Test Dirt 4: Dreck schleudern in Perfektion

von Thomas Stuchlik (06. Juni 2017)

Offroad-Spezialist Codemasters meldet sich mit einer erstklassigen Rallye-Simulation zurück, die gleichzeitig Spaß und Anspruch bietet. Wir verraten euch, was die Raserei abseits des Asphalts so gut macht.

Die britischen Macher dieser Rennspielserie verwirren nicht selten die Fans: Dirt 3 (2011) und Dirt Showdown (2012) boten Spaßrasen für Vollgasfetischisten. Das knallharte Dirt Rally (2015) dagegen bediente Offroad-Profis. Mit dem nun erschienenen Dirt 4 will Codemasters das Beste aus beiden Welten kombinieren, und zwar parallel auf PC, PlayStation 4 und Xbox One.

Der gewagte Spagat funktioniert prächtig. Denn schon zu Spielbeginn fragt Dirt 4 nach euren Vorlieben: Wollt ihr lieber die "Gamer"- oder die "Simulations"-Spielphysik? Erstere unterstützt euch mit gezähmten Fahrmodell (ganz unabhängig von den genretypischen Fahrhilfen) und kommt damit Einsteigern entgegen. Der "Simulations"-Modus dagegen schenkt euch nichts, was erfahrene Kenner des Vorgängers begrüßen. Damit sind Drifts riskanter und schwieriger zu beherrschen – der eigene Wagen erweist sich als Biest, das gezähmt werden will. Doch egal welchen Modus ihr wählt: Nur mit viel Übung meistert ihr die vier angebotenen Offroad-Disziplinen.

An die Hand genommen

Wie gut, dass euch eine optionale Fahrschule in vielen Lektionen das gekonnte Rasen beibringt. Dank genauer Erklärung erlernt ihr das Anbremsen, Beschleunigen und Schleudern auf rutschigen Untergründen mit verschiedenen Vehikeln. Diese überfällige Neuerung fehlte noch im Vorgänger Dirt Rally.

Auf zufallsgenerierten Rallye-Pisten rast und schlittert ihr hoffentlich zur Bestzeit.Auf zufallsgenerierten Rallye-Pisten rast und schlittert ihr hoffentlich zur Bestzeit.

Gut gerüstet stellt ihr euch der ebenso neuen Rennkarriere. Diese beginnt mit der Königsdisziplin Rallye, wo ihr auf verschiedenen Etappen durch die Prärie rast. Oder besser gesagt durch fünf Regionen: nämlich Australien, Schweden, Wales, Spanien und den amerikanischen Bundesstaat Michigan. Wie gewohnt kämpft ihr dabei mit unbekanntem Streckenverlauf. Folgt deshalb genau den Anweisungen des Beifahrers und den Pfeil-Anzeigen am oberen Bildschirmrand.

Mit genug Preisgeldern gründet ihr ein eigenes Rennteam, bestimmt die Teamfarben für das Auto, stellt Mechaniker ein und sucht nach Sponsoren. Zwischen den Rennen besucht ihr immer wieder eure Werkstatt und repariert den vielleicht beschädigten Wagen, was nicht selten vorkommt. Denn oft riskiert ihr zu viel und rammt einen Baum oder eine Streckenbegrenzung. Umso ärgerlicher, wenn ihr mit demoliertem Fahrwerk oder einem Platten weiterfahren müsst.

Wirklich innovativ wird Dirt 4, wenn ihr euch eigene Veranstaltungen (auch online) erstellt. Dabei bestimmt ihr nicht nur den Ort, das Wetter und die Tageszeit, sondern auch den zufälligen Streckenverlauf auf Knopfdruck. Theoretisch stehen euch somit unendlich viele Pisten zur Verfügung.

Mehr Schotter-Rasereien

Neben modernen Rallye-Wettbewerben tretet ihr auch zu historischen Veranstaltungen an. Dabei nehmt ihr Platz in stilechten Offroad-Oldtimern mit oft zickigem Fahrverhalten. Nur empfehlenswert für erfahrene Piloten.

Auf den höchst rutschigen Untergründen solltet ihr ein gutes Gefühl fürs Gaspedal entwickeln.Auf den höchst rutschigen Untergründen solltet ihr ein gutes Gefühl fürs Gaspedal entwickeln.

Mehr Abwechslung verspricht dagegen die neue Klasse "Landrush". Auf breiten Schotter-Rundkursen in drei Lokalitäten duelliert ihr euch in PS-starken Trucks oder Buggies mit einem großen Fahrerfeld. Die weich gefederten Fahrzeuge sowie Rampen und Staubwolken der Gegner erfordern behutsame Fahrmanöver, damit ihr nicht von der Piste fliegt.

Dank offizieller Lizenz nehmt ihr auch an der Rallycross-Weltmeisterschaft teil. Mit kompakten Rallye-Gefährten geht es in zahlreichen Vorrunden um knappe Überholmanöver und Bestzeiten. Dabei erschwert der wechselnde Bodenbelag von Asphalt bis Schotter das Vorankommen. Die kurzen und knackigen Wettbewerbe erfordern ebenso volle Konzentration.

Schade nur, dass einige Disziplinen der Vorgänger fehlen. In Dirt 4 sucht ihr vergeblich nach Hillclimb-Veranstaltungen am Pikes Peak wie in Dirt Rally. Ebenso fehlen Gymkhana-Drifts aus Dirt 3 und Dirt Showdown. Außerdem ist von der angedachten Unterstützung für PlayStation VR noch nichts zu sehen.

Meinung von Thomas Stuchlik

Dirt 4 ist genau nach meinem Geschmack. Das Rennspiel bietet dasselbe Fahrgefühl wie der von mir geliebte Vorgänger Dirt Rally, offeriert aber weit mehr Inhalte. "Landrush"-Rasereien und Rallycross bringen Farbe ins Rennfahrerleben. Außerdem fesselt das Offroad-Spektakel mit längst überfälligem Karriere-Modus sowie Fahrschule. Letztere sorgt zusammen mit wahlweise vereinfachtem Fahrmodell für Einsteigerfreundlichkeit. Profis dagegen werden auch dank Lenkrad-Unterstützung und Simulationsphysik ordentlich gefordert.

Den meisten Nervenkitzel bringen nach wie vor unübersichtliche Rallye-Etappen, die mich schon im Vorgänger Dirt Rally zum Schwitzen brachten. Die Optik überzeugt auch auf Konsole mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Allerdings wird fürs Auge trotz Zufallspisten, flexiblen Tageszeiten und Wettereffekten zu wenig Abwechslung geboten. Es könnten ruhig mehr Austragungsorte enthalten sein. Dennoch kommt kaum ein echter Rennspieler an diesem Offroad-Meilenstein vorbei.

88 Spieletipps-Award

meint: Feinstes Rallye-Rasen für jedermann: Dirt 4 begeistert mit fordernden Offroad-Ausfahrten, die gleichermaßen Einsteiger wie Profis ansprechen.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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