Kulturrat über Killerspiele: Nur Missbrauch für Wahlkampf

von Josef Dietl (03. September 2008)

Der Deutsche Kulturrat wirft der Union den Missbrauch der "Killerspiel"-Debatte für Wahlkampfzwecke vor. Nachdem der bayrische Innenminister Joachim Herrmann, wie wir berichtet haben, gestern zu einer Veranstaltung zur Unterstützung der Verbotsinitiative geladen hatte, hat man diese beim Dachverband heftig kritisiert und als "einen schlechten Running Gag in Wahlkampfzeiten" bezeichnet.

Laut dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, liege es der Union nicht an einer sinnvollen Regelung beim Umgang mit Spielen, die Gewalt beinhalten, sondern allein daran, die Thematik vor den eigenen, politischen Karren zu spannen:

"Sowohl in der Politik als auch in den Verbänden bestand Einvernehmen, dass die Kraft besser in die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie in die Auszeichnung guter Computerspiele gesteckt werden sollte, statt in einen Verbotsaktionismus zu verfallen... Anerkanntermaßen hat Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten besonders strikte Jugendschutzregelungen und das ist auch gut so. Handlungsbedarf besteht darin, gewaltfreie, anspruchsvolle Computerspiele stärker bekannt zu machen. Der geplante Deutsche Computerspielepreis der Bundesregierung zielt genau in diese Richtung und ist daher eine positive Maßnahme. Dem Vernehmen nach bemüht sich gerade die Bayerische Staatsregierung besonders darum, dass der Preis in München verliehen wird. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach dem Verbot von Computerspielen ein schlechter bayerischer Running Gag in Wahlkampfzeiten."

In Anbetracht derartiger Äußerungen von höchster, kultureller Ebene, erscheint es nicht verwunderlich, dass Politiker, insbesondere die aus den Reihen der Union, im Zusammenhang mit der "Killerspiel"-Debatte einen mehr als zweifelhaften Ruf genießen.

Erst im Jahre 2007 forderte der Kulturrat eine sachliche Diskussion über Killerspiele, und warnte davor in dieser Diskussion über das Ziel hinauszuschießen. Seit kurzem erst befindet sich auch der Verband von Spiele-Entwicklern in den Kreisen des Kulturrates. Auf der Versammlung bezeichnete der Innenminister Killerspiele als Machwerke von abstoßender Brutalität und Grausamkeit - was natürlich weit über das Ziel hinausschoss.

Wir danken Andreas Kleinsteuber für seine Unterstützung bei diesem Artikel.

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