Test Hellblade - Senua's Sacrifice: Die spielgewordene Wikinger-Hölle

von Michael Krüger (08. August 2017)

Nichts für Weicheier! Nach circa drei Jahren Entwicklungszeit präsentiert Ninja Theory euch den irren Leidensweg der jungen Kriegerin Senua - dreckig, düster und gnadenlos!

Nach Spielen wie DMC - Devil May Cry, Heavenly Sword und Enslaved - Odyssey to the West ist es sicher kein Wunder, dass auch das neueste Spiel von Ninja Theory aus der "Third Person"-Ansicht gespielt wird und "Hack and Slay"-Elemente beinhaltet. Dennoch hat Hellblade - Senua's Sacrifice einen ganz eigenen Ton.

Düstere und schwermütige Bilder erzählen eine Geschichte, deren Ernsthaftigkeit euch bereits nach den ersten Minuten schwer im Magen liegt. Hellblade - Senua's Sacrifice erscheint für PS4 und PC und schickt euch auf eine Reise in eine verworrene und vor allem gestörte Psyche. Doch das ist nicht alles.

Ein ganz böser Trip

Die eigentliche Handlung von Hellblade - Senua's Sacrifice entfaltet sich im Laufe des Spiels. Damit ihr die Geschichte selbst frei von Spoilern erleben könnt, sei nur so viel verraten: Im Zentrum des Geschehens steht die Suche nach innerem Frieden. Dieser wird durch schwere psychotische Störungen ein ums andere Mal erschüttert, was den Geisteszustand der Protagonistin Senua immer wieder auf eine harte Probe stellt.

Spätestens wenn euch Senua direkt in die Augen blickt, spürt ihr das Ausmaß ihrer Psychose.Spätestens wenn euch Senua direkt in die Augen blickt, spürt ihr das Ausmaß ihrer Psychose.

Elemente nordischer Kulturen zieren die ansonsten weitestgehend aus Natur bestehende Spielwelt. Was auch immer hier geschehen ist, das Leben glänzt durch Abwesenheit und egal, wohin ihr seht, ihr findet nur Verderbnis und Tod. Das mag nicht besonders heiter und lustig klingen, was den Nagel ganz gut auf den Kopf trifft. Die Spielerfahrung grenzt häufig an einen wahr gewordenen Alptraum, aus dem es kein Entrinnen gibt. Ausweglosigkeit ist ein wichtiges Element von Hellblade - Senua's Sacrifice.

Spannend ist vor allem die Erzählweise. Denn sowohl die inneren und äußeren Monologe von Senua als auch die vielen Stimmen in ihrem Kopf begleiten euch so gut wie immer. Dadurch entfaltet sich so mancher Hintergrund und gleichzeitig bekommt ihr einen deutlich spürbaren Eindruck davon, wie viel Schmerz und Verzweiflung in der jungen Protagonistin stecken. Definitiv keine leichte Kost, doch in jedem Fall erlebenswert.

Bis auf die Knochen

In eine Schublade lässt sich Hellblade - Senua's Sacrifice nur schwer stecken. Hauptsächlich erforscht ihr die meist lineare Spielwelt. Abseits der grausamen Bilder könnte es daher durchaus als Wandersimulation der Marke Firewatch oder Gone Home bezeichnet werden. Doch dafür ist Hellblade - Senua's Sacrifice einerseits zu düster und andererseits gesellen sich immer wieder andere Spielmechaniken hinzu. Umgebungsrätsel spielen zum Beispiel eine recht wichtige Rolle. Deren Schwierigkeitsgrad ist moderat und hält euch selten länger als notwendig auf.

Tore wie diese sind ein wichtiger Bestandteil der teilweise ungewöhnlichen Rätsel.Tore wie diese sind ein wichtiger Bestandteil der teilweise ungewöhnlichen Rätsel.

Wirklich herausfordernd sind die Kämpfe. Kommt es zu einer Auseinandersetzung mit einem Feind. sind euch heftige Adrenalinschübe sicher. Nicht nur die Tatsache, dass die Gegner in der Regel fast doppelt so groß wie ihr sind sorgt beizeiten für schweißnasse Hände. Oftmals seid ihr nämlich in der Unterzahl und dürft euch gleich gegen mehrere der ohnehin schon heftigen Wesen zur Wehr setzen. Da das Spiel euch gleich zu Beginn mitteilt, dass ein endgültiger Tod und damit ein Neubeginn des Spiels ein Thema ist, sind die Kämpfe umso brisanter und jeder Fehlschlag schmerzt ordentlich. Aber Vorsicht: Wie mittlerweile bekannt ist, ist der "Permadeath" in Hellblade vielleicht gar nicht vorhanden. Die Meldung soll euch wohl nur die Dringlichkeit eurer Lage vermitteln. Wir gehen der Sache mal auf den Grund und halten euch auf dem Laufenden.

Sind euch die Begegnungen mit den maskierten Monstern nicht gruselig genug, seid euch sicher, dass Ninja Theory noch einige Asse im Ärmel hat, um eure Buchsen so richtig schön voll zu kriegen. Besonders ab der Hälfte zeigt sich Hellblade - Senua's Sacrifice nämlich von einer unerwartet abwechslungsreichen und horrorlastigen Seite, die euch auf schmerzhafte Weise klar macht, dass Licht und Schatten oft nahe beieinander liegen.

Das gilt zum Teil aber auch für die Umsetzung. Betrachtet ihr Hellblade - Senua's Sacrifice aus technischer Sicht, gibt es trotz des unglaublichen Motion Capturings und den grandiosen Gesichtsanimationen kleinere Mängel, wie ausgefranste Kanten und Framerate-Einbrüche. Doch ganz ehrlich: Angesichts der umwerfenden Gestaltung seht ihr darüber leicht hinweg. Optisch und akustisch ist Hellblade - Senua's Sacrifice nicht nur aus einem Guss, es ist durchweg stimmig komponiert und präsentiert euch eine Atmosphäre, die so dicht ist, dass ihr sie nicht einmal mehr schneiden könnt. Die handlungsrelevanten Themen brechen immer wieder mit einer Bildgewalt auf euch herein, die dort trifft, wo es wehtut. Der Leidensweg, den ihr in Hellblade - Senua's Sacrifice beschreitet, ist intensiv und bewegend, was sowohl am Design als auch an der Schauspielerin Melina Jürgens liegt, die Senua durchweg glaubwürdig verkörpert.

Meinung von Michael Krüger

Ob mich Hellblade - Senua's Sacrifice erfreut, kann ich nur schwer beantworten. Was ich mit Sicherheit sagen kann: Es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die meiste Zeit über leide ich mit Senua, ohne immer genau zu wissen, warum eigentlich. Die Hoffnung auf Ruhe und Frieden wird während des Spielverlaufs auch in mir stärker, so dass jegliche Fehlschläge eine Wirkung über den Bildschirm hinaus erzielen. Dafür habe ich großen Respekt vor Team Ninja.

Doch ich bin mir auch bewusst darüber, dass ich zu einem anderen Zeitpunkt womöglich ein ganz anderes Empfinden gehabt hätte. Denn Hellblade - Senua's Sacrifice ist irre anstrengend. Das ist aber auch positiv zu verstehen, denn immerhin transportiert es genau aus diesem Grund das Leid und die inneren Konflikte von Senua so präzise. Auf der anderen Seite wird es dadurch sicher nicht jeden begeistern. Und da die Vertonung nur auf Englisch vorhanden ist, schließt es wohl weitere Spieler aus. Die Stimmen in Senuas Kopf zu verstehen, macht nämlich einen wichtigen Teil des Spielerlebnisses aus.

Steht ihr auf Herausforderungen und befasst euch hin und wieder gerne mit menschlichen Abgründen, kommt ihr voll auf eure Kosten. Emotional gestört und zeitweise verdammt gruselig erzählt Hellblade - Senua's Sacrifice eine Geschichte, die ebenso verdreht und abartig wie faszinierend ist.

81

meint: Mutig, außergewöhnlich, verstörend und nichts für schwache Nerven - Ein unvergesslicher Höllentrip, der allerdings nicht gerade leicht bekömmlich ist.

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Tags: Singleplayer   Horror   Indie  

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