Test Warhammer 40.000 - Dawn of War 3: Eine solide Fortsetzung

von Michael Krüger (21. April 2017)

Wenn dick eingepackte Marines grunzenden Orks die Kauleiste polieren, dann sind auch die Eldar sicher nicht weit. Es gibt neue Einblicke in den enden wollenden Krieg von Warhammer 40k.

Für Hobby-Taktiker und Fans von Echtzeitstrategiespielen waren die vergangenen Jahre nicht immer ertragreich. Die Zeiten, in denen sich Giganten des Genres die Klinke in die Hand gaben, sind vorbei und die Durststrecken zwischen ersehnten Spielen mitunter recht lang. So ließ auch Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 einige Jahre auf sich warten. Da der Vorgänger aufgrund seiner drastischen Änderungen nicht jeden begeisterte, soll dieses Mal kein wichtiges Element vergessen werden.

So findet ihr in Warhammer 40.0000 - Dawn of War 3 sowohl den klassischen Aufbau von Gebäuden aus dem ersten Ableger, sowie die mächtigen Elite-Einheiten aus dem zweiten Teil. Letztere kommen dem aktuellen Trend von Helden-Shootern und MOBAs im Grunde ja ganz gelegen. Und wie die Vorschau: "Warhammer 40.000 - Dawn of War 3: Der Krieg kann kommen" bereits zeigte, scheint der Mix gut zu funktionieren.

Das Konzept liest sich schon einmal nicht schlecht: Eine umfangreiche Kampagne, die euch hinter die Kulissen jeder Fraktion führt, ein klassischer Mehrspieler-Modus mit neuen Elementen und ein Fortschrittssystem für Elite-Klassen versprechen genau den langlebigen Spaß, den gute Echtzeitstrategiespiele normalerweise halten.

Nachhilfe statt Epos

Solltet ihr bisher nur wenig Berührungspunkte mit dem Universum rund um die Marke Warhammer 40.000 gehabt haben, gibt euch Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 aufwändigen Nachhilfeunterricht. In insgesamt 17 Kapiteln erlebt ihr nicht nur einen neuen Abschnitt im immerwährenden Krieg zwischen den drei verfeindeten Fraktionen, sondern lernt diese gleich noch genauer kennen. Seid ihr in einer Mission noch mit einem Heer Space Marines unterwegs, die ordentlich in Reih und Glied laufen, baut ihr im nächsten Kapitel Ork-Türme aus Schrott oder verhelft den Weltraum-Elfen namens Eldar mithilfe von futuristischen Portalen an die gegnerische Front.

Bilder wie diese seht im Verlauf der Kampagne nur selten.Bilder wie diese seht im Verlauf der Kampagne nur selten.

Während der Handlung kommen auch die Elite-Einheiten ins Spiel, so dass sich ihr Dasein auch im historischen Kontext begründet. Passend zur jeweiligen Fraktion ist nicht nur die Gestaltung, sondern auch das Verhalten und sogar die Semantik der jeweiligen Helden. Das sorgt für die passende Stimmung und unterstreicht, warum die Marke bereits seit so vielen Jahren beliebt ist.

Doch so charismatisch viele der Helden sind und so toll sie aus der Nähe aussehen, so wenig Tiefe bringen sie gefühlt in die Kampagne. Da nach dem Intro großteils auf Zwischensequenzen verzichtet wird, bleiben euch meist nur Eindrücke kleiner Feldberichte oder dezent bewegte Standbilder und Audio-Dateien. Eine verpasste Chance? Unbedingt! Vor dem Hintergrund, dass ihr in den Missionen meist brachiale Action erlebt während sich die Schlachtfelder rot färben, fehlt es dem Platz dazwischen an adäquatem Ausdruck. Gerade der Film zu Beginn des Spiels lässt hier auf mehr hoffen, zeigt er doch recht eindrucksvoll, wie die Kämpfe zwischen Orks, Eldar und Space Marines aus der Nähe aussehen.

Basenbau 2.0

Wie eingangs erwähnt, fusioniert Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 die wesentlichen Merkmale der beiden Vorgänger. Aus Warhammer 40.000 - Dawn of War kennt ihr eventuell den Basenbau. Jeder Fraktion stehen dadurch bestimmte Gebäude zur Verfügung, die bei Bedarf gebaut werden können. Diese bieten nun sowohl Verbesserungen als auch die Produktionsmöglichkeiten für eure Einheiten. Neu ist hierbei vor allem die Tatsache, dass ihr eure Bauten nun frei platzieren dürft. Das mag nach einer kleinen Änderung klingen, zeigt allerdings große Effekte.

Gebäude können nun fast überall errichtet werden.Gebäude können nun fast überall errichtet werden.

Waren früher viele Kämpfe auf bestimmte Areale einer Karte beschränkt, kann nun jeder Ort zu eurer Basis werden. Dadurch minimiert ihr lange Laufwege, was in der Nähe des Gegners für großen Druck sorgen kann. Dank einer weiteren Änderung sind solche Aktionen aber nicht ohne Risiko möglich. Ressourcen werden in Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 nämlich nur noch an speziell dafür vorgesehenen Stellen abgebaut. Diese Produktionsstätten sind demnach hart umkämpft.

Unterm Strich ist der Aufbau-Anteil von Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 zwar schlanker als im ersten Teil, doch gleichzeitig genau auf die wesentlichen Punkte heruntergebrochen, die es für ein zufriedenstellendes Spielerlebnis braucht. Ihr plant, welche Gebäude ihr zuerst benötigt und wo ihr sie gerne hättet, verbessert der Reihe nach die Chancen eurer Einheiten und sichert Nachschub an Truppen. Und wenn es dann nochmal schneller gehen muss, nutzt ihr Abwurfkapseln. Die sind zwar etwas teurer, aber bringen auch große Freude, wenn ihr damit die Party eurer Gegner sprengt. Denn so ein riesiger Metallkasten voller Einheiten sorgt für ordentliche Krater beim Einschlag.

Die Gesichter des Krieges

Benötigt ihr einmal etwas größere Geschütze, werdet ihr euch über eure Elite-Truppen freuen. Ähnlich wie in Warhammer 40.000 - Dawn of War 2 verfügt jede Fraktion über ein paar besondere Einheiten. Das können einzelne Generäle in aufwändigen Rüstungen, riesige Panzer oder gut ausgebildete Spezialisten-Trupps sein. Bis zu drei Elite-Kämpfer nehmt ihr mit in eine Mission beziehungsweise ein Mehrspielergefecht.

Für das Erreichen von Stufe 9 schaltet ihr jeweils einen alternativen Skin für eure Elite-Einheiten frei.Für das Erreichen von Stufe 9 schaltet ihr jeweils einen alternativen Skin für eure Elite-Einheiten frei.

Je besser sich eure Helden in der Schlacht schlagen, umso schneller steigen sie in bis zu neun Charakterstufen auf und schalten dadurch neue Attacken frei. Doch auch neue Elite-Einheiten warten auch euch. Sammelt ihr in Kämpfen genügend Schädel, könnt ihr diese in neue Helden investieren. Das spornt natürlich an und verleiht sowohl den Kampagnen-Missionen als auch den Mehrspielerpartien eine gute Portion Motivation.

Damit der Krieg nicht nur von den starken Elite-Einheiten bestimmt wird, könnt ihr diese nicht wahllos einsetzen. Je nach Stärke kostet euch die Aktivierung eines Helden mehr oder weniger Elite-Punkte. So beginnt die Taktik bereits bei der Auswahl der Charaktere und dem Berechnen der dabei entstehenden Kosten während einer Schlacht. Auf diese Weise bekommen die starken Einheiten gerade genug Gewicht, um einen Unterschied zu machen und gleichzeitig nicht zu viel, so dass auch andere Elemente während einer Schlacht wichtig bleiben. Dadurch fügt sich die ganze Mechanik rund um die Elite-Einheiten gut in das Gesamtbild ein und verbindet geschickt Kampagne und Mehrspielermodus.

Starker Mehrspieler

Die Mischung aus den charakteristischen Merkmalen der Vorgänger funktioniert auch im Kampf gegen andere Spieler. So gut die Missionen in der Kampagne teilweise sind, nichts ersetzt das aufsteigende Adrenalin kurz bevor die eigenen Truppen zum großen Angriff in einer Mehrspielerschlacht aufbrechen. Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 gelingt es, solche Momente zu erzeugen.

Amrmee-Doktrinen spielen auch im Mehrspieler-Modus eine Rolle.Amrmee-Doktrinen spielen auch im Mehrspieler-Modus eine Rolle.

Vor allem, wenn ihr euch gerne mit einzelnen Einheiten auseinandersetzt und auf komplexere Taktiken steht, dürftet ihr Gefallen am Aufbau der Mehrspieler-Kämpfe in Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 finden. Die Planung eurer Bauten beschäftigt euch gerade genug, um grundlegende Strategien zu bestimmen, doch hält euch andererseits nicht davon ab, der Front eure Aufmerksamkeit zu widmen. Denn hier steppt der Ork so richtig. Da fast jede Einheit über spezielle Angriffe verfügt, wird jeder Kampf zu einer rapiden Runde Blitz-Schach mit Anfassen und Schusswechsel. Das klingt nicht nur spaßig, das ist es auch.

Natürlich ist auch an Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 der MOBA-Zug nicht vorbeigefahren. Hier wurde aber ebenfalls nicht einfach nur eine bewährte Mechanik ins eigene Spiel gepackt, sondern sinnvoll integriert. Um eure Gegner in die Knie zu zwingen, müsst ihr fortan eine Reihe von Zielen knacken. Das gibt den Mehrspielerpartien eine angenehme Richtung und sorgt besonders bei größeren Gefechten mit vielen Spielern für spannende Unterhaltung.

Schwächen im Feinschliff

Wie bereits erwähnt, geizt Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 etwas mit aufwändigen Bildern außerhalb der Gefechte. Die paar Zwischensequenzen, die ihr zu Gesicht bekommt, sind zwar richtig gut gelungen, fühlen sich nach einigen Stunden im Spiel allerdings eher wie der berühmte Tropfen auf einem heißen Panzermotor an. Aus diesem Grund bleibt die Erzählung allenfalls mittelmäßig und damit unter den Erwartungen respektive dem aufgrund der Vorlage eigentlich Möglichen, handelt es sich bei Warhammer 40.000 doch um ein Universum voll verspielter Details.

Die Lackierungsmöglichkeiten lassen leider zu wünschen übrig.Die Lackierungsmöglichkeiten lassen leider zu wünschen übrig.

Innerhalb des Spiels gibt es wenig zu beanstanden. Die Modelle der Figuren sehen ihren Brettspiel-Vorbildern ähnlich und sind ebenso detailliert. Nutzt ihr das Mausrad, könnt ihr eure Krieger auch näher betrachten. Das sieht erst recht gut aus, wenn ihr eure Figuren über den Armeefärber selbst gestaltet habt. Bevor ihr euch nun allerdings zu früh freut: Die Möglichkeiten sind arg eingeschränkt. Außer vier Farben und einem Emblem lässt sich nichts weiter bestimmen. Besser als gar keine Optionen, doch für passionierte Figurensammler wäre etwas mehr Detail an dieser Stelle eigentlich schön gewesen.

Wie es klingt, wenn grunzende Orks in Stücke gehackt werden oder wie Eldar-Generäle Befehle über das Schlachtfeld brüllen, erfahrt ihr in Warhammer 40.000 - Dawn of War 3 zur Genüge. Schallende Märsche und das allgemeine Stöhnen und Ächzen geschäftiger Krieger sorgt für eine stimmungsvolle Sound-Kulisse. Die Befehlsrufe könnten euch mit der Zeit etwas stören, lassen sich aber auch herunterdrehen.

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