Diese Geheimtipps von Square Enix verdienen eine Neuauflage

(Special)

von Micky Auer (07. Juni 2017)

Mit Anbruch der Generation PlayStation 4 und Xbox One ergoß sich eine Flut von Neuauflagen und "Remastered"-Versionen älterer Spiele über die mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Konsolen. Böse Zungen behaupten, all diese neu aufgelegten Spiele-Hits aus der Vergangenheit seien lediglich ein Zeichen dafür, dass den Entwicklern die Ideen ausgehen und die Publisher schnelles Geld mit einfachen Umsetzungen machen wollen. Ganz so schwarz und weiß ist die Realität aber nicht.

Einerseits dauert es eine gewisse Zeit, bis sich Entwickler mit der neuen Hardware auseinandergesetzt haben und deren Eigenheiten zur Gestaltung neuer Spielerlebnisse nutzen können. Andererseits muss in dieser Zeit natürlich Profit generiert werden. Denn letzten Endes kann eine Firma nur überleben, wenn sie Umsatz macht. Allein von Liebe zu Spielen, Leidenschaft und dem guten Willen, den Fans endlich ein neues Spiel zu präsentieren, kann keine Firma lange bestehen bleiben.

Und ja: Es gibt sicherlich die eine oder andere schnelle, wenn nicht gar schludrige Umsetzung da draußen. Einfach die Auflösung hochgeprügelt, die Steuerung mehr oder weniger eins zu eins übernommen, "HD" an den Titel geklatscht und fertig ist die Laube. Nicht so bei Square Enix. Die bisher erschienenen Neuauflagen bekannter Spiele zeichnen sich durch viel Sorgfalt und Liebe zum Detail aus. Hier eine Auswahl an neu aufgelegten Spielen aus der japanischen Software-Werkstatt:

Wie ihr seht, handelt es sich dabei vordergründig um klingende Namen. Woran denkt ihr, wenn ihr Square Enix hört? Vermutlich an Final Fantasy und Kingdom Hearts, vielleicht auch noch Hitman und Deus Ex. Dabei gab es zu Zeiten von Super Nintendo und PlayStation (der ersten PlayStation, wohlgemerkt) eine Menge Spiele des japanischen Publishers, die - obwohl nicht schlecht - schon damals teils unter dem Radar durchgeflogen sind. Zwar sind auch dabei einige Produktionen enthalten, die sich durchaus am Markt behaupten konnten, jedoch hat man teils schon lange nichts mehr davon gehört.

Wir sind der Meinung, dass die folgenden Spiele ebenfalls eine Neuauflage oder vielleicht sogar eine Fortsetzung verdient hätten, auch wenn sie nicht zur "Final Fantasy"- oder "Kingdom Hearts"-Familie gehören! Kennt ihr auch noch ältere Spiele von Square Enix, die ihr gerne in neuer Pracht erleben möchtet? Oder zieht ihr gar die nostalgische angehauchte Originalpräsentation vor? Lasst es uns in den Kommentaren wissen! Aber erstmal viel Spaß mit den Geheimtipps, die wir gerne wiedersehen würden! Und Vorsicht: Die folgenden Videos enthalten grobe Polygonfiguren und deutlich sichtbare Pixel. :)

Threads of Fate

Erschienen: 2000 für PlayStation

(Quelle: Youtube, Khalbrae)

Threads of Fate erzählt die Geschichte der Hauptfiguren Rue und Mint, deren Abenteuer ihr unabhängig voneinander spielen könnt. Beide sind auf der Suche nach dem "Dewprism", einem mächten Artefakt, das Wünsche wahr werden lassen kann. Jedoch sind ihre Beweggründe von unterschiedlicher Natur. Die Geschichte von Rue, der mithilfe des Dewprism seine tote Freundin Claire wieder zum Leben erwecken will, ist von eher ruhiger Natur und ernsten Tönen gezeichnet. Mint hingegen ist eine recht aufmüpfige Prinzessin, die ihrer Schwester Maya das Königreich entreißen will. Ihr Handlungsstrang lässt den Humor nicht zu kurz kommen.

Das Spiel basiert als Action-RPG auf einem Echtzeit-Kampfsystem mit zunächst simpel wirkender Mechanik. Im Laufe der Zeit lernden die beiden Helden jedoch neue Angriffs-und Verteidigungsmöglichkeiten. Der Knackpunkt sind Verwandlungen, die für beide Helden unterschiedlich ausfallen und auf diese Weise neue Möglichkeiten ergeben, Hindernisse zu überwinden. Grafisch ist Threads of Fate nicht oberste Sahne, auch nicht für damalige Verhältnisse. Dafür erlebt ihr aber auf der Original-PlayStation selten so flüssige und fehlerfreie Animationen. Die märchenhafte Atmosphäre würde sich mit moderner Grafik gut in der heuten Zeit machen.

Tobal No. 1

Erschienen: 1997 für PlayStation

(Quelle: Youtube, fujlc)

Mit Tobal No. 1 schuf Square Enix ein Prügelspiel, das sich vor allem durch den Umstand von der Konkurrenz abhebt, dass es auf grafischen Bombast komplett verzichtet. Es gibt nicht mal nennenswerte Texturen! Undenkbar, findet ihr? Ja, heutzutage vielleicht. Dennoch hat es Tobal No. 1 geschafft, diese optischen Nachteile durch gekonnte Technik und hervorragendes Design in den Schatten treten zu lassen.

Anstelle von "Hit Explosions" und krachenden Endlos-Kombos im Stile von Tekken setzt Tobal No. 1 auf eine überaus exakte und gut durchdachte Kampfmechanik. Das Repertoire an Angriffen, Würfen und Kontern ist überschaubar, verlangt jedoch präzise Eingaben und gut überlegte Taktiken sowie Kenntnisse der gegnerischen Vorgehensweise. Der Verzicht auf grafischen Schnickschnack resultiert in einer erstaunlich hohen Bildwiederholungsrate (lasst euch von dem Video nicht täuschen), die diese exakte Spielweise unterstützt.

Der Charme der spielbaren Charaktere wiegt die optische Präsentation gekonnt auf. Das ist nicht weiter erstaunlich, stammen die Figuren doch vom "Dragon Ball"-Erfinder Akira Toriyama. Wenn dieser Künstler etwas kann, dann mit wenigen Strichen Figuren mit Charakter erschaffen.

So gut sich die anspruchsvollen Kämpfe auf dem fiktiven Planeten Tobal auch spielen, das Sahnehäubchen auf dem Software-Eis ist der Dungeon Mode, in dem ihr euch über 100 Ebenen bis zum Boss kämpft. Ein Unterfangen, das nur wahre Könner vollbringen werden. Wir geben zu: Uns ist es nicht gelungen.

Tatsäschlich gibt es einen Nachfolger namens Tobal 2, der hat es jedoch niemals über die Grenzen Japans hinaus geschafft. Kommt schon, Square Enix, holt Tobal No. 1 wieder ans Licht der Öffentlichkeit und zeigt uns, wie großartig diese feine Komposition nach heutigen Maßstäben aussehen kann!

Brave Fencer Musashi

Erschienen: 1998 für PlayStation

(Quelle: Youtube, Gabriel)

Brave Fencer Musashi ist ein weiteres Action-RPG von Square Enix, das euch in die Rolle des jungen Schwertkämpfers Musashi versetzt. In einer Parallelwelt soll er das Königreich Allucanet vor den fiesen Machenschaften des Imperiums Thirstquencher (Durstlöscher???) schützen. Dabei sucht er nach fünf Schriftrollen, die die Macht seiner Klinge Lumina erweitern.

Zu den Echtzeitkämpfen in einem bewusst bunt und comichaft gestalteten Grafikstil gesellen sich Rollenspielelemente wie Tag- und Nacht-Wechsel, Konversationen mit Bewohnern von Allucanet sowie kleinere Rätsel und Minispiele. Im Kampf setzt Musashi nicht nur auf Lumina, sondern nutzt auch eine zweite Klinge namens Fusion. Schnelle Kombos und das Absorbieren gegnerischer Energie, mit der ihr wiederum selbst magische Angriffe starten könnt, resultieren in einem abwechslungsreichen Geflecht gut durchdachter Abläufe, die bis zum Finale des Spiels ständig erweitert werden.

Brave Fencer Musashi hat tatsächlich einen Nachfolger für die PlayStation 2 erhalten, nämlich Musashi - Samurai Legend. An sich kein schlechtes Spiel, doch konnte es nicht an die Qualitäten des Originals heranreichen. Die leider etwas kurz geratene, kunterbunte Mischung aus Action, Magie und hübscher Grafik schreit regelrecht nach einer Neuauflage mit ordentlicher Erzählung und größerem Umfang. Musahi, der mutige Held mit der zackigen Frisur, hätte es auf jeden Fall verdient.

Front Mission

Erschienen: 1995 für SNES

(Quelle: Youtube, glowinthedarkness)

Um gleich jeglicher Verwirrung vorzubeugen: Es gibt bereits drei Neuauflagen von Front Mission, nämlich von 2002 für WonderSwan Color, 2003 für PlayStation und unter dem Namen Front Mission 1st für Nintendo DS aus dem Jahr 2007. Außer der DS-Version hat es aber keine dieser Neuauflagen des SNES-Originals über die Landesgrenzen von Japan hinaus geschafft. Und ganz ehrlich: Wir wollen mehr. Viel mehr.

Die Reihe hat mehrere Nachfolger erhalten, keiner davon konnte so richtig überzeugen (außer vielleicht Front Mission 3). Mit den Jahren ist die rundenbasierte Taktik-Schlacht, die euch ins Cockpit standesgemäßer Kampf-Mechs versetzt, immer weiter verwässert worden. Die futuristische Materialschlacht in ihrer ursprünglichen Form, jedoch versehen mit moderner Grafik, könnte auch heute noch Aufsehen erregen.

Ein Grund dafür ist, dass sich Front Mission trotz des schon beinahe stereotypen Mech-Rahmens deutlich von Genre-Kollegen abhebt. Denkt ihr an Mechs und Japan, kommen euch vermutlich elegante, pfeilschnelle Super-Mechs, gerne versehen mit übernatürlichen Fähigkeiten und vollkommen übertriebenen Waffensystemen in den Sinn. Front Mission hingegen ist da wesentlich bodenständiger.

Eure Mechs sind schwere Kampfmaschinen, die eher Panzern gleichen als behenden Fluggeräten mit filigran anmutender Waffentechnik. Entsprechend dem Grundkonzept der rundenbasierten Taktik ist das auch sinnvoll. Jeder Zug will wohl überlegt sein, jede Handlung hat direkte Konsequenzen. Nahkampf, Fernkampf, die gelegentliche Strahlenwaffe und begrenzte Munition für besonders starke Waffensysteme bilden ein wohltuend abgerundetes Taktik-Erlebnis in stimmungsvoller Zukunftskulisse. Square Enix hat sich einen Namen für tolle Grafik gemacht. Warum nicht auch das funktionierende Grundgerüst von Front Mission damit versehen?

Weiter mit: Secret of Mana, Parasite Eve, Bushido Blade, Vagrant Story

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Tags: Retro   Fantasy  

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