Test Marvel's Guardians of the Galaxy - The Telltale Series: Eine kurze Episode der Galaxie

von Michael Krüger (25. April 2017)

Fünf Helden, die unterschiedlicher kaum sein könnten, riskieren Kopf und Kragen, um das Universum zu retten. Was für ordentlichen Zündstoff in Comics und Filmen sorgt, wird nun zum Spiel.

So wirklich überraschend war die Ankündigung zu Marvel's Guardians of the Galaxy - The Telltale Series nicht. Nach Game of Thrones, Minecraft - Story Mode und Batman - A Telltale Game Series schnappt sich Telltale Games die nächste popkulturelle Vorlage und verarbeitet sie mithilfe ihrer hauseigenen Rezeptur zu einem Episoden-Spiel. Das passt natürlich gut zur nahenden Veröffentlichung des Kinofilms Guardians of the Galaxy 2.

Damit sich Spiel und Filme nicht in die Quere kommen, erzählt Guardians of the Galaxy - The Telltale Series eine Geschichte abseits der Drehbücher, hat aber dennoch ein paar Berührungspunkte. Nachdem der erste Streifen hauptsächlich das Kennenlernen der bunten Truppe thematisiert, steigt das Spiel ein gutes Stück später ein.

Die große Frage ist natürlich, ob Telltale Games hier einfach ihr bekanntes Muster verwenden, oder ob auch neue Spielmechaniken eingeführt werden. Denn die zuletzt erschienenen Spiele des Studios unterschieden sich hauptsächlich nur noch thematisch voneinander.

Ein kurzer Vorgeschmack

Die erste Episode von Guardians of the Galaxy - The Telltale Series startet direkt mit einem Kampf, der eigentlich eher eines Finales würdig ist. Die Gruppe, bestehend aus dem Baumwesen Groot, dem Waschbär Rocket, der Kriegerin Gamora, Drax dem Zerstörer und Starlord Peter Quill, steht bereits kurz vor dem Kampf gegen keinen geringeren als Thanos. Seines Zeichens Oberschurke und eines der gefährlichsten Wesen im Marvel Cinematic Universe. Damit nimmt die Handlung zwar schon ordentlich Fahrt auf, verpulvert aber auch direkt einiges an erzählerischer Munition.

Positiver Nebeneffekt: Sollten sich kommende Episoden steigern, dürfte es reichlich Action geben.Positiver Nebeneffekt: Sollten sich kommende Episoden steigern, dürfte es reichlich Action geben.

Was sich im Rest der ersten Episode abspielt ist vergleichsweise wenig aufregend. Ein paar Szenen über Peters Beziehung zu seiner Mutter und Gamoras Familienschwierigkeiten liefern immerhin tiefere Einblicke in die Psyche der Charaktere, was durchaus sehenswert, wenn auch nicht besonders spektakulär ist. Für alle Figuren gilt, dass sie im Vergleich mit den Comics und Filmen auf jeden Fall authentisch wirken und trotz ihres neu interpretierten Äußeren glaubhaft die charismatische Gruppe darstellen.

Vom erzählerischen Standpunkt ist die erste Episode insgesamt nicht schlecht. Der Umfang ist allerdings weniger erfreulich. Nachdem die Handlung zumindest gefühlt gerade erst anfängt, läuft bereits der Abspann durchs Bild. Der subjektive Eindruck mag täuschen, denn im direkten Vergleich sind die ersten Episoden von Batman - A Telltale Game Series und Minecraft - Story Mode ähnlich kompakt. Das sollte für das Studio allerdings keine Entschuldigung sein, auch weiterhin auf Appetithäppchen zu setzen. Immerhin erwartet euch nach jeder Episode erst einmal eine längere Pause.

Zusehen statt Spielen

Seit The Walking Dead hat sich spielerisch nicht viel an der Formel von Telltale-Spielen verändert. Während ihr Zwischensequenzen betrachtet, haltet ihr Ausschau nach Quicktime-Events, die oft unvermittelt einsetzen, wählt aus Dialogoptionen oder lauft ein paar Meter, um die nächste Szene auszulösen. Für etwas Adrenalin sorgen kurze Sequenzen, in denen ihr auf etwas zielt. Der Erfolg bisher erschienener Spiele gibt der Rezeptur Recht und belegt, dass die interaktive Erzählweise mitunter spannende Geschichten transportiert.

Nächster Halt: Herrenmode und abgestürzte RaumschiffeNächster Halt: Herrenmode und abgestürzte Raumschiffe

Wenn sich allerdings nur noch das Thema von Spielen unterscheidet, sollte sich auch mal wieder etwas bewegen. Immerhin bringt jede Vorlage auch Eigenheiten mit, die sich für neue Spielmechaniken eignen. So durftet ihr in der Vergangenheit bereits Batmans Detektiv-Sicht ausprobieren oder mit Minecraft-Klötzen bauen.

In Guardians of the Galaxy - The Telltale Series sind die Entwickler nicht gerade in einen Topf voller Kreativität gefallen. Und diese Formulierung ist noch vorsichtig. Grob überschlagen, dürft ihr in der ersten Episode cirka zwanzig mal auf Kommando einen Knopf drücken und ein paar mal den Stick neigen oder Schießen. Bekommt ihr in einem von wahrhaft wenigen Momenten einmal die aktive Kontrolle über eine Figur, grenzt das schon fast an ein spielerisches Wunder. Und so schnell derartige Szenen beginnen, so rasch sind sie wieder vorbei. Da reißen auch die Schubdüsen an Starlords Schuhen nichts mehr heraus. Mehr als einen Wechsel der Stockwerke, erlauben die euch nämlich auch nicht.

Auch Schweigen ist eine Option.Auch Schweigen ist eine Option.

Natürlich seid ihr auch in Dialogen aktiv, was gerade in einem Spiel von Telltale Games nicht unwichtig ist. Immerhin bestimmt ihr durch eure Worte oftmals den Verlauf der Handlung noch weit über die aktuelle Episode hinaus. Wie tiefgreifend eure Entscheidungen im Fall von Guardians of the Galaxy - The Telltale Series sind, lässt sich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht abschätzen, dürfte sich allerdings auf ähnlichem Niveau wie bisherige Spiele des Studios bewegen und damit eine Vielzahl möglicher Verläufe bieten.

Der Groove der 80er-Jahre

Mangelnder Einfallsreichtum ist auch in Sachen Präsentation zumindest teilweise ein Thema. Guardians of the Galaxy ist eine Comic-Reihe, die zweifellos durchweg stylisch ist. Besonders die Adaption der aktuellen Filme zeigt, wie viel Charme in der 80er-Jahre-SciFi-Mischung steckt. Und musikalisch trifft Guardians of the Galaxy - The Telltale Series sogar ins Schwarze. Alleine schon die Musik im Hauptmenü hüllt euch direkt in den Hüftschwung-intensiven Groove des Film-Soundtracks.

Da haben selbst Berliner Nachtclubs mehr intergalaktische Stimmung.Da haben selbst Berliner Nachtclubs mehr intergalaktische Stimmung.

Doch von all dem Pop und Funk ist visuell wenig spürbar. Während die Besetzung gut gelungen ist und eine eigene sowie glaubwürdige Verkörperung der Charaktere bewerkstelligt, bieten die Schauplätze oft austauschbare Eindrücke. Die ungewöhnliche Stimmung, die für den aktuellen Erfolg der Marke Guardians of the Galaxy verantwortlich ist, verpufft im Spiel oftmals vor einfallslosen und monotonen Hintergründen. Angesichts der passenden Vertonung ist die hier verpasste Chance richtig ärgerlich.

Denn nicht nur die Musik, sondern auch die Vertonung der Akteure ist hervorragend. Für die Stimme des Waschbärs Rocket wurde kein geringerer als Nolan North eingestellt. Bereits mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet und unter anderem durch seine Rolle als Nathan Drake in der Uncharted-Reihe bekannt, zeigt sich North auch in Guardians of the Galaxy - The Telltale Series mitverantwortlich an einer starken Vertonung.

Weiter mit: Meinung und Wertung

Inhalt

  • 1. Marvel's Guardians of the Galaxy - The Telltale Series: Eine kurze Episode der Galaxie
  • 2. Meinung und Wertung

Tags: Singleplayer   Science-Fiction   Episoden  

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