Die Zukunft von Halo und KIs: Bungie-Entwickler im Interview

von Falko Sczendzina (26. Februar 2008)

Jörg Langer hat auf der Games Developers Conference mit Bungies Chefentwickler Chris Butcher gesprochen. Dabei ging es nicht nur um kategorische Entwicklungsprozesse, wie den qualitativen und quantitativen Arbeitsaufwand bei der Entwicklung von Grafiken und Künstlichen Intelligenzen, sondern auch die Zukunft des Halo-Universums im Hause Bungie.

Zu Beginn des Interviews stellt Butcher klar, dass man bei Bungie zwar Stolz auf Halo 3 und dessen Vorgänger sei, aber sich auch genauso für die vor dem Jahre 2000 erschienenen Spiele wie Myth begeistere. Genauso froh sei man daher auch auf die besondere "Bungie-Kultur", die sich seit der Trennung von Microsoft verstärkt weitentwickele.

Anschließend geht Butcher auf das zentrale Problem der aktuellen Spieleindustrie ein: "Wenn die Projekte immer größer werden, ist es unvermeidlich, dass der kreative Einfluss jedes Individuums immer kleiner wird." Dem gegenüber stehen Bungies Bemühungen, "die Produktion zu unterteilen und klein anzufangen: Am Anfang reichen kleine Teams. Wir [...] lassen viele Dinge ein wenig vage. Das erlaubt es den Teammitgliedern, ihre eigenen Ideen einzubringen. Und es ist auch gut für unsere Fans: Indem nicht alles in der Halo-Welt in Stein gemeißelt ist, können die Designer und Spieler sich selbst die Details ausmalen [...]. Wir versuchen außerdem, in kleinen Gruppen zu arbeiten, wo immer möglich."

Kurz darauf beschreibt Butcher die Prinzipien der Entwicklerschmiede. Demnach käme es nämlich nicht darauf an, dass man große Marken bis auf den letzten Tropfen ausmelke, sondern immer neue Richtungen und Visionen einschlage. Dennoch wolle man weiter am Halo-Universum festhalten, das, auch wenn die Geschichte des Master Chiefs erzählt sei, noch viele interessante Erzählungen bereit halte.

Den Großteil des Gesprächs wird dem Entwicklungsprozess heutiger Spiele am expliziten Beispiel von Halo 3 gewidmet. So berichtet Butcher, dass bei Bungie ein KI-Master vom MIT arbeite, der dem Team experimentelle Tools zur Arbeit mit KIs aus seinem Fachgebiet "Synthetische Personen" bereit stelle. Doch trotz der Arbeit von Experten stünden Künstliche Intelligenzen immer noch am Anfang ihrer Möglichkeiten und KI-Charaktere hätten noch immer begrenzte Interaktionsmöglichkeiten mit dem Spieler. Dennoch seien die Leistungen der KIs so groß, dass sie trotz allem 60 bis 70 Prozent der Rechenleistung eines Prozessors benötigten, obwohl sie nur wenige Datensätze benötigen. Denn KIs brauchen eine Menge Sourcecode, während der Grafikbereich davon nur wenig benötige, der aber wegen seines Datenbedarfs an Bildern und Animationen auch einen gesamten Prozessor beschäftige. Dabei sei der Bereich einer KI, der Entscheidungen trifft, relativ klein, aber da KIs enorm viele Informationen sammeln, um diese Entscheidungen zu treffen, würden sie so mehr als 20 Prozent des gesamten Halo 3-Quellcodes ausmachen. Für die Zukunft wünscht sich Butcher aber keine Weiterentwicklung der KIs, sondern eine Verbesserung des Zusammenspiels von KI, Grafik und Dialogen, um für den Spieler eine stärkere emotionale Erfahrung zu schaffen.

Das gesamte Interview findet sich bei den Kollegen von Golem.de.

Chris Butcher, der Senior Engineer beziehungsweise leitender Ingenieur bei Bungie ist, führte auf der Games Developers Conference außerdem einen Vortrag über den Matchmaking-Vorgang bei Halo 3. Dabei vermittelte er Entwicklern anderer Mehrspielertitel, wie Bungies System der Spielersuche funktioniert und welche Vorteile es gegenüber anderen Systemen habe. Dieser Vortrag sollte die Entwickler dazu anregen, dass diese mit ihren eigenen Projekten Online-Mehrspieler-Umgebungen wie Xbox Live weiterentwickeln.

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