Test Styx - Shards of Darkness: Ein Kobold mit Ambitionen

von Michael Krüger (14. März 2017)

Der kleine fiese Kobold ist zurück und hat erneut einen unbändigen Durst nach Ärger. Meuchelmorde, Schleichwege und fiese Fallen pflastern euren Weg. Dieser ist allerdings selten leicht.

Nachdem Styx - Master of Shadows nicht nur euch, sondern auch die Kritiker überzeugen konnte, ließ die Ankündigung einer Fortsetzung nicht lange auf sich warten. Diese erscheint nun unter dem Namen Styx - Shards of Darkness und verspricht einige Verbesserungen und Neuerungen. Allen voran ein Koop-Modus für zwei Spieler.

Doch auch alleine schlägt sich Kobold Styx gerne durch finstere Gassen und klaut, was nicht angekettet ist. Hierfür hat er gleich eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten im Gepäck. Freischaltbare Fähigkeiten und praktische Werkzeuge umfassen das vielseitige Arsenal des Meisterdiebs.

Zusätzlich soll die Geschichte aufregender, die Spielwelt detailreicher und die Spielmechaniken abwechslungsreicher sein. Das hört sich nach einem großen Vorhaben an. Ob alle diese Ambitionen tatsächlich in die Tat umgesetzt wurden und was euch sonst noch in Styx - Shards of Darkness erwartet, verrät euch dieser Test.

Kobolde und Elfen - Ihr wisst schon

Der titelgebende Kobold Styx ist immer noch genau so schlecht gelaunt wie in Of Orcs and Men, sowie in seinem ersten eigenen Spiel Styx - Master of Shadows. Passend zu seiner äußeren Erscheinung ist er extrem garstig, hasst Menschen und wünscht jedem nur das Schlechteste. Eben ein kleiner fieser Kobold, der seinen grünen Zinken mit Leidenschaft in fremde Angelegenheit steckt. Nachdem der Krieg um das kostbare Goldharz ruhiger wird, verstrickt ihr euch in der Rolle des kleinen Miesepeters Styx in ein paar düstere Verschwörungen zwischen Menschen und Elfen.

Eure Reise beginnt mit einem recht gewöhnlichen Auftrag: Stehlt den Sold der Wachen!Eure Reise beginnt mit einem recht gewöhnlichen Auftrag: Stehlt den Sold der Wachen!

Schön ist besonders die Art und Weise, wie euch die Geschichte durch eure Missionen führt. Statt starrer Menüs und geradlinigen Abläufen führt euch die Spielwelt selbst von einer Aufgabe zur nächsten. Nebenmissionen verleiten dabei immer wieder dazu, dass ihr den direkten Weg zu eurem Ziel verlasst und euch etwas genauer mit der Umgebung auseinandersetzt.

Hier belauscht ihr teilweise interessante Gespräche von Wachen, findet versteckte Räume oder auch kreative Möglichkeiten, eure Gegner zu beseitigen. Diese Abwechslung braucht es auch, denn so richtig packend ist die Handlung von Styx - Shards of Darkness irgendwie nicht. Wie sich später noch zeigt, ist hierfür allerdings hauptsächlich die Gestaltung verantwortlich.

Die Grundausstattung eines Meuchlers

Die Stärken von Styx - Shards of Darkness liegen eindeutig in den Spielmechaniken. Hier haben die Entwickler seit dem Vorgänger dazugelernt und auch neue Ideen addiert. Im Grunde dreht sich der Großteil eures Handelns um die Erkundung der Spielwelt und das Kombinieren von Schleichwegen und Ablenkungsmanövern. Euer übergeordnetes Ziel ist es nämlich, bei all euren Missionen und Aufgaben unter keinen Umständen bemerkt zu werden.

Findet ihr eine Werkbank, könnt ihr eure Vorräte an Hilfsmitteln aufstocken.Findet ihr eine Werkbank, könnt ihr eure Vorräte an Hilfsmitteln aufstocken.

Typische Schleichspiel-Mechaniken, wie geducktes Laufen, um Geräusche zu vermeiden, Leichen entsorgen und leere Flaschen zu werfen, dürfen da natürlich nicht fehlen. Findet ihr keinen geeigneten Weg durchs Verborgene, wird halt mal eine Kehle aufgetrennt. Wahlweise laut oder leise, letzteres allerdings in Verbindung mit einer gewissen Wartezeit, erledigt ihr eure Feinde und löst anschließend ihren toten Körper mit Säure auf oder entsorgt ihn in einem passenden Behältnis.

Eine Reihe von Werkzeugen und Fähigkeiten erweitern sukzessive euer Arsenal und sorgen für eine nette Portion Abwechslung. Mithilfe von Pfeilen erledigt ihr Feinde aus größerer Distanz, und dank der Kraft des Goldharzes macht ihr euch für kurze Zeit unsichtbar oder erzeugt mittels spontaner Zellteilung einen Klon von euch. Dieser ist zwar nicht mit allen euren Fähigkeiten ausgestattet, kann dafür aber wenigstens für Ablenkung sorgen und euch so den einen oder anderen Weg freiräumen.

Frust und fragwürdige Ziele

Die meisten Spielmechaniken greifen schön ineinander, fühlen sich allerdings immer wieder etwas sperrig an. Besonders Sprungpassagen kosten euch häufig Nerven und zeigen euch in einer unangenehmen Frequenz den Ladebildschirm. Dank eines gewissen Lerneffekts lassen sich diese zwar vermeiden, doch auch nach Stunden des Übens bleiben Frustmomente, in denen ihr die Spielmechaniken verteufelt.

Am Ende jeder Mission wartet eure Abrechnung.Am Ende jeder Mission wartet eure Abrechnung.

Hinzu kommt eine Ungereimtheit im Fortschritt. So bekommt ihr einerseits die Möglichkeit, eure Feinde auf eine Vielzahl von Arten zu eliminieren, in dem ihr beispielsweise ihr Essen vergiftet oder sie mit einem Kronleuchter erschlagt, doch kostet euch jeder tote Feind wertvolle Punkte in der Abrechnung, wo diese in Fertigkeitspunkte verwandelt werden. Diese wiederum helfen euch zum Großteil dabei, eure Gegner leichter zu töten. Kurz gesagt: Ihr tötet Feinde, werdet dafür bestraft, könnt aber hauptsächlich eure Tötungsmethoden verfeinern ... um noch mehr Feinde zu töten? So richtig Sinn ergibt diese Rechnung nicht. Immerhin verlangt das Spiel so von euch, einfach nur durch die Missionen zu rennen, ohne einen einzigen Gegner zu berühren. Je besser ihr also spielt, umso mehr Fähigkeiten bekommt ihr, die euch eigentlich nichts bringen, wenn ihr weiterhin abräumen wollt.

Spaß macht Styx - Shards of Darkness aber trotzdem. Im Idealfall ignoriert ihr die Auszeichnungen und Extra-Punkte und meuchelt euch einfach gemütlich durch die feindlichen Reihen. Hier zeigen sich auch deutlich die Fortschritte zum Vorgänger. Die Gesamtheit der Mechaniken passt sich besser in die Spielwelt ein und wirkt weniger konstruiert. Hinzu kommen deutliche Verbesserungen in der Darstellung.

Was für ein hübsches Kerlchen

Hatte der Gauner Styx schon nach seinem ersten Spiel einen nicht zu verachtenden Kult-Status wird dieser nun weiter verfeinert. Das Wesen des mies gelaunten Kobolds ist nun noch greifbarer und vor allem noch lustiger. So kommentiert Styx jeden einzelnen eurer Tode, indem er aus einer Rauchwolke auf euch zugeht und euch euer Versagen vorwirft. Die Entwickler haben sich einiges einfallen lassen und bringen euch trotz des Frustes eines Neustarts immer wieder zum Lachen.

Selten sieht Hässlichkeit so gut aus.Selten sieht Hässlichkeit so gut aus.

Auch optisch hat sich der garstige Langfinger weiterentwickelt und sieht nun noch besser aus. Nun, so gut wie ein buckliger und stinkender Kobold eben aussehen kann. Sowohl die Texturen als auch der Detailgrad von Styx' Körper wirken plastischer und erwecken in manchen Momenten schon fast den Eindruck einer steuerbaren Action-Figur.

Die Spielwelt bekam ebenfalls ein ordentliches Lifting und ist nun detailreicher, atmosphärischer und deutlich weniger steril als es noch im ersten Teil stellenweise der Fall war. Vor allem aber ist die Umgebung in Styx - Shards of Darkness richtig schön abwechslungsreich. Lausige Koboldhütten, prächtige Elfentempel und imposante Luftschiffe bilden nur die Spitze des architektonischen Eisbergs.

Weniger Ausdruck als Kristen Stewart

So schön die Spielwelt und so glaubwürdig ihr Protagonist ist, so lieblos wirken die übrigen Figuren in Styx - Shards of Darkness. Gewöhnliche Gegner laufen als hätten sie einen Besen verschluckt und auch in Zwischensequenzen verdient keiner der Akteure einen Oscar. Steife Gesichter und sparsame Emotionen steigern nicht gerade euer Interesse an der Handlung.

Größter Schwachpunkt: Die Präsentation der Spielfiguren.Größter Schwachpunkt: Die Präsentation der Spielfiguren.

Ohne dass jetzt unbedingt Lieder mit Ohrwurm-Potential gespielt werden, ist die musikalische Begleitung von Styx - Shards of Darkness in jedem Fall stimmungsvoll und fasst das Gezeigte in einen passenden Rahmen. Auch die Vertonung der Charaktere ist gelungen, allerdings nur auf Englisch verfügbar.

An dieser Stelle sei auch der Koop-Modus noch erwähnt. Da dieser aktuell noch nicht spielbar ist, wird der Test zu gegebener Zeit noch ergänzt. Gemeinsam mit einem Freund Elfen aufzuschlitzen, hört sich zumindest schon einmal nach Spaß an.

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Tags: Singleplayer   Koop-Modus   Fantasy  

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