Darum haben Videospiele immer noch lange Ladezeiten

von Sören Wetterau (26. Mai 2017)

Bis zu fünf Minuten warten, ehe es losgeht: Zuletzt hat Sniper - Ghost Warrior 3 mit seinen extrem langen Ladezeiten für Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei ist das Scharfschützenspiel nicht der einzige Vertreter, der zum Kryptonit für ungeduldige Spieler wird. Laut einem Bericht der englischsprachigen Webseite Kotaku ist ein Heilmittel kurzfristig nicht in Sicht.

Der Grund dafür liegt im Speichermedium, genauer gesagt: den Festplatten. Die Entwicklung von immer leistungsfähigeren Prozessoren und Grafikkarten schreitet schneller voran als die Lese- und Schreibgeschwindigkeit von herkömmlichen Festplatten. Spiele werden jedoch immer größer, sei es durch hochaufgelöste Texturen, Physikberechnungen oder spezielle KI-Algorithmen, während herkömmmliche Festplatten maximal 7.200 Umdrehungen pro Minute erreichen - eigentlich zu wenig für komplexe Spiele.

In Sniper - Ghost Warrior kann es bis zu fünf Minuten dauern, ehe ihr mit mit dem Spielen loslegen könnt.

Eine Alternative stellen SSDs (Solid State Drives) dar, die eine höhere Lese- und Schreibgeschwindigkeit garantieren. Diese sind jedoch deutlich teurer und werden deshalb von Sony oder Microsoft in ihren Konsolen nicht eingesetzt. Bei der PlayStation 4 könnt ihr immerhin eigenständig eine neue Festplatte nachrüchsten. Wie das geht, verraten wir euch in unserer Tipps-Sektion.

Aber auch ohne SSD laden Videospiele in der Regel dank zahlreicher technischer Tricks verhältnismäßig schnell im Vergleich zu den gestiegenen Datengrößen. Laut Robert Dieterich, der als Programmierer an Spielen wie Elite Beat Agents und Lips gearbeitet hat, fangen Videospiele nicht erst mit dem Laden im Ladebildschirm an, sondern schon viel früher.

In manchen Produkten starten beispielsweise die ersten Ladeprozesse noch bevor überhaupt das Hauptmenü erreicht ist, während sich andere wiederum der Streaming-Technik bedienen. Letztere erlaubt den Entwicklern während des Spielens neue Daten in die Spielwelt zu laden. Manchmal wird dieser Prozess jedoch unterbrochen, etwa wenn in "Open World"-Spielen die Schnellreisefunktion zum Einsatz kommt und kurzfristig etwas völlig anderes geladen werden muss.

Zu guter Letzt heißt es, dass die Optimierung von Ladezeiten während der Entwicklung eines Spiels keine allzu hohe Priorität genießt. Stattdessen dreht sich, sobald sämtliche Inhalte im Spiel vorhanden sind, vieles um die Ausmerzung von Fehlern und Absturzursachen. Erst danach, wenn überhaupt, stehen die Ladezeiten auf dem Plan. Manchmal werden sie jedoch auch erst mit einem Update korrigiert.

Selbst die technisch stärkere PlayStation 4 Pro setzt beim Speichermedium auf eine normale Festplatte anstatt auf eine schnelle SSD. Microsofts kommende "High End"-Konsole Project Scorpio verzichtet ebenfalls auf eine SSD.

Tags: Hardware  

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