ganzen Trilogie plus Handheld-Ableger wenden sich Guerilla Games von ihrer Marke Killzone ab und versuchen sich an frischen Gefilden. Nicht nur das Szenario ist ein anderes, sondern die gesamte Gattung ihres neuen Spiels. So verspricht Horizon - Zero Dawn reichlich Action in einer offenen Spielwelt und ausgiebige Erkundungstouren durch eine fiktive Komposition, angelehnt an frühe Epochen der Menschheit, doch mit einem futuristischen Ton. Konzepte, die sich teils gegenseitig auf den ersten Blick ausschließen, finden hier zueinander.

Metallene Tiere in einer von Menschen scheinbar weitläufig unberührten Welt und archaische Stämme, die Götter verehren. Horizon - Zero Dawn kombiniert das Leben früher Zivilisationen mit technischem Fortschritt, der unserem überlegen ist. Das Resultat ist ein spannendes Epos, der Dramen für die große Leinwand schafft, dabei immer wieder überraschende Ideen bietet und nie das Auge für das Detail verliert.

Auf den ersten Blick ein klassischer Kassenschlager mit "Open World"-Mechanik, entpuppt sich Horizon - Zero Dawn als mehr. Vor allem aber hebt es Spiele dieser Gattung auf eine neue Ebene an Konsistenz. Von dieser Spielwelt wollt ihr bestimmt jeden Quadratmeter erkunden.

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Zukunft, Vergangenheit und die Unbeirrbarkeit des Menschen

In Horizon - Zero Dawn spielt ihr die junge Kriegerin Aloy. Neben sozialen Schwierigkeiten plagt sie vor allem eine unbändige Neugier. Als sie den Fokus findet, dabei handelt es sich um ein kleines Stück Technik, das aus einer längst vergangen Zeit zu kommen scheint, beschließt Aloy nach Antworten auf die vielen Fragen in ihrem Leben zu suchen. Dabei begegnet sie nicht nur anderen Kriegern, sondern auch den Titelbild-zierenden Roboter-Bestien.

Das Leben von Aloy wirkt in den ersten Stunden noch recht einfach: Kämpfen und Überleben!Das Leben von Aloy wirkt in den ersten Stunden noch recht einfach: Kämpfen und Überleben!

Tiger, Krokodile, Ochsen oder auch Dinosaurier: Die mechanischen Tiere in der Welt von Horizon - Zero Dawn verstecken ihre Inspirationsquellen nicht, auch wenn lediglich ihre ungefähre äußere Form real existierenden Vorbildern ähnelt. In ihrer Funktionsweise sind die Metallwesen nämlich ziemlich fortschrittlich. Sie erwecken beinahe den Eindruck als erfüllen sie einen Zweck und passen sich trotz ihres auffälligem Äußeren in das Gesamtbild ein. Da die Menschen für die Bauteile dieser künstlichen Fauna Verwendung finden, handelt es sich um eine Koexistenz vergleichbar mit dem Leben der Menschen und Tiere in der Steinzeit.

Solltet ihr nun befürchten, dass ihr euch die Hälfte der Zeit nur in Lehmhütten mit Pelzvorhängen aufhaltet, könnt ihr beruhigt aufatmen. Dank origineller Charaktere und einer reichhaltigen Hintergrundgeschichte bildet Horizon - Zero Dawn eine solide Basis für großartige Erzählungen, die nicht an Überraschungen spart. Ähnlich wie in Drama-Serien der Marke Game of Thrones erlebt ihr nicht nur eine, sondern unzählige Geschichten, die alle parallel laufen. Es ist fast so als wäre jede Spielsitzung eine neue Episode, die verschiedene Handlungsstränge vorantreibt. Nur, dass ihr hier eben selbst bestimmt, welche Charaktere gerade eine Rolle spielen. Dabei sind viele der Nebenerzählungen genau so spannend wie die eigentliche Handlung.

Sowohl die Intensität der Geschichten als auch ihre Tragweite variieren und bilden ein breites Spektrum an Facetten ab. Die Spielwelt von Horizon - Zero Dawn hat weitaus mehr zu bieten als es im ersten Moment möglicherweise für euch den Anschein macht. In ihren besten Momenten spielt die Handlung in der gleichen Liga wie große Rollenspiel-Produktionen. Dabei begegnen euch durchweg frische und unverbrauchte Themen und immer wieder großartige Überraschungen.

Von der Steinzeit in die Moderne

Überraschend sind auch die Spielmechaniken von Horizon - Zero Dawn. Habt ihr zu Beginn noch das Gefühl, ihr würdet eine futuristische Version von Far Cry - Primal spielen, schwindet dieser Eindruck schon bald dahin. Die Parallelen sind besonders am Anfang jedoch nicht von der Hand zu weisen. Häute und andere Tierüberreste verarbeitet ihr zu größeren Taschen, Kräuter stärken und heilen euch und neue Waffen und Rüstungen werden von Händlern angeboten. Dieser Aspekt stellt allerdings nur einen Teilbereich der eigentlichen Mechaniken dar - quasi das Untergerüst.

Bei Händlern tauscht ihr überschüssige Rohstoffe gegen Metallscherben und Hilfsmittel.Bei Händlern tauscht ihr überschüssige Rohstoffe gegen Metallscherben und Hilfsmittel.

Hier findet sich auch ein fein abgestimmtes System aus Ressourcen. So könnt ihr viele gesammelte Dinge selbst weiterverarbeiten, um euch beispielsweise Munition zu basteln. Hierfür benötigt ihr allerdings Metallscherben. Diese sind wiederum auch als Währung zu gebrauchen. So dient kaum etwas in dieser Spielwelt nur einem einzigen Zweck und kann auf verschiedene Arten verwendet werden. Die Verwaltung von Rohstoffen ist dadurch komplexer und erinnert stark an klassische Rollenspiele. Die typische Farbskala für Seltenheit darf da ebenfalls nicht fehlen. Auch in Horizon - Zero Dawn steht Violet für besonders rare Funde.

Habt ihr euch erst einmal ordentlich ausgestattet, stürzt ihr euch ins Getümmel. Spätestens nach ein paar Begegnungen mit großen Tieren aus Metall werdet ihr feststellen, dass Horizon - Zero Dawn taktisches Vorgehen belohnt. Mit den falschen Pfeilen könnt ihr im Grunde fast stundenlang auf einen Feind schießen ohne einen spürbaren Fortschritt zu machen. Analysiert ihr euren Gegner allerdings vorher und bearbeitet anschließend seine Schwachstellen mit den richtigen Werkzeugen, verwandelt ihr ihn im Handumdrehen in einen Haufen Schrott.

Jeder Kampf eine taktische Herausforderung

Selbst nach dreißig Stunden entdeckt ihr noch neue Möglichkeiten und Herangehensweisen und scheitert gleichzeitig immer noch an der einen oder anderen Sorte Gegner. Einfach deshalb, weil ihr immer noch nicht die passende Taktik gefunden habt. Horizon - Zero Dawn gibt euch eine breite Palette an Waffen an die Hand, stattet jede davon mit unterschiedlicher Munition aus und lässt euch dann selbst entscheiden, wie ihr vorgeht. Hinzu kommen freischaltbare Fähigkeiten, Tränke, Bomben und andere Hilfsmittel. Alleine schon bei der Suche nach der passenden Ausrüstung werdet ihr sicher so manche Stunde verbringen.

Die Analyse von Schwachstellen ist ein wichtiger Aspekt eurer Vorbereitung.Die Analyse von Schwachstellen ist ein wichtiger Aspekt eurer Vorbereitung.

Habt ihr euch die richtigen Gedanken gemacht, werdet ihr mit großartigen Schlachten belohnt. Nicht selten würdet ihr nach einem Kampf gerne zurückspulen, um eure Aktionen noch einmal sehen zu können. Immer dann, wenn ihr besonders clevere Abläufe kombiniert und eure Aktionen Früchte tragen, verwandelt ihr das Schlachtfeld in Szenen eines Films nach der Art von Sprengmeister Michael Bay. Hier fetzt und donnert es bis der Arzt kommt. Und der macht auch auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad öfters bei euch halt. Selbst auf der unteren Stufe sind die Kämpfe noch knackig, verzeihen euch Fehler allerdings etwas großzügiger.

Wie überlegen ihr seid, bestimmt ihr selbst. So wie sich das bei einem "Open World"-Spiel eben gehört. Ihr bestimmt die Reihenfolge der Aufgaben und Missionen, die ihr bestreitet. Dabei fühlt sich Horizon - Zero Dawn überraschenderweise nicht so an, als würdet ihr einfach Punkte auf einer Liste abhaken. Eure Ziele führen euch immer wieder quer über die Karte und verwischen jedes Anzeichen von Linearität. Wenn ihr wollt, könnt ihr einfach aufbrechen und schauen, was euch so erwartet. Die Erledigung einer Aufgabe führt euch zwangsläufig zur nächsten. Dadurch gewinnt das Spielerlebnis an Dynamik und bleibt durchweg kurzweilig. Diverse Komfort-Funktionen helfen hier ebenfalls und runden die Erfahrung ab.

Eine Spielwelt zum Verlieben

Auch von Seiten der Gestaltung zeigt sich Horizon - Zero Dawn abwechslungsreich und dynamisch. Alleine schon die Natur im Spiel ist eine Erwähnung für sich wert. Von dichten Wäldern, über sandige Dünen und tropische Inseln bis hin zu von Schnee überzogenen Bergen und tiefen Schluchten lässt die Spielwelt kaum ein ein Klima aus. Dabei ist besonders schön, wie die Gebiete in einander übergehen ohne zusammengewürfelt zu wirken. Die Spielwelt ist organisch und bleibt trotz ihrer mechanischen Fantasiewesen glaubwürdig.

Selbst ohne den Foto-Modus ist die Spielwelt schon wunderschön.Selbst ohne den Foto-Modus ist die Spielwelt schon wunderschön.

Auf dieser ohnehin schon eindrucksvollen Leinwand findet ihr faszinierende Akzente. Bauten aus unbekannten Zivilisationen, Dörfer und Städte - Entwickler Guerilla Games füllt die Landkarte bis zum letzten Quadratmeter mit interessanten Inhalten und belohnt euch immer wieder dafür, auf Erkundungstour zu gehen. So verfügt die Spielwelt nicht nur über eine hohe Dichte an Aufgaben, sondern einen äußerst hohen Detailgrad, der angesichts der Gesamtgröße schon beeindruckend ist. Egal, wo ihr gerade unterwegs seid, ihr findet alle paar Minuten ein tolles Postkarten-Motiv. Dank des Foto-Modus haltet ihr diese Momente dann auch direkt fest.

So bildgewaltig Horizon - Zero Dawn ist, so sehr hält es sich musikalisch zurück. Qualitativ und vor allem von Seiten der Atmosphäre gibt es hier zwar nichts zu beanstanden, doch verfügen viele Abschnitte lediglich über eine subtile Untermalung in Form von bedrohlichem Drönen oder langsam gezupften Saiten. Ein paar Orchesterstücke mehr hätten hier nicht geschadet. Davon würden sicher auch die Dialoge profitieren. Diese sind zwar sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung passabel vertont, wirken aber dennoch an vielen Stellen etwas hölzern, teilweise auch asynchron. Das ist angesichts der Gesamtpräsentation aber mit Leichtigkeit zu verkraften, hinterlässt dennoch den Wunsch nach etwas mehr.

Was für ein Wetter!

Was Musikstücke und Schauspielkünste hier und da versäumen, schaffen dafür die Umgebungsgeräusche und die Effekte. Ob es nun das verspielte Zwitschern kleiner Vögel auf einer Waldlichtung oder das tiefe Brummen einer anstürmenden Maschine ist, Horizon - Zero Dawn erschafft immer wieder intensive Momente, die euch im Gedächtnis bleiben. Und da dürfen Licht- und Wetter-Elemente natürlich ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

"Schönes Wetter heute, oder?""Schönes Wetter heute, oder?"

Auch wenn die Witterung in vielen Bereichen vom jeweiligen Gebiet abhängig ist, kann es gut sein, dass ihr ein bestimmtes Areal immer wieder anders erlebt. Mal lauft ihr in einer sternklaren Nacht unter dem Licht des Mondes über die Steppe, mal bei strahlendem Sonnenschein. Bei einem weiteren Besuch kann es vorkommen, dass euch Regen die Sicht nimmt und ihr aufgrund greller Blitze kaum einschätzen könnt, wo eure Gegner gerade sind. Die Lichtverhältnisse in Horizon - Zero Dawn wechseln häufig und erschaffen immer wieder eine andere Stimmung.

So viel Abwechslung ist nicht nur angenehm, sie verhilft dem Spielerlebnis auch zu einem konstanten Unterhaltungswert. Und genau hiermit punktet Horizon - Zero Dawn am meisten. So bekommt ihr ein großes Angebot an möglichen Aufgaben und Tätigkeiten, die sich qualitativ kaum voneinander unterscheiden. Ihr bestimmt selbst, wie eure Reise durch diese faszinierende Welt abläuft und wie lange ihr hier verweilen möchtet.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer   Open World  

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