Test Yooka-Laylee: Eine Übung in Beinahe

von Matthias Kreienbrink (11. April 2017)

Jahre hat es gedauert, jetzt ist er endlich da, der Retro-Heilsbringer Yooka-Laylee, der euch die glorreichen Zeiten der Rare-Spiele neu erleben lassen soll. Doch hat das funktioniert?

„Beinahe“, das ist ein wenig so wie „gut gemeint“. Sicherlich, ihr wolltet pünktlich sein, ihr seid den Weg in eurem Kopf durchgegangen, wusstet genau, wo ihr abbiegen müsst, wo die 30er-Zone ist. Schlussendlich seid ihr aber doch nur beinahe pünktlich. Schade und auch ein wenig ärgerlich.

Ungefähr so könnt ihr euch Yooka-Laylee vorstellen, das ab sofort für PlayStation 4, PC und Xbox One erhältlich ist. Das Spiel ist zu spät. Als spiritueller Nachfolger des „Nintendo 64“-Spiels Banjo-Kazooie begann das Projekt als eine Idee auf Kickstarter. Wäre es nicht toll, wenn ein Spiel herauskäme, das sich spielt wie die besten Jump‘n‘Runs auf dem Nintendo 64? Für äußerst viele von euch war die Antwort eindeutig „Ja“, erreichte das Kickstarter-Projekt doch in kürzester Zeit viele Unterstützer – sicherlich auch, weil ehemalige Entwickler des Studios Rare im neuen Studio Playtonic mit an Bord waren.

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Eindrücke aus Yooka-Laylee

Nun liegt Yooka-Laylee also vor und – leider – es ist zu spät. Auch das Spiel hat sich den Weg genau überlegt: Startpunkt ist ein ulkiges Duo wie auch in Banjo-Kazooie. Yooka ist ein Chamäleon, Laylee eine Fledermaus mit lockerem Mundwerk. Alle Stationen des Weges waren den Entwicklern klar: Viel zu sammeln muss es geben, lustige Sprüche, ein komischer Antagonist. Natürlich muss dabei immer wieder an die 64-Bit-Zeit erinnert werden, indem die Vierte Wand durchbrochen wird – die Figuren sprechen euch also direkt an – oder indem Bezug genommen wird auf Spiele-Klischees der späten 90er Jahre. Alle diese Stationen hatten die Entwickler also vor Augen – und hätten sie beinahe auch alle erreicht.

Im Herzen ein N64-Spiel

Yooka-Laylee ist also ein "Action-Adventure-Plattformer" wie sie es zur Zeit des Nintendo 64 einige gab: Banjo Kazooie und der direkte Nachfolger Banjo-Tooie, Donkey Kong 64, Glover, Gex und andere.

Schiefes Grinsen, spitze Nase, böse Augenbrauen: Jetzt ratet mal, wer der Bösewicht in der Geschichte ist.Schiefes Grinsen, spitze Nase, böse Augenbrauen: Jetzt ratet mal, wer der Bösewicht in der Geschichte ist.

Damit tut sich auch gleich das größte Problem auf: Diese Spiele entstanden alle zu einer bestimmten Zeit, dem Beginn des 3D-Zeitalters. Dementsprechend sind sie fest verankert in dieser Zeit, funktionieren so wie sie funktionieren, weil die Technik es so diktierte. Daher funktionierte die Kamera nie optimal, war die Steuerung immer etwas hakelig, denn es war der Beginn eines Genres, die Zeit des Ausprobierens, das hatte eindeutig seinen Charme.

Dieser Charme jedoch ist heute verflogen. Daher versuchten die Entwickler es mit einem anderen Charme, den der Rare-Spiele. Sowohl die Musik als auch alle anderen Klänge. Die Figuren genauso wie die Dialoge und Rätsel, alles erinnert an die hohe Kunst der Rare-Entwickler auf dem Nintendo 64. Doch leider eben nur beinahe. Die „Stimmen“ der Figuren – Geräusche vielmehr, so etwa Grunzen, wenn es sich um ein Schwein handelt, oder zischeln, wenn ihr mit einer Schlange sprecht – gehen auf Dauer auf die Nerven.

Die Steuerung ist ähnlich schwammig wie vor 20 Jahren, die Kameraführung stört noch immer. Damals konnte man das verkraften, da man mit dieser ein wenig nervigen Steuerung und Kamera immerhin bisher nie dagewesene Welten erkunden konnte.

Knapp vorbei ...

Und so ist Yooka-Laylee leider nur beinahe ein gutes Spiel geworden. Ihr hüpft, kämpft und rollt euch durch nette Level, die aber alle schon bekannt erscheinen. Ihr lernt neue Moves, mit denen ihr tiefer in die Level vordrängen könnt. Dafür braucht ihr jedoch Federn, die ihr in den Leveln sammelt. Um in die Level zu kommen, braucht ihr jedoch erstmal Buchseiten – und so weiter. Es gibt also viel zu sammeln und das kann auch durchaus unterhaltsam sein – so unterhaltsam, wie heute etwa Banjo-Kazooie in der Rare-Collection zu spielen.

Die Entwickler haben es eindeutig gut gemeint. Sie wollten ein Herzensprojekt umsetzen, das fortführen, was vor 20 Jahren angefangen hat – jedoch ohne daran zu denken, dass ein gutes Fortführen auch immer eine Addition bedeuten muss, dass also neue Ideen her müssen. Yooka-Laylee ist kein schlechtes Spiel. Es kann Spaß machen, wenn ihr euch für dieses spezielle Genre begeistern könnt. Doch wird das Wort „Beinahe“ euch beim Spielen wohl sehr oft durch den Kopf gehen.

Meinung von Matthias Kreienbrink

Ich habe Yooka-Laylee von Anfang an verfolgt. Ich war sofort begeistert von der Idee, ein Spiel wie Banjo-Kazooie mit moderner Technik zu erleben. Natürlich hatte ich dadurch auch einige amüsante Stunden: Die Musik kam mir sofort bekannt vor, der Humor erinnerte mich daran, dass ich ihn vor 20 Jahren noch gar nicht richtig verstanden habe.

Besonders der Preis von 40 Euro spricht da natürlich für die Überlegung, zuzuschlagen. Doch würde ich dieses Spiel wirklich jemandem uneingeschränkt empfehlen? Nein. Ich würde fragen, ob die Person Fan des Nintendo 64 war. Dann würde ich empfehlen, die Spiele von damals heute nochmal zu zocken – wenn das immer noch großen Spaß macht, dann passt Yooka-Laylee wunderbar.

73

meint: Eine Hommage an die Glanzzeiten des N64. Bunte Welten, witzige Ideen, jedoch in der Gesamtheit nicht mehr zeitgemäß. Empfehlenswert für Rare-Fans.

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Tags: Retro   Singleplayer  

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