Test Tekken 7 - Rückkehr des Großmeisters

von Thomas Nickel (01. Juni 2017)

Nach Jahren der Abwesenheit tritt eine absolute Legende zurück in den Kampfsport-Ring: Hat es Tekken noch drauf und kann sich gegen die junge Konkurrenz beweisen?

Es hat wirklich lange genug gedauert: Tekken 6, der letzte storylastige Teil der Reihe, erschien 2009 für PS3 und Xbox 360. 2012 wurden dann bei Tekken Tag Tournament 2 die Fäuste geschwungen, mit der eigentlichen Serienkontinuität hatte diese Episode aber nichts zu tun. Damit sind nun gute acht Jahre vergangen, seit die letzte nummerierte Tekken-Episode erschien. Jetzt ist es endlich soweit: Gute zwei Jahre nach dem japanischen Spielhallendebüt stehen sich bei Tekken 7 nun wieder Heihachi Mishima, Sohn Kazuya und Enkel Jin gegenüber - und natürlich all die anderen seit vielen, vielen Jahren vertrauten Handkantenhelden des weitläufigen Tekken-Universums.

Mehr vom Gleichen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Tekken 7 bleibt der Rezeptur der Serie genauso treu wie sämtliche Vorgänger. Die Steuerung ist einerseits intuitiv – jedem Bein und jedem Arm der Kämpfer ist ein Knopf zugeordnet – gleichzeitig fühlt sich die Kontrolle aber weniger direkt an, als bei Konkurrenten wie Virtua Fighter oder Street Fighter. Das ist in diesem Fall allerdings kein Kritikpunkt – Tekken spielt sich eben anders als seine Genre-Kollegen und diese Andersartigkeit macht auch den Charme der Serie aus. Genau wie die genannten Konkurrenten bietet Tekken sowohl schnell zugängliche Action für Einsteiger, als auch sehr viel Potenzial, die Figuren und ihre Aktionen wirklich zu meistern: Ein Duell zwischen zwei echten Experten ist für Spieler wie für Zuschauer ein Hochgenuss.

Natürlich bringt Tekken 7 trotzdem ein paar Neuerungen ein – manche inszenatorischer, manche spielerischer Natur. Bei besonders saftigen Treffern friert das Bild kurz ein, um die Wucht der Attacke zu verdeutlichen, manchmal verliert das Geschehen für einen Sekundenbruchteil die Farbe und wenn ein Kampf besonders knapp ausgeht, dann wird das entscheidende Manöver in Zeitlupe inszeniert. Über mangelndes Feedback muss sich hier wirklich niemand beklagen. Neu sind die Rage-Manöver: In bester SNK-Manier kommen die Kämpfer in besonders brenzligen Situationen in einen Zustand höchster Erregung und haben dann Zugriff auf ein paar besonders wuchtig inszenierte und durchschlagende Manöver, um den Kampf doch noch mit letzter Kraft für sich zu entscheiden.

Massig Kämpfer und Modi

Die interessanteste Neuerung sind natürlich die frischen Figuren. Derer gibt es im Grunde zehn – das ist eine Menge, allerdings kann man durchaus Master Raver und Jack-7 im Geiste abziehen, da sie auf Figuren aus den Vorgängern basieren und diese ersetzen. Es bleiben also der weiß gekleidete Exorzist Claudio Serafino aus Italien, die rote Muskel-Mutation Gigas, die aufgeweckte Filipina Josie, dazu kommen noch die trittstarke Brasilianerin Katarina Alves, der elegant gekleidete Araber Shaheen und die blonde Lucky Chloe, die mit Katzenohren und Schweif in den Ring steigt. Aus dem Street-Fighter-Universum schaut noch der grimmige Akuma vorbei und Vorbesteller freuen sich auf einen Code, mit dem sie Vampirdame Eliza aus dem Free2Play-Ableger Tekken Revolution freischalten.

Asuka verpasst Heihachi eine liebevolle Gesichtsmassage.Asuka verpasst Heihachi eine liebevolle Gesichtsmassage.

Die Spielmodus-Auswahl ist gut gefüllt. Oberster Punkt ist der Storymodus, in dem ihr den großen Abschluss des Mishima-Familiendramas erlebt. Die Geschichte wird in animierten Sequenzen erzählt und hält den Fokus tatsächlich recht deutlich auf dem Mishima-Clan. Für die anderen Protagonisten gibt es ebenfalls kurze Szenarien. Die umfassen zwar selten mehr als einen Kampf und ein paar kurze Storyschnipsel, aber oft genug sind die angenehm humorvoll und bilden so einen guten Kontrast zum Mishima-Drama.

So muss das, Street Fighter!

Für die flotte Hauerei zwischendurch bieten sich die On- und Offline-Modi an. Hier kann Capcom wieder einmal Notizen machen: Im Gegensatz zu Street Fighter 5 bietet Tekken 7 einen Arcade-Modus. Gut, der ist mit lediglich fünf Kämpfen pro Figur kurz und wenig spektakulär, aber immerhin ist er vorhanden und für Siege bekommt ihr nützliche Währung, die ihr an anderer Stelle für nette Extras einsetzen dürft. Geht es euch aber in erster Linie darum, dann seid ihr im Treasure-Modus richtig aufgehoben. Hier kämpft ihr Runde um Runde gegen eine stetige Flut an Gegnern und sackt so richtig viel Geld ein, auch neue Accessoires wandern so in euer Inventar.

Mit der erspielten Beute geht es gleich in die Umkleide, wo ihr eure Figuren anpasst. Hosen, Shirts, Mützen, Hüte, Bärte, Frisuren … ihr könnt eure Fighter fast nach Herzenslust umziehen und ausstaffieren, auch die Farben dürft ihr natürlich ändern. So kann jeder seine Lieblingsfiguren so cool oder albern ausstaffieren, wie es gerade genehm ist. Klar, dieses Element ist nichts neues, schon frühere Episoden von Tekken, Soul Calibur und Virtua Fighter boten entsprechende Möglichkeiten, trotzdem ist der gelungene Editor immer wieder willkommen und kann perfektionistisch veranlagte Naturen für längere Zeit beschäftigen.

Sauber und Vertraut

Grafisch scheint sich auf den ersten Blick nicht viel im Vergleich zu den früheren Episoden getan zu haben. Die Figuren sind groß und detailliert, die Hintergründe oft stimmungsvoll und die Effekte sind wuchtig – so kennt man Tekken. Aber im Vergleich mit dem direkten Vorgänger offenbart sich der wahre Mehrwert der aktuellen Episode. Die Kämpfer sind noch detaillierter als früher, die Lichtsetzung ist sehr gelungen und die Effekte bei erfolgreichen Treffern sehen fantastisch aus – die Unreal Engine lässt grüßen. Etwas schwächer sind dagegen die zerstörbaren Elemente der Arenen. Der grafische Effekt wirkt etwas altbacken und oft clippen die Füße der Kämpfer in herumliegende Trümmer.

Lucky Chloe und Master Raven geben sich zur zum ersten Mal die Ehre.Lucky Chloe und Master Raven geben sich zur zum ersten Mal die Ehre.

Eine Punktlandung legt Bandai Namco in Hinsicht auf die Bildrate hin. Wie es sich für Tekken gehört, läuft das komplette Spiel in sahnig-weichen 60 Bildern pro Sekunde – für ein gutes 3D-Kampfspiel eine elementare Grundvoraussetzung, der das Team hier eindrucksvoll Rechnung trägt. Dafür leidet die Auflösung ein wenig, auf einer normalen PS4 läuft Tekken 7 lediglich in 900p, auf einer PS4 Pro wirkt die Auflösung etwas höher. Auch die Ladezeiten profitieren ein wenig von der neueren Hardware, fühlen sich aber auch dort oft noch einen Tick zu lang an.

Keinerlei Beschwerden gibt es an der Akustikfront. Der Soundtrack ist treibend, die Schläge und Tritte krachen ordentlich und was besonders gefällt: Jede Figur spricht in ihrer Muttersprache: Egal ob auf italienisch, japanisch, englisch, spanisch, französisch oder – im Falle von Leo – auch auf Deutsch! Einen besonderen Bonus gibt es für Kenner der Vorgänger: Sämtliche Soundtracks früherer Tekken-Episoden sind enthalten und können vom Start an aktiviert werden. Auch die üppigen Rendersequenzen sind mit von der Partie und werden für im Kampf verdientes Geld freigeschaltet. Da ist es umso bedauerlicher, dass die klassischen Rendersequenzen am Ende des Arcade-Modus hier fehlen.

Schwacher VR-Aufschlag

Eine Überraschung ist die Unterstützung des PlayStation-VR-Headsets – aber keine allzu positive. Lediglich zwei Möglichkeiten bieten sich euch: Ihr könnt die Figur eurer Wahl über das Headset betrachten oder eine Art Übungskampf ausfechten. Dabei gibt es aber weder Lebensanzeigen, noch Manöverlisten … ihr haut euch ein wenig uninspiriert an der hübschen Meeres-Stage hin und her, bewundert den Sternenhimmel und die hübschen Figuren, und damit hat es sich dann auch wieder. Es ist nett, dass VR unterstützt wird, aber ein wenig inspirierter hätte diese Unterstützung schon ausfallen dürfen.

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