Test Get Even: Um die Ecke gedacht und vorbeigeschossen

von Michael Krüger (21. Juni 2017)

Ermittlungsarbeiten, entflohene Häftlinge und Entführungen treffen auf Halluzinogene, bewusstseinsverändernde Technik und Risse in der Realität. Ein großes Vorhaben, doch oftmals ist weniger mehr.

Dass zumindest auf den ersten Blick schon eine Menge Referenzen zu erfolgreichen Horror-Spielen in Get Even stecken, habt ihr vielleicht schon im Blickpunkt "Fünf knallharte Psycho-Trips zur Einstimmung auf Get Even" gelesen. Zeit, nun einen Blick auf das Spiel selbst zu werfen, das für PC, PlayStation 4 und Xbox One erhältlich ist.

Zwischen verzerrten Realitäten und verworrenen Verschwörungstheorien schickt euch Get Even auf eine Einbahnstraße in Richtung Wahnsinn. Zumindest versprechen dies erste Eindrücke des Spiels. Im Verlauf der Handlung offenbaren sich jedoch nicht zu unterschätzende Schwächen. Inwiefern das den Spaß herunterzieht, verrät der Test.

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Verzweifelte Taten

Als ihr in der Rolle des Ermittlers Cole Black nach dem Aufenthaltsort eines entführten Mädchens schaut, ahnt ihr noch nicht, was euch eigentlich erwartet. Kaum verseht ihr's euch, wechseln die erzählerischen Eindrücke zwischen beklemmenden Abschnitten der Marke Outlast und Szenen, die an die Filmreihe Saw erinnern.

Technische Hilfsmittel stehen in Get Even im Mittelpunkt.Technische Hilfsmittel stehen in Get Even im Mittelpunkt.

Welche eurer Erlebnisse tatsächlich geschehen und welche ihr euch einbildet, ist nur schwer zu sagen. Da ihr im Spiel ein hochentwickeltes Gerät auf dem Kopf tragt, das euch die Welt nur durch eine Art VR-Brille betrachten lässt, ist eure Wahrnehmung von Grund auf beeinträchtigt. Dass ihr mithilfe von Fotografien in eure eigenen Erinnerungen reisen könnt, macht die Sache nicht gerade durchsichtiger.

Bei all den wirren und vielschichtigen Eindrücken verliert Get Even zumindest gefühlt den roten Faden. Die Handlung fasst zwar alle Geschehnisse zusammen und klärt euch sukzessive darüber auf, wieso bestimmte Dinge geschehen, doch greift das Erlebte nur bedingt emotional, wodurch die Motivation allmählich abnimmt. Die sprunghafte Erzählweise löst Spannungen oftmals zu früh auf. Manche Szenen nutzen gezeigte Motive durch überhäufte Wiederholung ab. Das alles führt dazu, dass selbst intensive Momente oft schnell wieder verblassen.

Horror-Collage

Unbeständigkeit fasst die emotionale Reise während Get Even vermutlich am besten zusammen. Mal bewegt ihr euch durch einen Abschnitt, der sich spielerisch und optisch wie Deus Ex - Mankind Devided anfühlt, dann wiederum durch eine Traumsequenz, die stark an die Phantasien aus Dishonored oder die Einrichtung von Gone Home erinnern. Je länger ihr spielt, umso weniger ist klar, was Get Even sein möchte. So entpuppt sich genau diese Unentschlossenheit zwar als roter Faden, sorgt allerdings auch für ein unbefriedigendes Erlebnis.

Manche Abschnitte sehen schon fast wie echte Videoaufnahmen aus.Manche Abschnitte sehen schon fast wie echte Videoaufnahmen aus.

Wann immer ihr euch an ein Spielelement oder einen optischen Eindruck gewöhnt habt, wechselt die Szene und das eben Gelernte ist nicht weiter relevant. Das würde eventuell gut funktionieren, doch geht Get Even mit diesen Schnitten deutlich zu inflationär um, wodurch das Erlebnis mit jeder Minute an Spannung verliert. Und das ist besonders deshalb schade, weil die Stimmung zeitweise und besonders zu Beginn richtig intensiv und krank ist.

In den besten Momenten lässt euch Get Even nämlich ordentlich den Atem stocken. Das liegt zum einen daran, dass sich die Präsentation zeitweise stark in Richtung Fotorealismus bewegt und zum anderen an einem Sound-Design, das Horror-Fans mit den Ohren schlackern lässt. Mit teilweise schon fast penetranten Geräuschen und Melodien erzeugt Get Even auf akustischem Weg Emotionen nahe einem Nervenzusammenbruch und erreicht damit über euer Gehör überraschenderweise oft mehr als die gezeigten Bilder.

Meinung von Michael Krüger

Eigentlich sind ein paar der Ideen von Get Even richtig gut. Die Waffe, die um die Ecke schießen kann, die unterschiedlichen Funktionen eures Mobiltelefons oder auch die Verbindung der erzählerischen Ebenen. Doch am Schluss möchte keine der Mechaniken so richtig zünden. Die Gefechte fühlen sich schwammig an, die Handlung verläuft sich in Belanglosigkeiten, sowie übermäßigem Aufsammeln von Hinweisen, und der Gruselfaktor schwindet mit jeder Schleich-Passage, die aufgrund mangelnder Mechaniken eigentlich sowieso nie welche sind.

Trotz allem hat Get Even ein paar furchterregende Momente und das Potenzial, den einen oder anderen Horror-Enthusiasten unter euch zu begeistern. Immerhin ist die grundsätzliche Idee nicht so verkehrt, wenn sie auch etwas arg wirr dargeboten wird. Die Mischung aus "Science Fiction"-Elementen und dreckigem Horror in herabgekommenen Kliniken verfügt auch in diesem Fall über einen gewissen Reiz, presst euch immer mal wieder in den Sessel und lässt euch spontan zusammenzucken. Trotz erzählerischer Schwächen und unbeständigem Erlebnis ist Get Even nichts für schwache Nerven und liefert ein paar spannende Ideen.

68

meint: Vieles in Get Even lässt auf ein großartiges Spiel schließen. Doch weder Mechaniken noch Handlung haben genug Beständigkeit, um durchweg für Spannung zu sorgen.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer   Horror  

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