Dynasty Warriors: Warum spielt man das eigentlich?

(Special)

von Micky Auer (10. Juni 2017)

"WTF? Das war, glaub ich, mein allergrößter Fehlkauf für die PS2. Nie wieder habe ich 120 Mark so hinterhergetrauert."

So lautet die Antwort eines Kollegen auf meine Aussage hin, dass ich gerade die schon beinahe antik anmutende Massenschlacht Dynasty Warriors 2 auf der PlayStation 2 spiele. (Ja, ich spiele auch heute noch auf der PS2.) So oder so ähnlich wurde das Thema "Dynasty Warriors" im Laufe der Jahre immer wieder kommentiert, ganze egal, in welcher Gruppe das Stichwort aufkam. Der Tenor lautet stets: Nur draufkloppen, wiederholt sich, eintönig, lahme Umgebung.

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Tatsächlich könnte ich in Bezug auf den zweiten Teil noch draufsetzen: Schlechte deutsche Übersetzung und Synchro auf hohem Persiflage-Niveau. Denn nichts zerstört eine Atmosphäre gründlicher als ein Sprecher mit süddeutschem oder österreichischem Akzent, der die Rolle eines chinesischen Feldherrn übernimmt, der gerade seine Truppen anfeuert. (Bitte nicht böse sein, liebe Österreicher. Ich bin selbst einer.)

Nun, das ist die eine Seite. Wenn das alles zutrifft, warum spielt man das überhaupt? Und warum gibt es dann mittlerweile acht Teile der Hauptreihe (ein neunter Teil ist bereits angekündigt) und zahllose Spin-Offs? Und warum wird die bekannte Formel auf teure Lizenzen wie zum Beispiel The Legend of Zelda und One Piece angewendet?

Die Antwort auf diese Fragen liegt im Detail, und das versteckt sich auf den ersten Blick erstaunlich gut. Klar, es ist ein subjektiver Eindruck, der hier wiedergegeben wird. Das macht ihn aber nicht weniger real. Der Erfolg der langlebigen Spielereihe spricht auch für sich und lässt darauf schließen, dass es da draußen zahlreiche Spieler gibt, die dieses Detail auch für sich entdeckt haben. Gehen wir also auf die Suche.

Wie lautet eigentlich diese "Formel"?

Das allererste Dynasty Warriors kam für die originale PlayStation auf den Markt und hat in Sachen Spielmechanik rein gar nichts mehr mit den bekannteren Teilen der Reihe gemein. Es handelt sich um ein astreines "1 vs 1"-Prügelspiel im Stile von Street Fighter. Die Kampfmechanik reiht sich irgendwo zwischen Tekken und Virtua Fighter ein. Sprich: Euch wird ein Mix aus Kombo-Attacken, Spezialangriffen mit sanfter Joypad-Akrobatik und ein paar einfachen Griffen und Würfen geboten. Als Kämpfer agieren schillernde Figuren aus der chinesischen Geschichte, vornehmlich Kriegsherren, Generäle und Könige. Technisch präsentiert sich die Prügelei durchaus sauber und bietet ein solides Spielerlebnis. Die "Formel" findet hier aber noch keine Verwendung.

Erst mit Teil 2 wird das für die Reihe typische Spielprinzip etabliert: Einer gegen Tausend in großen, offenen Arealen.Erst mit Teil 2 wird das für die Reihe typische Spielprinzip etabliert: Einer gegen Tausend in großen, offenen Arealen.

Erst ab dem zweiten Teil, dem oben erwähnten Dynasty Warriors 2 für die PS2 verlagert sich das Geschehen von kleinen Duell-Arenen auf große Schauplätze historischer Schlachten, die ihr zu Fuß und hoch zu Ross bereist. Bevölkert werden diese Areale von ganzen Hundertschaften gegnerischer und alliierter Truppen. Ganz klar: Der Publisher Koei (heute: Koei-Tecmo) wollte zeigen, was die damals brandneue Sony-Hardware unter der Haube hat. Das gelingt auf durchaus eindrucksvolle Weise. Ohne Stottern und umfangreiche Ladezeiten hackt und schneidet ihr euch durch die Gegner, kappt Versorgungslinien und besiegt gegnerische Generäle.

Solche "wichtigen" Gegner lassen Upgrades fallen, die bei deren Aufnahme die Statuswerte eurer Spielfigur dauerhaft erweitern. Generische Gegner lassen gerne mal Power-Ups verschiedener Natur zurück, die jedoch nur für eine kurzzeitige Verstärkung oder Heilung sorgen. Fünf, teils je nach Spielfigur wechselnde, Szenarien durchpflügt ihr mit simplen Kombinationen aus leichten und schweren Angriffen, sowie einem besonders starken Spezialangriff, für den ihr erst durch kontinuierliches Austeilen und Einstecken eine eigene Energielieste füllt. Abwehren könnt ihr auch, Pfeil und Bogen holen berittene Gegner vom Gaul, die Auswahl der spielbaren Charaktere ist umfangreich, deren Gestaltung ist farbenfroh und detailliert. Begleitet werdet ihr von Leibwächtern, die je nach der Anzahl von euch besiegten Gegner ebenfalls von Kampf zu Kampf stärker werden.

Das ist das Grundgerüst, die "Formel", auf der alle weiteren Spiele der Reihe aufbauen. Klingt doch gar nicht so verkehrt, oder? Dennoch tauchen die oben genannten Kritikpunkte immer wieder auf. Woran liegt das?

Eine Frage der Technik

Ich hab mich mal durch einige Erinnerungen im Freundes- und Bekanntenkreis gefragt. Dabei hat sich herausgestellt, dass tatsächlich die meisten Befragten an Dynasty Warriors 2 denken. Hinzu kommt, dass sich viele entweder über- oder unterfordert fühlten.

Mit den technischen Hürden einer PS2 muss sich heute kein Entwickler mehr auseinandersetzen. Das zeigt ein kurzer Vorgeschmack auf Dynasty Warriors 9.Mit den technischen Hürden einer PS2 muss sich heute kein Entwickler mehr auseinandersetzen. Das zeigt ein kurzer Vorgeschmack auf Dynasty Warriors 9.

Das liegt vermutlich an den unsausgewogenen Schwierigkeitsgraden. Denn auf "leicht" bieten die Gegner fast keinen Widerstand, nur ein Grad höher jedoch macht Dynasty Warriors 2 zum knallharten Überlebenskampf, der als "Hau-drauf-und-Schluss"-Spiel nicht mehr funktioniert. Da kommen dann die Feinheiten der Steuerung zum Tragen, mit denen sich die wenigsten Spieler auseinandersetzen wollen.

Hier ist Feingefühl gefragt, denn das Spiel bietet durchaus alle Werkzeuge, die ihr braucht, um jeden Kampf spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Wie viel Schaden steckt die Figur ein? Welcher Angriff ist für einzelne Angreifer, welcher für größere Gegnergruppen geeignet? Wann kann ich einen schweren Angriff unterbrechen? Ist meine Flanke frei? Wie schnell kann ich einem Verbündeten zu Hilfe eilen? Zuerst die Versorgungslinien unterbrechen oder den General besiegen? Wo krieg ich Heilung her? Wo ist der Speicherpunkt versteckt? Spare ich den Spezialangriff auf oder nutze ich ihn für einen Pfeilhagel gegen den Zwischenboss?

Was auf den ersten Blick als recht dürres Skelett an Möglichkeiten erscheint, wird bei genauerer Betrachtung zu einem stimmigen Mix, der jedoch - wie erwähnt - auf zu einfacher Schwierigkeit schnell monoton wird, auf höherer hingegen eine mitunter zu große Herausforderung darstellt.

Die karge Präsentation der Hintergründe ist schlicht und ergreifend eine Frage der Technik. Einfach gehaltene Feld- und Bergszenarien mit wenig detailreichen Texturen sind dem Umstand geschuldet, dass sich eben auf diesen Schauplätzen tierisch viel tut. Ein befreundeter Programmierer beschreibt das Verhalten der KI-gesteuerten Truppen als "vorbildlich umgesetzte Programmierarbeit". Ich persönlich wage nicht, das zu beurteilen. Bei Licht betrachtet zeigen sich mir als Spieler jedoch zwei Dinge. Zum einen ist es schon beeindruckend, wie viel sich da auf einer so alten Hardware wie der PS2 tut, noch dazu in koordinierter und reaktiver Form. Zum anderen muss ich sagen, dass sich die "Intelligenz" stark in Grenzen hält. Das größte Problem sind mitunter nicht die Gegner, sondern eure Verbündeten! Nicht selten kommt es vor, dass ihr in einem spannenden Duell mit einem Boss in eurem gut geplanten Angriff unterbrochen werdet, weil ein freundlich gesonnener General auf seinem blöden Gaul einfach dazwischenreitet!

Der Schnitzer bezüglich der Schwierigkeit ist für die meisten der Befragten der Hauptgrund dafür, dass sie sich von der Serie abgewendet haben und genau diese eine Erinnerung seit Jahren mit sich tragen. Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Hat sich im Spieldesign seitdem etwas geändert?

Weiter mit: Darum sollte man Dynasty Warriors spielen!

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Tags: Singleplayer   Anime   Retro  

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