Vorschau Final Fantasy 12 - The Zodiac Age: Frische Anspiel-Eindrücke

von Thomas Nickel (17. Mai 2017)

Das Archadia-Imperium bedroht das kleine Königreich Dalmasca. Große Ereignisse kündigen sich an, aber tatsächlich steht bei Final Fantasy 12 noch viel, viel mehr auf dem Spiel ...

Beim Titel "Final Fantasy" denken die meisten erst einmal an Cloud Strife – der Held von Final Fantasy 7 mit seinem Megaschwert und der blonden Nashornfrisur ist einfach eine Ikone. Manche denken vielleicht auch an Griesgram Squall aus Final Fantasy 8 oder Tidus, den Blitzball-Star mit der "Meg Ryan"-Gedenkfrisur aus Final Fantasy 10. Die Namen Vaan, Penelo, Ashe, Basch, Balthier und Fran sind dagegen weniger geläufig…

Denn so gut Final Fantasy 12 war, als es 2006 auf der PS2 erschien, dem famosen Abenteuer wurde nie die breite Anerkennung zuteil, die es eigentlich verdient hätte. Ob das nun an der bereits angebrochenen HD-Ära lag, oder am wenigen bunten, eher geerdeten Design von Figuren und Welt, das weiß heute auch niemand mehr. Die spielerischen Qualitäten waren aber definitiv nicht der Grund: Mit enormem Umfang, Grafiken, die das letzte aus der PS2 rausholten, einem großartigen Soundtrack, sympathischen Figuren und vor allem einem der besten Kampfsysteme der Serie überzeugte Final Fantasy 12 vor gut zehn Jahren auf der ganzen Linie.

Aber noch ist nichts zu spät: Nachdem Final Fantasy 12 jahrelang ausschließlich auf original PS2-Hardware (und der allerersten, PS2-kompatiblen Generation der PS3) spielbar war, spendiert Square Enix dem Klassiker mit Final Fantasy 12 - The Zodiac Age jetzt eine großzügige Rundum-Erneuerung und eine aufwendige Neuveröffentlichung auf PS4. Und genau die durfte spieletipps an einem grau-regnerischen Tag in Hamburg anspielen!

Internationale Edition

Final Fantasy 12 ist ein langes Spiel. Und wer die Geschichte um Vaan, Ashe und Co. zu PS2-Zeiten beendet hat, der wird sich durchaus fragen, ob man sich nur wegen einer grafischen Frischzellenkur nochmal auf dieses Mammutabenteuer einlassen sollte. Doch Square Enix belässt es nicht einfach bei einer grafischen Überarbeitung. Denn Final Fantasy 12 – The Zodiac Age basiert nicht auf dem regulären, in Europa und den USA erschienenen Final Fantasy 12, sondern auf dem stark überarbeiten Final Fantasy 12 – International Zodiac Job System, das ausschließlich in Japan veröffentlicht wurde!

Diese Variante ist in Sachen Handlung zwar mit dem Ur-Spiel identisch, unterscheidet sich in Sachen Spielsysteme und Balance aber gehörig vom Original. Neben veränderten Kampfwerten und Positionen bei Gegnern ist vor allem die Art der Charakterentwicklung anders. Im Original teilen sich alle sechs Helden ein Lizenzbrett – ein großes, schachbrettähnliches Spielfeld, auf dem mit im Kampf verdienten Lizenzpunkten Fähigkeiten, Statusverbesserungen und die Erlaubnis, bessere Ausrüstung zu tragen, gekauft wird.

In der Neuauflage wählt nun jede Figur bei ihrem ersten Auftritt eine Jobklasse. Paladin, Schwarzer Magier, Mönch, Maschinist ... insgesamt stehen zwölf Klassen zur Wahl. Dabei hat nun jede Klasse ihr eigenes Lizenzbrett und ihr habt mehr Möglichkeiten, eure Figuren in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Hattet ihr im Original am Ende des Spiels sechs weitgehend identisch trainierte Rundum-Talente, ist hier Spezialisierung gefragt.

In einem Ruderclub in Hamburg lud Square Enix zur lustigen Anspielrunde.In einem Ruderclub in Hamburg lud Square Enix zur lustigen Anspielrunde.

Im Original war die Wahl des richtigen Jobs nicht einfach: Zwölf Berufungen stehen zur Verfügung, aber es gibt nur sechs Helden – da bleiben Kompromisse nicht aus! Doch Square Enix zeigt sich bei der PS4-Neuauflage entgegenkommend: Nach kurzer Zeit darf jede Figur einen zweiten Job annehmen und auch dessen Talente erlernen – das macht die Wahl gleich ein ganzes Stück angenehmer und gibt euch nicht das Gefühl, wichtige Talente und Spielelemente zu verpassen. Und natürlich ist es trotzdem gut, sich über sinnvolle Kombinationen Gedanken zu machen, um die intelligenten Synergie-Effekte bestimmter Klassen optimal zu nutzen.

Halbautomatischer Schlagabtausch

Die Charakterentwicklung und die Stufe eurer Figuren sind in den übergangslosen Kämpfen von Final Fantasy 12 allerdings nur ein Element. Mindestens genauso wichtig ist das sogenannte Gambit-System. Das war 2006 noch ziemlich umstritten, weil es viele der regulären Kampfaktionen automatisierte: Im einfachsten Falle greifen eure Mitstreiter stets den Gegner an, den auch ihr gerade beharkt – so entfällt das ständige Bestätigen des Angriffs-Befehls.

Die Linien zeigen, welche Figur welchen Gegner anvisiert.Die Linien zeigen, welche Figur welchen Gegner anvisiert.

Doch tatsächlich bietet das System viel, viel mehr Tiefe und Möglichkeiten: ein kluger Spieler kann seine Helden absolut exakt im Voraus programmieren. Ihr könnt Bedingungen, Aktionen und Prioritäten festlegen. Beispiel gefällig? Sobald die Lebensenergie eines Mitstreiters auf einen bestimmten Prozentsatz fällt, nutzt der Heiler der Truppe automatisch Magie, um die Lebenspunkte wieder aufzufüllen. Ist ein Gegner gegen Feuermagie allergisch, wird genau diese gezielt eingesetzt.

Hat eine Figur gerade keine aktiven Schutzzauber, werden die sogleich gesprochen. Und hat eine eurer Figuren mit Status-Einschränkungen wie Blindheit, Schlaf oder Verwirrung zu kämpfen, wird prompt das entsprechende Heilmittel eingesetzt. Das sind aber alles keine Automatismen: Eure Figuren agieren nur so klug wie ihr es ihnen befehlt. Sind euch die Statusprobleme egal, legt ihr keine entsprechenden Befehle an. Ihr heilt lieber direkt „von Hand“? Kein Problem – auf Knopfdruck unterbrecht ihr den Kampf, um euren Figuren direkte Befehle zu erteilen.

Klug eingestellte Gambits sind der Schlüssel zum Sieg.Klug eingestellte Gambits sind der Schlüssel zum Sieg.

Und ja, in gewisser Weise hatten die Kritiker vor mehr als zehn Jahren durchaus Recht: Wer seine Gambits klug einrichtet, der muss bei normalen Gefechten kaum noch eingreifen. Aber bis das erreicht ist, ist eine gehörige Vorleistung nötig. Nur wer klug plant und intelligente Gambits aufsetzt, der hat wirklich automatisierte Kämpfe. Aber auch die helfen spätestens beim nächsten Boss nicht so richtig weiter – dann ist wieder Eigeninitiative gefragt.

Sanfte Überarbeitung

Sieht man sich die Bilder von Final Fantasy 12 – The Zodiac Age an, drängt sich zunächst der Eindruck auf, Square Enix hätte eigentlich in technischer Hinsicht nicht allzu viel verändert: Das Spiel sieht auf dem großen HD-Fernseher noch so aus wie ihr es aus goldenen PS2-Zeiten in Erinnerung habt. Doch dieser Eindruck täuscht: Das Spiel sieht nicht aus wie das PS2-Original, sondern wie es der Spieler von damals heute in seiner verklärten Erinnerung sieht!

Die Figuren sind ziemlich hübsch gestaltet und sauber überarbeitet.Die Figuren sind ziemlich hübsch gestaltet und sauber überarbeitet.

Die Auflösung und der Detailgrad wurden sauber an moderne HD-Bildschirme angepasst. Zwar wurde an der Geometrie von Figuren und Umgebung nichts geändert, wohl aber an Texturen, Filtern und Effekten. Besonders deutlich wird das an der Kleidung der Helden, die wirkt viel textilhafter und realer als noch im Original. Auch Menüs und Schriftsätze wurden sauber an die hohe Auflösung angepasst – es muss sich niemand vor pixelig-augenfeindlichen Fonts fürchten.

Überraschenderweise verzichtet Square Enix darauf, die Bildrate zu verbessern. Ähnlich wie das Original soll auch die Neuauflage in stabilen 30 Bildern pro Sekunde laufen. Das ist hübsch und auch flüssig, aber es wäre auch mehr drin gewesen. Die PS4 und vor allem auch die PS4 Pro sollten die gebotene Grafik eigentlich problemlos mit butterweichen 60 Bildern pro Sekunde stemmen können, aber Priorität hatte dieser Faktor wohl keine. Mal schauen, ob sich Square Enix nach der Veröffentlichung vielleicht noch zu einem entsprechenden Patch hinreißen lässt.

Großzügig überarbeitet wurde dafür die Akustik. Die bereits im original exzellenten Sprachaufnahmen erklingen bei entsprechender Hardware-Ausstattung jetzt im 7.1 HD-Sound, die Musik wurde mit einem kompletten Orchester neu aufgenommen und klingt ziemlich wuchtig. Wer es dagegen gerne originalgetreu hat, der wechselt einfach im Menü zur Original-Hintergrundmusik. Und noch etwas worüber sich Puristen freuen: Neben der exzellenten englischen Synchronisation stehen nun auch japanische Stimmen zur Wahl!

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Tags: Fantasy   Singleplayer   Remake  

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