Test Black The Fall: Spannende Traumaverarbeitung

von Michael Krüger (10. Juli 2017)

Einheitskleidung für alle. Arbeit nach Stechuhr. Im Gleichschritt in Richtung Austauschbarkeit. Willkommen in der dystopischen Welt eines kommunistischen Regimes.

Es gibt viele Möglichkeiten, persönliche Themen und Dramen aufzuarbeiten. Eine Möglichkeit nutzen die Entwickler von Black The Fall. Mithilfe von spielbaren Eindrücken soll die Tragik der kommunistischen Unterdrückung, unter der Rumänien über Jahrzehnte hinweg litt, verständlich und greifbar werden.

Kein leichtes Unterfangen, wie auch die Entwicklung des Spiels deutlich macht. So wurden frühe Konzepte wieder über Bord geworfen und sogar am Genre des Spiels geschraubt. Ständig mit dem Fokus darauf, möglichst bleibende Eindrücke zu hinterlassen, die den Blick für Ungerechtigkeiten schärfen, die auch heute noch an manchen Orten auf der Welt zur Tagesordnung gehören.

Ein durchaus tragisches und schwermütiges Thema, das vor allen anderen Dingen Fingerspitzengefühl erfordert. Immerhin wollen alle Aspekte der Unterdrückung bedacht und vor allem so verpackt werden, dass sie zwar spürbar sind, doch dabei auch verdaulich bleiben. Schließlich haben wir es hier immer noch mit einem Spiel zu tun, das letzlich auch ein Publikum finden muss.

Menschliche Abgründe

Eigentlich sollte Black The Fall ein monochromes Schleich-Spiel werden. Doch als die Entwickler merkten, wie viel sie über die Unterjochung des Volks während des kommunistischen Regimes in Rumänien zu berichten haben, entschieden sie sich für einen kleinen Kurswechsel. Die Farbpalette wurde erweitert und der spielerische Fokus auf Plattform- und Rätsel-Passagen gelegt.

Immer wieder vermischen sich Eindrücke der realen Welt mit Spiel-Phantasie.Immer wieder vermischen sich Eindrücke der realen Welt mit Spiel-Phantasie.

Ihr schlüpft in die Rolle von einem Fabrikarbeiter namens Black, der sich aus der Maschinerie der Unterdrückung löst und einen Fluchtversuch wagt. Die meiste Zeit führt euer Weg von links nach rechts, durch immer gefährlichere Abschnitte. Arbeit am Fließband, Menschen als Rohstoff und die allgegenwärtige Bereitschaft, euer Leben jederzeit zu beenden. Das sind nur ein paar der Eindrücke, die euch schon früh erwarten.

Die Symbole und Bilder zeichnen deutlich ein mahnendes Bild von Unterdrückung und aufgezwungener Konformität. Eben genau die Eindrücke, die Geschichtsbücher über den Kommunismus häufig vermitteln. Das Besondere an den spielerischen Erlebnissen ist die emotionale Kälte, die eurer Figur - und damit auch euch - immer wieder begegnet. Ihr seid nicht viel mehr als eine Ressource und werdet bei Zuwiderhandlung schnell und konsequent beseitigt.

Kopfnüsse die im Kopf bleiben

Ähnlich wie ihr es vielleicht aus Spielen wie Limbo kennt, bewegt ihr euch in Black The Fall meist von einem Bildschirmrand zum nächsten und gelangt so zu weiteren Rätseln. Während diese zu Beginn lediglich ein wenig Timing erfordern, verlangen sie euch im späteren Verlauf schon mehr Konzentration ab. Dabei ist die Lösung meistens allerdings relativ einfach.

Eindeutige Hinweise erhaltet ihr im Verlauf des Spiels nur ganz selten.Eindeutige Hinweise erhaltet ihr im Verlauf des Spiels nur ganz selten.

Höchstens wenn ihr einmal nicht gleich erkennt, dass ein bestimmter Gegenstand interaktiv ist, werdet ihr wohl mehr als einen Versuch benötigen - ein paar wenige knackige Stellen ausgenommen. Schlimm ist das nicht, denn auch wenn viele der Aufgaben nicht unbedingt schwierig sind, so passen sie doch richtig gut in die Spielwelt und liefern einen gewissen Unterhaltungswert, wenn man das in diesem Zusammenhang so nennen mag. Ein paar der Ideen sind sogar so gut, dass sie auch nach dem Spiel im Gedächtnis bleiben.

In der Ruhe liegt die Kraft

Hier und da transportieren die Spielmechaniken auch bestimmte Emotionen. Diese werden durch die dystopischen Szenarien unterstrichen, die sich auf die vollständige Reduktion von Menschen als Arbeitskraft fokussieren. Black The Fall ist insgesamt ein ruhiges Spiel und schafft es genau aus diesen leisen Tönen eine schwermütige und ergreifende Stimmung zu erzeugen. Es ist erstaunlich, wie viel Tragik im Geräusch des Nachladens eines Maschinengewehrs liegen kann.

Meinung von Michael Krüger

So abstrakt Black The Fall streckenweise ist, so greifbar erscheint das Drama der übermittelten Bilder zuweilen. Ohne große Worte zu verlieren, erzählt Black The Fall seine Geschichte ruhig und bedacht, was eine schöne Analogie zu den Schritten des Protagonisten darstellt. Der Weg ist dabei leider recht kurz. Nach zirka drei bis vier Stunden ist die Reise schon vorbei.

Was ihr bis dorthin erlebt ist sehenswert und unterhaltsam. Wie genau die Bilder tatsächliche Ereignisse spiegeln, lässt sich schwer sagen, doch im Großen und Ganzen scheint die Thematik passend und ansprechend dargestellt. Black The Fall vermittelt auf clevere Art und Weise eine ungewöhnliche Gefühlskälte, wodurch es sich bis zuletzt originell anfühlt.

78

meint: Originelle Rätsel und schwermütige Eindrücke prägen den unterhaltsamen, wenn auch etwas kurzen Weg durch ein weiteres dunkles Kapitel der Menschheit.

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Tags: Singleplayer  

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