Test Persona 5: Das Herz will, was das Herz will

von Michael Krüger (04. April 2017)

Als Phantom-Dieb operiert ihr fern der Realität und bringt die Moral ins Schwanken. Es ist Zeit, eure innersten Sehnsüchte aufzuwiegen und diejenigen zur Vernunft zu bringen, deren Herz fehlgeleitet ist.

Vor über 20 Jahren erschien mit Shin Megami Tensei - Persona der erste Teil der Persona-Reihe. Ausgestattet mit einer einzigartigen Mischung aus Rollenspiel-Elementen und Alltagssimulation ist die Nebenreihe zu Shin Megami Tensei mittlerweile mindestens genau so groß. Für den neuesten Teil haben sich die Entwickler besonders viel Zeit gelassen. Ganze acht Jahre vergingen zwischen Persona 4 und Persona 5.

Dieses Mal verschlägt es euch in den Alltag eines Schülers. Übernatürliche Ereignisse kündigen großes Unheil an und ihr verliert euch erneut zwischen der realen Welt und einer verborgenen Dimension. Die Formel der Vorgänger wird dabei nicht nur eingehalten, sondern weiter verfeinert. So fühlt sich für Veteranen vieles vertraut an, doch bietet Persona 5 gleichzeitig genügend Neues für ein frisches Kennenlernen.

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Persona 5 lässt Herzen höher schlagen

Trotz der Tatsache, dass es sich technisch gesehen bereits um das sechste Spiel der Reihe handelt, ist ein Einstieg in die Reihe auch mit dem neuesten Teil problemlos möglich. Vorkenntnisse sind höchstens hier und da für nostalgische Gefühle wichtig. Dass trotz der verdrehten Themen und vielseitigen Spielmechaniken alles verständlich bleibt, verdankt Persona 5 seinem großartigen Stil.

Nichts ist, wie es scheint

In Persona 5 spielt ihr einen japanischen Schüler, der bereits früh im Spiel spüren muss, wie sich Ungerechtigkeit anfühlt. Aufgrund unglücklicher Umstände werdet ihr nicht nur aus der Schule geworfen, sondern gleich in eine andere Stadt geschickt. Hier sollt ihr euch auf euren Abschluss konzentrieren. Damit das gelingt, werdet ihr im Dachboden eines älteren Cafés untergebracht. Dort richtet ihr euch so gemütlich ein, wie es die aktuelle Situation eben zulässt.

In der Schule verbessert ihr euer Wissen.In der Schule verbessert ihr euer Wissen.

In der Schule lernt ihr interessante Mitschüler kennen und knüpft bald erste lose Freundschaften. Auf die Fragen der Lehrer wisst ihr meistens die richtige Antwort und wenn ihr abends nach Hause kommt, schaut ihr eine DVD oder besucht noch eines der Geschäfte der Stadt und macht ein paar Besorgungen. Das Leben eines jungen Schülers eben. Nicht ganz!

Denn immer wieder verschwindet ihr urplötzlich und taucht in eine andere Welt ab. Hier, im sogenannten Metaverse, seid ihr ein Meisterdieb. Die Schätze, die ihr stehlt, sind unbezahlbar. Denn sie sind nicht mehr oder weniger als die metaphorischen Herzen fehlgeleiteter Seelen. Ihr seid ein Phantom, das durch die verdrehte Fantasie kranker Psychen schleicht und diejenigen befreit, die keine Stimme haben.

An eurer Seite befinden sich Vertraute, die wie ihr die Verbindung zu ihrer eigenen Hingabe kontrollieren können. Diese Verkörperung des Teilbewusstseins zeigt sich in Form von magischen Wesen, den titelgebenden Personas (eigentlich: Personae). Während eure Verbündeten jeweils mit nur einem solchen fest verbunden sind, habt ihr die Fähigkeit, mehrere Personas in den Kampf zu führen, immer wieder neue zu rekrutieren und diese zu wechseln.

Eine fantastische Mischung

Wie der Name des Spiels schon verrät, spielen die Personas eine zentrale Rolle. So soll laut Spiel jedem Menschen ein solches Wesen innewohnen, wenn auch nicht jeder vermag, es auch zu sehen. Spielerisch lassen sie sich am ehesten mit Pokémon vergleichen, wobei sie mit euch zusammen und nicht für euch kämpfen. Die Auswahl ihrer Fähigkeiten erweitert sozusagen euer eigenes Repertoire. Und was noch wichtiger ist: Ihr erhaltet so die Möglichkeit, auf die Schwächen eurer Gegner zu reagieren.

Personas verursachen unterschiedliche Elementar-Schäden.Personas verursachen unterschiedliche Elementar-Schäden.

Im Idealfall erwischt ihr nämlich den richtigen Elementarschaden und bringt euren Gegner so ins Taumeln. Dadurch erhaltet ihr einen zweiten Angriff in einem klassischen rundenbasierten Kampfszenario. Verkettet ihr auf diese Weise genug Attacken, um alle Kontrahenten an ihrer Schwachstelle zu erwischen, bekommt ihr die Gelegenheit, mit dem Feind zu verhandeln oder einen verheerenden Angriff zu starten. Dadurch gewinnen die Schwächen der Gegner und eure Suche danach an Bedeutung.

Doch das Kämpfen ist nur ein Bruchteil, von dem was euch Persona 5 spielerisch bietet. In der realen Welt verbringt ihr eure Zeit möglichst effizient und spielt eine Art Alltagssimulation. Ihr stärkt die Bindungen zu euren Vertrauten, stockt Vorräte an Hilfsmitteln auf oder verbessert eure Fähigkeiten, wie beispielsweise Wissen, Charme oder Freundlichkeit. Dabei setzt das Spiel zeitliche Grenzen in Form von Fristen. Das hat gleich zwei positive Effekte auf den Spielverlauf. Einerseits gewinnt jede noch so kleine Aktion an Gewicht, da ihr sie bewusst und mit Bedacht wählt. Andererseits verhindert das Spiel so, dass ihr euch zu lange mit den gleichen Dingen beschäftigt und so in einen monotonen Ablauf aus stumpfer Verbesserung verfallt.

Konstant brillant

Auf den ersten Blick mögen die Handlung und die vielen Spielelemente etwas verdreht und arg komplex klingen, Persona 5 ist allerdings durchweg schlüssig und leicht verdaulich. Bereits nach kurzer Zeit gelingt es dem Spiel, euch auf intensive Art zu fesseln. Sowohl die Handlung als auch die Spielmechaniken entwickeln sich stetig und fließend weiter. Eine Qualität, die auch für andere Aspekte des Spiels gilt, zeigt sich hier deutlich: Persona 5 bricht immer wieder Muster und Regelmäßigkeiten auf, um den Spielfluß spannend zu halten und dynamisch zu bleiben.

Das Metaverse zeigt euch die gestörten Sehnsüchte mächtiger Personen.Das Metaverse zeigt euch die gestörten Sehnsüchte mächtiger Personen.

Auch nach etlichen Stunden werdet ihr immer wieder durch spontane Wendungen überrascht oder stellt fest, dass ein bislang gewohnter Ablauf, nicht strickt weiterverfolgt wird. Gleichzeitig fordert das Spiel von euch eine hohe Aufmerksamkeit und vor allem ein Verständnis für Meta-Ebenen. Nachschlagen, wie viel Zeit eine bestimmte Aktivität vom Tag verbraucht, ist beispielsweise nicht möglich. Doch durch Wiederholung und Recherche lernt ihr Informationen wie diese und steigert euer Verständnis für die Spielwelt. Noch besser: Ihr versteht euch zunehmend als Teil der Welt von Persona 5 und erlebt sie.

Die Spielmechaniken von Persona 5 sind daher auch schwer zu greifen, ohne sie in ihre einzelnen Komponenten zu unterteilen. Der Rhythmus des Spiels besteht durchweg aus Sequenzen, die entsprechend der Handlung aneinander gereiht werden. Zwischen linearen Abläufen findet ihr immer wieder Zeit, eigene Strategien zu verfolgen und eure Entwicklung aktiv zu bestimmen. Ein großes Lob verdient Persona 5 vor allem für die hohe Dichte an befriedigenden Spielmechaniken. Selbst die einfachsten Tätigkeiten machen Spaß und nutzen sich trotz häufigem Gebrauch nicht ab. Hierfür zeigt sich auch die Gestaltung in großem Maß verantwortlich.

Mit allen Stilmitteln

Frei raus: Persona 5 ist als Baby wohl in einen großen Topf mit Stil gefallen. Anders lässt sich kaum in Worte packen, was euch hier geboten wird. Egal, welche Einstellung, welche Szene oder Aktion ihr gerade seht. Jedes noch so kleine Detail ist auf den Rest abgestimmt und ergibt eine ästhetische Komposition. Auch wenn ihr das hundertste Mal einem feindlichen Persona bei einem Hinterhalt die Maske abreißt, kommt noch Freude auf. Sogar der Wechsel von einer Deckung zur anderen ist stilvoll. Selbst scheinbar unwichtige Elemente, wie Menüs, Kampfabschlussberichte oder Ladebildschirme bleiben durchweg auf einer Linie mit dem Rest der Darstellung und schreien euch Formvollendung entgegen.

Die Zwischensequenzen spielen auf dem Niveau großer Anime-Produktionen.Die Zwischensequenzen spielen auf dem Niveau großer Anime-Produktionen.

Lassen euch die Bilder nicht schon die Augen vor Freude tränen, schafft es vermutlich die musikalische Untermalung das Fass zum Überlaufen zu bringen. Auch hier sind Konsequenz und Qualität die wesentlichen Aspekte. Im Grunde hat jedes Lied das Zeug zum Ohrwurm und passt zur gezeigten Szene, als wären sie unzertrennlich verbunden. Das können mal dreckige Gitarren-Laute sein, aber auch mal verspielte Fahrstuhlmusik oder entspannte Klänge der Gattung Chillout.

Jede Einstellung und Szene hat ihr eigenes Thema, was sich sowohl optisch als auch akustisch bemerkbar macht. Habt ihr beispielsweise gerade ein intensives Gespräch mit einem Vertrauten hinter euch, wisst ihr schon genau, welche Bilder und Klänge euch gleich erwarten. Ähnlich wie das Verfolgen einer langen Serie, schafft die Wiederholung von Elementen eine wohlige Vertrautheit.

Spezial-Attacken quittieren die Gruppenmitglieder mit abgefahrenen Posen.Spezial-Attacken quittieren die Gruppenmitglieder mit abgefahrenen Posen.

Und auch die englische Vertonung der Stimmen hält dieses fast schon unverschämte Niveau. Die Synchronisation bleibt euch in ähnlicher Form wie die Musikstücke und die Bilder im Kopf. Doch eben nur auf Englisch. Da sowohl die Sprachausgabe als auch die Texte einen großen Teil des Spielerlebnisses bestimmen, ist das ein wichtiger Faktor, der für den einen oder anderen unter euch sicher eine Rolle spielt.

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Tags: Anime   Singleplayer   Fantasy  

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