Electronic Arts lobt Europa: Kreativere Entwickler als in den USA

von Josef Dietl (11. Dezember 2007)

Europäische Entwickler von Videospielen sind kreativer als ihre amerikanischen Kollegen. An sich nichts Verwunderliches, aber als Feststellung eines Sprechers des amerikanischen Entwicklers und Publishers Electronic Arts dennoch eine Überraschung. Nick Button-Brown, Leiter der Abteilung für Geschäftsentwicklung beim kalifornischen Konzern äußerte sich dementsprechend in einem Interview mit dem Kollegen von Gamesindustry.biz. Seiner Meinung nach sei man auf amerikanischer Seite so sehr auf monetäre Ziele fixiert, dass man nicht bereit ist die für Innovationen nötigen Risiken einzugehen:

"In Europa ist wesentlich mehr Kreativität als in Amerika vorhanden. Die Amerikaner sind stets darauf bedacht ihre Ablaufprozesse zu optimieren und denken immer ans Geld. Auf diese Weise nimmt man dann weniger echte Chancen wahr und versorgt die US - Entwickler dennoch mit vielen Mitteln. Klar, weniger Chancen heißt auch, dass weniger Fehler auftreten, aber ich habe noch nie gesehen, dass die USA mit einem Spiel wie Grand Theft Auto aufwarten konnten."

Als einen der größten Vorteile von europäischen Entwicklern sieht er die Mischung aus zahlreichen, verschiedenen Kulturen. Auf diese Art bauen die Personen interkulturelle Kompetenz auf und können zahlreiche, unterschiedliche Ideen für Innovationen sammeln:

"In Europa gibt es eine Menge wirklich guter Entwickler und alle bringen die verschiedensten Aspekte in ihre Arbeit ein. Besonders die großen kulturellen Unterschiede und die Bereitschaft der einzelnen Personen, ihr Potential auszuschöpfen, tragen dazu bei. Und es sind wirklich viele Studios multikulturell. Schauen sie sich nur einmal Crytek mit ihrem 27 verschiedene Sprachen vereinenden Mitarbeiterstab an. Dort schafft man es interessanterweise auch viele verschiedene Ansichten und Ideen in das Studio einzubringen, unter anderem mit großem Einfluss von Ost - Europa. Das bietet einem einen wirklich umfangreichen Erfahrungsschatz, aus dem man schöpfen kann."

Nicht nur die Tatsache der nationalen Herkunft der Person, die diese Aussagen getroffen hat, überrascht, sondern auch die Zugehörigkeit zum Unternehmen Electronic Arts. Die Zugehörigkeit zu einem Publisher und Entwickler, der eher den Ruf geniest, Software für die breite Masse an Spielern herzustellen. Ob man aus diesen Aussagen auf eine Kehrtwende in der Firmenpolitik schließen kann, bleibt abzuwarten, die neuerliche Zusammenarbeit mit dem deutschen Studio Crytek lässt zumindest Ähnliches vermuten.

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