Vorschau Assassin's Creed - Origins: Das müsst ihr über den nächsten Teil der Saga wissen

von Micky Auer (12. Juni 2017)

Assassin's Creed ist wieder da! Nach zweijähriger Pause soll mit Assassin's Creed - Origins der Serie neues, kreatives Leben eingehaucht werden. Schauplatz der Handlung ist diesmal das alte Ägypten.

Heute, am Montag, den 12. Juni ab 22 Uhr MEZ geht im Zuge der Spielemesse E3 2017 der Publisher Ubisoft mit seiner Pressekonferenz an den Start. Im Vorfeld gab es schon einen beeindruckenden Trailer zu einem der heißesten Eisen in der Schmiede von Ubisoft, nämlich dem lange erwarteten Assassin's Creed - Origins (vormals unter dem Projektnamen "Empire" bekannt).

Anstatt an der jährlichen Veröffentlichung eines neuen Teils der Reihe festzuhalten, haben die Verantwortlichen bei Ubisoft selbst eingesehen, dass dieses Vorgehen für die Qualität der stets hochwertig produzierten Spiele nicht zuträglich ist. Nach dem bislang jüngsten Teil, dem stark viktorianisch angehauchten Assassin's Creed - Syndicate, wurde auch in der letzten Fan-Ecke klar, dass aus der grundlegenden Formel mittlerweile etwas die Luft raus ist.

Kurzerhand wurde beschlossen, die Serie in den Urlaub zu schicken und in der Zwischenzeit neue Ideen zu finden und auch umzusetzen. Vergesst bloß eines nicht: Ubisoft macht das nicht in erster Linie deshalb, weil der Firma am Herzen liegt, dass ihr umwerfende Abenteuer erleben könnt, sondern weil die Verkaufszahlen der aufwändig produzierten Spiele nicht mehr den getätigten Investitionen entsprechen. Ob so oder so: Solange am Ende dabei ein Spiel herauskommt, das euch den Atem verschlägt, ist diese Vorgehensweise nur zu unterstützen.

Mit Origins will Ubisoft nun das Ruder wieder herumreißen und der altgedienten Assassinen-Gilde einen zeitgemäßen Anstrich verpassen. Erste Eindrücke dazu hat der Publisher bereits in einen gelungenen Trailer verpackt. Ebenso gab es bereits erste Spielszenen zum kommenden Assassinen-Spektakel zu sehen. Wir fassen die wichtigsten Eindrücke für euch zusammen.

Der Bildschirm ist aufgeräumter

Origins erzählt die Anfänge der Geschichte der Bruderschaft der Assassinen und entführt euch daher - wie Serienkenner sicher wissen - ins antike Ägypten. Grafisch sind alle Spiele der Reihe in der oberen Klasse angesiedelt, jedoch zeigt Origins in bewegten Bildern nun grafisch und gestalterisch das, was Ubisoft seit Assassin's Creed - Unity verspricht.

Was besonders auffällt: Die detaillierten und stimmungsvollen Eindrücke werden nicht durch störende Bildschirmelemente überlagert. Das UI (User Interface) wirkt aufgeräumt, übersichtlich und trübt den Gesamteindruck nicht durch deplatzierte Symbole und Steuerelemente.

Auch Gegner, die durch Anwendung der speziellen Assassinen-Fähigkeiten hervorgehoben werden, sind nun deutlicher in die Umgebungsgeometrie integriert. Ein schwacher Schein am Bildschirmrand gibt euch zum Beispiel die ungefähre Richtung an, in der sich ein bestimmtes Ziel befindet. Das mittlere Drittel des oberen Bildschirmrandes nimmt eine Leiste ein, die wichtige Ziele nach Himmelsrichtungen anzeigt (ähnlich wie in The Elder Scrolls 5 - Skyrim).

Dieser Eindruck macht sich auch in den Menüs bemerkbar. Eine zeitgemäße Kacheloptik lässt euch die wichtigsten Punkte einfach und übersichtlich erreichen. Vorbei sind dann wohl die Zeiten von verschachtelten Menüs in Untermenüs, in Unteruntermenüs, in Unterunteruntermenüs und so weiter ...

Mehr Abwechslung, stärkere RPG-Elemente

Die virtuellen Schauplätze von Assassin's Creed zeichnen sich seit jeher durch große, offene Welten aus. Jedoch waren diese in der Vergangenheit meist auf eine Stadt beschränkt (mit Ausnahme der ersten beiden Teile und den Amerika-Episoden). Sei es London, Paris, Rom oder Konstantinopel: Die Städte sind umwerfend inszeniert, jedoch ist es schwer, in nur einem großen Stadtszenario für entsprechend Abwechslung zu sorgen.

Auch abseits großer Städte verspricht Origins abwechslungsreiche Schauplätze.Auch abseits großer Städte verspricht Origins abwechslungsreiche Schauplätze.

Aus dem Trailer lässt sich ableiten, dass Origins nun wesentlich mehr unterschiedliche Schauplätze bieten wird. Frühen Kritiken, von wegen in Ägypten seien nur vordergründig eintönige Wüstenszenarien möglich, bietet Ubisoft mit einer Palette an unterschiedlichen Schauplätzen die Stirn. Häfen, die großen Pyramiden, belebte Städte, bunte Märkte, grüne Oasen, kleinere Dörfer abseits der großen Städte ... Origins zeichnet ein überaus farbenfrohes und belebtes Bild der ägyptischen Antike.

Wie es mit der Implementierung von erweiterten Rollenspielelementen aussieht, ist noch nicht bestätigt. Das oben erwähnte aufgeräumte Menü zeigt aber, dass stärker werdende Waffen, Schilde und Rüstungsteile in den Vordergrund treten. Damit wurde bereits in älteren Serienteilen experimentiert, jedoch wirkte das System teilweise recht unübersichtlich und nicht zu Ende gedacht. Die große Hoffnung bleibt bestehen, dass ein guter Teil der Pausenzeit auch dafür genutzt wurde, diese immens wichtigen Systeme sinnvoll in die Spielmechanik zu integrieren.

Zur Abwechslung trägt auch die Tierwelt im Spiel bei. Zur Fortbewegung dient euch zum Beispiel wieder ein Pferd, ein Raubvogel kundschaftet für euch die Umgebung von oben aus (eine der wichtigsten Neuerungen). Zudem soll es im fertigen Spiel eine reichhaltige Darstellung der Fauna Ägyptens geben, von wilden Raubkatzen bis zu Flußpferden. Und lasst euch nicht täuschen: So behäbig ein Flußpferd wirken mag, ihr solltet euch keinesfalls mit einem anlegen. Vermutlich werdet ihr im Spiel in Situationen kommen, in denen eine Konfrontation mit einem Hippopotamus amphibius unausweichlich ist.

Kampf und Kletterei

Die gesamte Kampfmechanik scheint auf den ersten Blick einen großen Schritt in Richtung Bloodborne gemacht zu haben. Anstatt abzuwarten, einen Angriff zu kontern oder stumpf auf den Gegner einzudreschen, wirkt das Geschehen im Kampf nun wesentlich dynamischer und stellt euch auch eine sinnvolle Ausweich-Mechanik zur Verfügung. Die gab es zwar auch schon in älteren Teilen, aber seien wir uns ehrlich: Das plumpe Rumgehoppse hat nicht unbedingt zu einem actiongeladenen Kampf beigetragen.

Eine dynamischere Ausweichmechanik bereichert die gewohnt brutalen Kämpfe.Eine dynamischere Ausweichmechanik bereichert die gewohnt brutalen Kämpfe.

Neben unterschiedlichen Nahkampfwaffen stehen euch auch Pfeil und Bogen zur Verfügung. Ein schneller Wechsel zwischen Nah- und Fernkampf scheint nun auch endlich zu funktionieren. Wenn die Szenen im Gameplay-Video der Realität entsprechen und nicht geschönt sind, könnt ihr zum Beispiel fliehende Feinde innerhalb einer Sekunde per Pfeil und Bogen aufs Korn nehmen und eliminieren. Die Umsetzung eines solchen Ablaufes erfordert eine entsprechende Reaktion der Spiel-KI auf die gerade stattfindenden Umstände. Diesen schmalen Grad zwischen spielerischer Unterstützung und zu sehr automatisiert wirkender Atkionen zu beschreiten, ist für die Entwickler ein Risiko. Sollte dies jedoch gut umgesetzt sein, gewinnt die Reihe auf jeden Fall durch diesen Neuzugang.

Das gilt euch für den Einsatz von Schusswaffen im Sprung. Dabei schaltet das Spiel in eine Zeitlupe, die euch für einen kurzen Moment die Möglichkeit gibt, selbst im Sprung von einem Baum mit dem Bogen punktgenau zu zielen. Das sieht nicht nur endlos cool aus, sondern verstärkt auch das Gefühl, dass ihr in der Rolle eines Assassinen der Antike voll und ganz aufgehen dürft.

Auch hoch zu Ross seid ihr nicht wehrlos und könnt eure Verfolger per Pfeil und Bogen ausschalten.Auch hoch zu Ross seid ihr nicht wehrlos und könnt eure Verfolger per Pfeil und Bogen ausschalten.

Gänzlich offen ist zu diesem Zeitpunkt noch die Klettermechanik. Die Animationen sehen zwar griffig aus, wie es sich jedoch anfühlt, über Bäume, Wände und Dächer zu turnen, kann erst bei einem Probespiel genau erörtert werden. Speziell in Sachen Kletterei hat sich da glücklicherweise im Laufe der Zeit vieles zum Besseren verändert, jedoch gibt es selbst in Syndicate noch Ecken und Kanten, die in der Steuerung dringend abgeschliffen werden müssen. Das überladene Kontroll-Schema von Assassin's Creed ist definitiv nichts für Neueinsteiger.

Das gilt auch für die Schleicheinlagen. Wie oft haben Spieler den Impuls unterdrückt, ein Stück aus dem Datenträger zu beißen, wenn ohne ersichtlichen Grund eine Schleicheinlage mal wieder komplett in die Hose ging? Ein Spiel, dass einen Stealth-Spielstil anbietet, sollte diesen auch entsprechend unterstützen. Die Mechanik für heimlich agierende Spieler ließ aber stets viel zu viele Wünsche offen. Hoffentlich erlebt die Serie im Rahmen der zahlreichen Neuerungen auch dahingehend eine Verbesserung. Mehr davon gibt es voraussichtlich heute ab 22 Uhr auf der E3-Pressekonferenz von Ubisoft.

Meinung von Micky Auer

Ich bin erst zum Erscheinen von Assassin's Creed 2 in die Reihe eingestiegen. Zu nebulös fand ich zuvor das Konzept und die Grundidee. Bevor ich den zweiten Teil gespielt habe, habe ich mir zuvor das Originalspiel gekrallt ... und war etwas enttäuscht. Zu viel hat sich wiederholt, zu eintönig war mir im Endeffekt das gesamte Abenteuer. Dennoch habe ich Teil 2 eine Chance gegeben und bin seitdem treuer Anhänger der Reihe.

Doch selbst als Fan musste ich mir eingestehen, dass die AC-Formel über die Jahre hinweg an Materialermüdung litt. Es reicht halt nicht, die ewig gleichen Abläufe in eine neue historische Epoche zu verpacken und die Grafik entsprechend anzupassen - so hübsch sie auch anzusehen ist. Auch fehlte mir nach dem Ende der Geschichte von Desmond Miles ein Anker in der Gegenwart. Zu flach fand ich die kurzen Episoden mit einem gesichtslosen Angestellten von Abstergo Entertainment, die die Animus-Kapitel miteinander verknüpfen sollten. Ich würde gerne wieder einen Protagonisten in unserer Zeit sehen, dessen Geschichte sich über mehrere Teile hinweg spannt und für Überraschungen sorgt. Die Hoffnung darauf gebe ich noch nicht auf.

Was bisher an Video- und Gameplay-Material zu sehen war, sieht allerdings nach einer auf Hochglanz polierten, liebevoll gestalteten virtuellen Welt aus, die mit Verschwörungen, mystischen Artefakten und spannenden Szenarien nicht geizt. Auch hier hoffe ich, dass diese Videos nicht einfach nur für die Öffentlichkeit geschöntes Material sind, sondern tatsächlich einen Ablauf zeigen, wie ihr ihn selbst im Spiel erleben könnt.

Und noch ein persönlicher Wunsch: Bitte, liebe Leute bei Ubisoft, verpatzt euch nicht die Rückkehr von Assassin's Creed mit einer Wagenladung voll Sondereditionen mit jeweils unterschiedlichen Inhalten ("nur bei Händler XY", "nur für Vorbesteller", "nur in der Supersexyepic Edition" und so weiter). Zurückhaltung in Sachen Mikrotransaktionen und Companion Apps würde ich auch sehr zu schätzen wissen. Und wenn ich in einer Pressemitteilung die Worte "episch" oder "ikonisch" lesen muss, krieg ich einen lange anhaltenden Schreikrampf. Bitte nicht. Assassin's Creed hat es verdient, einfach das zu sein, was es sein will: Ein tolles Spiel mit wunderschöner Grafik und einer spannenden Geschichte.

Tags: E3 2017   Singleplayer   Open World  

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