Sonys E3-Pressekonferenz: "Die Zukunft ist jetzt"

(Kolumne)

von Micky Auer (14. Juni 2017)

Ein kleiner Blick zurück: Auf der E3 2013 hat Sonys größter Konkurrent Microsoft sich mit der Präsentation der Xbox One keinen großen Gefallen getan. Mit Ankündigungen wie: "Die Xbox One muss immer online sein", hat sich Microsoft die Gunst potenzieller Käufer deutlich verscherzt. Dass Kinect zwingend erforderlich sei, dass das Teilen von Spielen mit großen Hindernissen verbunden ist und ein Preisschild, das 100 Euro über der Konkurrenz liegt, fanden auch nur die wenigsten gut. Als Don Mattrick, der damalige Chef von Microsofts Interactive Entertainment Business dann auch noch in einem Interview verlautet: "Wer nicht immer online sein kann, für den haben wir auch ein Produkt. Und das heißt Xbox 360", ist die missglückte Produkt-Präsentation quasi eine Steilvorlage für Sony.

In der folgenden Sony-Pressekonferenz präsentiert sich der japanische Konzern als Ritter in strahlender Rüstung und macht in der Vorstellung der PlayStation 4 einfach mal alles genau andersrum als Microsoft. Ob Sony selbst ursprünglich eine ähnliche Strategie wie die Konkurrenz geplant hat, bleibt unklar. Es kann durchaus sein, dass die Japaner kurzfristig beschlossen haben, aufgrund der Reaktionen zur Microsoft-Präsentation zu Plan B zu wechseln. Im Laufe der nächsten Monate rudert Microsoft zwar in vielerlei Hinsicht zurück, jedoch war der Schaden bereits angerichtet, Sony und die PlayStation 4 erobern den Markt.

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Aber all das ist bereits vier Jahre her.

2017 hat Microsoft ein Ass im Ärmel, das Sony nicht auf der gleichen Ebene übertrumpfen kann. Mit der Xbox One X stellt der amerikanische Konzern ein Upgrade der aktuellen Xbox One vor, das fortan gegen die PlayStation 4 Pro von Sony bestehen muss. Diese Karte hat Sony jedoch bereits im Vorjahr ausgespielt. Was bleibt also übrig?

Shawn Layden, Chef von Sony Interactive Entertainment America, beschließt im Zuge der Pressekonferenz von den sonst üblichen "Personality Shows" abzuweichen. Nur zwei kurze Auftritte gönnt er sich. Ganz ungewohnt steht nun die Sony-PK nicht im Zeichen von Entwicklerpersönlichkeiten, die live auf der Bühne ihre neuesten Kreationen in stark choreografierter Form vorstellen. Show-Effekte gab es dennoch, jedoch hat sich Sony bemüht, das in den Mittelpunkt zu stellen, worum es den zahlenden Kunden wirklich geht: Die Spiele.

Das Line-Up für die Marke PlayStation besteht auf der E3 2017 im Kern aus opulent aufgemachten, erzählerisch inhaltsstarken Spielen. Trotz aller Action stehen in dieser Linie auch God of War, Uncharted - Lost Legacy und Frozen Wilds, eine Erweiterung zu Horizon - Zero Dawn, an vorderster Front Spalier. Hat Sony auch dieses Jahr wieder genau das Gegenteil von dem gemacht, was Microsoft tat? Schließlich hat Xbox Chef Phil Spencer erst Ende April verkündet, dass er storylastige Spiele als überholt ansieht.

Einer der Höhepunkte im Line-Up von Sony: God of War.Einer der Höhepunkte im Line-Up von Sony: God of War.

Der Feind meines Feindes? Nicht ganz. Aufwändig produzierte Inhalte, gut designte Spiele und technische Perfektion sind genau die Punkte, auf die sich Sony jetzt stützen muss, wenn die Vormachtstellung gehalten werden soll. Laydens markiger Kampagnenspruch in diesem Jahr: "The future is now." - Die Zukunft ist jetzt. Wenngleich viele der größeren Spiele wohl erst 2018 erscheinen werden. Gemeint ist damit wohl eher, dass Sony jetzt die Zukunft sichern muss, um nicht von eventuell stärkerer Technik überholt zu werden. Noch eine neue Konsole nachzuschieben würde dazu führen, den eigenen Markt zu spalten und Besitzer älterer Technik langsam aber sicher auszusperren. Viele Konsolenspieler ziehen gerade deswegen ihre Konsole einem PC vor, weil sie sich nicht mit ständigen technischen Erweiterungen auseinandersetzen wollen.

Insgesamt bleibt nach der Sony-PK ein Eindruck zurück, der sich als durchaus stark und stabil beschreiben lässt. Es gab keine großen "Ahs" und "Ohs", der Show-Effekt der großen Bühne konnte diesen Umstand auch nicht überdecken. Was bleibt ist eine solide Auflistung höchst interessanter interaktiver Unterhaltung, die im vierten Lebensjahr einer Konsole durchaus ansehnlich und standesgemäß ist.

Als Spieler sollte man sich darüber freuen, wenngleich es natürlich aus manch einer Ecke Unkenrufe gibt, die aber meist ohnehin von niemals zufriedenen Zeitgenossen ausgestoßen werden. Ob sich das diesjährige, weniger persönlichkeitsorientierte Konzept von Sony auf der E3 auch weiterhin gegen die Konkurrenz behaupten kann, wird die Zukunft zeigen. Auch wenn sie angeblich schon jetzt angebrochen ist.

Tags: E3 2017   Pressekonferenzen  

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