Test Die Säulen der Erde - Aus der Asche: Literarisches Meisterwerk zum Durchklicken

von Emily Schuhmann (01. August 2017)

Wen hunderte Seiten Lesestoff abschrecken und auch die filmische Adaption nicht reizt, für den gibt es jetzt eine weitere Möglichkeit den Roman "Die Säulen der Erde" zu erleben.

Als Bastei Lübbe 2014 einen Großteil von Daedalic aufkaufte, hatten viele Fans der Abenteuerspiele aus Hamburg ein großes Fragezeichen im Gesicht. Was hatte der Verlag mit dem Entwicklerstudio vor? Antwort: Gemeinsam haben sie eines der populärsten Bücher der Welt in ein Videospiel umgewandelt. Der 1.200 Seiten dicke Historienroman von Ken Follett hat seine Faszination auf die Menschen bis heute nicht verloren. Voraussichtlich am 15. August erscheint darauf basierend, mit Die Säulen der Erde - Aus der Asche der erste Teil einer Spiele-Trilogie für PC, Mac und iOS.

Schauplatz ist England im zwölften Jahrhundert, und Autor Follett wie auch die Entwickler bei Daedalic romantisieren die miserablen Lebensumstände der Zeit nur begrenzt. Mittelpunkt der Geschichte ist die Stadt Kingsbridge und der Bau der prunkvollsten Kathedrale, die das Land je gesehen hat.

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Im Spiel schlüpft ihr in verschiedene Rollen, die denjenigen die das Buch gelesen haben, bekannt vorkommen sollten. Die in Ungnade gefallene Adlige Aliena, Baumeisterlehrling Jack und Mönch Philip durchleben ein Abenteuer, wie es im wahrsten Sinne des Wortes im Buche steht. Tatsächlich könnt ihr aber sogar von der niedergeschriebenen Geschichte abweichen, auch wenn die Haupthandlung gleich bleibt.

Ein Männlein steht im Walde

Rotschopf Jack lebt allein mit seiner geächteten Mutter im Wald und kämpft wie die meisten Menschen in der Geschichte ums Überleben. Pech für das Reh, das ihm über den Weg läuft. Statt jetzt Baumharz, Zweige und Steine zusammenzusuchen und diese zu einer Falle zu kombinieren, läuft das Erlegen des Abendessens per Quick Time Event ab. In Telltale-Manier müsst ihr im richtigen Moment klicken und Jack setzt seine Schleuder ein.

Zwar wurde der Denksport nicht ganz abgeschafft, aber oft agiert ihr auch nur per Quick Time Event.Zwar wurde der Denksport nicht ganz abgeschafft, aber oft agiert ihr auch nur per Quick Time Event.

Auch in anderen Bereichen des Spiels weicht Daedalic von dem Muster ab, mit dem sie in den letzten Jahren so erfolgreich waren. Spiele wie Deponia glänzen durch Witz, knifflige Rätsel und Charaktere die in Erinnerung bleiben. Hier müsst ihr auf zwei dieser Dinge größtenteils verzichten. Knobeleien sind eine Seltenheit und zu Lachen gibt es im finsteren Mittelalter auch nichts.

Das bedeutet aber nicht, dass das Spiel nichts taugt, es ist nur anders. In fast 200 handgemalten Umgebungen könnt ihr auf Erkundungstour gehen und die Geschichte selbst erleben. Hilfreich ist dabei die deutsche Vertonung des gesamten Spiels. Unter anderem spricht Erik Range alias Gronkh den Kantor, der im englischen Original vom Autor persönlich gesprochen wird.

Interaktives Bilderbuch

Eine angenehme Neuerung ist das "Gedankenlesen". Wenn ihr etwas erlebt oder entdeckt, folgt keine Rekapitulation des Offensichtlichen, sondern kurze Gedanken des Charakters dazu. Ein Klick auf Mauerüberreste lassen Philip nicht "Das ist eine kaputte Mauer," sagen, sondern erinnern ihn an ein Erlebnis aus der Kindheit.

Aber nicht nur bei den gewohnten Rätseln, sondern auch bei den Dialogen wurde gespart. Und das nicht nur an der Ausführlichkeit eurer Wahloptionen, sondern oft auch an der Zeit. Ohne viel Bedenkzeit müsst ihr euch zum Beispiel schnell entscheiden, ob ihr euer Gegenüber anlügen oder ihm doch die Wahrheit sagen wollt. Das so zusammengestutzte Dialogsystem dürfte auf wenig Gegenliebe treffen

Daedalic scheint sich bewusst zu sein, dass sie bei der Umsetzung eines so bekannten Buches eine gewisse Verantwortung tragen. Der Roman besitzt eine große Fan-Gemeinde und es ist eine Gratwanderung, sowohl Spieler wie auch Leser anzusprechen und so vielleicht neue Fans zu gewinnen. Wer ein Spiel wie Edna bricht aus oder The Whispered World erwartet, ist hier falsch. Wer aber eine fantastisch umgesetzte Geschichte, auf eine ganz neue Weise erleben möchte, der sollte dem ersten Teil der Trilogie definitiv eine Chance geben.

Meinung von Emily Schuhmann

Ich bin eine begeisterte Leseratte. Auch der Wälzer namens 'Die Säulen der Erde' war vor mir nicht sicher und ich habe die Geschichte genossen. Aus diesem Grund war meine größte Angst auch, dass das Spiel nicht mit meinen Vorstellungen der Örtlichkeiten und Charaktere übereinstimmt. Die eigene Fantasie ist schwer zu schlagen, weshalb ich die Mini-Fernsehsendung von 2010 auch nicht umwerfend fand.

Bei Daedalics Umsetzung hatte ich damit überraschenderweise tatsächlich kein Problem, aber wirklich begeistern konnte mich das Spiel dennoch nicht. Der Tanz auf der Rasierklinge sowohl Romankenner wie auch Spieler glücklich zu machen, ist meiner Meinung nach nur halb geglückt. Es ist eine großartige Geschichte, keine Frage. Aber insgesamt hat es sich eher angefühlt als würde ich mich durch ein Bilderbuch klicken als wirklich zu spielen.

72

meint: Sehr schön anzusehende Videospieladaption einer tollen Geschichte, die sich aber eher wie ein virtuelles Bilderbuch anfühlt

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Tags: Episoden  

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