Vorschau Syberia 3 - Spannendes Adventure mit starken Fantasy-Elementen

von Ulrich Wimmeroth (11. März 2017)

Schicke 3D-Optik, runderneuerte Steuerung und gewohnt knackige Rätsel: 13 Jahre nach ihrem letzten Adventure-Auftritt kehrt die smarte Rechtsanwältin Kate Walker wieder auf den Bildschirm zurück.

Erinnert ihr euch noch an die Adventures Syberia und den Nachfolger Syberia 2? Nicht? Verständlich, immerhin ist es jetzt gut 13 Jahre her, dass die New Yorker Rechtsanwältin Kate Walker auf die Suche nach dem mysteriösen Land Syberia aufgebrochen ist, um dem todkranken Hans Voralberg seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen: Die letzten überlebenden Mammuts zu sehen.

Eine fantastische Geschichte, optisch irgendwo zwischen der realen Welt und einer Fantasyumgebung mit Steampunk-Anleihen angesiedelt, die sich inhaltlich über beide Spiele hinweg zog und mit einem wirklich tränenreichen Abschied auch zu einem durchaus befriedigenden Ende gefunden hat.

Abgesehen von der mittlerweile mehr als mittelmäßigen Optik und gnadenlos veralteten Spielmechanik, lohnen sich die Spiele übrigens heute noch als knackiges Gehirntraining mit schöner Hintergrundgeschichte. Aber warum nicht gleich noch ein wenig auf das Adventure-Update warten? Voraussichtlich am 20. April soll es für PC sowie PS4 und Xbox erscheint und erstmals mit schicker 3D-Optik und einer modernisierten Benutzerführung aufwarten. Vorkenntnisse zur Geschichte und den Charakteren braucht ihr auch keine, für Fans der Serie werden aber trotzdem genügend Anspielungen auf vergangene Ereignisse und ein Wiedersehen mit bekannten Figuren geboten.

7 von 9

Syberia 3 - Kate Walker kommt zurück

Die Geschichte von Syberia 3 spielt ein paar Wochen nach dem Ende des zweiten Teils und ihr seht Kate bewusstlos in einem Rettungsboot am Ufer liegen. Eine Karawane des Youkol-Nomadenvolkes findet die offenbar schwerverletzte Abenteurerin und bringt sie schleunigst in ein Krankenhaus in der nächsten Stadt. Hier trifft sie nach ihrer Genesung auf Kurk, den spirituellen Anführer des Youkol-Stammes, der sie um Hilfe bittet. Sein Volk befindet sich auf einer Wanderung zur Heiligen Stätte, dem Brutplatz der gigantischen Schneestrauße, die seit vielen Jahrhunderten als Reit- und Nutztiere die kleinwüchsigen Youkol begleiten.

Aber verständnislose Behörden wollen das Nomadenvolk mit Gewalt zur Sesshaftigkeit zwingen, und zu allem Überfluss würde ein Umgehen der offiziellen Staatsgrenzen mitten durch eine nuklear verstrahlte Sperrzone führen. Natürlich sagt Kate ihre Hilfe zu und eigentlich könnte das dann der hervorragende Beginn einer richtig spannenden Odyssee werden. Wenn ihr denn erstmal aus diesem seltsamen Krankenhaus entkommen könntet.

Kate wird von Murk, dem Anführer der Nomaden,um Hilfe gebeten.Kate wird von Murk, dem Anführer der Nomaden,um Hilfe gebeten.

Cleveres Interaktionssystem

Das erste Rätsel gestaltet sich als simple Fingerübung, um mit dem runderneuerten Interface vertraut zu werden. Die Zimmertüre ist verschlossen und der Rufknopf für das Personal ist offenbar defekt. Betrachtet ihr den Kasten, an dem der Knopf befestigt ist, werden euch zwei Optionen angezeigt. Ihr könnt das Objekt von allen Seiten untersuchen, vielleicht findet sich ja ein versteckter Hinweis, was meist der Fall ist. Oder lieber gleich einen Gegenstand aus dem Inventar benutzen.

Adventure mit Fantasy-Einschlag: Ihr sollt die Nomaden bei ihrer Wanderschaft zur Heiligen Stätte ihrer riesigen Schneestrauße begleiten.Adventure mit Fantasy-Einschlag: Ihr sollt die Nomaden bei ihrer Wanderschaft zur Heiligen Stätte ihrer riesigen Schneestrauße begleiten.

Ein neugieriger Blick offenbart euch einen Schaltplan auf der Seite, der die Verkabelung im Inneren anzeigt. Da wird also wohl was locker sein, ist der erste Gedanke. Aber nachsehen könnt ihr nicht, der Kasten ist gut verschlossen und ihr habt noch nichts in eurem Inventar, um an den Schrauben zu drehen.

Syberia 3 ist kein "Point and Click"-Adventure, ihr müsst Kate schon mit dem Controller durch den Raum bewegen, um Gegenstände zu finden und nicht einfach nur einen Cursor über den Bildschirm schieben. Also sucht ihr zuerst etwas, um die Schrauben des Kastens zu öffnen. Und siehe da: Ein altes Brotmesser auf dem Tisch eignet sich doch bestimmt als perfekter Schraubendreherersatz. Ein Druck auf den am Bildschirm angezeigten Knopf und schon verschwindet das Teil in euren Besitz.

Zurück am Kasten öffnet ihr das Inventar, wählt das Messer und löst die Schrauben. Das wie vermutet lose Kabel im Innern verbindet ihr mit einem kleinen Geschicklichkeitstest, indem ihr mit einem Drücker den Gegenstand markiert und mithilfe des linken Analogsticks an seinen richtigen Ort bugsiert. Schon ist die erste Aufgabe gelöst, aber so einfach geht es wirklich nicht weiter, die Serie ist nicht umsonst für ihre teilweise brutal komplexe Rätselkost bekannt.

Grundsätzlich gilt: Ihr könnt im Inventar keine Gegenstände miteinander kombinieren, das geht nur an einer gesonderten Werkbank, die sich aber glücklicherweise meist in unmittelbarer Nähe befindet. Um beispielsweise eine Fackel herzustellen, sammelt ihr zuerst die benötigten Materialen wie einen Stock, Stoff, eine brennbare Flüssigkeit und einen Feuerstein ein und kombiniert die Bestandteile dann. Das gelingt zwar meist intuitiv, auf fehlende Bestandteile wird mit kurzen Hilfetexten hingewiesen, hätte aber bestimmt so auch im Inventarbildschirm gelöst werden können.

Neu hinzugekommen sind unterschiedliche Dialogoptionen, die bei den Gesprächen mit den zahlreichen Figuren im Spiel eine wichtige Rolle spielen. Anders als bei Spielen wie beispielsweise der „Mass Effect“-Serie, verändern eure Fragen und Antworten nicht wesentlich den Spielablauf. Die Geschichte wird linear erzählt und bietet auch keine alternativen Enden. Aber einen tieferen Einblick in die Beweggründe der handelnden Personen und den einen oder anderen wertvollen Tipp bekommt ihr nur, wenn ihr euch als redselig erweist.

Dieses Video zu Syberia 3 schon gesehen?

Kopfnüsse für Fortgeschrittene

Dass in dem Krankenhaus irgendwas nicht ganz koscher ist, erfahrt ihr schnell durch Gespräche mit den anderen Patienten, die offenbar schon seit Jahrzehnten festgehalten werden. Und auch Kate wollen die seltsamen Doktoren, allen voran die bissige Dr. Olga, einfach nicht gehen lassen, bevor sie nicht ihre vollständige Genesung bewiesen hat. Und wie macht man das in einem Adventure? Klar, in dem ihr eine Befragung durchsteht, danach einen seltsamen Schlüssel erhaltet, der wie eine Ausgeburt aus einem "H.P. Lovecraft"-Alptraum aussieht, den aber erst einmal reparieren lassen müsst. Klingt logisch? Ach was!

Das ist schon ein sehr seltsamer Schlüssel für einen Aufzug in einem Krankenhaus.Das ist schon ein sehr seltsamer Schlüssel für einen Aufzug in einem Krankenhaus.

Syberia 3 bleibt seiner Formel treu und setzt euch den Weg in das nächste Spielareal direkt vor die Nase, legt euch aber gleichzeitig auch Dutzende von Hindernissen in den Weg. Ohne jetzt groß zu spoilern, bevor ihr mit dem Schlüssel den Aufzug aus dem Patientenbereich bedienen könnt, sollt ihr unter anderem mit allen Leuten sprechen, einen mechanischen Vogel stehlen, Schubladen durchsuchen, um eine Anleitung zur Reparatur zu finden und eine echte Eule anlocken, die als Bote zwecks Wiederherstellung dient. Wenn ihr Spaß an solchen mehrstufigen Tüfteleien habt, die sich in den meisten Fällen als recht komplex erweisen und deren Logik nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, dann wird das genau euer Ding.

Backtracking, also das Hin- und Herlaufen zwischen bereits besuchten Orten zur künstlichen Spielzeitverlängerung, wird glücklicherweise vermieden. Notwendige Gegenstände und Hinweise um ein Problem zu lösen und so wieder ein Stück weiter Richtung Heiliger Stätte der Schneestrauße zu gelangen, finden sich immer in dem aktuellen Spielbereich. Eine Rückkehr zu bereits besuchten Orten ist nicht notwendig.

Einfach ist das Spiel allerdings wirklich nicht. Oftmals erschließt sich die Logik hinter den Rätseln erst im Nachhinein und ihr schlagt euch wahrscheinlich mit der flachen Hand an die Stirn, dass ihr da nicht sofort drauf gekommen sind. Die beste Herangehensweise ist es, die Umgebung ganz genau abzusuchen und wirklich jeden Winkel nach einem Tipp oder Gegenstand abzuklopfen. Es steht zwar keine freie Kamera zur Verfügung, aber ihr könnt den Bildausschnitt immer ein Stück schwenken oder wichtige Orte, bei denen ein „Untersuchen“-Symbol angezeigt wird, einer genauen Inspektion unterziehen.

Neu sind unterschiediche Antwortmöglichkeiten in den Dialogen. Zum Beispiel bei einem ausführlichen Lügendetektortest. Wirklich verändern könnt ihr mit eurer Wahl die Handlung aber nicht.Neu sind unterschiediche Antwortmöglichkeiten in den Dialogen. Zum Beispiel bei einem ausführlichen Lügendetektortest. Wirklich verändern könnt ihr mit eurer Wahl die Handlung aber nicht.

Fantastische Optik und ein geniales Sound-Design

Für das stimmungsvolle Design ist erneut der "Graphic Novel"-Künstler Benoit Sokal zuständig, der ein geradezu mystisches Szenario aus realen Schauplätzen in der Ukraine mit erheblichen Fantasy- und "Steam Punk"-Elementen entworfen hat. Als Vorbild für die Stadt Baranour, einem nach einem Unfall strahlenverseuchten Ort, stand beispielsweise Chernobyl Pate. Im Spiel ist es ein gefährlicher Ort, in dem mechanische Hunde durch die Straßen streifen und die Karawane nur durch einen verlassenen U-Bahn-Tunnel weiterziehen kann.

Der belgische "Graphic Novel"-Künstler Benoit Sokal bei der Arbeit am Spieldesign.Der belgische "Graphic Novel"-Künstler Benoit Sokal bei der Arbeit am Spieldesign.

Auch bei der Geschichte hat sich Sokal eingebracht und nutzt das fiktive Volk der Youkal, um auf die leider sehr realen Probleme von Nomaden aufmerksam zu machen, die sich immer wieder mit den Ängsten und Vorurteilen der sesshaften Bevölkerung konfrontiert sehen. Trotz des ernsten Hintergrunds erspart sich Syberia 3 aber jeden moralisch erhobenen Zeigefinger und bietet einfach eines: Ein schön gestyltes Adventure.

Unbedingt erwähnenswert ist die Musik und das Sound-Design von Inon Zur, der bereits Spiele wie Dragon Age - Origins vertonte. Das Besondere: Während eines Puzzles ändert sich die Hintergrundmusik von anfangs vereinzelten Klängen zu einer ganzen Melodie und steigert in kaum merklichen Schritten Lautstärke und Tempo. Wenn ihr genau darauf achtet, bekommt ihr einen zusätzlichen Hinweis, wie weit ihr einer Lösung schon auf der Spur seid.

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Tags: Fantasy   Singleplayer  

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