Test Berserk and the Band of the Hawk: Die sensible Seite des Gemetzels

von Michael Krüger (24. Februar 2017)

Ungewöhnlicher Anime trifft auf altbewährte Spielformel. Schon viele Vorlagen bekamen die Omega-Behandlung, doch reicht das im Fall von Berserk and the Band of the Hawk aus?

Angesichts der Beliebtheit von Berserk ist es wohl kaum verwunderlich, dass die Anime- und Manga-Reihe eine Umsetzung in spielbarer Form erhält. Mit Berserk and the Band of the Hawk ist es nun soweit und ihr könnt den Leidensweg des Söldners Guts sowie seiner Verbündeten aus einer anderen Perspektive erleben. Grundlage bildet hierfür vor allem die Film-Trilogie "Berserk - Das goldene Zeitalter".

Berserk and the Band of the Hawk setzt spielerisch auf das "1 vs 1000"-Prinzip, wie sie zum Beispiel die Reihe Dynasty Warriors seit dem zweiten Teil verfolgt. Ihr prügelt euch also durch riesige Horden von Gegnern und gleitet dabei mit euren Schlägen wie ein heißes Messer durch Butter. Das mag auf den ersten Blick nach einer cleveren Kombination für Berserk klingen, doch ist bei dieser Mischung definitiv Feingefühl gefragt. Immerhin handelt es sich bei der Vorlage um eine äußerst düstere Geschichte. Um ihre Intensität einzufangen, bedarf es sicher mehr als großzügige Schwerthiebe gegen gesichtsloses Kanonenfutter.

Die Idee einer solchen Symbiose ist nicht neu. Spiele wie Hyrule Warriors und Dragon Quest Heroes zeigen, dass die Formel durch die Zugabe origineller Ideen, eigenständige und unterhaltsame Spiele hervorbringen kann. Besonders spannend ist also die Frage, ob das Berserk-Universum von der Adaption profitiert.

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Hintergrund-Infos statt Gewalt und Sex

Solltet ihr Berserk - Das goldene Zeitalter nicht kennen, habt ihr eventuell Nachholbedarf. Mögt ihr Anime-Filme, die etwas ernster sind, könnte euch die Trilogie gefallen. Seid jedoch vorgewarnt, dass sowohl die Darstellung von Gewalt als auch die Erotik im Spiel äußerst anschaulich sind. Abgetrennte Körperteile und längere Sex-Szenen sind schon fast bezeichnend für die Berserk-Filme. Die dreiteilige Geschichte über eine Gruppe Ritter, die in einen erbarmungslosen Kampf zwischen den Fronten zweier Königshäuser verstrickt wird, geizt nicht mit schockierenden Ereignissen und Bildern.

Zusätzliche Dialoge werden in Form der Spielgrafik dargestellt.Zusätzliche Dialoge werden in Form der Spielgrafik dargestellt.

Im Spiel ist die Erzählung deutlich entschärft. Der Fokus liegt hier neben der Rahmenhandlung vor allem auf den Figuren und ihren Hintergrundgeschichten. So bleibt nackte Haut großteils außen vor. Ebenso besonders heftige Gewaltszenen. Bei einer Vorlage wie Berserk - Das goldene Zeitalter entfällt so zwar einiges, doch immerhin schaffen es die Entwickler zwei Stunden Filmmaterial aus den originalen Animes im Spiel unterzubringen.

Statt Momenten ausgiebiger Erotik und gespaltener Schädel, erwarten euch Informationen zwischen den Kämpfen, die euch mehr über die einzelnen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander verraten. Das ist zwar weniger spannend, doch besonders für diejenigen unter euch, die bereits mit den Filmen vertraut sind, ein netter Bonus. So erhält die Handlung etwas mehr Substanz, was den Mangel an Härte zumindest ein Stück weit ausgleicht.

Stumpfe Gewalt statt chirurgischer Präzision

Auch spielerisch erlebt ihr Berserk von einer weniger brutalen Seite als ihr es vermutlich erwarten würdet. Jeder eurer Schläge peitscht zwar großzügige Mengen Blut über das Schlachtfeld, doch bleiben die Körperteile eurer Gegner stets an ihrem ursprünglichen Platz. Dafür haut ihr getreu eines Dynasty Warriors mit jedem Schlag gleich dutzende Gegner um. Das macht gewohnt Spaß, doch zeigt es erstaunlich schnell erste Ermüdungserscheinungen. Das Kombo-System ist nämlich nicht so abwechslungsreich wie in anderen jüngeren Warriors-Adaptionen.

An Blut mangelt es dem Spiel zumindest nicht.An Blut mangelt es dem Spiel zumindest nicht.

Es ist aber nicht das Grundgerüst, das hier versagt. Das ist und bleibt solide. Mit der einen Taste schlagt ihr wiederholt zu und beendet nach einer bestimmten Anzahl an Hieben mit einem schweren Hieb eure Kombination, um eine kleine Spezial-Attacke auszulösen. Je höher eure Charakterstufe ist, umso mehr Variationen und Angriffe schaltet ihr frei. Füllt ihr den sogenannten Frenzy-Meter, aktiviert ihr einen Zustand, in dem ihr mehr Schaden austeilen und einstecken könnt. In diesen Momenten startet ihr zusätzlich einen verheerenden Angriff, sobald ihr eine zweite Anzeige ebenfalls voll habt.

Diese beiden Stärkungen bereichern die Kämpfe zwar, doch führen sie zu einem auf Dauer recht monotonen Zyklus aus Aktionen. Erst kloppt ihr Statisten die Grütze aus den Schädeln, bis euer Frenzy-Meter voll ist. Anschließend prügelt ihr gestärkt auf größere Gegner und Bosse ein. Ausweichen ist zwar eine Option, allerdings recht selten wirklich notwendig. Da reißen auch die Verbrauchsgegenstände und lieblosen Zweiwaffen nichts heraus. Unterm Strich verkommen die martialischen und stimmig choreographierten Kämpfe aus der Film-Vorlage zu einer stumpfen Klopperei.

Immerhin ein netter Umfang

Ähnlich vereinfacht ist auch das System für Verbesserungen. Könnt ihr in Spielen wie Dynasty Warriors 8 einzelne Waffen verbessern und über Stunden hinweg Zeit mit Ausrüstungskombinationen und Verbesserungen verbringen, erreicht ihr bei Berserk schnell einen Punkt der Stagnation. Lediglich drei Hilfsgegenstände in Form von Schmuckstücken bieten euch etwas Raum für Anpassungen.

Mithilfe von farbigen Steinen verbessert ihr eure Hilfsmittel.Mithilfe von farbigen Steinen verbessert ihr eure Hilfsmittel.

Ringe, Bänder und Ketten lassen sich durch Opferung anderer Exemplare oder Zugabe von Zaubersteinen verbessern. Schnell habt ihr nun Schätze, die ihr mit jeder Runde erneut bis zum aktuellen Maximum aufwertet. Und das war es dann auch schon. Auf weiter Flur werdet ihr kaum etwas finden, das einen Wechsel zu einem anderen Schmuckstück rechtfertigt. Taktische Tiefe? Fehlanzeige!

Für etwas mehr Abwechslung sorgen weitere spielbare Figuren. Ihr bestreitet das Spiel also nicht nur als Guts. Auch andere Charaktere, wie Griffith oder Casca und selbst kleinere Rollen stehen zur Auswahl und würzen die Rezeptur mit etwas Variation. Selbst Zodd, den ihr vielleicht aus dem ersten Film kennt, dürft ihr in die Schlacht führen. Die Möglichkeit eines Wechsels beschränkt sich in der Kampagne allerdings auf wenige Ausnahmen. Die Wahl einer anderen Spielfigur steht euch daher fast ausschließlich im freien Modus und in der sogenannten Endless Eclipse zur Verfügung.

Während ihr im freien Spiel letztendlich einfach Kapitel aus der Geschichte wiederholt, um übersehene oder zuvor nicht erreichte Belohnungen nachzuholen, erwartet euch im Modus Endless Eclipse eine Art Kerker. Runde um Runde prügelt ihr euch durch Wellen von Gegnern und erreicht anschließend eine neue Ebene. Schlagt ihr euch besonders gut, erhaltet ihr neue Kostüme und sogar spielbare Charaktere. Das bringt auf jeden Fall einen Mehrwert mit sich, da ihr so auch echte Anreize habt, euch mit anderen spielbaren Figuren auseinanderzusetzen.

Sauber doch ungenau

Klingen die Spielmechaniken für euch nun etwas halbherzig und abgeschwächt, habt ihr euch noch nicht mit der Präsentation von Berserk and the Band of the Hawk beschäftigt. Und damit ist keinesfalls die Qualität der Darstellung gemeint. Die ist nämlich ordentlich und profitiert offensichtlich von einer Menge Erfahrung, die Omega Force über die vergangenen 20 Jahre in dieser Gattung Spiel sammeln konnte. Doch so sauber die Optik des Spiels auch ist, die Essenz der Filme gibt sie kaum wieder.

Die Stimmung der Filme will angesichts solcher Bilder einfach nicht aufkommen.Die Stimmung der Filme will angesichts solcher Bilder einfach nicht aufkommen.

Berserk - Das goldene Zeitalter ist eine unheimlich intensive Trilogie. So gut wie jede Szene ist bildgewaltig und verfügt über eine dichte Atmosphäre. Hier spielen unter anderem die Kameraeinstellungen als auch die Animationen der Akteure, sowie die explizite Darstellung von Gewalt eine große Rolle. Von all den Stilmitteln der Verfilmung findet ihr im Spiel so gut wie nichts wieder. Hinzu kommt die ungenaue Gestaltung der Figuren. Überzeichnete Kanten und eine etwas unglücklich gewählte Farbpalette verzerren die Charaktere teilweise so stark, dass sie allenfalls an ihr Vorbild erinnern. Da verwechselt ihr Casca schnell einmal mit einem Stalljungen.

Das mag jetzt vielleicht etwas hart klingen, doch ist die Technik heutzutage belegbar weit genug, dass so eine Diskrepanz zwischen Vorlage und Spiel vermeidbar ist. Spiele wie One Piece - Burning Blood zeigen wie es geht. Gerade bei einer außergewöhnlichen Trilogie wie Berserk, die stark auf ihre Protagonisten und deren Ausdruck setzt, reicht eine Darstellung mit Cell-Shading, wie ihr es aus Borderlands oder auch The Walking Dead kennt, einfach nicht aus. Immerhin sollten sich Film und Spiel auf Augenhöhe begegnen.

Musikalisch zwar solide, lässt Berserk and the Band of the Hawk auch akustisch noch Wünsche offen. Das Gesamtpaket passt und die japanische Synchronisation entspricht dem Anspruch des Animes, doch mangelt es den Klängen im Kampf an Durchschlagskraft. Da die Gewaltdarstellung bereits in den gezeigten Bildern dabei scheitert, die Härte adäquat darzustellen, wäre es eigentlich Aufgabe der akustischen Effekte hier für Ausgleich zu sorgen. Doch werdet ihr hier schrille Klirren von Schwertern allenfalls in den Zwischensequenzen vernehmen, die den Filmen entspringen. Verschenktes Potenzial.

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Tags: Singleplayer   Anime  

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