Vorschau Metal Gear Survive: Wir haben es angespielt

von Micky Auer (16. Juni 2017)

Es ist schon eine Weile her, seit Metal Gear Survive ein Lebenszeichen von sich gegeben hat. Im Zuge der E3 2017 hatten wir endlich Gelegenheit, selbst Hand an den Nachfolger einer der bekanntesten Spieleserien unserer Zeit zu legen.

Bereits im August 2016 kündigte der japanische Publisher Konami im Rahmen der gamescom Metal Gear Survive an. Das war durchaus eine Überraschung, denn der große Name hinter der Marke "Metal Gear" hatte schon im Vorfeld nichts mehr mit Konami zu tun. Die Rede ist natürlich von Hideo Kojima. Zwischen dem bekannten Entwickler und seinem ehemaligen Arbeitgeber Konami herrscht seit geraumer Zeit böses Blut.

Nun sollte es Fans der Reihe umso mehr freuen, dass die "Metal Gear"-Abenteuer auch ohne Kojima weitergeführt werden. Jedoch wurde die erste Ankündigung seitens der Fans mit - sagen wir mal - "wenig Enthusiasmus" aufgenommen. Das lag nicht nur daran, dass der Name "Hideo Kojima", der untrennbar mit der Serie verbunden ist, nun plötzlich keine Rolle mehr spielen sollte, sondern auch daran, dass Konami sich dazu entschieden hat, das Allheilmittel der Videospielbranche in Metal Gear einzuführen: Zombies.

Geschichtlich direkt nach Metal Gear Solid - Ground Zeroes angesetzt, verschlägt es die Überlebenden der Organisation Militairs San Frontières per Wurmloch in eine andere Dimension. Dort müssen sie sich gegen Kristall-Zombies zur Wehr setzen. Die Transformation von einem relativ realitätsnahem Szenario zu einem kooperativen Zombie-Shooter hat den wenigsten geschmeckt. Seitdem ist aber beinahe ein Jahr vergangen. Jetzt durften wir selbst im Zuge der E3 in Los Angeles den Status quo ausprobieren und tatsächlich selbst erfahren, wie sich Metal Gear Survive im aktuellen Entwicklungsstadium macht. Eine Veröffentlichung ist für Frühjahr 2018 für PC, PS4 und Xbox One anvisiert.

Aufgabenstellung und Bewaffnung

Wenn Metal Gear Survive irgendwann das Licht der Spielewelt erblickt, soll es über eine Einzelspielerkampagne und einen Mehrspieler-Modus für bis zu vier Spieler verfügen. Was euch als Solo-Soldat genau erwartet, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Der Kern des Spiels fokussiert sich aber ohnehin auf den Mehrspieler-Modus. Dieser ähnelt im Grunde einem klassischen Horde-Modus mit Crafting-Aspekten.

Vorsicht! Neben den Standardgegnern versuchen euch auch diese massigen Geschöpfe zu überrennen.Vorsicht! Neben den Standardgegnern versuchen euch auch diese massigen Geschöpfe zu überrennen.

Was auffällt: Es gibt in der angespielten Version keine typischen Klassen. Eure Helden könnt ihr euch aus einer Vielzahl von Attributen selbst zusammenbasteln und entsprechend eurem Spielstil anpassen. Aufgrund der Kürze des Anspieltermins haben wir auf vorgefertigte Charaktere zurückgegriffen. Daher ist noch nicht in vollem Umfang abzusehen, wie komplex dieses System im Endeffekt ausfällt.

Die Mission: Vier Spieler müssen im Koop einen Energiegenerator vor den Kristall-Zombies beschützen. Die Umgebung erinnert dabei mit ihrer kargen Steppenlandschaft, die von vereinzelten Ruinen durchsetzt ist, ein wenig an die Wüstenlandschaft, die ihr aus Metal Gear Solid 5 - The Phantom Pain kennt. Besagter Generator steht inmitten einer Ansammlung von Baracken, einer Lagerhalle, desolaten Mauerstücken und ähnlichen Kulissen. Die bieten zwar ein wenig Schutz, jedoch keinen durchgehend geschlossenen Schutzwall. Auf Mauern und Türme könnt ihr auch klettern, um den Höhenvorteil zu nutzen beziehungsweise euch einen guten Überblick zu verschaffen.

Diesen Trailer gab es im Zuge der Tokyo Games Show 2016 zu sehen.

Die Bewaffnung: Jedem Helden stehen drei verschiedene Primärwaffen zur Verfügung. Darunter Klassiker wie eine durchschlagkräftige Schrotflinte, ein Bogen mit regulären und explodierenden Pfeilen, Maschinengewehr und Scharfschützengewehr. Mit "Steuerkreuz oben" sind diese auswählbar. Die Nahkampfwaffen, wie eine Axt oder ein Elektroschokstab, sind Teil der Primärwaffen. "Steuerkreuz unten" hingegen rüstet eure Sekundärwaffe aus. In dieser Riege findet ihr zum Beispiel eine Pistole und eine Art Steinschleuder. Letztere dient aber weniger zum Angriff als vielmehr dazu, Feinde anzulocken. Eine eher taktische Variante der Bewaffnung.

Das Steuerkreuz hat aber noch mehr Funktionen. "Steuerkreuz links" zum Beispiel: Dadurch könnt ihr vier verschiedene Verteidigungsanlagen frei in der Umgebung platzieren. In unserem Fall haben wir es mit einem Gitterzaun, Stacheldraht, einer Mauer aus Sandsäcken und einer Selbstschussanlage versucht. Letztere hat allerdings nicht den ewarteten Komfort-Effekt, sie schubst die Gegner lediglich um, so dass sie kurz hilflos am Boden liegen bleiben.

Und letzten Endes "Steuerkreuz rechts": Damit nutzt ihr Granaten, Mienen, einen Mörser und die Ballonfalle, die ihr bereits aus früheren "Metal Gear"-Abenteuer kennen dürftet.

So spielt sich die Mission

Zunächst mussten wir uns bis zum Generator heranschleichen. Das war auch schon der einzige Part, der entfernt was mit Stealth zu tun hatte, da sich hierbei die vereinzelt herumstreunenden Zombies auch entprechend leise aus dem Weg räumen ließen. Sobald jedoch der Generator aktiviert ist, zieht die Geschwindigkeit merklich an. Es bleiben nur wenige Momente, um die "Festung" mit Verteidigungssystemen etwas besser zu sichern, bis die erste Zombie-Welle anrollt.

Ha! Nehmt dies, Zombie-Abschaum! Mit den Walkern lassen sich liegende Feinde einfach überrennen.Ha! Nehmt dies, Zombie-Abschaum! Mit den Walkern lassen sich liegende Feinde einfach überrennen.

Ähnlich einem "Tower Defense"-Spiel könnt ihr die möglichen Wege, die die Zombies einschlagen, auf einem Radar beobachten. Die erste Welle besteht nur aus Standard-Gegnen: Zombies, die mit einer seltsam anmutenden Metallpyramide auf dem Hals anstürmen. Einen Kopf im klassischen Sinne haben sie wohl nicht.

Die zweite Welle bietet Wesen mit kugelförmigem Oberkörper auf. Die stecken einiges mehr an Treffern ein und nutzen ihre größere Körpermasse für verheerende Ramm-Angriffe. Damit aber nicht genug: Die dritte Welle setzt uns schwer gepanzerten Zombie-Soldaten aus, die nochmal ein ganzes Stück mehr an Schaden einstecken können, bevor sie zu Boden gehen.

Zwischen den Wellen erhaltet ihr eine kurze Pause, um euer Lager wieder zu reparieren und mit neuen Verteidigungsanlagen zu versehen. Auch könnt ihr während dieser Zeit Nebenmissionen erledigen. Das alles klingt jetzt nach einer wilden Schießerei, die jedoch durch die relativ begrenzt vorhandene Munition durchaus taktisch und zielgenau angegangen werden sollte. Die erwähnten Nebenmissionen bescheren euch mitunter frische Munition, die per Kiste im Lager erscheint. In der angespielten Version befindet sich darin jedoch nur Munition für maximal zwei Kämpfer. Hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So kann es durchaus vorkommen, dass ihr fleißig an der Erfüllung einer Nebenmission beteiligt wart, jedoch dafür keinerlei Belohnung erhaltet. Alternativ lässt sich aber Munition neben anderen feinen Sachen an einer Werkbank herstellen, wenn ihr die entsprechenden Zutaten auftreiben könnt.

In einer Mission haben wir kleine Walker freigespielt, die an die AT-ST aus den "Star Wars"-Filmen erinnern. Sehr cool: Ihr könnt darauf reiten, mit den fest montierten Gatling-Guns ordentlich austeilen und noch dazu über am Boden liegende Zombies latschen, um Munition zu sparen.

Der Gesamteindruck

Das Spiel scheint stark darauf ausgelegt zu sein, immer mehr Items und Ausrüstung sowie neue Kleidung zu sammeln und zu "craften". Die Charakterentwicklung besteht aus dem Hochleveln von allerlei Attributen. Im angespielten Abschnitt lässt der Generator nach der dritten Welle massig Items vom Himmel regnen. Darunter befinden sich auch neue Crafting-Rezepte für Ausrüstung und Munition.

Jetzt geht's ab! Eure Zäune werden nicht ewig gegen die anstürmenden Horden bestehen können.Jetzt geht's ab! Eure Zäune werden nicht ewig gegen die anstürmenden Horden bestehen können.

Der Spielablauf in den Action-Abschnitte erinnert tatsächlich stark an bekannte Horde-Modi und Tower Defense mit aktuell noch dezent umständlicher beziehungsweise überladener Steuerung (die in den Basics auch sehr an die Steuerung in Phantom Pain erinnert). Zumindest am Anfang gibt es eine etwas überfordernden Fülle an Items und Aktionsmöglichkeiten.

Auch das System, dass ihr in einer Nebenmission außerhalb des Generator-Lagers eine Munitionskiste findet, diese dann aber IM Lager erscheint, während ihr selbst noch auf dem Weg zurück seid, wirkt nicht unbedingt logisch.

Die drei Angriffswellen müssen übrigens nicht komplett ausgelöscht, sondern nur jeweils eine bestimmte Zeit lang überlebt werden. Nach Ablauf dieser Zeit fallen alle übrigen Gegner einfach (endgültig) tot um. Ob dieser Umstand der Demo geschuldet ist, damit vorgegebene Anspiel-Abschnitte nicht überzogen werden, ist nicht bekannt.

Fazit: Trotz aller Kritik an der Verwendung der "Metal Gear"-Marke für ein Spiel, das eher vom typischen Stealth-Genre abweicht, könnte es durchaus im fertigen Stadium eine recht unterhaltsame Angelegenheit werden. Viel von "Metal Gear" war außer dem Namen in der angespielten Demo ohnehin nicht mehr zu erkennen. Bezüge gab es tatsächlich lediglich in Hinblick auf die negativen Aspekte, wie zum Beispiel die überladene, nicht sonderlich zugängliche Steuerung und nicht erklärte, beziehungsweise stark aus dem Rahmen fallende Spieleelemente (warum regnet es da plötzlich Items vom Himmel? Warum erscheint einfach so aus dem Nichts eine Munitionskiste, die ganz woanders gefunden wurde?). Noch ist es aber wohl zu früh, beziehungsweise haben wir zu wenig gesehen, um wirklich ein Urteil fällen zu können.

Tags: E3 2017   Multiplayer   Horror  

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