Vorschau Albion Online: Bald geht es richtig los

von Michael Krüger (10. April 2017)

Vom Jäger und Sammler zum reichen Farmer. In Albion Online schreibt ihr euer Abenteuer selbst und seid Teil eines in sich geschlossenen Ökosystems. Vorfreude oder Ernüchterung?

In nur wenigen Monaten soll nach einem guten Schwung Alpha- und Beta-Phasen nun endlich Albion Online erscheinen. In Vorbereitung auf die Veröffentlichung wurde kürzlich das Galahad-Update eingespielt, mit dem ein paar der finalen Inhalte nun auch ihren Weg ins Spiel finden.

Neben letzten Feinschliffen an der Benutzeroberfläche wurden vor allem Anpassungen an der Ressourcen-Balance vorgenommen. Diese spielt in Albion Online eine große Rolle. Denn jegliche Gegenstände und Rohstoffe, die hier gehandelt werden, wurden von Spielern geerntet, gefertigt oder produziert.

Als Spieler genießt ihr durch das offene Wirtschaftssystem eine große Freiheit. Ein Leben als Farmer ist ebenso möglich wie das eines Alchemisten, Kochs oder auch gewöhnlichen Kriegers. Lange Kataloge von Aufträgen und Missionen bleiben dabei ebenso außen vor wie unterschiedliche spielbare Rassen und andere Genre-Pfeiler. Durch das Aufbrechen eingespielter MMO-Muster macht Albion auf sich aufmerksam und verspricht schon jetzt ein rundes Spielerlebnis mit dem finalen Produkt.

Spielerische Freiheit statt Handlung

Eine wirkliche Handlung gibt Albion Online nicht vor. Stattdessen wirft es euch als Gestrandeten in ein klassisches Fantasy-Szenario im Mittelalter. Also die Sorte mit Zauberern, Rittern und Fabelwesen. Angespült am Strand beginnt eure Reise und lässt euch nach einer kurzen Einführung in die Mechaniken von den Zügeln. Ab hier entscheidet ihr selbst, was ihr mit eurem neuen Leben als Abenteurer Albions anstellen wollt.

Viele Fähigkeiten lassen sich über Meisterschaftsstufen weiter verbessern.Viele Fähigkeiten lassen sich über Meisterschaftsstufen weiter verbessern.

So gut wie alles, was ihr in der Spielwelt von Albion Online findet, dient einem Zweck. Bäume, Steine und andere Pflanzen können mit dem richtigen Werkzeug abgebaut werden. Auf diese Weise gelangt ihr an Rohstoffe. Bereits früh deutet sich hier der starke Rollenspiel-Charakter an. So könnt ihr anfangs lediglich Bäume der Seltenheitsstufe 1 und 2 fällen. Erst wenn ihr genug Ruhm beim Sammeln dieser Ressource erlangt habt, erhaltet ihr die Fähigkeit, auch Bäume der Stufe 3 als Ressource zu nutzen beziehungsweise das hierfür notwendige Werkzeug zu führen.

Diese Grundregel gilt im Grund für jede Tätigkeit in Albion Online. Das sogenannte Schicksalsbrett fast alle erlernbaren Fähigkeiten zusammen und zeigt auf beeindruckende Weise, wie vielseitig eure Entwicklungsmöglichkeiten sind. An einer ordentlichen Spielzeit mangelt es Albion Online also schon einmal nicht. Angesichts der vielen Optionen, dürftet ihr einige Wochen damit beschäftigt sein, nur einen einzelnen Skill auf die maximale Stufe zu bringen.

Steter Tropfen bringt das Silber

Auch wenn sich eure Tätigkeiten in Albion Online unterscheiden, folgen sie doch alle einem ähnlichen Prinzip: Ihr wiederholt so lange eine Aktion, bis ihr die nächste Stufe erreicht. Dann wiederholt ihr die gleiche Handlung auf einer höheren Ebene und so weiter. Da aber im Grunde alle Spielelemente miteinander verbunden sind, bestimmt ihr einen eigenen Weg, eure Situation möglichst effizient zu nutzen.

Pflegt ihr eure Pferde, verbessern sich die Ertragsaussichten.Pflegt ihr eure Pferde, verbessern sich die Ertragsaussichten.

An dieser Stelle kommt auch der Marktplatz respektive das Auktionshaus ins Spiel. Hier kann jeder Spieler, jeden Gegenstand und jede Ressource im Spiel anbieten. Die Nachfrage reguliert automatisch den Preis. Wird beispielsweise viel dünnes Fell angeboten, geht der Preis bei neuen Angeboten immer weiter herunter, da die Käufer immer das niedrigste Angebot bevorzugen. Gibt es zu einem Gegenstand kein Angebot, gebt ihr ein Gesuch auf. Sucht niemand, was ihr anbieten wollt, erstellt ihr wiederum ein Verkaufsangebot.

Im Endeffekt bedeutet das für euch, dass ihr überschüssige Güter verkaufen könnt und so in Silber umwandelt. Mit diesem Silber wiederum kauft ihr Dinge, die ihr selbst noch nicht herstellen oder abbauen könnt. Nur so, ist die Freiheit möglich, die ihr bei der Wahl eurer Handlungen habt. Seid ihr beispielsweise an einer Zukunft als Pferdezüchter interessiert, könnt ihr das notwendige Futter entweder selbst anbauen oder ihr kauft es auf dem Mark für das Silber, das ihr für verkaufte Pferde erhaltet. Albion Online verdient sich den Titel als komplett von Spielern gesteuerte Wirtschaftssimulation.

Geld oder Leben?

Diese große spielerische Freiheit hat oft ihren Preis. Im Fall von Albion Online bezahlt ihr diesen entweder mit echtem Geld oder mit eurer Zeit. Verzichtet ihr auf den Kauf von Gold, das ihr dann in Silber verwandeln könnt, stehen zwischen euch und eurem nächsten Ziel in der Regel einige Stunden, in denen ihr die gleiche oder zumindest einander recht ähnliche Tätigkeiten ausführt. Das Roden ganzer Wälder oder ausdauerndes Plündern von Dungeons ist in Albion Online Tagesgeschäft.

Benötigte Rohstoffe könnt ihr kaufen oder selbst abbauen.Benötigte Rohstoffe könnt ihr kaufen oder selbst abbauen.

Verzichtet ihr zusätzlich auf den Kauf der Premium-Mitgliedschaft, verlangsamt sich euer Fortschritt noch weiter. Da ihr als Besitzer des Abonnements jede Ressource sowie Ruhmpunkte gleich doppelt einsteckt, ist der Verzicht auf den Einsatz barer Münze deutlich spürbar. Zusätzlich regenerieren sich eure Fokus-Punkte langsamer, wodurch ihr besondere Fertigkeiten, wie das Wässern von Feldern, nicht mehr so häufig ausüben könnt. Wollt ihr also nicht tagelang die gleichen Sträucher abgrasen und das gleiche Süppchen kochen, führt eigentlich kein Weg an dem kostenpflichtigen Upgrade vorbei.

Egal, für welche Weg ihr euch entscheidet, Albion Online folgt einem äußerst gemächlichen Tempo. Stört ihr euch an diesem Umstand, werdet ihr kaum glücklich mit dem Spiel. Findet ihr ab genau diese langsame doch stetige Entwicklung spannend, dann bekommt ihr hier mehr als Genug Spielraum für genau diese Vorliebe. Es hat schon etwas Befriedigendes, wenn ihr nach langwierigem Schuften einen neuen Rang erreicht und damit beispielsweise besseres Werkzeug führen oder eine schicke Rüstung tragen könnt.

Vom Abenteurer zum Großgrundbesitzer

Habt ihr euch schon einen kleinen Reichtum erspielt oder gekauft, steht es euch frei, Grundstücke zu erwerben. Liegen diese auf öffentlich zugänglichen Gebieten, könnt ihr den Platz eurer Wahl bei einer Auktion ersteigern. Etabliert ihr nun darauf beispielsweise einen Steinmetz, liegt es in eurem Ermessen, wie hoch die Nutzungsgebühren in dieser Werkstätte für andere Spieler sind. Auf diese Weise könnt ihr eure Einkünfte also ebenfalls verbessern.

Ein wohlverdienter Rückzugsort: Eure InselEin wohlverdienter Rückzugsort: Eure Insel

Möchtet ihr lieber ein ruhiges Plätzchen für euch allein, dann kauft ihr eine Insel. Hier baut ihr Unterkünfte für Bedienstete, Ackerland oder auch Produktionsplätze. So lassen sich bestimmte Rohstoffe, wie Nutztiere oder Nahrung zuverlässig herstellen. So kann beispielsweise die Herstellung von Gegenständen zu einem florierenden Geschäft wachsen. Doch auch der Bau und Ausbau von Gebäuden kostet Rohstoffe, wodurch ihr immer Teil des Wirtschaftssystems bleibt.

Bedienstete stellen eine zusätzliche Mechanik dar. Kümmert ihr euch gut um deren Behausung und sorgt durch leckere Gerichte für ihr leibliches Wohl, bringen sie euch automatisch gesammelte Rohstoffe. Bevor ihr nun aber denkt, dass ihr auf diesem Weg schnell an Unmengen bestimmter Güter gelangt, solltet ihr wissen, dass die Mengen, die ihr auf diese Wiese gewinnt, ziemlich klein ausfallen. Der gefühlte Kampf gegen Windmühlen, der durch das langsame Spieltempo vorherrscht, bleibt also auch hier nicht aus. Ohne Einsatz erreicht ihr in Albion Online kaum etwas.

Miteinander und Gegeneinander

Gemeinsam seid ihr stärker. In Albion Online seid ihr zudem auch effizienter. Gilden ähneln großen Maschinen, in denen jedes Mitglied, einem fleißigen Zahnrad gleicht, seine Aufgabe erfüllt und so dazu beiträgt, dass es allen anderen Brüdern und Schwestern gut geht. Möchtet ihr euch häuslich niederlassen, kauft ihr eine Gilden-Insel als zentralen Anlaufpunkt. So organisiert, entstehen neue Taktiken und soziale Systeme innerhalb des Spielrahmens.

So ganz alleine kann es in einem Dungeon schon einsam werden.So ganz alleine kann es in einem Dungeon schon einsam werden.

Der große zentrale Aspekt des rein von Spielern bestimmten Geschehens funktioniert auch im Kleinen und erschafft gleichzeitig ein paar neue Ebenen der Möglichkeiten. In groß angelegten PvP-Kämpfen agiert ihr nicht nur im Kampf gegen zufällige Monster, sondern legt euch mit anderen Spielern an, verteidigt Territorien und verändert die Aufteilung der Landabschnitte, aus denen die Spielwelt von Albion Online besteht.

Ob ihr alleine oder in der Gruppe spielt, entscheidet ihr am besten selbst. Beides funktioniert für sich genommen. Seid ihr auf euch gestellt, bestimmt ihr den Verlauf eurer Geschichte komplett selbst. Als Teil einer Gilde nutzt ihr die Vorteile der Gemeinschaft, doch werdet mit Aufgaben betraut. Die Voraussetzungen für beide Spielstile sind gegeben und auch hier genießt ihr die groß angepriesene spielerische Freiheit.

Zweckdienlich, dezent und hübsch

Konzipiert für Tablets und den PC ist der technische Anspruch an die Darstellung von Albion Online von vorneherein schon eingeschränkt. Das zeigt sich auch im Spiel anhand des Detailgrads. Doch trotz der recht einfachen Darstellung schaffen es die Entwickler ein stimmiges Bild zu erzeugen. Die Optik kann durchaus als charmant bezeichnet werden. Diesen Effekt stärken die sogenannten Biome. Eisige Ebenen, trockene Wüsten, grüne Wälder - je nach Art des Geländes entsteht eine andere Stimmung, während zur Szenerie passende Rohstoffe besondere Vorzüge verleihen.

In trockenen Gegenden findet ihr vorrangig Steine und Erze.In trockenen Gegenden findet ihr vorrangig Steine und Erze.

Viel wichtiger ist im Endeffekt sowieso, wie flüssig das Spiel läuft. Da jede Ressource durch ihr Äußeres zu verstehen gibt, ob sie eventuell im Moment erschöpft ist und sich teilweise extrem viele Spieler auf einem Fleck aufhalten, ist es kein Wunder, dass auf besondere Texturen verzichtet wurde, damit die Spielbarkeit erhalten bleibt.

Stimmungsvoll sind nicht nur die Bilder, auch die Geräuschkulisse passt super. Das Rauschen kleiner Bäche und das Zwitschern der Vögel liefern euch genau die Art von Holzfäller-Romantik, die ihr bei eurer täglichen Arbeit verdient. Musikalisch plätschert das Spiel ebenfalls vor sich hin, setzt dabei keine auffälligen Akzente, aber schafft es auch nach Stunden nicht aufdringlich zu werden. Mittelalterliche Fahrstuhlmusik als Erfolgsrezept.

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Multiplayer   Koop-Modus   Online-Zwang  

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