Test Full Throttle Remastered - Mit Vollgas ins Jahr 2017?

von Stephan Petersen (18. April 2017)

22 Jahre nach seiner Veröffentlichung ist Full Throttle zurück. In einer überarbeiteten Version. Wie spielt sich das berühmte "Lucas Arts"-Adventure nach mehr als zwei Jahrzenten?

Ben auf der Flucht.Ben auf der Flucht.

Überarbeitete Versionen alter "Lucas Arts"-Adventures sind momentan total angesagt. Nach Grim Fandango und Day of the Tentacle veröffentlicht Double Fine Productions mit Vollgas - Full Throttle bereits die dritte Remastered-Version eines Klassikers, in diesem Fall für PC, PlayStation 4 und - haltet euch fest - PlayStation Vita! Deren Chef Tim Schafer war 1995 an eben jenem Full Throttle als Projektleiter und Autor maßgeblich beteiligt.

Die Handlung ist in einem postapokalyptisch angehauchten Jahr 2040 angesiedelt. Motorradbanden machen die staubigen Straßen unsicher, so auch die Polecats unter ihrem Anführer Ben. Der ist unter seiner rauen Schale eigentlich ein ganz netter Kerl, wird aber fälschlicherweise des Mordes an Malcolm Corley, dem Eigentümer des letzten noch existierenden Motorrad-Herstellers, beschuldigt. Fortan ist Ben auf der Flucht und muss nicht nur seine Unschuld beweisen, sondern auch dem Bösewicht Adrian Ripburger das Handwerk legen.

Dazu knobelt sich Ben genretypisch durch die Spielwelt. Mit einem linken Mausklick aktiviert ihr das Radialmenü und wählt anschließend eine Aktion wie beispielsweise „Schauen“, „Benutzen“ oder „Treten“ aus. Treten? Ja, passend zum Stil des Abenteuers könnt ihr etwa Türen aufbrechen. Ganz so einfach ist es jedoch nicht immer. Oftmals benötigt ihr einen entsprechenden in der Spielwelt aufgesammelten Gegenstand, um ein Rätsel zu lösen. Dabei ist mal mehr, mal weniger Gehirnschmalz erforderlich. Und teilweise müsst ihr um zwei bis drei Ecken denken, um auf die kreative Lösung zu kommen. Generell gilt aber: Die Rätseldichte ist nicht sonderlich hoch, insbesondere für ein "Lucas Arts"-Adventure.

Mehr Inszenierung, weniger Rätsel

Meist habt ihr nur wenige Objekte in eurem Inventar und nur Zugang zu einer begrenzten Anzahl an Schauplätzen. Dadurch sinkt natürlich die Anzahl der Interaktionsmöglichkeiten und somit der Schwierigkeitsgrad. Übrigens: In der überarbeiteten Version könnt ihr euch mithilfe der Shift-Taste (auf PC) potenziell interessante Objekte anzeigen lassen. Neben klassischer Rätselkost gibt es auch einige Action-Einlagen. Ihr schwingt euch als Ben auf euren virtuellen Feuerstuhl und bekämpft feindliche Motorradfahrer. Oder aber ihr dreht ein paar Runden in einem Stockcar-Rennen. Das spielt sich übrigens noch genauso nervig wie damals und lässt sich mit der Tastenkombination Shift+V überspringen.

Soll Ben diesem Typen wirklich vertrauen?.Soll Ben diesem Typen wirklich vertrauen?.

Mit Full Throttle verfolgte Tim Schafer seinerzeit einen neuen Ansatz. Weniger Denksportaufgaben und dafür mehr Gewicht auf Inszenierung und Tempo. So gibt es etwa im Vergleich mit vorherigen Lucas-Arts-Adventures erheblich mehr Zwischensequenzen zu bestaunen. Das Ergebnis kann sich auch heute noch sehen lassen. Atmosphärisch ist Full Throttle immer noch klasse. Auch dank der großartigen Sprecher – sowohl in der deutschen als auch in der englischen Version. In Letzterer spricht übrigens Mark Hamill (Luke Skywalker aus den "Star Wars"-Filmen) den Antagonisten Ripburger.

In der überarbeiteten und überaus gelungenen HD-Optik hat Full Throttle seinen Stil und Charme bewahrt. Wer seine Adventures pixelig mag, der darf jederzeit mit der F1-Taste zur klassischen Grafik umschalten. Schade übrigens: In der neuen Version stimmt die Tonabmischung nicht immer. Zudem stürzte das Spiel während der Motorrad-Kämpfe mehrere Male ab. Neben der verbesserten Optik hat Full Throttle noch ein paar Extras mit auf dem Feuerstuhl. So könnt ihr den Kommentaren der Entwickler und der Spielmusik lauschen oder euch Konzeptzeichnungen anschauen.

Meinung von Stephan Petersen

Die optische Überarbeitung der Remastered-Version finde ich gelungen. In der neuen HD-Auflösung bleiben der Stil und der Charme von Full Throttle bewahrt. Ärgerlich, aber nicht dramatisch sind hingegen die gelegentlichen Tonprobleme. Spannend sind für spielhistorisch Interessierte in jedem Fall die zahlreichen Entwickler-Kommentare und die Konzeptzeichnungen.

Aber: Es gibt bessere "Lucas Arts"-Adventures als Full Throttle. Die Rätselkost schmeckt unausgewogen, mal richtig lecker, mal wenig sättigend und dann wiederum schwer verdaulich. Besser sieht es bei der filmartigen Inszenierung, der interessanten (aber vorhersehbaren) Geschichte und den herrlich klischeehaften Charakteren aus.

Nicht falsch verstehen: Full Throttle ist nach Genre-Maßstäben ein gutes Adventure, aber im Vergleich mit anderen "Lucas Arts"-Perlen hinkt es etwas hinterher. Dazu gehört ebenfalls damals wie heute die Spielzeit. Nur rund vier bis fünf Stunden benötigen erfahrene Spieler, um den Abspann zu sehen.

80

meint: Optisch überarbeitete Version eines Adventure-Klassikers, der mehr Wert auf die Inszenierung als auf die Rätsel legt.

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Tags: Remake   Retro  

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