Test Valhalla Hills: Wikinger mit Aufbau-Charme jetzt auch für Konsolen

von Michael Krüger (02. Mai 2017)

Beruhigend wie das Plätschern eines Baches tummeln sich kleine Wikinger, bauen Hütten und zollen den Göttern Tribut. Nun könnt ihr auch auf euren Konsolen die Hügel nach Walhall erklimmen.

Knapp eineinhalb Jahr ist es her, dass Valhalla Hills die "Early Access"-Phase auf dem PC verlassen hat und damit vollständig veröffentlicht ist. Während PC-Spieler nun schon länger um Odins Gunst ringen, dürft ihr nun auch auf PS4 und Xbox One in die Rolle des baulich begabten Göttersprosses Leko schlüpfen und euer Planungsgeschick unter Beweis stellen.

Neben dem Hauptspiel enthält die Konsolen-Fassung von Valhalla Hills gleich noch alle verfügbaren Erweiterungen und exklusiv den Kartentyp Höhlenwelten. Damit bekommt ihr das komplette Paket plus Kirsche und könnt euch bei der Planung eurer Wikingersiedlungen ordentlich austoben.

Ein guter Zeitpunkt, um noch mal einen Blick auf den geistigen Nachfolger von Die Siedler 2 zu werfen, der auf dem PC schon gar nicht schlecht abgeschnitten hat. Im Test erfahrt ihr, wie langlebig der Spielspaß bei der Dorfplanung ist und vor allem wie gut sich Valhalla Hills in der Definitive Edition auf den Konsolen so schlägt.

Allein auf weiter Flur

Die Handlung von Valhalla Hills ist recht kompakt und wird euch direkt zu Beginn des Spiels in wenigen Bildern vermittelt. In der Rolle von Leko versucht ihr euren Vater Odin, den obersten Gott der nordischen Mythologie, zu beeindrucken. So schickt er euch aus, die Menschen über die Berge nach Walhall und somit zu Ruhm und Ehre zu führen.

Nachdem Odin euch eure Aufgabe mitteilt, macht er sich aus dem Staub.Nachdem Odin euch eure Aufgabe mitteilt, macht er sich aus dem Staub.

Im Spiel läuft das wie folgt ab: Ihr startet mit ein paar Wikingern, plant den Bau von Gebäuden und erarbeitet euch so den Weg zum nächsten Portal. Dieses betretet ihr entweder durch einen Kampf gegen Portal-Wächter oder indem ihr diese mithilfe einer Opfergabe besänftigt.

Nach dem Intro werdet ihr Zwischensequenzen und weitere Handlungselemente vergeblich suchen. Das ist angesichts der putzigen Optik irgendwie schade, nimmt dem Spaß aber nur bedingt den Wind aus den Segeln. Immerhin unterhalten euch freischaltbare Mechaniken und andere Neuerungen über längere Zeit und sorgen regelmäßig für neue Herausforderungen.

Autarke Systeme

Um Nachwuchs oder das Zuweisen von Aufgaben braucht ihr euch in Valhalla Hills nicht kümmern. Aus dem Himmel fallen nach Bedarf neue Wikinger, die sich dort nützlich machen, wo sie gebraucht werden. Errichtet ihr das Fundament für ein Gebäude, machen sich direkt emsige Arbeiter auf den Weg, um die benötigten Rohstoffe einzusammeln.

Eure Wikinger suchen sich immer den direkten Weg zu ihrer Arbeit.Eure Wikinger suchen sich immer den direkten Weg zu ihrer Arbeit.

Auch die Einteilung der Berufe folgt nach Bedarf. Steht beispielsweise erst einmal das Haus eines Holzfällers, meldet sich direkt ein Wikinger freiwillig, um fortan sein Leben der Beschaffung von Holz zu widmen. Ihr könnt euch also vollständig auf die Planung der Gebäude konzentrieren.

Alle Rohstoffe hängen irgendwie miteinander zusammen, wodurch sich besonders im weiteren Verlauf des Spiels komplexe Abhängigkeiten ergeben. So könnt ihr unter anderem durch das Zubereiten von reichhaltigen Stullen die knurrenden Mägen eurer Wikinger füllen. Doch für das Brot benötigt ihr eine Farm, auf der das Getreide angebaut wird, Wasser aus einem Brunnen und natürlich einen Bäcker. Den Belag für die Brote liefern wiederum Jäger oder Fischer.

Mithilfe von Straßen erweitert ihr den Wirkungsbereich eurer Arbeiter.Mithilfe von Straßen erweitert ihr den Wirkungsbereich eurer Arbeiter.

Da die Karten zufällig generiert werden, ist jede Runde aufs Neue spannend. Sowohl die Beschaffenheit des Geländes als auch das Wetter und die Steigung variieren. Steilere Gebiete erfordern aufwändige Sockel, was wiederum Ressourcen kostet. Ein weiterer Aspekt, der eure Planungskünste immer wieder herausfordert, ist die Reichweite der Gebäude. Um diese zu erhöhen, baut ihr Lager, Kuriere und vor allem Straßen. Letztere verbinden eure Bauten und erhöhen zudem die Geschwindigkeit eurer Dorfbewohner.

In der Regel funktioniert alles wunderbar und ihr erkennt leicht den Grund, sollte mal ein Vorhaben scheitern. Doch hin und wieder wollen die kleinen Wikinger einfach nicht so, wie ihr es gerne hättet. Rohstoffe liegen ungenutzt herum oder der Holzfäller vergisst scheinbar, was seine Aufgabe ist. In solchen Momenten hilft meist nur das Auswürfeln einer neuen Karte. Schön ist das nicht, passiert aber zum Glück nicht häufig. Ansonsten ist das Geflecht aus Bedürfnissen und wechselnden Anforderungen nämlich äußerst ergiebig und vor allem komplex genug, um euch auch über Stunden hinweg zu unterhalten. Da ihr auch lange nach eurer ersten Runde noch neue Gebäude oder Landschaftsbegebenheiten freischaltet, nimmt die Motivation für weitere Runden kaum ab.

Gemütliche Lagerfeuer-Romantik

Wie eingangs erwähnt, ist die Darstellung der Wikinger und ihrer Behausungen richtig niedlich. Ähnlich wie bei einer Ameisenfarm oder einem Aquarium besteht ein guter Teil eures Spaßes mit Valhalla Hills aus dem Beobachten des wilden Treibens. Jede Aktion verfügt über eine eigene Animation, so dass ihr beispielsweise beobachten könnt, wie der Werkzeugmacher eine Sichel fertigt, die anschließend von einem Träger zum Lager gebracht wird, wo wiederum der Farmer vorbeischaut, um sein Arbeitsgerät schließlich in Empfang zu nehmen.

Wikinger können so friedlich sein, wenn sie schlafen.Wikinger können so friedlich sein, wenn sie schlafen.

Wird es dunkel, kommt richtig Stimmung auf. Überall brennen kleine Fackeln und am Lagerfeuer versammeln sich Arbeiter nach Feierabend, um sich auszutauschen. Für Abwechslung sorgen neue Landschaften, wie trockene Wüsten, verschneite Berge oder abstrakte Höhlen. Dennoch könnte euch das geschäftige Wuseln der kleinen Wikinger ab einem bestimmten Punkt etwas langweilen. Immerhin beginnt ihr mit jeder neuen Karte im Grunde ganz von vorne. Wie sehr dieser Aspekt ins Gewicht fällt, hängt allerdings von euren persönlichen Vorlieben ab.

Ebenfalls wenig Abwechslung bietet die Vertonung von Valhalla Hills. Bei einer derart offenen Spielzeit ist das Kontingent an Stücken denkbar schnell erschöpft und ihr werdet vermutlich rasch auf eigene Musik zurückgreifen. Hier zeigt sich der größte Kritikpunkt deutlich und der bezieht sich auf das lose Ende der Gesamtkomposition. Eine abgeschlossene Erzählung hätte sowohl dem Szenario als auch dessen Gestaltung gut gestanden. So ist Valhalla Hills durchweg stimmig, verliert allerdings schnell an Spannung.

Weiter mit: Meinung und Wertung

Inhalt

Tags: Singleplayer   Fantasy  

Kommentare anzeigen

Die Katze im Sack kaufen: Vorbestellungshorror in all seinen Facetten

Die Katze im Sack kaufen: Vorbestellungshorror in all seinen Facetten

Endlich ist er da, der Tag an dem Spiel XY erscheint. Als braver Vorbesteller müsst ihr euch jetzt um nichts mehr (...) mehr

Weitere Artikel

Age of Empires: Die Rückkehr eines Klassikers

Age of Empires: Die Rückkehr eines Klassikers

Wer in den 90er Jahren mit dem PC als Spieleplattform aufgewachsen ist und den Namen Age of Empires hört, der f&au (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Valhalla Hills (Übersicht)