Test Valkyria Revolution: Entgegen den Erwartungen

von Michael Krüger (27. Juni 2017)

Mehr Fantasy, weniger Pathos, dafür kräftigere Farben. Viel erinnert in Valkyria Revolution nicht mehr an den Vorgänger. Doch solange das nicht den Spaß betrifft, dürfte ja alles in Butter sein.

Hierzulande oft als Geheimtipp gehandelt, spielt Valkyria Chronicles vielleicht nicht bei den ganz Großen mit, doch verfügt es durchaus über eine solide Fan-Gemeinde. Besonders das originelle Kampfsystem und die unverbrauchte Optik machen schon länger Lust auf eine Fortsetzung.

Doch Valkyria Revolution, das jetzt für PlayStation 4 und Xbox One erhältlich ist, gibt sich nicht einfach mit den Errungenschaften des Vorgängers zufrieden und möchte stattdessen etwas mehr von allem. Da wird das Szenario einfach mal grunderneuert und die Spielmechaniken gleich mit. Nun wird sich zeigen, ob diese Änderungen sich bewähren.

Viel zu erzählen

Fünf vermeintliche Verräter, ein komplexer und vor allem nicht enden wollender Krieg und jede Menge Gespräche. Unabhängig von den Geschehnissen in Valkyria Chronicles setzt auch Valkyria Revolution auf eine romantische Fantasy-Version des zweiten Weltkriegs, entrückt diesen allerdings noch weiter durch die Zugabe von Steampunk-Elementen. Die Handlung ist soweit ganz spannend, solltet ihr euch gerne mit taktischen Entscheidungen und politischen Diskussionen fiktiver Figuren beschäftigen. Das mag jetzt etwas hölzern klingen, doch genau so präsentiert sich Valkyria Revolution über weite Strecken.

Bewegungslose Szenen wie diese können schon einmal eine Weile andauern.Bewegungslose Szenen wie diese können schon einmal eine Weile andauern.

Anstelle aufwändiger Zwischensequenzen betrachtet ihr oftmals über lange Szenen hinweg steife Aufnahmen von Regungslosigkeit geprägter Gespräche. In der Regel bewegen die Figuren nicht viel mehr als ihre Lippen. Das passt natürlich zur Aquarell-Optik von Valkyria Revolution, die einer Visual Novel durchaus schmeichelt, doch so richtig unterhaltsam ist es irgendwie nicht. Etwas mehr schauspielerische Leistung der Akteure wäre der Übermittlung von Emotionen sicher zuträglich.

Der Aufbau des weiteren Spiels zündet ebenfalls nur schwer. Zwischen den erzählungsrelevanten Missionen lauft ihr durch ein begrenztes Areal einer Stadt, wo ihr in Geschäften neue Items und Ausrüstungsgegenstände erwerbt oder in der Zentrale Verbesserungen an euren Kämpfern auswählt. Diese Mechanik ist zweckmäßig, hält sich in Sachen Unterhaltungswert allerdings, wie die Handlung, eher bedeckt. Die Stärken des ersten Teils scheinen auch hier nur bedingt durch.

Vom Vorgänger kaum eine Spur

Wann immer ihr jemanden fragt, warum ihm Valkyria Chronicles gefällt, wird er vermutlich davon berichten, dass die Mischung aus Taktik und Action nicht nur außergewöhnlich gelöst, sondern auch unterhaltsam ist. Denn spielerisch verfügt Valkyria Chronicles über eine ganze Reihe charakteristischer Merkmale. Hier sticht besonders die Mischung aus rundenbasierten Kämpfen und Echtzeit-Schusswechseln hervor.

Die Kämpfe wirken häufig unkoordiniert.Die Kämpfe wirken häufig unkoordiniert.

Doch anstatt dieses System zu übernehmen und weiter zu verfeinern, setzt euch Valkyria Revolution etwas Neues vor. Hier läuft nun alles in Echtzeit ab und ihr bewegt euch frei über das Schlachtfeld. Jede Aktion verbraucht so etwas wie Ausdauer, wodurch ihr immer wieder auf den erlösenden Schriftzug "Ready" wartet. Taucht dieser auf, holt ihr zum Nahkampf aus oder wählt aus einem Menü eine Aktion. Hierfür pausiert das Spiel.

Über das Auswahlmenü stehen euch diverse Zauber und Spezialattacken zur Verfügung. Auch der Griff zum Gewehr ist hier möglich, wodurch wenigstens ein paar Details an den Vorgänger erinnern. Richtig zielen müsst ihr allerdings nicht. Ihr wählt im Grunde nur das Ziel an, woraufhin eure Figur automatisch schießt.

Klingen die Kampfmechaniken jetzt furchtbar umständlich, hat das durchaus einen Grund. Ständig lauft ihr unnötig in der Gegend herum und blockt Angriffe, nur um Zeit bis zu eurem nächsten Angriff verstreichen zu lassen. Das fühlt sich nicht so beabsichtigt an. Durch die häufigen Unterbrechungen und das unausgegorene Deckungssystem will einfach kein anständiger Spiel-Rhythmus entstehen. Vielmehr hangelt ihr euch von Gegner zu Gegner. Und das fühlt sich überhaupt nicht nach taktischem Vorgehen an.

Eine Sache übernimmt Valkyria Revolution dann aber doch noch aus dem Vorgänger. Die Optik eines bewegten Aquarell-Gemäldes. Das passt auch hier wunderbar und versprüht eine gewisse Romantik. Diese Eindrücke werden allerdings gerne einmal von heftigem Kantenflimmern unterbrochen. Zumindest die getestete Version für Xbox One ist hiervon betroffen. So bleiben auch die ästhetischen Aspekte des Spiels nicht ohne Kritik.

Meinung von Michael Krüger

Hat euch Valkyria Chronicles gefallen und ihr wollt mehr davon, wird euch Valkyria Revolution vermutlich bitter enttäuschen. Dass im Titel überhaupt Valkyria steht, liegt vermutlich nur noch an der Gestaltung und dem groben erzählerischen Rahmen. Doch selbst letzterer erinnert eher entfernt an das, was den Vorgänger so besonders gemacht hat. Immerhin hatte die darin gezeigte Fantasy-Version des Zweiten Weltkriegs einen ganz unverkennbaren Charme. Diesen ersetzt der neue Ableger durch eine recht verbrauchte Mischung aus Fantasy und Steampunk.

Auch spielerisch erinnert kaum noch etwas an den ungewöhnlichen ersten Teil. Zwar zeugen die Spielmechaniken von Valkyria Revolution von Ideenreichtum, doch die Gesamtkonzeption ist nicht unbedingt zugänglich. Damit platziert sich die Reihe weiter in einer Nische, die in erster Linie für hartgesottene JRPG-Fans attraktiv ist. Dieser Umstand wird auch durch die fehlende deutsche Lokalisierung noch einmal unterstrichen.

62

meint: Gewöhnungsbedürftige Spielmechaniken und ein loser Bezug zum Vorgänger erschweren den Zugang unnötig. Dadurch geizt das Spiel an Höhepunkten.

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Tags: Singleplayer   Fantasy  

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