Test Vikings - Wolves of Midgard: Genökenflöken, Ikea, Köttbullar, Wikinger in Videospielen

von Michael Krüger (24. März 2017)

Die Wikinger sind los! Auf ihrem Raubzug haben sie es allerdings weniger auf fremdes Eigentum, sondern vielmehr auf ein heiß umkämpftes Genre abgesehen. In jedem Fall ein spannendes Gefecht.

Sobald ein Action-Rollenspiel aus der isometrischen Ansicht gezeigt wird, muss es sich automatisch den Vergleich zu Diablo gefallen lassen. Gemeinerweise wird oft von Klonen gesprochen, dabei ist der Ansatz häufig ein anderer, während sich lediglich die Darstellung ähnelt. So auch im Falle von Vikings - Wolves of Midgard. Dass es sich hierbei weder um eine Kopie noch um ein zwingend verwandtes Spiel handelt, zeigt sich schon nach kurzer Zeit im Spiel.

Stellt euch auf nordische Götter, Fabelwesen und vor allem kalte und harte Klingen ein. Doch auch wenn frühe Bilder den Eindruck vermitteln, dass ihr euch hauptsächlich durch Schnee bewegt, führen euch eure Wege durch die Lande Midgards durch abwechslungsreiche Gebiete. Diese bieten euch nicht nur eine hübsche Kulisse für martialische Kämpfe, sondern bergen die ein oder andere Gefahr. Diese Umwelteinflüsse gehören zu den Mechaniken, mit denen sich Vikings - Wolves of Midgard von der Konkurrenz abheben möchte.

Auch der Verzicht auf Klassen und verwobene Fertigkeitsbäume spricht diese Sprache. Stattdessen liegt der Fokus auf der Wahl der Waffenklasse und den damit verbundenen Vorteilen. Doch auch eure Position im Kampf spielt eine wichtige Rolle. Die Beute scheint fett, mal sehen was sich im Inneren befindet. Es darf geschlachtet werden!

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Für die Ulfung!

Ohne allzu weit auszuholen wirft euch Vikings - Wolves of Midgard in einen Krieg zwischen ein paar Riesen und den Göttern Asgards. Wo gehobelt wird, da fallen Späne und wo Krieg ist, brennen Siedlungen. So auch das Dorf der Ulfung. Hiervon sind bis auf die Haupthalle und ein paar Ruinen schon bald nicht mehr als ein paar Grundmauern übrig. Da kommt ihr natürlich als neuer Häuptling gerade recht. Immerhin seid ihr als Wikinger die Beschaffung von Ressourcen ja gewohnt.

Hin und wieder bestimmt ihr in Gesprächen eure Antworten selbst.Hin und wieder bestimmt ihr in Gesprächen eure Antworten selbst.

Eure Reise führt euch der Reihe nach zu möglichen Verbündeten und vor allem einer Menge lauernder Gefahren. Stück für Stück erobert ihr alles zurück, was euch zusteht, schlichtet den Streit mit den Göttern und rekrutiert Bewohner für euer Dorf. Gemeinsam seid ihr am stärksten, was sich in Vikings - Wolves of Midgard dadurch äußerst, dass ihr mit neuen Verbündeten mehr Möglichkeiten erhaltet euch weiterzuentwickeln. Schließlich wäre es ohne einen stetigen Charakter-Fortschritt wohl kaum ein Rollenspiel.

Die Erzählweise ist angesichts der teilweise großen Veränderungen in eurer Siedlung etwas steif. Da ihr die Figuren im Spiel immer nur aus der Vogelperspektive seht, entsteht kein wirklicher Bezug, was angesichts des stimmigen Szenarios eigentlich schade ist. Ein paar charismatische Fieslinge gibt es zwar, doch bleiben besonders denkwürdige Figuren in der Handlung dennoch aus.

Der Zyklus des Rollenspiel-Helden

Das Grundprinzip von Vikings - Wolves of Midgard ist erstaunlich überschaubar und schnell verinnerlicht. Während einer Mission metzelt ihr euch bis zu einem Endboss und erledigt diesen. Unterwegs sammelt ihr Blut, was Erfahrungspunkten gleich kommt, Rohstoffe und hier und da Waffen, Rüstungen oder Teile davon. Nachdem ihr euren Auftrag erfolgreich beendet habt, erhaltet ihr noch ein paar besondere Belohnungen und kehrt anschließend in euer Dorf zurück. Hier macht ihr euch kurz frisch, verbessert euch oder die Gebäude und weiter geht es zur nächsten Mission.

Verbessert ihr euren Altar, könnt ihr die Stufen von Fertigkeiten erhöhen.Verbessert ihr euren Altar, könnt ihr die Stufen von Fertigkeiten erhöhen.

Dieses Wechselspiel funktioniert im Grunde genau so gut wie bei anderen Action-Rollenspielen. Die optischen Unterschiede zwischen den verbesserten Häusern sind nicht all zu groß, doch spielerisch spürt ihr durchgehend eine Entwicklung, wenn diese auch ziemlich gemächlich verläuft. Viel Spielraum habt ihr ebenfalls nicht. Die Rohstoffe sind meistens rar, so dass ihr in der Regel nur eine Verbesserung zwischen den Missionen vornehmen könnt. Dadurch nimmt der Ausbau nur wenig Raum ein und zieht sich langsam über die gesamte Kampagne.

Da der Fokus aber auf den Kämpfen liegt, ist dieser Umstand weniger gewichtig. Auf dem Schlachtfeld fordert euch Vikings - Wolves of Midgard und bestraft euch für unbedachtes Metzeln. Je nach Art eines Gegners könnt ihr ihn einfach umknüppeln, beißt bei gepanzerten oder besonders großen Einheiten dafür aber öfters auf Granit. Angriffswinkel und Positionierung sind der Schlüssel zum Erfolg und brechen bekannte Muster stellenweise auf.

Die Waffen eines Wikingers

Hier kommt auch gleich noch eine Besonderheit von Vikings - Wolves of Midgard zum Tragen: Anstelle einer Klasse wählt ihr nämlich eine Waffenart und damit den hierfür zuständigen, nordischen Gott. Diese Entscheidung kann jederzeit von euch geändert werden und das sogar auf Knopfdruck im Kampf. Wechselt ihr nämlich zu einem Waffenset einer anderen Gattung, wechselt auch die Wahl eures Gottes und damit alle eure Fähigkeiten. Diese sind nämlich immer fest an einen der Götter gebunden.

Bei solchen Gegnern zählt nicht nur eure Schlagkraft.Bei solchen Gegnern zählt nicht nur eure Schlagkraft.

Spielt ihr nun also beispielsweise eine ganze Weile mit zwei Schwertern und habt schon ein paar verheerende Angriffe, sowie Boni freigeschaltet, beginnt ihr beim Wechsel zu einem Bogen oder Stab wieder von vorne. Das führt zwar einerseits dazu, dass ihr bei einer Umorientierung erst einmal Arbeit vor euch habt, aber auch dazu, dass ihr euch mehrere mächtige Ausrichtungen aufbauen könnt, die euch eine schnelle Anpassung an veränderte Umstände erlauben.

Sind euch eure Waffen und Rüstungen noch nicht stark genug, fügt ihr beim Runenschmied Gravuren in freie Plätze ein. Hat man alles irgendwo schon einmal gesehen. Das funktioniert, haut euch als Rollenspiel-Veteran allerdings nicht aus dem Sessel. Auch die wiederholbaren Missionen in Form von Jagden, in der ihr eine bestimmte Anzahl Gegner erledigt oder die Prüfungen, in denen ihr Wellen von Gegnern schlachtet, waren bereits in ähnlicher Form da und dienen lediglich zur Erweiterung der Spielzeit.

Es ist mal jemand beim Kämpfen erfroren!

Die Ideen, die euch in Vikings - Wolves of Midgard spielerisch erwarten, sind keinesfalls schlecht, nur nicht kompakt genug verpackt. Alles zieht sich gefühlt in die Länge und die Frequenz neuer Eindrücke ist streckenweise etwas niedrig. Diese Kritik setzt allerdings voraus, dass alles gut funktioniert und das tut es. Lasst ihr es generell gerne gemütlich angehen, könnte euch dieser Umstand sogar egal sein, wissen solltet ihr es trotzdem.

Bei diesen Temperaturen wollt ihr eigentlich lieber am Feuer bleiben.Bei diesen Temperaturen wollt ihr eigentlich lieber am Feuer bleiben.

Das mag etwas ernüchternd klingen, doch Spaß macht Vikings - Wolves of Midgard dennoch. Nicht zuletzt, weil es trotz des gemächlichen Tempos immer wieder Ideen einführt, die ihr zuvor nicht erwartet und die das Spiel bereichern. An Einfällen scheint es den Entwicklern hier nicht zu mangeln. Besonders gut ist die Sache mit den Witterungsbedingungen. Bestimmte Gebiete verfügen nämlich über Umwelteinflüsse. Kälte, Gift und Seuche sind nur ein paar der Statusleiden, die eure Taktiken beeinflussen. Kämpft ihr euch nämlich zu lange durch den Schnee und die Witterungsleiste füllt sich komplett auf, nimmt eure Gesundheit rapide ab. Da hilft nur ein wärmendes Lagerfeuer. Ideen wie diese klopfen regelmäßig den Staub runter und wecken eure Neugier auf das nächste Kapitel.

Über einen zu geringen Umfang könnt ihr euch nicht beschweren. Wann immer ihr denkt, alle Szenarien gesehen zu haben, kommt schon wieder ein neues um die Ecke. Und auch was die Gestaltung von Boss-Gegnern angeht, wird euch nicht so schnell langweilig. Diese haben nicht nur ganz eigene Möglichkeiten, euch aus dem Weg zu räumen, sondern erfordern unterschiedliche Taktiken. In Kombination mit den erwähnten Witterungen entstehen so aufregende Kämpfe. Diese machen auch zu zweit ordentlich Laune. Sowohl online als auch lokal steht euch und einem zweiten Spieler der gesamte Inhalt des Spiels offen.

Wikinger bis aufs Blut

Typischerweise wirft euch Vikings - Wolves of Midgard zunächst in eisige Gegenden. Dabei stapelt sich der Schnee teilweise so hoch, dass ihr bis zur Hüfte darin versinkt und demnach tiefe Spuren hinterlasst. Doch nicht nur die klirrende Kälte vermittelt das Spiel glaubhaft. Auch andere Klimazonen, wie neblige Sümpfe oder staubige Wüstenlager wirken rundum stimmig.

Die Kämpfe gehen auch optisch gut zur Sache.Die Kämpfe gehen auch optisch gut zur Sache.

Die Details sind dabei nicht unwichtig. So hinterlasst ihr Fußspuren passend zum Untergrund auf dem ihr euch bewegt, sammelt die Köpfe eurer Feinde in eurer Trophäenhalle und beobachtet bei besonders heftigen Hieben, wie Blutspritzer an Hauswände klatschen. Es sind die kleinen Dinge, die einen Wikinger erfreuen.

Die Gestaltung der der Akteuere und eurer Feinde ist ebenfalls richtig gut gelungen. Das nordische Thema spiegelt sich überall wieder und hüllt euch durchgehend in eine nach Met und Blut riechende Atmosphäre mit einem Hauch von übertriebener Gewaltdarstellung der Marke God of War. Fleisch in Ketten und abstruse Mutationen inklusive.

Auch akustisch ist die Thematik prima umgesetzt, lediglich ein paar der Waffenklänge wirken hier und da etwas deplatziert. Das ist allerdings nicht groß störend. Die brummigen Stimmen, die es übrigens auch auf Deutsch gibt, sind durchweg gelungen und sorgen für Stimmung. Aus gestalterischer Sicht ist Vikings - Wolves of Midgard zweifelsohne ein rundes Erlebnis.

Weiter mit: Meinung und Wertung

Inhalt

  • 1. Vikings - Wolves of Midgard: Genökenflöken, Ikea, Köttbullar, Wikinger in Videospielen
  • 2. Meinung und Wertung

Tags: Singleplayer   Fantasy   Koop-Modus  

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