Vorschau The Elder Scrolls Online - Morrowind: Taugt das Spiel für Solo-Abenteurer?

von Micky Auer (14. Mai 2017)

Ein MMO will die nicht zu unterschätzende Menge an Solo-Abenteurern für sich gewinnen. Bethesda zielt darauf mit The Elder Scrolls Online - Morrowind ab. Aber widerspricht das nicht dem Grundprinzip?

Es gibt sie, diese seltsame Gruppe von Spielern, die ihre Abenteuer lieber alleine und in Ruhe genießen. Sie haben keine Lust, sich online mit zahlreichen anderen Spielern durch fantastische Welten zu kämpfen. Stattdessen bleiben sie Gilden fern, lehnen Duelle ab, weichen jedem Chat aus und haben so grundsätzlich gar keine Lust auf Interaktion mit anderen Leuten, während sie in eine Spielwelt abtauchen.

Ich bin einer davon.

Ganz klar, für solche Leute gibt es eine schier unüberblickbare Auswahl an fantastischen Spielen. Dennoch fällt gerne mal ein neidvoller Blick ins Lager der MMO-Spieler. Wo sonst sind die Welten so dermaßen ausufernd groß wie auf den brummenden Servern eines ambitionierten Publishers? Wäre halt schon toll, auch mal auf Erkundungstour zu gehen und die "engen Grenzen" einer Einzelspielererfahrung zu verlassen.

Aber muss man sich dann mit anderen Leuten verbrüdern, um im Spiel voranzukommen? Ist man auf den regen Ingame-Handel angewiesen, der da häufig gildenmäßig betrieben wird? Wie lange wird es dauern, bis die Terminabsprachen mit anderen Spielern so richtig nerven? Bock auf dümmliche User im Chat? Monatliche Gebühren, für ein Spiel, dass man nicht fortlaufend spielen wird? Und überhaupt: Kann ein so offenes Spiel überhaupt eine Geschichte erzählen, die mich an den Bildschirm fesselt? Tja, da geht es schon wieder los.

Schon seit geraumer Zeit habe ich The Elder Scrolls - Tamriel Unlimited im Blick, um vielleicht doch mal einen Ausflug zu riskieren. Neben dem Kaufpreis fallen keine weiteren Abo-Gebühren an. Das ist schon mal ein Hindernis weniger. Dann verkündet Bethesda, dass mit The Elder Scrolls Online - Morrowind eine gigantisch große Erweiterung auf euch zukommt, die mir im Geiste eine weitere Einstiegshürde beschert. Muss ich mich da zuerst durch das ursprüngliche Spiel kämpfen? Ist in Morrowind überhaupt noch was los, wenn ich irgendwann dort ankomme? Entgeht mir was dabei? Schon wieder neue Fragen.

Auftritt Bethesda: "Komm doch mal vorbei! Wir zeigen dir, was dich da erwartet." Gesagt - Getan.

Willkommen in Morrowind

Mit viel Bedachtsamkeit und unter fachkundiger Anleitung darf ich in den Räumlichkeiten von Bethesda in Frankfurt meine ersten Gehversuche wagen - und stelle mich dabei an wie der letzte Hund beim Gassi gehen. In der angespielten Version haben der Kollege von Bethesda und ich vergeblich nach der Option gesucht, die Y-Achse zu invertieren (keine Sorge, die Option gibt es natürlich). Noch dazu steht mir nur ein ungewohnter Controller zur Verfügung. Na, das wird mir Spaß machen ...

Und so stolpere ich ins Land, wage mich an den ersten Kampf. Gleich zu Beginn gehe ich davon aus, dass die Fähigkeiten auf einem Cooldown-System basieren. Tun sie aber nicht. Ich kann sie einfach spammen, solange die entsprechende Energieleiste was hergibt. Ungewohnt. Dann verpasse ich so gut wie jede Gelegenheit, aus einem markierten Angriffsbereich zu entkommen, aktiv zu blocken und starke gegnerische Angriffe zu unterbrechen, während ich direkt in den düsteren Himmel von Morrowind oder auf eine bräunliche Bodentextur starre. Ja, Mann, die Y-Achse ist jetzt nicht invertiert! So leicht kriegt man dann jahrzehntelange Gewohnheiten nicht aus den Reflexen raus.

Der Bethesda-Mitarbeiter mit der Engelsgeduld gibt Ratschläge aus dem Off, die ich allesamt ignoriere ("Was meint der für'n Turm?!") und wieder von einer Horde wütender Insekten angegriffen und beinahe zunichte gemacht werde, während ich sein unhörbares Zähneknirschen im Kopf vernehme. Meine Lust am Spiel sinkt, bevor sie überhaupt jemals aufkeimen konnte.

Einzigartig: Die Gestaltung von Morrowind geizt nicht mit fremdartiger Schönheit.Einzigartig: Die Gestaltung von Morrowind geizt nicht mit fremdartiger Schönheit.

Nachdem ich es tatsächlich irgendwie geschafft habe, ein Quest-Ziel zu erfüllen, bleibt mir endlich Zeit, mir die Umgebung genauer anzusehen. Was ich da in der Hektik der Unkenntnis nicht gesehen habe, offenbart nun nach und nach seine Schönheit. Morrowind ist eine fremdartige, exotische, regelrecht bizarr anmutende Landschaft, die sich an keinen bekannten Konventionen orientiert. Weder typisch fernöstliche knallbunte Szenarien, noch klassisch westliche "High Fantasy"-Welten erstrecken sich vor dem virtuellen Auge meiner Spielfigur.

"The Elder Scrolls"-Veteranen wissen natürlich, was sie auf der Insel Vvardenfell, der größten Landmasse von Morrowind, erwartet. Flora und Fauna zeichnen sich durch gigantische Pilze und insektoide Lebensformen aus. Im Zentrum der Insel - von fast jedem Punkt im Spiel aus zu sehen - befindet sich der Rote Berg. Ein aktiver Vulkan, der in der Geschichte der Spielereihe eine wichtige Rolle einnimmt.

Ist Morrowind ein Ort, den ich gerne Stunden um Stunden erforschen will, um all seine Geheimnisse zu ergründen? Ja, das ist er. Meine erste Frage ist hiermit beantwortet.

Wie ist denn das nun so als Solo-Abenteurer?

Wie schon eingangs erwähnt, mag ich es gerne einsam in meinen Spielen. Nun, wenn ich mich in ein MMO wage, wird es rund um mich herum natürlich vor anderen Spielern nur so wuseln. Tatsächlich mag ich das, solange sie mich in Ruhe lassen. Das zeigt mir, dass ich mich durch eine lebendige Welt bewege. Aber jetzt zum Kern der Frage, die sich mir aufdrängt: In The Elder Scrolls 5 - Skyrim bin ich der Drachengeborene, der Dovahkiin. Der eine Held, der sich großen Gefahren stellt und sich zu noch größerer Macht aufschwingt, um die Welt zu retten. Das bin ich in Morrowind auf keinen Fall, sondern teile mir diesen Status mit Zigtausenden anderen Spielern. Aber dieses Gefühl, eine besondere Rolle einzunehmen, ist mir wichtig. Ein Held zu sein, der ich im echten Leben niemals sein kann, auf den die ganze Welt blickt, ist die Form von Eskapismus, die ich in solchen Spielen suche.

Und genau dieses Gefühl stellt sich beim Spielen dann tatsächlich auch ein. Zaghaft zuerst, doch dann immer mehr. Ich nehme gar nicht mehr wahr, dass ich nur einer von so dermaßen vielen Spielern bin, die alle das gleiche Ziel verfolgen. Plötzlich spielt es gar keine Rolle mehr, ob ich mich in einer Online-Umgebung bewege oder nicht. Auch wird mir die schiere Größe der Spielwelt bewusst, die Hunderten von Geschichten, die sie mir erzählen will.

Der immer noch geduldige Bethesda-Kollege versichert mir, dass ich das Spiel im Alleingang von vorne bis hinten durchspielen kann. Ob ich mit anderen Spielern interagiere oder nicht, bleibt stets mir überlassen. Es gibt für das Erleben der Geschichte keine Grenzen. Er bestätigt mir sogar, dass es möglich ist, einen Weltenboss im Alleingang niederzuringen. Allerdings setzt das die perfekte Beherrschung eines Charakters voraus, ebenso wie exquisite Ausrüstung, fein aufeinander abgestimmte Fähigkeiten und Talente, sowie ein gerüttet Maß an Geschicklichkeit. Das ist auch vollkommen in Ordnung, denn es soll ja eine Herausforderung sein.

Dynamische Wetter- und Tageszeitenwechsel sorgen immer wieder für stimmungsvolle Momente.Dynamische Wetter- und Tageszeitenwechsel sorgen immer wieder für stimmungsvolle Momente.

Mit einem Schlag bekomme ich zwei weitere Fragen beantwortet: Ja, ich kann das Spiel als Solo-Abenteurer genießen und ja, die Geschichte des Spiels wird stringent erzählt. Das ist ohnehin ein Punkt, den ihr in Bethesda-Spielen immer wieder vorfindet. Es gibt einen Haupthandlungsstrang, der gerne mal in Vergessenheit gerät, weil ihr mit zahlreichen Nebenquests niedergeknüppelt werdet. Jedoch kommt es selten vor, dass diese komplett ohne Bezug zur Haupthandlung auskommen müssen. Es gibt immer einen roten Faden, den ihr vielleicht auch erstmal finden sollt. Alles, was ich in Morrowind erlebe, führt irgendwo konsequent auf einen Punkt hin.

Und jetzt die große Frage: Was bleibt mir verwehrt?

Hm, tja, nun ... So angestrengt ich auch nachdenke, im Grunde bleibt mir nichts verwehrt, was für mich als Solo-Spieler von großem Interesse wäre. Es ist natürlich alles vorhanden, was zahlreiche MMO-Spieler zu schätzen wissen und auch fordern, wenn sie sich mit ihren Helden ins Spiel einloggen. Der Knackpunkt ist: Ich muss es halt nicht machen, könnte es aber jederzeit tun, wenn mir der Sinn danach steht.

Große Schlachten, mächtige Gilden, packende Duelle - ja, das ist alles da. Ich brauch es bloß nicht. Selbst die vereinzelten Dungeons mit dem Plus-Symbol neben dem Karten-Icon sind für ein rundes Spielerlebnis nicht zwingend vonnöten. Das sind jene Orte, in die ihr euch nur als Gruppe begeben solltet, weil euch die ortsansäßige Fauna dort schneller einäschert als ihr "Morrowind" sagen könnt.

Aber muss ich wirklich alles von vorne bis hinten durchspielen, um endlich die neuen Aufgaben in Morrowind lösen zu können? Das wäre meine letzte Frage. Die Antwort darauf erfreut mich umso mehr: Nein, es ist nicht nötig. Gerade das macht Morrowind für Neuankömmlinge so attraktiv. Ihr könnte einsteigen, wo ihr wollt. Seid ihr bereits mächtige Helden, deren Namen in Tamriel in Liedern besungen werden? Dann ist Morrowind eine neue Spielwiese für euch. Seid ihr jedoch nur in Lumpen gekleidet und mit einem schartigen Küchenmesser ausgerüstet? Dann geht nach Morrowind und macht euch den Namen, der irgendwann mal besungen wird. Habt ihr Vvardenfell erforscht, lockt das ursprüngliche Spiel mit noch mehr Abenteuern, wunderschön gestalteten Ländereien und einer Vielzahl von Möglichkeiten. Noch mehr Eindrücke zu Morrowind haben wir bereits vorab in der Vorschau "The Elder Scrolls Online - Morrowind: Rückkehr nach Vvardenfell" zusammengefasst.

Blitz! Krach! Gewittersturm! Das könnt ihr als Solo-Abenteurer natürlich auch.Blitz! Krach! Gewittersturm! Das könnt ihr als Solo-Abenteurer natürlich auch.

Hinderlich ist das Gesamtprinzip MMO im Falle von The Elder Scrolls Online - Morrowind lediglich für sogenannte Completionists. Also jene Leute, die gerne alles, wirklich ALLES machen wollen, was ein Spiel zu bieten hat, weil sie sonst das Gefühl haben, ihnen würde etwas entgehen. Fatalerweise gehöre ich auch zu jener Gruppe, doch hält sich dieses nagende Gefühl tatsächlich arg in Grenzen und wird auch von Tag zu Tag schwächer. Warum ich das so bestimmt sagen kann?

Nach dem ersten stümperhaften Ausflug in die neue alte Welt von Morrowind, habe ich mich dann doch an Tamriel Unlimited gewagt. Und zwar mit einem Controller, dessen Layout ich im Schlaf beherrsche. Und invertierter Y-Achse! Level 24 hat mein Held nun schon erreicht, seine Lumpen abgelegt und durch eine schimmernde, reich verzierte Rüstung ersetzt. Das schartige Küchenmesser steckt noch im Leib einer toten Riesenspinne, die mir im Weg stand, mittlerweile lasse ich freche Gegner durch kritische Treffer meines mit der Macht der Blitze aufgeladenen Zweihänders zu Staub zerfallen. Felsen ins Gesicht, schwerer kritischer Treffer gegen den am Boden liegenden Gegner, zweimal Flammenpeitsche hinterher (der zweite Hieb ist kritisch), Abwehr durch feurigen Atem geschwächt, schwerer Hieb, der ihn nochmal von den Füßen reißt, brennende Drachenfänge draufgeheizt ... wenn er dann noch steht, erledigt der fortlaufende Schaden den Rest. Zwei Könige sind mir bereits zu Dank verpflichtet, in den Magier- und Krieger-Gilden kennt man schon meinen Namen, finstere Kulte fürchten ihn. Ich bin ein Held! Voraussichtlich am 6. Juni 2017 kann ich dann sagen:

Morrowind, ich bin bereit!

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Fantasy   Singleplayer   Online-Zwang  

Kommentare anzeigen

The Legend of Zelda - Breath of the Wild: 10 Dinge, die jeder erlebt haben muss

The Legend of Zelda - Breath of the Wild: 10 Dinge, die jeder erlebt haben muss

Auch wenn ihr Links neuestes Abenteuer schon durchgespielt habt: Im riesigen Hyrule sind euch mit Sicherheit einige (...) mehr

Weitere Artikel

Diese Spiele erscheinen in der Kalenderwoche 30

Diese Spiele erscheinen in der Kalenderwoche 30

Diese Woche wird es ziemlich taktisch. Ob die warmen Temperaturen zuträglich sind, wenn ihr gerade fiese Rätse (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

TESO - Morrowind (Übersicht)