Test Shiness - The Lightning Kingdom: Der schöne Schein trügt

von Michael Krüger (24. April 2017)

Eine malerische Idylle aus saftigen Wiesen, herumtollenden Schweinehörnchen und klaren Bächen - dieser Frieden ist in Gefahr. Nur Chado und seine Freunde können das Schlimmste verhindern.

Ungewöhnliche Rollenspiele scheinen im Jahr 2017 voll im Trend zu liegen. Spiele wie Nier - Automata und Persona 5 zeigen, dass das Genre nicht stillsteht und auch heute noch für Überraschungen gut ist. Auch Shiness - The Lightning Kingdom verfolgt ein paar ganz eigene Ansätze, mit denen es aus der Masse hervorstechen möchte, bleibt dabei jedoch etwas traditioneller und kombiniert eher klassische Elemente aus Abenteuer- und Rollenspielen.

Angesiedelt in einer teilweise offenen Spielwelt, erzählt Shiness eine recht typische Fantasy-Geschichte. Während eures Abenteuers verwaltet ihr die Ausrüstung der Helden und verbessert ihre kriegerischen Fähigkeiten. In Echtzeitkämpfen duelliert ihr euch mit Feinden und nutzt sowohl physische als auch magische Attacken. Während so einerseits fundamentale Rollenspiel-Elemente abgehakt werden, spielen sich die Erkundungsabschnitte eher wie 3D-Platformer der frühen 90-Jahre.

Eine durchaus interessante Mischung, die dank hübsch gestalteter Figuren und einer fantasievollen Spielwelt direkt einladend wirkt. Das dachten sich auch viele Spieler und unterstützten die Entwicklung von Shiness via Kickstarter. Ob sich diese Investition gelohnt hat, wird sich nun zeigen.

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Ein holpriger Start

Ein fiktiver Planet, der dem Untergang geweiht ist, ein abstürzendes Flugschiff und ein paar ungewöhnliche Spezies. Die Handlung von Shiness ist im ersten Moment wahrlich turbulent. Nach einem etwas ruppigen Kennenlernen wachsen die Protagonisten euch allerdings schnell ans Herz. Dabei ist der Kontrast zwischen den eher niedlichen Waki und den anmutigen Katzenwesen namens Shelk, bei denen sie gelandet sind, schon groß. Chado, einer der beiden Waki, verfügt zudem über eine spezielle Fähigkeit, die es ihm erlaubt, mit dem für andere unsichtbaren Energie-Wesen Shiness zu sprechen. Dieses soll dabei helfen, die drohende Gefahr zu bannen.

Orte wie diese verhelfen der Erzählung zu eindrucksvollen Momenten.Orte wie diese verhelfen der Erzählung zu eindrucksvollen Momenten.

Eure Gruppe besteht meistens aus drei aktiven Helden, mit denen ihr die Spielwelt erkundet und vor allem deren düstere Geheimnisse lüftet. Dabei bereist ihr zauberhafte Orte und lernte jede Menge interessanter Figuren kennen. Warum diese beizeiten etwas steif wirken, erklärt sich weiter unten im Text. Die Geschichte ist dennoch spannend genug, um euch zu fesseln. Da ihr nicht einfach nur Aufgaben abhakt, sondern auch Antworten auswählen könnt, bestimmt ihr oftmals den Verlauf bestimmter Ereignisse selbst. Das kann mitunter sogar weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Shiness verfügt dadurch über genug erzählerische Tiefe, so dass ihr euch auch zwischen euren Zielen gedanklich mit dem jeweiligen Problem auseinandersetzt.

Anders als es der starke Rollenspiel-Charakter von Shiness vermuten lässt, werdet ihr kaum Nebenmissionen finden. Zwar verstecken sich einige Schätze in der Spielwelt, doch die eigentliche Handlung ist ziemlich linear. So folgt ihr eigentlich immer einem Ziel, wobei ihr unterwegs auch andere Bereiche erkundet. Die Spielzeit ist dadurch kompakt, besteht dafür aber auch zum Großteil aus wirklicher Handlung. Und die ist in jedem Fall sehenswert.

Vorsicht, Fingerkrämpfe

Eine der Besonderheiten von Shiness ist das Kampfsystem. Wird durch die Begegnung mit einem Feind ein Kampf gestartet, tretet ihr in Einzelkämpfen gegen jeden Feind in der Umgebung an. Dabei könnt ihr zwischen euren Helden wechseln. In diesen Echtzeitkämpfen bewegt ihr euch frei in einer abgesteckten Arena. Neben Faustschlägen und Fußtritten greift ihr auf Magie und Spezialattacken zurück, um euch zur Wehr zu setzen.

In den Kämpfen liegen Spaß und Frust nahe beieinander.In den Kämpfen liegen Spaß und Frust nahe beieinander.

Eure Gegner sind mit den gleichen Angriffsmöglichkeiten ausgestattet, was zu temporeichen Gefechten führt. Für jeden Angriff gibt es die passende Antwort und aufgrund der vier Shi-Elemente Feuer, Erde, Wasser und Wind auch die adäquate Energie. Ist ein Gegner auf Distanz, könnt ihr ihn zum Beispiel unter Beschuss nehmen. Entspricht die ständig wechselnde Farbe der Arena dem Element eures Angriffs, ist dieser sogar noch stärker. Die richtige Wahl einer Attacke hängt oft von verschiedenen Faktoren ab, was den Kämpfen eine gewisse Substanz verleiht.

Feindlichen Attacken weicht ihr durch Rollen aus, blockt sie ab oder kontert sie. Insgesamt bringt Shiness eigentlich gute Voraussetzungen für unterhaltsame Kämpfe mit. Das Problem ist allerdings die Umsetzung. Viele Manöver und Angriffe fühlen sich leicht verzögert an. Auch der Wechsel zwischen euren Helden geschieht nicht direkt auf Knopfdruck. Drückt ihr nun aber einmal zu oft darauf, wechseln eure Figuren gleich mehrmals. Eure Gegner nutzen diese Gelegenheiten natürlich sofort aus und nageln euch zeitweise so mit Angriffen fest, dass ihr im schlimmsten Fall den Kampf verliert.

Hierfür kann auch die Kameraführung beizeiten verantwortlich sein. Sobald sich nämlich Felsen oder andere Hindernisse in der Arena befinden, wird die Kamera zu einem eurer größten Feinde. Mal seht ihr eure Figur nicht, mal euren Gegner, mal keinen von beiden. Da die Kampfmechaniken ohnehin schon schlecht ansprechen, werden auch kleine Kämpfe hin und wieder zu einer echten Herausforderung. Der Frust, der so immer wieder entsteht, nagt ordentlich am Spielspaß, was angesichts des vielseitigen Kampfsystems richtig schade ist. Denn, wenn eure Strategien aufgehen und alles nach Plan reagiert, macht Shiness eigentlich Freude.

Die Sonnenseite von Shiness

Besonders die umfangreichen Rollenspiel-Aspekte von Shiness haben einen ordentlichen Unterhaltungswert. Gefundene Schriftrollen lassen eure Figuren neue Techniken lernen, die ihr durch Ausübung im Kampf verinnerlicht. Gleichzeitig verbessern sich die Statuswerte durch Stufenaufstiege und Rüstungen verleihen neue Kräfte.

Neue Fähigkeiten könnt ihr auch bei Händlern erwerben.Neue Fähigkeiten könnt ihr auch bei Händlern erwerben.

Sogar passiv besitzt Shiness eine beachtliche strategische Tiefe. So könnt ihr für jeden Kämpfer vier Unterstützungen festlegen. Dabei wählt ihr zunächst aus einer großen Liste die gewünschte Aktion aus und bestimmt anschließend das auslösende Ereignis. Nach und nach schaltet ihr neue Manöver frei und könnt so bestimmen, dass Statusleiden direkt geheilt werden oder Gegner unter bestimmten Umständen geschwächt werden. Genau solche Einstellungsmöglichkeiten zeichnen gute Rollenspiele aus, wodurch Shiness zumindest einen Teil der Kritik an Kamera und Präzision wieder ausgleicht.

Zusätzlich bietet Shiness abseits der Kämpfe eine bezaubernde Spielwelt, die ihre ganz eigenen Herausforderungen bietet. Auch wenn der Vergleich überraschend sein mag, doch der Aufbau der Spielwelt bedient sich dem gleichen Prinzip wie beispielsweise Dark Souls. So steht euch zu Beginn nur ein bestimmtes Areal zur Verfügung. Die im Verlauf der Handlung freigeschalteten Fertigkeiten ermöglichen euch, weitere Gebiete nach und nach zu erkunden.

Dabei kommen die einzigartigen Fähigkeiten der Helden ins Spiel. Chado setzt Steine auf Schalter. Kayenne verschiebt durch Magie bestimmte Gegenstände. Jeder Begleiter ist auf diese Weise immer wieder wichtig für das Vorankommen. Die Rätsel, die durch Kombinationen dieser Mechaniken entstehen, sind teilweise schön knackig, bieten streckenweise allerdings wenig Herausforderungen und sind oftmals zu offensichtlich.

Bilderbuchwelten

Eure Reise durch die Welt von Shiness ist trotz all der Kritik dennoch unterhaltsam. Das liegt vor allem an der ansprechenden Gestaltung. Die Handlung führt euch in angenehmen Abständen immer wieder in neue Gebiete. Gerade, wenn ihr Lust auf Abwechslung bekommt, bringt euch die Geschichte in unentdeckte Orte und schillernde Städte. Diese unterscheiden sich oft sowohl durch Thema, als auch Tageszeit oder auch Wetter von zuvor besuchten Arealen. So bleiben eure Eindrücke durchweg kurzweilig.

Manche Orte in Shiness sind wirklich traumhaft.Manche Orte in Shiness sind wirklich traumhaft.

Auch der Detailgrad ist gelungen. Grashalme wehen im Wind und jeder Winkel der Spielwelt ist ausgestaltet. Farbe und Aufbau erinnern teilweise an die goldenen Platformer-Zeiten auf dem N64 und damit an Spiele wie Banjo-Kazooie. Da die Spielfiguren in Shiness allerdings eher gezeichnet aussehen, ist die Ähnlichkeit nicht zu groß. Immerhin findet ihr hier teilweise vertonte Charaktere. Ob das jetzt aber wirklich gut ist, hängt davon ab, wo ihr euch gerade im Spiel befindet. Licht und Schatten liegen hier nämlich nah beieinander. In einem Moment klingen die Stimmen überzeugend, im nächsten wünscht ihr euch, das Gestammel von Yooka und Laylee. Und das will etwas heißen.

Da nicht alle Szenen über eine Synchronisation verfügen wirken komplett stille Passagen teilweise sogar noch trockener. Lest ihr nicht gerne lange Texte vor unbewegten Comic-Bildern, werdet ihr vermutlich rasch zu spannenderen Abschnitten wechseln. Vielen Szenen mangelt es einfach an Spannung. Dabei zeigt Shiness an anderen Stellen, dass es auch anders geht. Dank dem geschickten Einsatz von Musikstücken klingt jeder Ort in Shiness anders. Auch akustische Effekte wie Hall sorgen dafür, dass die Stimmung sich stets entsprechend der aktuellen Umgebung verändert. Wo bei den Spielmechaniken teilweise etwas der Feinschliff fehlt, liefert Shiness zumindest in Sachen Atmosphäre solide ab.

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Tags: Singleplayer   Fantasy  

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