Aus Trash Gold machen: Wie Webvideo-Trends die Zukunft der Games-Industrie beeinflussen

(Special)

von Michael Krüger (04. Juni 2017)

Dank Akteuren wie Gronkh, Paluten oder PietSmiet gewinnen sogar richtig miese Spiele an Unterhaltungswert und damit an Relevanz. Einer von vielen Aspekten, wie Webstars Gamingtrends prägen.

Was vor ein paar Jahren noch vergleichsweise wenig Beachtung fand, ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Livestreams und Let's Plays bilden einen riesigen Teil der Videospiel-Kultur und erweitern die digitale Unterhaltung um neue Komponenten. Games sind nicht mehr nur dazu da, gezockt zu werden. Längst ist es der liebste Zeitvertreib von Abertausenden, anderen im Netz beim Spielen zuzuschauen.

Das Videospiel-Erlebnis aus zweiter Hand ist aber keineswegs immer nur passives Vergnügen: Die Akteure liefern in ihrer Funktion als Moderatoren mit ihren Reaktionen einen zusätzlichen Unterhaltungswert und geben durch Interaktionen mit dem Publikum dem geneigten Zuschauer zumindest teilweise das Gefühl, selbst am Spiel teilzunehmen.

Horror zum Totlachen

Eines der ersten Phänomene in Sachen Let's Play entstand durch das Spiel Slender. Zu sehen, wie sich der Spielende bei jedem Schritt fasst einnässt und in Schreckmomenten vom Stuhl fällt, hat hohen Unterhaltungswert. Auch weniger gruselige, dafür ordentlich spannende Survival-Spiele zählen zu den Dauerbrennern in den Videoformaten. Quasi als Nebenprodukt entstehen in Spielen wie Rust oder Ark - Survival Evolved oft einzigartige Geschichten. Wichtiger als das Spiel selbst ist hier das, was der Akteur daraus macht.

Live mitspielen

Durch das Live-Moment öffnen sich bei Streams zusätzliche Türen. Wie uns Job Stauffer, Head of Creative Communications von Telltale Games, erst kürzlich in einem Interview verriet, arbeitet das Studio bereits länger an Möglichkeiten, auch als Zuschauer auf den Spielverlauf eingreifen zu können. Mithilfe einer speziellen Website kann das Publikum jede Entscheidung in neueren Spielen von Telltale Games beeinflussen. Nachdem diese Funktion zunächst für besondere Auftritte entworfen wurde, war der Anklang so groß, dass sich die Entwickler dazu entschieden, das neue Feature standardmäßig zu verwenden. So könnt ihr es bereits unter anderem in Marvel's Guardians of the Galaxy selbst verwenden.

Auf dem Tribeca Games Festival kam Crowd Play auf der großen Leinwand zum Einsatz.Auf dem Tribeca Games Festival kam Crowd Play auf der großen Leinwand zum Einsatz.

Auf der PlayStation 4 ist die Interaktion mit Livestreams nichts neues. Immerhin konntet ihr bereits in Outlast zum Beispiel gruselige Geräusche per Knopfdruck auslösen. Damit das Geschäft mit dem Vorspielen nicht stagniert, braucht es eben neue Ideen und das bringt manche Entwickler soweit, nur noch auf solche Optionen zu setzen. Spiele wie Quiplash oder die Reihe The Jackbox Party Pack funktionieren ausschließlich in Gruppen und zielen mittlerweile recht präzise darauf ab, dass sie während eines Livestreams gespielt werden. Das hat dann schon fast etwas von Hugo, dem Pionier in Sachen spielerischer Interaktion vorm TV.

Gute schlechte Spiele

Doch nicht nur neue Spielmechaniken verdanken wir der Livestream- und "Let's Play"-Szene. Ganze Sub-Genres etablieren sich langsam aber sicher und Entwickler schöpfen durch die moderne Darbietungsform von Spielen den Mut, etwas zu riskieren. I Am Bread oder Goat Simulator sind Paradebeispiele für das ungewöhnliche Erfolgsrezept, das daraus resultiert. Spiele müssen nicht länger nur den qualitativen Ansprüchen der Spieler genügen. Der Unterhaltungswert durch das Zusehen stützt sich nämlich häufig auf Schadenfreude, Schaulustigkeit oder auch bloße Albernheit.

Sandkastenspiele mit Chaos-Faktor sorgen oft für herrlich alberne Unterhaltung.

Wenn dann ein ohnehin schon groteskes Spiel aufgrund von Fehlern in der Programmierung verrückte Szenen entstehen lässt, ist die Stimmung auf dem Zenit - und mit ihr die Einschaltquote. Von einem neuen Genre zu sprechen, wäre vielleicht etwas zu hoch gegriffen, doch gibt es sehr wohl eine rasant wachsende Kategorie von für Streams geeigneten Spielen. Diese nehmen einen zunehmend größeren Teil des Marktes ein und sichern sich neben Dauerbrennern wie League of Legends und Hearthstone Spitzenplätze unter den Zuschauerzahlen. Zwar halten viele Spiele diese Position nur für eine kurze Zeit, doch ist die Tragweite eines solchen Hypes nicht zu unterschätzen.

Mit Absicht mies

Angesichts dessen, wie wichtig Webstars mittlerweile als Trendsetter sind, ist die Entscheidung, diese Aspekte bei der Entwicklung miteinzubeziehen, sicher nicht verkehrt. Ganz im Gegenteil. Spiele wie Shower with Your Dad zeigen zweifellos, dass selbst mit geringen Produktionskosten große Erfolge nicht ausgeschlossen sind. Zumindest solange die Inhalte polarisieren. In besonders extremen Fällen profitieren die Spiele nicht davon, gesehen zu werden, sondern dass sie auf Twitch oder YouTube verboten werden. Keine schlechte Werbung!

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Tags: Twitch   Lets Play  

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